Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 6 (1886)
- Issue
- Heft 33 (20.10.1886)
- Date
- 1886-10-20
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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Unionbank Wittmann und Krasser, Direclor Herz von der Nordbahu, der Generalsecretär der Börsekanuner v. Rozmanith mit dem Regierungsconnnissär Falkbeer und mit mehreren Börseräthen, zahlreiche andere Vertreter der Finanz- und Handelswelt. die Vertreter der israelitischen Cultusgemeinde, viele hohe Beamte der Südbahn, der Verkehrsbank und anderer Verkehrs- und Bankinstitute Wiens. Nachdem Obercantor Singer unter Assistenz des gesammten Chor- Personals die Trauergesänge executirt hatte, widmete Prediger Dr. Eüdemann dem Verblichenen einen warmen Nachruf. Hierauf wurde der Sarg unter den feierlichen Klängen des rituellen Trauerchorals zu Grabe. getragen. Wien. Der Verein zur Unterstützung mittelloser Studirender isr. Consessiou versendet soeben seinen 25. Jahresbericht, dem wir Folgendes entnehmen: Am Neujahrsfeste wurden es 25 Jahre, dass die Idee zur Begründung eines Vereines zur Unterstützung mittelloser isr. Studirender in Wien angeregt wurde. Die erste Anregung hiezu ging von Herrn Dr. G. Wolf in Wien aus, einem Manne, dessen Streben nicht allein der Wissenschaft gilt, sondern auch der Humanität und jedem edlen Wirken. Er ist also als der eigentliche Schöpfer jener Humanitären Institution anzusehen. Für einen Manu, wie Dr. Wolf, war dieser Gedanke von den edelsten Gefühlen begleitet, die Verwirklichung desselben oder wenigstens das Bestreben, sie durchznsetzen, mochte.^ihm nicht schwer gefallen sein, wusste er ja doch aus eigener Erfahrung, aus selbst empfundenem Drangsal während seiner Studienzeit, was den Studirendeu noth thue, welche Wohlthat eS sei, für ihre materielle Eihaltung zu sorgen, hatte er doch selbst, als er im Jahre 1839 nach Wien kam, den schweren Kampf um das materielle Dasein zu bestehen. Er konnte also mit dem ganzen Aufgebot seiner Empfindungen an die Schöpfung eines so edlen Vereines schreiten. Zu diesem Zwecke hielt er am Neujahrsfeste 5622 (5. Septcmber 1862) in dem Filialbethause des alten Mufikvereinssaales, jetzt Mattonihof, eine Predigt, in welcher er auf das Studentenelend hinwies. Er erinnerte, dass es sonst fromme Sitte in 'den jüdischen Gemeinden war, für die Jünger der Wissenschaft zu sorgen, und legte den Zuhörern an's Herz, für arme Studenten etwas zu thun. Die Worte fanden mächt'gen Wiederhall in den Herzen der Zuhörer und die von Dr. Wolf angeregte Idee zur Schaffung eines das Elend mittelloser Studirender lindernden Vereines ward allenihalben anerkannt. Bereits am 5. December 1861 fand die constituirende Generalversammlung der Gründer, an deren Spitze Dr. G. Wolf stand, statt, sofort waren auch von 145 Mitgliedern 1926 fL gezeichnet, im Laufe des ersten Jahres stieg die Zahl der Mitglieder auf 153 mit 2068 fl. an Jahresbeiträgen. — Die Gesammteinnahmen während der 25 Jahre betrugen 85.834 st., die Gesammtausgaben 76.901 fl. 84 kr. Die Spenden zum Fonds belaufen sich auf 9920 st. in Effecten, auf 12.336 fl. 97 kr. in Baarem. Im Laufe jenes Vierieijahrhunderts meldeten sich 5109 Petenten, die pch ans aller Herren Länder recrutirten, das stärkste Contingent stellte in erster Reihe Ungarn mit 1943, Galizien 914, Mähren mit 900 und Böhmen mit 605 Petenten, und sonderbar genug findet der Verein gerade in diesen Ländern die geringste Unterstützung. — Im Jahre 1885—86 wurden an 337 Studirende, und zwar an 50 Hörer der Rechte 647 fl., an 231 Studirende der Mediciu 2784 fl., an 7 Hörer der Philosophie 97 fl., an 25 Techniker 140 fl-, an 1 Agronomen 5 fl., an 1 Pharmaceuten 15 fl, an 22 Veterinäre 118 fl. an Unterstützungen verabreicht. 6-. 2. Hraz, den 10. October 1886. (Orig.