Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 6 (1886)
- Issue
- Heft 32 (8.10.1886)
- Date
- 1886-10-08
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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,gierigen vor dem Leichenwagen. Auch eine katholische Schule gieng mit dem Zuge, sowie die benachbarte Kirche durch ihre beiden Geistlichen .vertreten war. Einen gewaltigen Eindruck machte auf die Anwesenden die Einfachheit des Sarges und überhaupt des Leichenbegängnißes. .Der ans gewöhnlichen Brettern zusammengefügte Sarg war mit einer einfachen, schwarzen Decke bedeckt; die zahlreich gesandten kostbaren -Blumenspenden blieben im Trauerhause zurück, welches ebenfalls kein äußeres Zeichen der Trauer zeigte, die edle Verstorbenene hatte in ihrer Bescheidenheit eine jede Gedächtnjßrede auf dem Friedhof sich verbeten. Bei Gelegenheit des Todesfalles der Baronin James von Nothsch ld hat ihre Familie, um den geäußerten Intentionen zu entsprechen, 120.000 FrcS. den Armen der Stadt theils durch die ׳Verwaltung der Stadt und Hospitäler, theils durch das israelitische Wohlthäligkeitscomite vertheilen lassen. Ebenso wurde das von der verstorbeiien Baronin in's Leben gerufene Werk, de Louers (Miethpreis), durch die Rente von 600.000 Frcs. vergrößert. Da die durch ihre große Wohlthätigkeit bekannte Baronin James von Rothschild sich in ihrem Testament Reden und Blumen an ihrem Grabe verbeten hatte, so wurde nachträglich in der Synagoge der Rue de 1a, Dictorie eine Erinuerungsfeier abgehalten, der ein zahlreiches Publikum aus allen Ständen beiwohnte. Die ganze Familie Rothschild, alle Rabbiner und Cantoren waren anwesend. Um 3 Uhr begann das IlineliL-Gebet, welchem ein Trauermarsch, von der großen Orgel gespielt, folgte. Cantor Baer sang den Joscheb Beseter mit Chorbegleitung unter Leitung des Dirigenten Samuel David, Herr Großrabbiner Isidor und nach ihm H.rr Zadok Kahn hielten Trauerreden. Die Söhne der Verstorbenen sagten ״Kaddisch‘‘. Die Feier war großartig. Die ,Arch. Ist.* bringen einige interesiante Details aus dem Leben der Verstorbenen. Sie nahm wesentlichen Antheil an der Gründung des israelitischen Spitals, welches den Namen ,Rothschild* trägt und im Jahre 1852 gegründet wurde. Die Abtheilung für ״Unheilbare" wurde auf ihre Kosten vergrößert und durch eiu besonders hiefür angelegtes Kapital unterhalten. Das von Baron Salomon und der Baronin Caroline de Rothschild gegründete Waisenhaus wurde ebenfalls reichlich unterstützt. Seit vielen Jahren präsidirte die Baronin dem Damen-Comite der Armenlotterie. Neben diesem Amte, welches sie durch viele Spenden drapirte, und neben den vielen anderen Aemtern — sie war au ausnahmslos allen solchen Anstalten-verabreichte die Baronin jeden Tag viele Unterstützungen all' denen, die sich an sie wandten und zwar ohne Unterschied des Glaubens oder Nationalität. Ein specielles Bureau befand ׳sich in der Rue Lafitte, welches nur dazu bestimmt war, die Armen zu unterstützen. Zu Hunderten langten jeden Tag Unterstützu ngsgesnche im Hotel Rothschild an, und man kann sagen, dass kein Einziger unberücksichtigt bleibt. Die von diesem Bureau allein verwendeten Summen zählen nach Hunderttausendrn.