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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1886-10-20 · Heft 33 (20.10.1886) · p. Seite 3

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
6 (1886)
Issue
Heft 33 (20.10.1886)
Date
1886-10-20
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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— 3 — schieden prosaisch sind, dass sie auch selbst der Ton der poetischen Harmonika nicht einmal um ihr Privilegium schmälert. In solchen Stunden treibt die klare, ruhige Vernunft ihre ernsten Geschäfte; so hält die Phantasie in Botmäßigkeit, legt jeder gefühlvolleren Unternehmung Fallstricke, damit der zu wenig nachdenkende Mensch doch endlich die vierundzwanzig Schwestern unterscheiden lerne, wenn er ihren Einfluss gebraucht, und an dem Altäre einer jeden die geweihte Gabe opfere, durch welche sie ihm hold wird. Andere Horen gibt es aber, die im Schatten einer weniger grellen Beleuchtung der Phantasie den luftigen Schleier umwerfen, mit ihr hier und dort hinziehen, wo in der glücklicheren Stimmung unseres Wesens und dem selig erhöhten Gefühl sie uns die Welt zum Eden, die Menschen za Engeln bilden. Bei solchen Horen findet die Tonkunst ihre Rechnung, wo sie auf die weichere Organisation, auf das reizbarere Nervensystem ganz anders, als auf das verhärtete oder erschlaffte wirkt. Die Politik > der Tonkunst geht dahin, diese Stunden für sich geltend zn machen und ihre Zauber nicht an den rauheren Horen zu ver« schwenden. Es ist ein hoher Genuss, wenn in der Musik Geber und Empfänger einander Werth sind. Für den feinsinnigen Sänger kann nichts aufweckender, nichts belohnender als die aufmerksame Liebhaberei seines Zuhörers sein, der sich innig empfänglich für die Zauber zeigt, die der Säuger nur in seinem Beisein aufzurufen vermag. Zuhörer und Sänger stehen oft in dem Verhältnis des Feuerstrahles und Zunders gegen einander. Es gibt sehr viel Menschen, die in diesem Fache kein Feuer schlagen können. Die gleichgiltige Miene des Zuhörers, die ahnen lässt, es koste ihm eine Aufopferung, seine Rede während des Gesanges mit einem Punkt oder Gedankenstrichen zu versehen, oder wenn er sie wohl nicht einmal glaube eindämmen zu müssen, erkältet den gefühlvollsten Sänger und macht ihn aus Bescheidenheit verlegen. Vor einem neidischen Zuhörer zu singen, ist eine Qual der Seele. Wenn es eine nicht gemeine Kunst ist, sich als einen guten Sänger zu zeigen, so bleibt es fast eine eben so große, aber freilich zu oft vernachlässigte Kunst, sich als einen sinnigen Zu- Hörer darzuthun, dem es nicht darauf ankommt, mit flachem Lobe den Sänger zu belangweilen, sondern durch die Anerkennung des wirklich Vorzüglichen die Stufe seiner. eigenen Empfänglichkeit zu beurkunden. Nichtige Schätzung und Aufmerksamkeit bleibt die einzige Belohnung wahrer Virtuosen und weckt das Geniale im Sänger. (Fortsetzung folgt). Napoleon der I. und die Juden. (Aus ״The jewish Herald“). (Schluss). Bei solchen geänderten Umständen konnten die Deputirten ihre Arbeit noch nicht als beendiget ansehen, und erließen ein Circular an die verschiedenen Gemeinden, worin sie mit enthusiastischen Worten vom Sanhedrium sprachen und dieselben aufforderten, Delegirte zu schicken. Inzwischen beschäftigten sich die Deputirten unter Beihilfe dreier kaiserlicher Commissäre mit dem Entwürfe eines Statutes für das Sanhedrium, wobei die eigentliche Tendenz Napoleons, nämlich blos im Interesse seiner eigenen Centralgewalt, die er auch auf die jüdischen Gemeinden ausdehnen wollte, sowohl die jüdischen Cultnsbeamten als die > Individuen durch das Sanhedrium überwachen zn lassen, erst zum Vorschein kam. weshalb er auch