Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 6 (1886)
- Issue
- Heft 34 (29.10.1886)
- Date
- 1886-10-29
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Aber man befrackte ober wusste dabei nicht, dass dieses Instrument nur als Zulhat. nie aber als Hauptinhalt einer Musik Verdienste haben wird, und dass es eine wahre Zeit- und Geld- Verschwendung sei, wenn Ellern ihren Töchtern geradezu einen Guitarrenmeister geben, ohne zu überlegen, was tte obne alle andere musikalische Kenntnis damit anfangen sollen? Wenn auch einige Virtuosen cs versucht haben, Sonaten und Concerte auf der Guitarre zu spielen, so wird doch der richtige Beurtheiler dieses Instrumentes immer einräumen müssen, dass dies gegen seine Natur sei und ihr Gebiet sich aus Begleitung einschränke. Nun ist es aber vollends ein Werk der Unwissenheit, wenn man sich vorstellt, der Gnitarrenmeister könne noch im Vorbeigehen den Schüler zum Sänger bilden, und in wenig Monaten werde die junge Dame mit eben dem Erfolge nur nach der Guitarre zu greifen brauchen, um eben das zu leisten, was Andere so leicht zu leisten scheinen. Aber hier entsteht die Misrechnung. Die Guitarre ist eine liebliche Auszierung für den gcbildeten Sänger, und er, der von GrNnd aus musikalisch ist, lernt sie äußerst leicht. Ihr melodischer Ton rundet sich um seine reine Stimme, und er erfreut fick, ein so wenig Nauru erforderndes Begleitungsinsirument in seinem Zimmer, auf ländlichen Partien oder im geselligen Zirkel bei sich zu haben, wo es so gefällig einen Mittelpunkt zur Vereinigung zu gewinnen weiß, und man sich so wohl befindet, wenn andere Beschäftigung nicht unterhält. Dann lobt die Gesellschaft das befreundende Instrument. Allein die Guitarre erntet da meist ein Lob, das eigentlich dem Sänger zukommt. Das zeigt sich deutlich, wenn sie in schlechter Säuger Hände fällt. Bei solchen Gelegenheiten wird der schlechte Gesang doppelt unleidlich. Besonders bei Begleitung nicht ganz rein intonircnder Sänger ist die Guitarre die wahre Geißel des ,Zubörers. Da es aber ganz gewiss bleibt, dass sich die vollkommene Intonation eines Schülers nur erst nach mehrjähriger Uebung ganz fest setzt, und seine Stimme selbst dann noch leicht sinkt, wenn sie der stärkende Ton des Grundbasses nicht aufrecht hält und an die Gefahr erinnert: so sieht man leicht ein, wie schwer und verderblich es für einen noch nicht in Rücksicht der Intonation befestigten Schüler wird, sich mit der Gnitarre hören zu lassen, deren Bässe zu schwach und zu wenig durchgreifend sind, um ihn zu stützen, und dass der Sänger ganz auf seine eigene Stimmenselbstständigkeit muß rechnen können, wenn er die Guitarre ergreift. Noch eine andere Ursache, die mich abhalten würde, einem Anfänger die Erlernung der Guitarre zu rathen, ist die Tactlosigkeit, an die sich die Schüler gewöhnen, da sich ihre Aufmerksamkeit zu sehr zwischen der Stimme, den Auszierungen, der Aussprache, der Applicatnr rc. theilt, und kein anderes Instrument ihre wankenden Schritte leitet. Dadurch geben sie sich immer mehr nach und nehmen eine Unsicherheit an, die ihre künftigen Fortschritte in der Mnsik hemmt. Einen vollendeten Sänger mit der Begleitung seiner Guitarre zu hören, ist dem Kenner wie dem Laien ein anziehender Genuss. Warum wollten wir also durch frühe Spielerei unsere Zöglinge dafür verderben? (Schluss folgt). Kleine Chronik Wien. Wie die hiesigen Blätter berichten, hat Se. Majestät der durch Brand verunglückten israelitischen Cultusgemeiude Hnmpoletz zum Wiederaufbau der abgebrannten Schule und Synagoge eine na inhafte Spende zukommen lassen. Dieser hochherzige Act unseres erhabenen Monarchen liefert einen neuen Beweis, dass derselbe allen seinen Unterthanen, ohne Unterschied der Confessioll, in gleicher Liebe zugethan ist. 