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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1886-10-29 · Heft 34 (29.10.1886) · p. Seite 6

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
6 (1886)
Issue
Heft 34 (29.10.1886)
Date
1886-10-29
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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e hause?, welcher nuabläffig bemüht ist, den Gottesdienst zu verheerlichen, hat mit der Acquisatiou des Obercautors, Herrn B. Singer, einen glücklichen Griff gethan. Herr Singer besitzt einen klangvollen Baryten von seltener Höhe, und sein weihevoller, Herz und Gemüth an sprech rüder Gesang trug während der verflossenen Feiertage ungcmein zur - Hebung der religiösen Andacht bei. Wacker unterstützt wurde der Obercantor von dem durch NegenS-chori, Herrn Wahle, gnt geleiteten Chore. Kolitsch, 25. Oetober. Unsere ehrsame Gemeinde ward jüngst in eine unangenehme Lage versetzt, indem unser 1. Cantor nuS vierzehn Tage vor den hohen Feiertagen verließ. Da wir von jeher an einen schönen und weihevollen Gottesdienst gewöhnt sind, waren wir somit in nicht geringer Verlegenheit, aus welcher wir jedoch durch unseren 2. Cantor, Herrn Samuel Streicher, gerettet wurden. Er vertrat die Stelle des 1. Cantors, und durch die Art und Weise, wie er den Gottesdienst versah, wusste er sich die vollste Anerkennung der ganzen Gemeinde zu erwerben. R. H. Drzemysl. Wie man der ,österr. Wochenschrift* mittheilt, waren zwei Vorfälle danach angethan, die Przemysler Cnltusgemeinde auf's empfindlichste zu eomprommittiren, ohne dais die Ursache Jeurandem bekannt wäre. Zum Empfange Sr. Majestät unseres geliebten Kaisers am Bahnhofe in PrzemySl am 15. v. M., wurde die Cultusgemeinde, in Folge Statthalterei-Erlasses, durch die k. k. Bezirkshaüptmannschaft nebst anderen Körperschaften eingeladen. Zur gehörigen Stunde begab sich die Cultusrepräsentanz, mit dem Herrn Rabbiner sammt Thora und Baldachin, in den Bahnhof, wurde aber von dem Herrn k. k. Bezirkshauptmauue vorerst nicht eingelassen, und als dieselbe jedoch später nach mehreren Vorstellungen Einlass gcfunden, Sr. Majestät nicht vorgestcllt. Der zweite Vorfall hat sogar in der hiesigen Cnltusgemeinde peinliche Sensation hervorgerufen. Die Stelle eines israelitischen Matrikelfnhrers in PrzemySl wurde vacant, und zur Besetzung derselben im vorigen Monate der Coacurs ausgeschri-.bcn. Auf diesen Posten competirten unter Anderen der hiesige Rabbiner, der Relizionslehrer, ein Gerichtsarzt — welcher gegenwärtig a!S Substitut fungirt — ein Jur. Doctor, ein Gemeinderath, ein Cultusrath und vieljähriger beeid>-ter Gerichtsdolmetsch, ein Buchhändler, lauter Personen, welche ehrenhafte Stellungen in der Gemeinde einnehmen und sich des öffentlichen Vertrauens vollkommen erfreuen- Alle diese Competenzgesnche wurden jedoch erfolglos zurnckgewiesen, wiewohl Manche ihre Prüfuugsz.ugniße angeschlossen haben, und augestellt wurde gegen die Bestimmung des betreffenden Gesetzes eiu Mann aus Brzezan, der nie in PrzemySl gewohnt, noch jetzt in Brzezan weilt, der die hiesigen Localverhältniße nicht kennt, und dessen Lebenswandel Niemandem bekannt ist. War in PrzemySl kein Manu zu finden, welcher würdig wäre, diesen Posten zu bekleiden, und musste Lers-.lbe erst in Brzezan gesucht und gefunden werden? Wir enthalten unS jeder Kritik, übergeben nur die Facten der öffentlichen Meinung zur Benrtheiluuz. Lemberg. In der Chederaugelegenheit wird aus Lemberg gemeldet: Der galizische Landtag hat in einer Eingabe an die Regierung die Abschaffung der jüdischen verlangt. Die Antwort des Ministeriums lautet nun dahin, dass eine strenge Aufhebung dieser jüdischen Schulen Schwierigkeiten bietet, und dass eine langsame Austastung nur ' lurch Eröffnung neuer Volksschulen in den von Juden meistbewohnteu Ortschaften erreicht werden kann. 