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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1886-11-06 · Heft 35 (6.11.1886) · p. Seite 6

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
6 (1886)
Issue
Heft 35 (6.11.1886)
Date
1886-11-06
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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© Kremster. (Orig.-Corresp.) Bei der Jubiläumsfeier des Kari diu als Fürstenberg erschien auch der Cultusvorstand als Deputation, und hielt Dr. Frankl folgende Ansprache: ,Als junger Priester der Religion, welche zuerst das 50. Jahr für heilig und jobel erklärte, bringe ich Euer Eminenz zum 50jährigen Priesterjubilaum die Segnungen unserer Grmeinde dar, welche Ihnen, dem Friedensfürsten, dem ehemaligen Schutzherrn, das einträchtige Zusammenleben mit den Mitbürgern verdankt. Gott hat zu den drei Kronen, welche Ihr Haupt schmücken, die der Gelehrsamkeit, des Priesterthnms und des Fürstenthums, auch noch die des Greisen alters hinzugefügt. Mögen Sie diese herrliche Zierde noch recht lqnge tragen, gleich Moses, ungetrübten Blickes und ungeschwachter Kraft bis zur letzten Stunde bleiben. Au unserem heutigen Palmfeste wünsche ich Ihnen die Erfüllung des Psalmspruches: ,Der Gerechte blüht gleich der Palme, wie die Ceder des Libanon wächst er, noch im hohen Alter sprosst er, bleibt stets saftvoll und grün Amen.' —Darauf antwortete der Cardinal: ,Mit dem Grünen, mein lieber Freund, geht eS schon schwer in diesen späten Jahren. Doch wenn es Gottes Wille ist, möge er Ihre Wünsche erfüllen. Ich danke Ihnen vom Herzen." — Am folgenden Tage erkundigte sich der Cardinal durch seinen Kammerdiner nach der Wohnung des Rabbiners und nach dessen Geburtstage. Zu einer ihm zu Ehren gegebenen Festvorsteüung wurde auch der Rabbiner sammt Gattin geladen. Mubape/k, 2. November. Am 29. v. M. erkrankte die Gattin des Rabbi» rs -der israel. Gemeinde in Trencsin plötzlich und verfiel alsbald in Bewusstlosigkeit, aus welcher sie innerhalb mehrerer Stunden nicht erwachte. Schließlich wurde sie von den Aerzten für todt erklärt. Der Tag der Bestattung wurde für Sonutag Vormitags bestimmt, da nach den Gebräuchen der jüdischen Religion eine Beerdigung am Samstag unstatthaft ist. In der Nacht von Freitag auf Samstag hörte die in einem Nebenzimmer befindliche Todtet.wächterin aus dem Zimmer, in welchem die Todte aufgebahrt tag, ein schwaches Stöhnen dringen; sie blickte durch die Thüre und bemerkte, wagen nach der Gouvernements-Hauptstadt befördert werden, um von da, dem Sammelplätze der aus dem ganzen Gouvernement herbeigebrachten Kinder, den Marsch nach der Taufende von Werst entfernten Colonie anzutreten. Aber Pelze und Vorspann waren nur auf dem Papier vorhanden, in Wirklichkeit hatte der verantwortliche Transportsührer vor wenigen Tagen einige hundert Rubel im ,Stoß" verloren oder einen Theil der für den Convoi verrechneten Verpfiegs- und Equipirungsgelder zu anderen ähnlichen Zwecken verwendet, und konnte es ihm ja übrigens vollkommen gleichgiltig sein, ob die armen Geschöpfe einige Wochen früher oder später an Erkältung oder an sonst welcher Krankheit zu Grunde gehen werden. Je näher die Colonne dem Transporthause kam, desto reichlicher stoßen die Lhränen, desto lauter und schauriger durchzitterten die Klagerufe der verzweifelten Eltern die Luft. Der Jammerzug war endlich zum Eingänge des gleichzeitig das Garnisonsgefängnis umfassenden Hauses gelangt, und sofort hatten die Eecorte um die kleine Mannschaft einen dichten, dreifachen Halbkreis gebildet; kein letzter Gruß, kein zärtliches Abschiedswort, nicht Ein flüchtiger Blick mehr war den unglücklichen, in ihrem Seelenschmerze schier vergehenden Müttern gestattet worden. Das Thor des von einem Militär- Cordou umringten Gebäudes wurde den Angekommenen geöffnet und unter grässlichem, weithin gellendem Aufschrei der Zurückgebliebenen wieder geschloffen. Wie für die aus dem Leben Geschiedenen, gab es für die darin gefangenen Kinder kein Wiedersehen, keine Zukunft mehr, sie waren für ihre Eltern