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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1886-11-06 · Heft 35 (6.11.1886) · p. Seite 3

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
6 (1886)
Issue
Heft 35 (6.11.1886)
Date
1886-11-06
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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3 Vereiiisnllchrichten. Sitzungsbericht über die am 3. November stattgefuudene Vorstandssitzung. Tagesordnung: 1. Verificirung des Protokolles der letzten Sitzung. 2. Erledigung der Einläufe. 3. Eventualien. Anwesend: I. Bauer, A. Fischer, C. Grünfeld, S. Hirsch, , M. Peterselka, D. L. Notter, I. Schiller, I. Singer. (I. Wittmaun hat seine Abwesenheit entschuldigt.) Vorsitzender: Präses I. Singer. Nach Verificirung des Protokolles der letzten Sitzung begrüßt der Vorsitzende die Versammlung, die sich nach einer längeren Pause, die theils durch die Ferialzeit, theils durch die erhöhte amtliche Thätigkeit der einzelnen Vorstandsmitglieder während der hohen Feiertage bedingt war, zum ersten Male wieder zusammengefunden, um ihre Wirksamkeit für die Interessen des Cantorenvereines neuerdings aufzunebmen. Er hält den Moment für geeignet, um einen Rückblick auf die Thätigkeit des Vorstandes während des abgelaufenen Jahres zu werfen, und hiebei stoße er auf eine traurige Wahrnehmung. Die Herren, die seit der Constituirung des Vereines dem Vorstande angeboren, wissen, dass derselbe in der ersten Zeit Hervorrazendes und Ersprießliches geleistet, und zwar deswegen, weil Alle in friedlichem Einvernehmen an den Berathungen theilgenommen haben. Nun sei aber eine Trübung bemerkbar, die seiner Ansicht nach durch die mittlerweile erfolgte Bildung einer sogenannten Oppositionspartei hervorgerufen wurde. Opposition sei allerdings nothwendig und in vielen Fällen höchst ersprießlich, weil hierdurch die Läuterung der Anschauungen herbeigeführt wird; aber eine solche Opposition müsse jederzeit auf sachlichen Prinzipien beruhen, niemals dürfe sie aber persönliche Rancüne zur Grundläge haben, und eine Vorstandssitzung sei nicht der Boden, um diese letztere auszuüben. Solche Vorkommniße wirken nicht nur im Allgemeinen hemmend auf jede Thätigkeit, sondern sie müssen schließlich auch Denjenigen, der mit noch so großem Eifer für den Verein thätig ist, überdrüssig machen, und darum sollen wir ihnen mit vollster Energie entgegenzusteuern bestrebt sein. Im Weiteren spricht der Präses sein Bedauern aus, dass einige Vorstandsmitglieder in der heutigen Sitzung abwesend sind und daher von seiner Erklärung nicht Kenntnis nehmen können, welchem Uebelstande durch Veröffentlichung derselben abgeholfen werden soll. Schließlich bittet er noch die Herren, bei den Sitzungen pünktlich und vollzählig zu erscheinen, oder bei eventueller Verhinderung noch vor der Sitzung das Nichterscheinen dem Präsidium anzumelden. Die Erklärungen des Vorsitzenden werden von sämmtlichen Anwesenden beifällig und zustimmend ausgenommen. Hierauf wird ein Schreiben des Vereinsmitgliedes, Cantor Rosenberger in Komotau, zur Verlesung gebracht, aus welchem hervorgeht, dass der Vorstand der Gemeinde Komotau beschlossen habe, dem Cantorenvereine einen Jahresbeitrag von 10 fl. zuzuwenden, und den Vereinsvorstand demnächst von diesem Beschlüsse offiziell verständigen werde. (Diese Mittheilung wird mit Ausdruck des Dankes zur Kenntnis genommen.) Anknüpfend daran wird der Beschluss gefasst, es