Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 6 (1886)
- Issue
- Heft 34 (29.10.1886)
- Date
- 1886-10-29
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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3 das Volk von Samuel einen weltlichen König, und Gott gewährte seine Bitte. Unter diesen Königen stieg zwar seine Macht am höchsten, und wahrscheinlich hätte sich das Reich Israels weit länger behauptet, wären immer solche Könige, wie David, auseinander gefolgt. Aber eine Reibe schlechter Könige machte bald alle Herrlichkeit schwinden und führte eine Schwäche herbei, die den Assyrern und Balylonieru die Eroberung. Zerstörung und Unterjochung des Staates erleichterten. Nach einer siebzig, jährigen Gefangenschaft in Babylon erhielten die Inden von -Cyrns die Erlaubnis, in ihr Land zurückznkehren, den Tempel und die Stadt wieder aufzubanen; das Land aber blieb dennoch bis auf die Makkabäer abwechselnd unter persischer, macedonischer, egyptischer und syrischer Herrschaft. Am glücklichsten war ihre Lage unter den Persern, obschon sie wegen der Verleumdung Haman's in großer Lebensgefahr schwebten und viel mit dem Neide und der Bosheit der Samarilauer zu kämpfen hatten. Serubabel, Efra und Nehemia trugen sehr viel zur Verbesserung ihres religiösen und bürgerlichen Zustandes bei; sie verschafften durch ihr Gewicht am persischen Hofe dem kleinen Staate fast das Ansehen einer Nepublick, welche von dem Hohenpriester und dem Synedrium regiert ward. Dieses bestand je aus zweiundsiebzig Aeltesten, welche nicht nach den Gesetzen der ausländischen Laudesobrigkeit, sondern nach dem mosaischen Gesetze Recht über Leben und Tod übten. Dem Efra und den Männern der großen Versammlung verdanken wir die Wiederbe'rstcllung der heiligen Schriften als ein Ganzes, damit das Volk nicht wieder in Unwissenheit versinken möchte, und ihr Werk ist c5, dass allenlhalben zahlreiche Sy u a g o gen errichtet wurden, welche zur gemeinschaftlichen Andacht und Belehrung bestimmt waren. Nach den Zeilen des Prophetenthums machten sie sichs noch zur besonderen Aufgabe, das Volk im Glauben zu befestigen, im Gesetze zu belehren und am Sabbathe und an den Feiertagen gewisse Abschnitte aus der Thora und entsprechende Parallelstellen aus deu Propheten darin vorzulesen. War es auch dem römischen Kaiser Hadrian gelungen, durch die äußerste Anstrengung die Juden völlig zu besiegen und den letzten Schein von politischer Geltung zu vernichten, so waren doch alle seine Verbote nicht mächtig genug, die innere Kraft des Judenthums zu erschüttern. Die Synagoge stand fest, und schuf sich statt des politischen einen religiösen, auf breiter Basis ruhenden Separatismus, als geistige Schutzwehr gegen alle Stürme von Außen, welcher sie in der Zerstreuung und Trennung bei jedem Schritte, bei jedem Sinnen- und Geistes-- geuusse an ihren einzigen Gott, als den Gegensatz des Heidenthums, erinnerte. Diesen Gott konnte der Israelit überall verehren, und fand daher in allen Ländern seine Heimat, sein neues Vaterland, um der ganzen Menschheit ein ewiges Zeugnis von der Einheit Gottes abzulegen, der Träger des reinen Monotheismus zu sein. Das Bewusstsein dieser heiligen Mission, das'gemeinsame Unglück, das Beispiel der Märtyrer kettete sie auch in der Entfernung mit unauflöslichen Banden aneinander, gab deu ersten Anstoß zum Steigen der Synagoge, aber auch zur Befestigung der Autorität und des Ansehens der Nabbinen. Synagoge und Rabbiner konnten, ohne miteinander verbunden, nicht recht gedacht werden; denn als Vorbeter konnte jeder Kundige in alter Zeit auftreten. Erst in späterer Zeit bildete der Chasan und in der modernen Zeit der