gestorben und begraben. . J. L. W. wie die todtgeglaubte Frau sich auf ihrer Bahre aufgerichtet und das Leichentuch von sich gestreift hatte. Die Wächterin rannte schreiend aus dem Zimmer und weckte die Bewohner des Hauses ans dem Schlafe. Diese eilten sofort in das Todtenzimmer, und fanden die vermeintlich Verstorbene bei vollem Bewusstsein. Die unglückliche Frau war von einem starrkrampfähnlichen Zusta nde befallen worden aus welchem sie während der Nacht erwachte. Der Umstand, dass die Beerdigung auf Sonntag verschoben wurde, hat in diesem Falle ein entsetzliches Ereignis verhindert. Die auf so wunderbare Weife gerettete Frau soll sich, obwohl auf's tiefste erschüttert, verhältnismäßig wohl befinden, und man bofft, sie am Leben erhalten zu können. Gran. Die hiesige israel. Gemeinde hat an den Fürstprimas anlässlich seines Jübiläums eine Gratulationsadreffe gerichtet, deren Wortlaut ungefähr folgender ist: .An dem Tage, an welchem Gratulantenschaaren aus dem ganzen Lande vor dem Fürstprimas erscheineu, um ihm den Tribut des Dankes zu entrichten, erlauben sich auch die Vertreter der israelitischen Gemeinde in Gran ihrer Huldi״ guug-und Verehrung Ausdruck zu geben, sowie ihrer Freude darüber, dass die göttliche Vorsehung Se. Eminenz jenes Jahr feiner erfolg- und segensreichen Thätigkeit erreichen ließ, welches nach der heiligen Schrift ein wichtiger Wendepunkt, das Jnbel-Freudenjahr ist. Und es ist wahrhaftig ein Freudenjahr füi das ganze Land. Wohl ist der heutige Tag, als die Jahreswende seiner halbhundertjährigen Priesterschaft in erster Reihe und hauptsächlich ein Feiertag conftffionellen Charakters, aber der Gedanke, das Bewusstsein des gemeinsamen Zweckes der Religionen vereinigt heute fämmtliche Confeffionen des Vaterlandes in gemeinsamer Verehrung für den Mann, der sein ganzes Leben, feine gesammte Kraft und Thätigkeit, seine glänzende Stellung und feinen weitreichenden Einfluss der Vertheidigung und Förderung der Religion und Gottesverehrnng widmet, und hierin seltene, alle Erwartung nbertreffende Erfolge erzielt hat. Deshalb hat die Grauer israelitische Gemeinde nicht gezögert, vor Sr. Eminenz zu erscheinen und Gottes Segen auf sein greises Haupt herabzuflehen, den Allmächtigen bittend, dass er den Fürstprimas bis an die fernste Grenze des menschlichen Lebens bei Kraft und Gesundheit erhalte. Mürnöerg. Donnerstag den 28. Qctober hat Herr Obercantor Rosenhaupt in stiller Bescheidenheit und nur im engsten Familien- und Freundeskreise das fünfnndzwanzigjährige Jubiläum seiner Amtsthätigkeit als Cantor gefeiert. Obwohl er diesen Tag nicht officiell begehen wollte, kamen ihm doch von Seite einer großen Zahl von College» und Freunden Telegramme nnd Glückwünsche zu, die ein beredtes Zeugnis für die Werthschätzung und Hochachtung, deren sich Obercantor Rosenhaupt in diesen Kreisen erfreut, ablegen. Möge es dem jngendfrifchen Jubilar gegönnt sein, sein heiliges Amt noch viele Jahre mit gleicher Schaffensfreudigkeit und ungetrübtem Wohlsein zu versehen. ZLerkin. (Zur Schechitah-Angelegenheit). Die ״Deutsche Fleischer-Zeitg.' veröffentlicht in Nr. 36 ein Gutachten, welches das Lehrercoüegium der Thierarzneischule zu Bern ans Verlangen des Amtgerichtes zu Arwangen erstattet hat. Dasselbe trägt das Datum vom 30. September 1885, die Unterschrift der Herren: O. Rubel!,. Professor E. Heß und Professor Dr. Guillebau, und ist in dem ,Schweizer Archiv für Thierheilkunde" zuerst abgedruckt worden. Es behandelt die Fragen: , 1. Ob das Schächten der Israeliten als Thierquälerei zu taxiren sei, und 2. ob die Anwendung der Matraze zum Fällen der Thiere vor dem eigentlichen Schächtacte und des Genickstiches sogleich nach demselben, den Begriff Thierquälerei für die in dieser Weise verbesserte Schlachtmetbode ausschließe oder nicht". Nach einer auf wiederholter eigener Beobachtung gegründeten Beschreibung des Schächtens, des Niederlegens des Schlachtthieres und des Halsschnittes fahren die-Gutachter fort: ,Nach unseren Wahr-

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