— Frau Rothschild war fest an den israelitischen Cultus geschlossen und hielt in ihrem Hause die Gebräuche des schlichten jüdischen Lebens aufrecht. Die speciell rituelle Küche, welche sie in ihrem Hotel in der Rne Laffitte hatte, benutzte sie während der Feste Tischri und Pesach. Seit dem Tode ihres Gemahls war Frau Rothschild nicht mehr im Tempel der Rue de Nazareth zurückgekehrt. Während der Festtage und namentlich an den hohen Feiertagen von Tischri, wurde in dem Schlafzimmer des verstorbenen Barons ein Gottesdiei.st abgehalten, zu welchem bestimmte Männer zum Minjan geladen wurden. Beim Ansgange des Jom Kippur vergaß sie niemals, den sogenannten Minjanlentea einen Punsch zu verabreichen, welcher ihnen erlaubte, bis zur Rückkehr auf das ״Anbeißen" warten zu können. Wenn die Baronin auf dem Lande in der Umgegend von Paris eines ihrer Schlösser bewohnte, fand der Gottesdienst gleichfalls statt; die Minjanleute kamen alsdann in ihre Wohnung, um demselben beizuwohnen. L. J. im August. Bis zum 10. August sind in diesem Jahre in Castle Garden 18.653 jüdische Einwanderer eingetroffen, gegen 15.1 öl im gleichen Zeitraum im Vorjahre. Von diesen Ein- Wanderern waren 12.048 Ruffen, 5161 Oesterreicher, 689 Deutsche, 687 Rumänen. 13.928, also fast 75 Procent blieben in New-Nork, deffen jüdische Einwohnerzahl sich im letzten Jahre um mehr als 12 Procent vergrößert hat. Wie leichtsinnig die Auswanderer oft in dem Wechsel ihres Aufenthaltes sind, geht daraus hervor, dass in einer Woche mehr als hundert Eingewanderte sich an die Wohltbätigkeits-Gesellschaft mit der dringenden Bitte wendeten, sie auf irgend eine Weise, und wenn es anch auf Viehtransporten wäre, zurückbeiörderu, da sie in Amerika nicht das nackte Leben fristen könnten. Stellenveränderungen. Herr Cantor D. Schlamm, bisher in Temesvar, ist nach Totis berufen worden. Herr Cantor S. Merson, bisher in Floridsdorf bei Wien, wurde in Kis Cell acceptirt. Herr Cantor M. Zempliner, bisher in Kis Cell, wurde nach Floridsdorf berufen. Herr Cantor Mannheimer, vordem in Holics, wurde in H. Nt. Valarhely acceptirt. (Sämmtlicken Collsgen entbieten wir zu ihrem Amtsautritte die herzlichsten Glückwunsch e» Dis Ned.) Corvefpondenz dev Nedaetion. N. in Lib. Sie haben blos 2 fl. pro 1886 gesendet, 'das früher Gesandte haben wir für den Nest 1885 gutgebucht. ,9!. in Butsch. Sie restiren noch fl. 2.50 für 1886. Da Sie nicht Vereinsmitglied sind, beträgt für Sie der jährliche Abonnemrntsbetrag 6 fl. Eib. in Debr. Unser tiefstes Beileid über den großen und schmerzlichen Verlust, den Sie durch das Ableben Ihrer Gattin erlitten. Die Reduktion. Abonnementsnud Jnsevtionsbeträge find in dev Nedaetion, Wien. II., Novaragasse 2V, zahtbav. Collegen und Buchhandlungen empfehle ich ausgefertigt und leer meine :kzEisracIi, Smaneh.atefi.los mit Zifferblättern und Zeigern, ferner Legatentafeln für Synagogen, dann Tableaux mit dem Kaisergebete zum Weiterverkäufe gegen hohen Rabatt. -A_. '!,־ü.rHs, Ob.-Cantor in Mähr.-Ostrau. L 11 > - ®־ש* Gegründet 1 7 93. "B8 - Carl d-iaxil jxm,. ■\7s7"ierx, VII., ‘'S^estToa.lrn.stra.sse ÜjTr 21. Grösstes Etablissement zur Anfertigung von Ornamenten für Synagogen, als:׳פרוכת |nbV\y־Decken1 NDlN'-^bdeck-Tücher, ׳טליודם Thoramäntel und Wickeln (2!פ1ת) btc. etc. streng nach dem Ritus, in künstlerischer, solider Ausführung. Die Inschriften werden unter Zuziehung eines anerkannten Fachmannes correkt ausgeführt. Zahlreiche Israel. Cultnsgemeinden des In- und Auslandes, wie Wien, Arad, Szegedin, B. Leipa, Tabor, Nachod, Breslau, Podersam, Philadelphia etc. haben ihren diesbezüglichen Bedarf in obigem Atelier ausführen lassen und liegen darüber anerkennende Zuschriften auf. 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