Mannheim
Compact Memory

Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1886-10-20 · Heft 33 (20.10.1886) · p. Seite 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
6 (1886)
Issue
Heft 33 (20.10.1886)
Date
1886-10-20
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/1304829-3453044-3453077--1893-3456083
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Obercautors Zosef Rosenbanm an, der nicht nur durch feine mächtige, wohlgeschulte Bariton-Stimme, als vielmehr noch, durch die von tiefem Wissen und innigsten Verständnis zeigende Art feines Vortrages die Zuhörer entzückte. Die Chorleitnng, eine Schöpfung unseres Obercantors, der in kürzester Zeit die Schulung des Chorpersonals durchführte und sogar ein Mitglied der Oper, Herrn Trier, für die Mit- Wirkung gewann, wusste selbst dem verwöhntesten Geschmack zuznsagen, und bewährte sich in jeder Beziehung als vortrefflich. Cautor Reichard) als tüchtiger Baltesillah bekannt, bewährte sich auch diesmal und müssen wir auch seiner vorzüglichen Leistung im Vorbeten und im Chore Den Zoll der besten Anerkennung widmen. D r. Hugo E h r e n t h e i l. Wrürm Mit erstaunlicher Pünktlichkeit ist die nach den Ostern begonnene Restaurirung des jüdischen Tempels in Brünn vollendet worden. Am 28. September ist die letzte Hand an die Wiederherstellungsarbeiten gelegt worden und schon zum Eingänge des Neujahrsfestes wurde die Eröffnung des Gotteshauses vollzogen. Der Tempel hat durch seinen Zu- und Umbau an Ausdehnung und stylistischer Schönheit gewonnen. Das Gotteshaus wurde gegen die Stiftgasse um fast sechs Meter iu der Art erweitert, dass beiderseits, etwas zurücktretend von der Straßenflucht, die mit Kuppeln gezierten Stiegen- Häuser, welche bis zur zweiten Gallerte führen, angelegt wurden. Durch diese Deplacirung wurden circa 300 Sitze gewonnen. In die Stiegen- Häuser gelaugt man sowol von der Straße, wie vom Hofe aus. Die Treppen sind bequem, geradlinig, eineinhalb Meter breit und völlig aus Granit hcrgestellt. Sämmtliche Thüren sind nach außen zu öffnen und um den Luftzug bei dem Eintritte vom Stiegenhause in den Tempel zu vermeiden, sind innere und äußere Pendelthüren daselbst angebracht. Das Innere des Tempels macht in seiner neuen Herstellung, mit der farbenprächtigen, jedoch harmonisch wirkenden, in maurischem Style consequent durchgesührten Malerei einen impcfanten feierlichen Eindruck, welcher noch gehoben wird durch die mit buntem Kathedralglas hergestellteu Oberlichte, welche die Lichtstrahlen keinem geringen Ansehen und der Finanzminister soll ihn mit besonderer Aufmerksamkeit behandeln. Indessen nützt er seine gesellschaftljche Stellung wenig aus. Er führt eine bei seinem Vermögen, das man auf vier Millionen Thaler schätzen will, auffallend einfache Lebensweise. Obgleich er in Berlin ein schönes Haus besitzt, zieht er es vor, dasselbe zu vermietheu, und wohnt selbst zur Miethe in zwei simplen Parterrezimmern eines Hotels, so dass er eigentlich in Dessau bei seinem Bankgeschäft und nicht in Berlin zu Hause ist. Er bezahlt auf diese Art weniger Steuern und das entspricht völlig seiner Neigung zur Sparsamkeit. Ueber diese volkswirthschaftlich ganz schätzbare Eigenschaft muß er sich manchen Scherz gefallen lassen; aber daS macht ihn in seinen Grundsätzen nicht wankend. ,Aber Cohn", sagte ihm einst eine hochgestellte Person, die ihn besonders schätzt, ,Sie leben ja wie ein Schuster, was machen Sie denn mit das viele Jeld?" — ,Ich vermehre es", entgegnete er kurz und bündig. Mit Vorliebe gibt er seinen Intimen, welche just nicht alle dem männlichen Geschlecht angehören müssen, kleine Diners, mit Champagner und Stadtneuigkeiten, welch' letztere er mit Erfolg cultivirt. Im Allgemeinen ist er ziemlich zurückhaltend, ja bescheiden in der Geltendmachung seines Einflusses. Man hat ihn z. B. wiederholt gefragt, warum er seinen Schwiegersohn, einen Breslauer Bankier O., nicht mit einem passenden Titel, zum mindesten doch mit einem Commercienrath, versehen lasse. ,Nein, nein, so was thue ich nicht", war immer seine Antwort. Er will für sich und seine Familie keine Beneficien erzielen. Diese Uneigenuützigkeit schließt den Stolz auf seine Stellung nicht ans. Die nicht systematisirbare Ausnahmsstellung zum Hofe, die er einnimmt, ist