-Corr.) In wahrhaft musterhafter Weise wurde im Grazer Tempel der Festgottesdienst abgehalten und war es nur zu bedauern, dass nicht schon ein der hehren Weihe desselben würdigeres BethauS die fromme Menge umschliessen konnte. Der bekannt vortrefflichen Predigten de» Rabbiners Dr. Mühsam wollen wir nur aus dem Grunde nochmals lobend erwähnen, weil Herr Dr. Mühsam diesmal wirklich sich selbst übertraf und daS zahlreichst erschienene Beterpublikum in mächtigster Weise ergriff. Der vortrefflichen Predigt reihte sich in vollkommen würdiger Weise die 1 sowohl im Gesanglichen als im Hebräischen vorzügliche, Leistung unseres ration,angefertigt, ein Unicum in der großen Ordensmusterkarte l der Welt und dereinst ein Musealstück ganz besonderer Art. \ Wie der Leser sich wohl denken wird, können die Verdienste eines so behandelten Finanzmannes um die Dynastie nicht gering sein. Die Verdienste beginnen schon in Dessau, wo er das von seinem Vater ererbte Bankgeschäft noch jetzt in Ehren führt. Wie vor ihm sein Vater, war auch er ursprünglich nur Bankier des Herzogs von, Dessau. Da kam das Jahr 1848 mit seinen plötzlichen Umstürzen, und eines Tages brauchte der damalige Prinz von Preußen augenblicklich hunderttausend Thaler. Cohn streckte sie vor, und der Prinz hat ihm das später als König und Kaiser nicht vergessen. Dies war der Anfang der freiherrlich von Cohn'schen Größe. Cohn wurde Hofbankier und erhielt die Verwaltung deS, kaiserlichen Privatvermögeus. Seitdem steht auf seiner Visitkarte: ״Königlich preußischer Hofbankier und Ver- Walter der Schatulle Sr. Majestät des Kaisers," Seitdem ist auch die Verwaltung das Haupiinteresse seines Lebens; erst in zweiter Linie kommen seine eigenen Geschäfte. Tag und Nacht denkt und träumt er nur davon, wie er der Schatulle seines Kaisers, den er förmlich anbetet, nützen möchte. Er hat ihr auch in der That glänzend aufgeholfen. Mit Erstaunen sah der Monarch unter Cohns geschickten Händen vergessene Werthe wieder aufleben, nicht beachtete Hilfsquellen plötzlich ergiebig werden. Capitalien bildeten sich wie von selbst und Erträgniße stellten sich wie durch einen Zauberschlag ein. Die kaiserliche Schatulle gedieh in ganz merkwürdiger Weise, und immer häufiger sah der Monarch sich veranlasst, an seinen Hofbankier eines jener kurzen Handbillets abgehen zu lassen, welche Cohns höchsten Stolz bilden und in der Regel etwa lauten: ״Mein lieber Cohn, Sie haben in dieser Angelegenheit wieder so große Dienste erwiesen, dass ich Ihnen meine Anerkennung nicht versagen kann. Ich bleibe Ihnen in Gnaden wohlgewogen. Wilhelm". Dabei ist zu bemerken, dass Cohn für seine Mühewaltung kein Honorar annimmt. Er dient seinem Kaiser als Freiwilliger, aus patriotischer Begeisterung, aus ganz specifischsr Hingebung an dessen Person und Familie. Seine intimen Freunde kennen diese Gesinnung so genau, dass sie allen Ernstes behauptet haben, Cohn hege die Absicht, in feinem Testamente den Kronprinzen zum Universalerben einzusetzen und seine leibliche Tochter, eine in jeder Hinsicht vortreffliche Dame, auf ihren Pflichttheil zu beschränken. Der Kaiser weiß denn auch einen so treuen Diener nach seinem Werthe zu schätzen. ״Da muß ich Cohn fragen", ist stets seine Formel, wenn es sich um einen finanziellen Schritr handelt, und niemals ist sein unbeschränktes Vertrauen im geringsten schwankend geworden. Baron Cohn hat sein Dienstlocal im ersten Stock des ehemaligen Palais des Prinzen Friedrich, das der Kaiser gekauft und mit dem königlichen Palaste verbunden hat. Der Hof-Staatssecretär v. Bork haust um volle zwei Stockwerke höher! Ursprünglich hätte man wohl seine Bureaur in einen entlegeneren Theil zugewiesen, er wurde jedoch beim Kaiser vorstellig darüber und versicherte ihn, es würde für die Majestät gleichsam beleidigend sein, wenn sie ihr Vermögen einmal sollte mit eigenen Augen inspiciren wollen und zu diesem Zwecke ״da hinten 'rum" gehen müssen. Daraufhin bekam Graf Pückler die Weisung, für ein entsprechendes Local zu sorgen. Der Kaiser verkehrt mit seinem Hofbankier überhaupt auch persönlich in der gnädigsten Weise, wie es eben der persönlichen Vertrauensstellung desselben entspricht. So manchmal erzählt sich Berlin ein hübsches Wort, das bei solchen Anlässen gefallen. Einmal z. B. kommt Baron Cohn zum Kaiser, um zu seinem Geburtstage zu gratuliren. ״Ach Gott, mein lieber Cohn", bemerkte ihm der Kaiser, ״dis rechte Freude hat man doch nicht mehr, man wird eben von Jahr zu Jahr älter", — ״Majestät", erwiderte Cohn, ״das hat gar nichts zu sagen, wir geben Sie doch nicht unter pari". Es versteht sich von selbst, dass die Beziehungen auch bestimmend für Cohns Verhältnis zur Berliner Gesellschaft sind. Er steht bei derselben, namentlich bei der amtlichen Welt, in