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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1886-10-08 · Heft 32 (8.10.1886) · p. Seite 6

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
6 (1886)
Issue
Heft 32 (8.10.1886)
Date
1886-10-08
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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e Der Tempel war zu diesem Zwecke mit Fahnen und Reisig geschmückt. Unter den Feftgästen bemerkte man den k. k. Statthaltereirath Bezirkshauptmanu Habicher, den Neichsrathsabgeordueteu Horrath Exuer, den LandtagSabgeordneten Helbling, den k. k.-Bezirksschulinspectoc Professor Hinterwaldner, den Pfarrer von Ottakring, Canonicus Dittnch, den Bürgermeister von Ottakring, Antonin Zagorsky, den Bürgermeister-Stellvertreter von Neulerchenfeld, Wininger, den Leiter des Polizeicommissariates Karassek, die meisten Direktoren und Oberlehrer der hiesigen Schulen, Vertreter der Cultnsgemeinde Wien und mehrerer Nachbargemeinden, Vertreter der Ortsschulräthe der Gcmeinden Hernals, Ottakring, und Neulerchenfeld rc. Die Feier begann mit der Absiuguug des Psalmes 24 und der Jntroductiou Na torvu. bei welcher Gelegenheit unser Obercantor Schlesinger seine schöne Stimme und Vortragsweise zur Geltung brachte. Ueberhaupt wurden sämmtliche Soli und Chöre unter seiner Leitung mit einer Exaktheit ausgeführt, die vollste Anerkennung verdient und auf seine zukünftige Stellung in der Gemeinde gewiss nicht ohne Einfluss bleiben wird. Nach dem Umzuge mir den Thorarollen, Einheben derselben und dem Anzünden des ewigen Lichtes hielt Herr Dr. Gndemann anknüpfend un den ersten Vers der dieswöchentlichen Sidrah: ,Ihr stehet heute allesammt vor dem Ewigen Eurem Gotte*, die Festpredigt, welche sichtlich einen mächtigen Eindruck auf die Zuhörerschaft übte. Zum Schlüsse sprach er bei offener Bundeslade das Gebet für Se. Majestät und das kaiserliche Haus, worauf der Chor die Volkshymne anstimmte. Der neuerbaute Tempel dürfte zum Aufschwünge der hiesigen Cultnsgemeinde wesentlich beitragen. Sein Entstehen verdankt er größtentheils der großherzigen Familie Edle von Kusfner, deren verewigtes Oberhaupt, Herr Zgnaz Edler von Kusfner, für die Er- Werbung eines Tempelbauplatzes ein Legat von fl. 5000 vermachte. Sein Sohn und Nachfolger, Herr Moriz Edler von Kuffuer, ergänzte dieses Legat bis zu solcher Höhe, dass zum Ankatüe geschritten werden konnte. Um nun den Bau zu realisiren, constituirte sich der hiesige Tempclbauverein, dem derzeit folgende Herren vorftehen: Obman: Sittig Zosef, Kuopffabrikant; Obmann-Stellverlreter: Kallberg Emanucl, Hauser-Administrator; Cassier: Feigl Max, Hausbesitzer; Schriftführer: Epstein Samuel, Volksschul- und israel. Neligionslehrer. Ferner die Comits-Mitglieder: Dr. Benjamin Fe!!- bogen, Nabbinats-Verweser; Spielmann David, Präses der Cultusgemeinde; Engler Siegmund, Haas Leopold, Haas Moriz, Kohn Adolf, Kohn Leopold, Moriz Edler von Kusfner, Nowak Moriz, Obmann der Schulsection, Stern David, Strauß Josef und Wagner Moriz. Der Tempel, der sammt Nebengebäuden ungefähr fl. 50.000 kostet, ist im romanischen Style gehalten, einfacher Constructiou, ohne besonderen Luxus und sehr zweckentsprechend. Für die innere Eiurichtung wurden sehr viele, darunter werthvolle Gegenstände gespendet. Ep. Wien. Wie der ״Wr. Israel. * mittheilt, ist in diesen Tagen eiu interessanter Prozess durch Vergleich beendigt worden, welcher früher viel von sich reden machte: Der Prozess über das Vermögen des Grafen K. Nisiim Samassa. Er endete mit der Anszablung eines Legaten in der Höhe von 275.000 Francs in die 4 Städte, טבריה׳ und ירושלים ׳חברון׳ צפת welche nahe bevorsteht. Die Geschichte des diesbezüglichen Testamentes geht bis zum Jahrc 1874 zurück. In diesem Jahre starb de! Erblasser als dreiundzwanzigfacher Millionär zu Livorno in Italien mit Hinterlassung eines Testamentes, in welchem er bedeutende Summen für die verschiedensten Zweige der WohUhätigkeit bestimmt. Unter anderem sollten auch 200 000 Frcs. zur Gründung einer neuen ישיבח in Jerusalem, die den Namen des Erblassers tragen soll, sowie je 25.000 Francs zur