Cautor einen Hanpt-- sactor der Synagoge. Zum Glücke waren die meisten Rabbiner ausgezeichnet durch wahrhafte Frömmigkeit, durch reine Sittlichkeit, durch Uneigennützigkeit und besonders durch eine aufopfernde Liebe für das gemeinsame Wohl. Jahrtausende sind feit der Zerstörung des zweiten Tempels, der Auflösung des jüdischen Reiches und der damit verbundenen politischen Selbstständigkeit vergangen; aber bei dem Untergange aller Institutionen blieb die Synagoge als einziger Träger der jüdischen Nationalität. Dorthin stoh ihr Glaube, und von dorther empsing der zerstreute jüdische Stamm Belehrung für seinen irdischen Lebenswandel, Kraft und Ausdauer in luier« hörten Leiden und Hoffnung auf eine künftige Morgenrölbe der Freiheit. Der öffentliche Gottesdienst in der Synagoge war daS Panier jüdischer Nationalität, die Acgyde des jüdischen Glaubens. Seit der Errichtung derselben behielten die Israeliten einen steten Abscheu vor der Abgötterei, die Religion gerieth bei ihnen nicht mehr in Vergessenheit, das Wort Gottes blieb stets in frischem Andenken, und selbst der unerhörteste Druck von Außen konnte sie nicht wanken machen, trug vielmehr zur Befestigung im Glauben bei. Fast ebenso wichtig war die Verbreitung der heiligen Schriften, bei welcher sich das Verdienst der Massora erst recht an'S Licht stellte; denn welchen Jrrthümern, welchen Mißdeutungen würden die vielfachen Abschriften unterworfen gewesen sein, hätte nicht die Massora jene sicheren Vorkehrungen getroffen, für Bezeichnung, Sinn, Inhalt, ja sogar für die Anzahl der Capitel, Abschnitte, Verse, Wörter und Buchstaben auf eine solche Weise Sorge zu tragen, dass eine Verwechslung oder Abänderung unmöglich würde. Einer der letzten Milarbcuer soll Simon der Gerechte (3000) gewesen sein, mit dem sonach daS Zeitalter der Sopherim oder Schreiber beschlossen wird, und dessen berühmter Schüler Antigonus von Socho war. Hier sind auch die Streitigkeiten der Israeliten mit deu Samaritanern zu erwähnen. Die Samaritaner wurden der Abgötterei beschuldigt, sie verwarfen jede Tradition, verfälschten den Text der heiligen Schrift und setzten, wo es ihnen beliebte, Garizim statt Ebal. daher war es Aufgabe der Synagoge und ihrer Träger, solchen Jrrthümern mit Kraft, Vorsicht und Umsicht für alle Zeiten entgcgenzuarbeiteu und die wahre Lehre in ihrer wahren Gestalt zu erhalten. W . . . . r. (Fortsetzung folgt.) Gesangs-Kriefe. (Fortsetzung.) Wenn der Säuger Alles leistet, was zu seiner Vollkommenheit beiträgt und ihm ein guter Singmeister zur Pflicht machte, so läuft er dennoch Gefahr, als ein sehr mittelmäßiges Subject aufzutreten, so lange er seines Accompagnements nicht sicher ist.. Dies ist aber in der That nicht leicht, und diese Schwierigkeit wird die wahre Höllenstrafe der armen Sänger. Ihr einigermaßen auszuweichen, rathe ich freundlich jedem Schüler, der es darauf anlegt, einst aus der Mittelmäßigkeit zu treten, früh das. Fortepiano zu üben, und womöglich ein geläufiger Spieler zu werden. Sollte er auch weder Zeit noch Beruf haben, Concerte und Sonaten vorzutragen, so ist es ihm für die Fortschritte im Gesang und seinem Studium durchaus nöthig. sich begleiten zu können, die Partitur zu verstehen und wenigstens deu Zusammen- Hang durch die Finger wieder zu geben. In Ansehung der Präcision kann wohl der Sänger nie einen besseren Begleiter, als sich selbst, finden. Ihm ist es bekannt, wo sein Piano und Forte, seine erhöhte und abnehmende Empfindung die Stütze braucht; seine Hand und seine Kehle fügen sich bei jeder Note in einander. Daher macht uns oft der Gesang großer Virtuosen noch mehr inniges Vergnügen, wenn wir sie sich selbst begleitend