'Dürnberg. Gelegentlich der Anwesenheit des Priuzreg.Ilten Luitpold in unserer Stadt waren zur Hoftasel. außer den ihn bcgleitenden Herren die Spitzen der Militär- und Civilverwaltunz, so wie die ersten Geistlichen der katholischen, resoruurten und jüdischen Gemeinde geladen. Nachmittags kurz vor 6 Uhr fuhr Se. k. Hoheit Prinz Luitpold vor'der besonders geschmackvoll decorirten Synagoge mir großem Gefolgevor. Am Thore des Vorhofes wurde derselbe von dem Adttiinistrationsvorstande, Herrn Rechtsanwalt Joiephthal, feierlich empfangen und zum Portale des Tempels geleitet, woselbst sich die übrigen AdministrationSmitglieder, an ihrer Spitze der׳ Rabbiner Herr Dr. Ziemlich, befandeir, von welch' Letzterem ®e.. k- Hoheit in ehrerbietiger Weise begrnßr und sodann in de» Tempel' geführt wurde. Die Synagoge war durch mehr denn 200 Gasstammen wundervoll beleuchtet, was gerade in der Dämmerstunde einen zauberischen Eindruck machte. Se. k. Hobelt sprach sich mib großer Befriedigung über das herrliche Gotteshaus aus. Beim Weggange vom Altar prälndirte der Synagogendireetor ans dem vorzüzlichen Orgelwerk, und mächtig rauschten die Accorde der fignrirten KönizShymndurch die Wölbungen deS schönen Baues. Warschau. Der ',Kur. Marsch.* erzählt folgende, au die spanischen Marannen erinnernde Geschichte: .Vor einigen Monaten lief bei dem Staatsprocurator eine Dennliciation ein, dass ein als Protestant in den Kirchenbüchern verzeichneter Einwohner der hiesigen Stadt nicht nur in seinem Hause alle Gebräuche und Gesetze der jüdischen Religion streng innehalte, sondern auch öffentlich mit seiner Frau den jüdischen Gottesdienst regelmäßig besuche. Bekanntlich verbietet nun aber das russische Gesetz den Uebertritt zum Judenthume, und der Mann wurde zur Verantwortung vorgefordert. Scheinbar begnügte sich der Procnrator mit der Vertheidigung, die jener vorbrachte, dass er nämlich ganz und gar nicht Jude geworden sei und den Tempel der Juden nur besuche, um daselbst mit der Verwandten feiner Frau, einer ehemaligen Jüdin, zusammenzntreffen; im Ge- Heimen wurde aber der Beschuldigte observirt und schließlich dahin überführt, dass er thatsächlich seiner Frau zu Gefallen, die nur, um ihn ehelichen zu dürfen, Scheinchristiii geworden war, sein ganzes Hauswesen nach jüdischem Ritus gestaltet, namentlich den Sabbath streng gehalten und auch seine Kinder, die zwar nominell Christen waren, in der Religion ihnr Mutter erzogen habe. In der That war auch daS älteste Kind, ein achtjähriges Mädchen, mit den Satzungen der jüdischen Religion vertraut, ohne von der christlichen auch nur die geringste Kenntnis zu besitzen. Ans Betreiben der Verwandten deS Mannes wurden nun die Kinder der väterlichen Obhut entzogen und Sorge für ihre Erziehung als Christen getragen. Die Mutter hat sich der ihr drohenden Strafe durch die Flucht entzogen und ist spurlos verschwunden.' Jerusalem. Wir erhalten folgenden Ausruf: Wenn schon ein Asyl für Arme allein in allen bedeutenderen Städten Europas ein fühlbares Bedürfnis ist, um wie viel notbwendiger ist ein solches in der heiligen Stadt Jerusalem. Viele unserer armen Brüder, die ihre letzten Tage im gelobten Lande beschließen wollen, kommen ohne einen Zehrpfenuig herüber, zu ihrem Aufenthalte wählen sie sich eines dev | Seit; ha-Midraschim, wo sie auf harten Bänken die Nächte verbringen, dort genießen sie ihr zu Zwieback getrocknetes Brod, welches sie zum Theile bei ihren armen Glanbensgenossen erbitten müssen. Mit der drückendsten Noth ringend, verschlimmert sich ihr Gesundheitsznstand täglich, und Viele fallen derselben frühzeitig als Opfer anheim. Dies bewog uns schon seit sieben Jahren, ein Asyl für: arme Alte zu gründen, und es gelang uns auch mit GotteS Beistand, viele Unglückliche vom Untergänge zu retten. Zwanzig alte תלמידי חבמים finden daselbst Wohnung und ständige Kost. Denjenigen, welche die engen Nämne dieser wohlthätigen Anstalt nicht fassen können, wird auch nicht uubedenrende Hilfe geleistet, indem wir ihnen täglich zwei- bis dreimal und im Winter auch in der Nacht unentgeltlich Thee reichen, worin sie auch oft ihr mitgebrachtes Brod tauchen, was ihre Mahlzeit ansmacht. Doch ist hiermit durchauS nicht Allen geholfen, und es gibt leider noch sehr Viele mit dem unerbittlichen Hunger ringende, von aller Welt verlassene Alte in der heiligen Stadt, denen wir zu helfen zu unserem Leidwesen «ich

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