dem Sanhedrium jede Executive verweigerte. Manche Deputirte waren gegen diese Einrichtung, weil sie es der Würde von Rabbinern nicht angemessen fanden, sich mit Polizeiwesen zu befassen und Spione abzugeben; aber da die Commissäre darauf beharrten, wurde die Opposition nicht berücksichtigt. Es wurde der Wille des Kaisers befolgt, die vorgefchriebene Constitution angenommen und beschlossen, dass das Sanhedrium damit beginnen solle, den Resolutionen der Deputirten religiös verbindliche Kraft einzuräumen. Der Termin zur Eröffnung des Sanhedriums wurde auf den 20. October 1806 bestimmt, musste aber wegen unvorhergesehener Hinderniße bis zum 9. Februar 1807 verschoben werden. Inzwischen hatte Napoleon glänzende Siege in Deutschland errungen. Die Schlachten bei Jena und Auerstädt brachen; den Stolz der Preußen, die französischen Armeen überschwemmten den deutschen Boden, und es wurde conftatirt, dass die Juden Preußens an die Franzosen ihre Hoffnungen knüpften, da sie von der preußischen Regierung stets verfolgt und nichts von derselben zu hoffen hatten, sie bewillkommten in Napoleon ihren Befreier, der diese Sympathien als erstes günstiges Resultat seines Planes, der Errichtung eines Sanhedriums betrachtete, und sich auch deshalb wahrscheinlich zur rascheren Nealisirunz desselben veranlasst sah, denn schon am 6. Februar 1807 wurde das Sanhedrium mit pomphafter Ceremonie eröffnet. Das Ministerium des Innern behielt sich das Recht vor, den Präsidenten und die zwei Vicepräsidenten zu ernennen und die Wahl ׳ fiel auf Rabbiner Zinzheim aus Straßburg, Rabbi Seyre aus Ancelli und Rabbi Cologna aus Mantua. Vor Beginn der Sitzung versammelten sich alle Mitglieder in der Synagoge, die vom Volke, welches der Ceremonie zusehen wollte, überfüllt war. Es wurden Reden voll vom Lobe Napoleons gehalten und Hymnen in hebräischer, französischer und italienischer Sprache gesungen, worauf Rabbi Zinsheim mit der Thora in der Hand die Versammlung segnete und den Allmächtigen anflehete, das Wirken des Sanhedriums zu unterstützen, dann begaben sich die Mitglieder zum Hotel äs Vills, wo sie in einem großen, eigens decorirten Saale Platz nahmen. Sie arrangirten sich nach alter Sitte in einem Halbzirkel um den Präsidenten, dem zu Seiten die Vicepräsidenten saßen. Jeder musste in vorgeschriebener Tracht, bestehend aus schwarzem Anzuge, seidenem Talare und dreieckigem Hute erscheinen. ,Die Sitzungen waren öffentlich und begannen stets mit einer Andachtsrede des Präsidenten, Herrn Zinzheim, aber das Sanhedrium hatte, wie bereits gesagt, gar nichts zu leisten, sondern blos die Resolution der Notablen-Versammlung ohne weitere Discussion zu acceptiren. Nun glaubte man, dass die Beschlüsse des Sanhedriums bei den Juden der ganzen Welt bindende Kraft besitzen werden, und wurde getäuscht; die Briefe von Deutschland, England und anderen Gegenden bestritten die Autorität derselben, und beschuldigten die Mitglieder der Anmaßung einer Gewalt, die ihnen nicht zustehe. Die ersten Sitzungen dauerten über einen Monat und am Schluffe derselben wurde der Bericht dem Kaiser unterbreitet. Er war aber zu sehr beschäftigt, um der Judenfrage Aufmerksamkeit schenken zu können, daher wurde erst am 17. März 1808 eine kaiserliche Verordnung, welche endlich den Zustand der Juden in Frankreich regulirte, erlassen, darin wurde aber von gar keiner Emancipation gesprochen, sondern blos bestimmt, dass kein Unterschied zwischen Juden Frankreichs und Deutschlands stattfinde, und jeder Jude, der irgend ein Geschäft zu betreiben I' 1 I! ... % ■ 1 'j ' II" ־ ־ tlFWWWniriipn lllWfHIII'.ffli »I IffffTTin P־r־T1־־|-Ti-1-r-1־-r-SK

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