seien jene Herren Vereinsmitglieder, die die Sammelbogen noch in Händen Haben, nochmals dringend aufzufordern, dieselben umgehend, gleichgiltig ob mit oder ohne Erfolg, an das Präsidium zurück- > zusenden, respective die bestimmte Erklärung abzugeben, zu welcher Zeit ihnen die Einleitung einer Sammlung möglich erscheint. In derselben Angelegenheit wird ferner beschlossen, bei den P. T. Spendern um die Einzahlung der bereits mittelst Sammclbogen gespendeten Jahresbeiträge für das heurige Vereinsjahr anzufuchen. Das Ansuchen kann durch den Vereins- Vorstand oder durch die einzelnen Vereinsmitglieder, welche in ihren Gemeinden die betreffende Sammlung eingeleitet haben, gestellt werden. Im letzteren Falle würde jedes Mitglied zur Empfangnahme des Jahresbeitrages Lurch einen Bogen, auf welchem die Namen der Spender und die Höhe der einzelnen Jahresbeiträge ersichtlich sind, ermächtigt werden. lieber den Modus des Jncasso wird vorläuflg noch kein Beschluss gefasst, da der Vorstand hiebei auf die Meinungsäußerung der Mitglieder, die in der Cantoren-Zeitung oder auf brieflichem Wege mit möglichster Beschleunigung erfolgen kann, Rücksicht nehmen möchte. Der Vorsitzende theilt hierauf mit, es werde in den vorliegenden Einläufen den Cantoren in den Vororten Wiens von verschiedener Seite der Vorwurf gemacht, dass sic bisher in ihren Gemeinden noch keine Sammlung eingeleitet haben; er finde diesen Vorwurf nicht ganz unberechtigt und ersuche diejenigen Vorstandsmitglieder, welche in Vororten amliren, um ihre diesbezügliche Anschauung. M. Peterselka, S. Hirsch, D. L. Rotter und C׳ Grünseld erklären daraufhin, dass eine solche Sammlung sehr wenig erhoffen lasse. In den Vororten wohnen zumeist arme Leute und die wenigen Reichen kommen das ganze Jahr hindurch mit dem Cantor gar nicht in Berührung. Die Verhältniße seien in dieser Beziehung in den Vororten ärger, als in der kleinsten Provinzgemeinde. Aber trotzdem wollen sie den Versuch machen, "nur müsse ihnen hiezu auch Zeit gelassen werden. Der Antrag I. Schiller's, den einzelnen Herren ein Comite beizugeben, wird abgelehnt, da hiedurch noch mehr Schwierigkeiten bei Vornahme der Sammlungen entstünden. I. Bauer erklärt, er sei, trotzdem er nicht in einem Vororte amtire, ebenfalls bereit, im Vereine mit seinem Collegen M. Papu unter den Mitgliedern der türkischen Israeliten- Gemeinde in Wien eine Sammlung zu Gunsten des Cantoren» Vereines einzuleiten, und er erhoffe hiervon einen schönen Erfolg; jedoch könne er erst nach Vollendung des Tempelbaues an dieses Vorhaben schreiten. Nach Erledigung mehrerer Ansuchen wird die Sitzung geschlossen. In der nächste» Sitzung wird die Berathung über die neuen Statuten fortgesetzt. Zur Iudeufrage in Rumänien. In einer Polemik, welche sich zwischen dem ,Bucarester Tagbl.' und der ״Romania Libera“ über die Judenfrage entspann, äußerte sich das erstgenannte Blatt dahin, dass denjenigen Juden, welche durch Worte und Thaten beweisen, dass sie sich als Rumänen fühlen, der Zutritt zum rumänischen Volke so leicht als möglich gemacht werden solle. Diese Elite des rumänischen Judenthums würde auf das Gros ihrer Glaubensgenassen segensreich einwirken und im Laufe der Zeit eine vollständige Assimilation der Juden mit dem rumänischen Volke herbeiführen. Dieselbe Ansicht vertritt auch der hervorragende französische Gelehrte, Adolf Franck, in einem Briefe an Herrn

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