seine einzige persönliche Genugthnung. Am Uebrigen ist er frisch und gesund und hat sich fest vorgenommen, dreiundneunzig Jahre alt zu werden; so alt ist auch seine Mutter geworden. in vielfarbigen Tönen sanft gedämpft in den Tempel senden. In dem neuhergestellten Theile befindet sich in der Oberlichte gleichzeitig die durch Oeflnung der Mittelrofette, welche zwei Meter im Durch- Messer hat, hergestellte Ventilation. Die Rosette kann mittelst einer einfachen Krahnvorrichtung, welche sich in der zweiten Gallerie befindet, in die Höhe gehoben werden, wodurch die Luft abziehen und durch einen eisernen, mit Jalousien versehenen Dachreiter ins Freie genährt werden kann. Um jedoch für alle Fälle eine wirksame Ventilation zu erzielen, wurde das ganze System mit einem SiemenS'schen Gas-Regenerativbrenner in Verbindung gebracht, welcher in seiner Form wieder, ohne Störung für die innere Ansicht des Tempels, decorativ wirkt. Zur Temperirung des Tempels bei kalter Jahreszeit wurde eine unterirdische Thonröhrenheizung, die durch einen im Hofe situirten Feuerungsofen gespeist wird, angelegt. Die Wärme strömt durch die Thonrohre, welche ihrerseits wieder die Wärme an die Luft abgeben. Zur Beheizung ist in den beiderseitigen Stiegcnhäusern je ein Lohkamin angebracht. Besondere Verdienste um das Zustandekommen dieser Verbesserungen und Erweiterungen im Tempel, und^ namentlich um die würdige innere Ausstattung desselben haben sich das Baucomite und zumal die Herren David Mandl und Ober- Ingenieur Epler erworben. Schließlich seien noch die ausführenden Kräfte genannt. Die Baumeisterarbeiten, sowie den constructiven und architectonischen Theil führte in bewährter Weise Baumeister Nebehosteny aus; die Malerarbeit Maler Rott, welcher auch seinerzeit an der Ausschmückung des hiesigen Stadttheaters mitwirkte; die Zimmermannsarbeiten lieferte Engelmann, die Tischlerarbeiten Rub. Feeg, die Schlosserarbeiteu Glaser, die Anstreicherarbeiten Stöger, die Vergolderarbeiten Wirwas, die Spenglerarbeiten Nettschlag, die Schieferdeckerarbeiten Legner und die Bildhauer- und Steinmetzarbeiten Tomola. Kieszanow, 3. Oetober 1886. Wie der Correspondent des ,Wr. Israel.' berichtet, wurden in den letzten Tagen von bis jetzt noch unentdeckten Urhebern an mehrere OrtSgemeinden unseres Bezirkes .Aussorderungen" versendet, abgefasst im üblichen Amtsstyle, versehen mit der Signatur des Bezirkshauptmannes und des Amtssiegels, mit folgendem Wortlaute: ״Im Namen Seiner.! wird die Gemeinde aufgesordert, Vorbereitungen für den 29. September 1886, 9 Uhr Abends, zu treffen, damit diese in den Stand' gesetzt sein soll, wenigstens 100 tüchtige und junge Bauern, versehen mit Sensen und Hacken, zur anberanmteu Zeit nach Cieszanow zu entsenden, um die Juden zu morden und zu plündern, indem zu dieser Zeit anlässlich des jüdischen Neujahrsfestes sämmtliche Juden beisammen sind. Diese Massacre ist sowohl vom Landtage in Lemberg wie vom Reichsrathe in Wien augeordnet und beschlossen, von . . . . . . . sanctionirt worden". Jedes Schriftstück trägt die genau nachgeahmte Unterschrift unseres geehrten Bezirkshauptmannes ,Ciszka" und das Amtssiegel. Qbschon unser Landvolk keine Gehässigkeit kennt und zu Judenplünderungeu keine Lust verspürt, ist es dennoch begreiflich, zu welch' gefährliche Folgen diese teuflischen Anzettelungen führen mussten, wenn man bedenkt, mit welchem blinden Gehorsam das Landvolk jede geringfügige Weisung auch eines unbedeutenden Diurnisten Folge zu leisten gewohnt ist, umso mehr, wo eine günstige Gelegenheit geboten wird, ungestraft fremdes Eigenthum sich anzueignen! Glücklicher Weise, dass der Ortsrichter von Lublienic (nächst Cieszanow), um genauere Informationen diesbezüglich einzuholen, mib dem Schriftstücke zum dortigen griechisch-orientalischen Pfarrer ging; der Seelsorger erkannte sogleich das Falsificat und eilte irr die Stadt, um den k. k. Bezirkshauptmann hievon in Kenntnis zu setzen. Dank der Energie unseres Bezirkshauptmaunes, Herrn Rudolf Ciszka, der sofort die umfassendsten Recherchen anstellte, gelang es noch am selben Abend, den Schreiber des Schriftstückes in der Person eines 15jährigen ganz ungebildeten Burschen zu eruiren, welcher der Sohn eines hie-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.