Vertheiluug an arme Bewohner der 4 oben genannlen Städte verwendet werden. Als Universalerbe hatte der Verstorbene, da er keine Kinder hinterließ, seine Schwester und deren Sohn bestimmt, wogegen er seinem Bruder nichts zurückließ. Dieser nun erhob Widerspruch gegen die׳ Ausführungen der Bestimmungen des Testamentes, und so kam eS, dass das Vermögen vom italienischen Fiscns bis zur richterlichen Entscheidung in staatliche Verwaltung genommen wurde. Durch 12 Jahre währte nun der Prozess, bis endlich in diesem Jahre eine Einigung unter den Erben zu Stande kam und das Testament also Nechtsgilttgkeit erhielt. Nnnmehr steht der Auszahlung der genannten Summe in die 4 Gemeinden nichts mehr im Wege, und bereits haben sich die Vertreter über die Art der Verwendung schlüssig gemacht. Die Gemeinde zu Jerusalem wird das Geld bei Rothschild in Paris hinterlegen und von den Zinsen 85 Percent den םפרלים, 10 Percent den פרושים und 5 Percent den חסילים überweisen In den übrigen 3 Städten sind jedoch die ספרלים und die אשכנזים• mit der Art der ",חלו^ל" noch nicht einig, indem die ספרלים gerne das ganze verschlingen möchten. Auch hier wiederholen sich die Streitigkeiten, welche im heiligen Lande nie aufhören wollen und die so oft großen Aerger und wahren חילול לשם Hervorrufen. Budapest. Für die jüdische Abtheilnug im Cultusministerium ist Herr Tr. Goldzier als Chef in Aussicht genommen, während die׳ Präsidenten der beiden jüdischen Kanzleien die Stellen als Miuisterial- Secretäre erhalten sollen. Wie es heißt, sollen die beiden gegnerischen Parteien der neuen Einrichtung bereits die Zustimmung gegeben haben. Krakau. Im vorigen Monate weilte Se. Majestät, unser allergnädigster Kaiser, anlässlich der Manöver mehrere Tage in Galizien. Das Hauptquartier befand sich in Lubien. Der Kaiser wurde in Men Orten, die er bei seiner Reise berührt, mit besonderem Enthusiasmus empfangen, trotzdem programmmäßig nirgends mit Ausnahme in Grodek ein officieller Empfang stattfand. Dis Bevölkerung Galiziens gab wieder Beweise ihrer unwandelbaren Treue und Anhänglichkeit an Se. Majestät; die Juden haben sich in der Beziehung besonders hervorgethau und mit Recht, weil sie in Se. Majestät ihren mächtigen Beschützer finden, der mit gleicher Liebe und Gerechtigkeit alle seine Unterthanen, ohne Nnterschied der Religion umgibt, so dass die Giftpflanze von Racen- und Neligionshass in unserem geliebten Vaterlands, trotz künstlicher Pflege von mancher Seite, durchaus nicht gedeihen kann. Ueberall wurde Se. Majestät von den Vorständen und Rabbinern ehrfurchtsvoll gehuldigt. Nur in Bochuia, nächst Krakau, fehlte während der Durchreise׳ des Kaisers, unter den zahlreichen Deputationen die gekommen waren, um dem Monarchen zu huldigen, eine Vertretung der israelitischen Gemeinde des Nachbarstädtchens WiSnicz. Die Krakauer ,Nowa Reforma* vom 19. September bringt nun eine Zuschrift der israelitischen Cnltus- | gemeinde von Wisnicz. in welcher das unqnalificirbare Vorgehen des- Bürgermeisters von Bochnia zur Kenntnis gebracht wird. Die Znschrift lautet wörtlich: ,Der Vorstand der israelitischen Cultnsgemeinde in Wisnicz, um seine Abwesenheit bei der Begrüßung Se. Majestät während der Durchreise nach Bochnia am 15. d. M. zu rechtfertigen, gibr hiemit bekannt, dass das Verfahren des Bürgermeisters von Bochnia die ausschließliche Ursache hievon war, denn der Bürger- Meister von Bochnia gab, nachdem er die heranziehenden Inden mit: den gemeinsteu Ausdrücken empfangen hatte, der Polizei den Befehl, die Juden auseinander zu jagen, und drohte hiebei, dass er alle Israeliten und den Rabbiner sammt der Thora aufknüpfen lassenwerde. Der israelitische Cultusvorstand in Wisnicz". 06. W. Baris. Das Leichenbegängnis; von Frau Baronin James de Rothschild war imposant und großartig. Notabilitäten der Finanzwelt, der Literatur, Wissenschaft und Künste, Mitglieder der beiden Consistorien und der verschiedenen Gemeindeverwaltungen, sämmtliche׳ hiesige Rabbiner wohnten demselben an. Die Waisenkinder des- Nothschild'schen Waisenhauses und Schüler von mehreren Schulen.

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