'Drag. (Klaus-Synagoge.) Der rührige Vorstand dieses vor vier Jahren neu umgebauten, altehrwürdigen und freundlichen Gotteseine Summe bieten, worüber du erschrecken würdest, wärest du nichtvorher unterrichtet. Den nächsten Tag, an welchem der Besitz der Frucht für sie zur dringenden Nothwendigkeit wird, der sie sich nicht entziehen können, wird man unaufhörlich kommen und gehen und einen immer höheren Preis bieten. Abends werden die An- Erbietungen sehr hoch steigen, und dann musst du Kaltblütigkeit zeigen, deine Freude .an dich halten, mit einem Worte, dich beherrschen. Nimm dich in Acht, damit man dich nicht durchschaue; die leiseste Andeutung, als wolltest du nachgebe», würde alle Kraft des Widerstandes vernichten. — Eine Viertelstunde vor Sonnenuntergang wird man die letzten Versuche machen; die Preise, die man bietet, werden immer steigen und endlich deine Forderung erreichen; aber zeige.dich ruhig, entschlossen und -gleichgiltig. Wenn du fest bleibst, ist der Erfolg gewiss, und dann theilen wir als Freunde die Summe, die ich dich gewinnen lasse. — ״Wenn es Gott gefällt!' antwortete der Muselmann, und schickte sich an seine Nolle zu spielen. Es kam gerade so, wie der Israelit cs vorhergesagt hatte. Der gebotene Preis erreichte bereits die Summe von 49.500 Piastern, als der Gärtner, dem die Freude zu allen Poren herausdrang, der keine Worte mehr fand, um so lockende Anerbietungen scheinbaren Widerstand entgegen zu setzen, die Frucht nahm, sie den Kundleuten zeigte und ausrief: .Ich kann die Frucht nicht um einen Piaster billiger lassen!" Dabei brach er aber den Stiel ab und die Frucht war demnach nicht mehr vollkommen. Die vornehmsten Rabbiner, denn diese selbst hatten den Handel betrieben, sagten dem Gärtner nun: ״Unglücklicher, du hast den Zauber zerstört. Zn ihrem gegenwärtigen Zustande ist deine Frucht für uns nur einen Para werth". Daraus entfernten sie sich und überließen den Gärtner seiner Verzweiflung. Bis dahin sieht man an diesem Vorfälle nur die gerechte Strafe einer unersättlichen Habsucht, aber er bietet auch ein auffallendes Beispiel von der Willkür, womit vor Mahmud häufig die verschiedenen in der Türkei geduldeten Religionen behandelt wurden. Es hatten sich, wie gewöhnlich, Beamte des Fiseus zu Ende der Feierlichkeit cingesnnden, um Abgaben von den Festwaaren, Blumen u. s. w. zu erheben. Die schuldige Summe wurde gegeben und in Empfang genommen, aber in der Stadt kam ihnen das Gerücht von jenem Kauf zu Ohren. Sie kehrten deshalb zu den Juden zurück und sprachen: .Elende, ihr wollet den Schatz um einen Theil seiner Ansprüche betrügen, und aus Kosten eurer heiligsten Verpflichtungen? Euer Gesetz gebot euch den Ankauf jenes Meisterstückes der Natur. Ihr musstet, ohne zu zögern, den Preis zahlen, den man dafür verlangte. Euer Geiz leitete die Hand des unglücklichen Gärtners irre, dass er das schönste Werk der Natur verdarb. Ihr seid schuldig vor euerem Gott; er wird euch strafen, wie es ihm gut dünkt, aber der Sultan darf mehr darunter leiden" — und sie verlangten die Abgabe von einem Kaufe von 50.000 Piastern. Das ist nicht Alles; der Oberrichter von Constantinopel, vor dem die Rabbiner sich beschwerten, verurtheilte die Synagoge in Strafe, weil sie versucht habe, den kaiserlichen Schatz um eine Einnahme zu betrügen.