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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1886-10-08 · Heft 32 (8.10.1886) · p. Seite 5

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
6 (1886)
Issue
Heft 32 (8.10.1886)
Date
1886-10-08
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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§ls Genauigkeit und Feinheit des Details uns in Staunen s verletzt. Sie haben in den schwierigsten Wissenschaften, in den verschiedensten Zweigen menschlicher Kcnntniste große Namen! aufzuzählen, bedeutende Schriftsteller und selbst Poeten besessen. Auch die Kunst pflegten sie und bemächtigten sich dieses F״tdes in der jüngsten Zeit sogar als Herrschende; besonders in der Musik eigneten sie sich jedes Genre an und haben in Compo sition und Virtuosität glänzende Berühmtheiten anszuweisen. Als Virtuosen wie als Componistcn feierten sie verdiente Erfolge durch ausgezeichnete Handhabung der Formen, welche sie durch das ihrem Genius eigene Streben nach Combination erweiterten und bereicherten. Die Kunst von geistreichen und ergicbigen Gesichtspunkten erfassend, wussten sie hier wie anderswo neue Nesonrcen zu siuden; sie wussten meist ebenso gut uud besser zu machen, was Andere schon vor ihnen gethan hatten. Von dieser Seite must ihr Eindringen in dies Gebiet als der Kunst nützlich und förderlich betrachtet werden Sie haben ihr sowohl durch geschickte Handhabung ihres Materials gedient, als sie zu ihrer Verbreitung und Verallgemeinerung beitrugen. Wer weist, wie es nin die Musik heute noch stände, wer weist, ob man den Geist unserer großen Meister besser als zu ihren Lebzeiten begreifen würde, ohne den eindringlichen oder beharrlichen Sinn der Glieder dieser Nation, welche Geschmack und Schätzung für sie durch Jnterpretiren ans ihren Znstrumenlen oder durch Commentiren und Recensiren ihrer Werke verbreiteten? Jbre Thätigkert hat das allgemeine Interesse ans diesen Punkt gelenkt, die christliche Habgier zum W-'tteiser gereizt, und Alles in Allem genommen, ist ihnen unsere Kunst eher zum Danke verpflichtet, da es sehr zweifelhaft bleibt, ob sie ohne ihre Dazwischenknnft eine so reiche Blüthe erlebt hätte. Ihre Theilnahme an diesem Fache hat die Kunst mit großen Talenten und Namen von Hellem Klange bereichert, es wäre demnach weder ehrlich noch würdig, ihre außerordentlichen Erfolge im Ganzen bestreiten oder verkleinern zu wollen." franca. Als ich fragte, wo er deutsch gelernt habe, gab er mir zur Antwort: .Ich bin ja ein Deutscher." —Woher? — .Ans Bukarest." .— Sprecht Ihr alle zu Hause deutsch? — ,Deutsch und hebräisch." — Was ist dein Vater? — ״Ein deutscher Hebräer." Der Junge zählte kaum mehr als 12 Jahre, sprach dialectfrei und drückte sich mit Gewandtheit ans. Von dem Cbacham Baschi erfuhr ich, dass die jüdische Bevötkerung dem Fürsten Alexander mit Herzlichkeit anhange und sein Scheiden tief bedauere. Des Chacham Erinnerung reichte weit in die Türkenzeit zurück, obwohl er in Jerusalem grau geworden, zurück in die Zeit, da Midhat Pascha und Neschid Pascha bem* Tnna-Vilajet Vorständen und die Janditabia, die Judenfeste. aufwerfen ließen, die heute noch einen Theil der Verschanzung von Sofia ausmacht. In seinen Schilderungen griff er auch in eine fernere, schon sagenhaft gewordene Nergangenheit zurück, in die Tage des Säbbatai Zebi, . von dessen Steindenkmal vor Dem Etropol-Balkan bei Kasalnik sagt: ״Der Reformator des Glaubens und Prophet Zebi Sabbata, welcher von Kleinasien herüberkam, in Salonich sich ansässig machte, von dort aus Macedonien durchkreiste, darin abtrünnig, von dem Sultan in den Kerker geworfen und wieder begnadigt wurde, ist hier gestorben und begraben." Nachdem ich von einem süßen Frucht- -Compot gekostet und eine Tasse türkischen Kaffee's getrunken, durfte ich mich von dem Chacham verabschieden." 06. W. Im Verlaufe des Capitels spricht Liszt noch über die originelle Provuctivität der Inden in der Kunst und spricht ihnen eine solche auf ihrem eigenen Gebiete ab. ״Die Israeliten konnten keine neuen Weiten erfinden, denn sie sangen niemals ihre eigenen Gefühle. Ihr langes Verschlossenhalten des Edelsten, was in ihnen lag, ihre Religion des Schweigens gestatte ihnen nicht den Aufschwung ihrer Seele, das Weh ihres Herzens, das Beben ihrer Leidenschaft dieser idealen Sprache anzuvertrauen. Sie wagten nicht, die von ihren Vätern so mißtrauisch verbullten Saiten schwingen zu lassen. Sie wagten nichts zu erzählen von ihren langen Drangsalen, ihrem Elend, ihren Beschwerden und verhaltenen Drohungen, von ihren heiligen Verheißungen, von ihrem Vertrauen auf Jehova, ihrer Gewissheir, wiederznsehen den Berg Sinai und den Berg Horeb, wrever einzuzieheu in das Land der zwölf Stämme, wieder zu umfassen die gesegnete Erde und Freudenthränen zu mischen in die Ströme des Kedron. mit dem Schrei des Adlers vom Libanon ihr Jauchzen zu vereinigen über das wiedergewonnene Jerusalem, das große, heilige! Sie vertrauten nichts von alledem irgend einer Kunst an, die den Heiden einen Begriff von ihren Glaubeusinysterien hätte geben können, welche sie unfern Spott und Hohn drohenden Blicken so sorgsam entzogen. So besteht weder Architectur, noch Malerei, noch Dichtung, noch Musik, welche man als ihre nationale betrachten konnte, welche die innerste Anschauung dieser Menschen ausspräche, die kraft eines erzenen Glaubens, einer übermenschlichen Macht des Höffens ihre dunklen Tage mit einem andern Augen nicht wahrnehmbaren Scheine vergolden." Ich glaube, dieser Ansicht widerspricht unsere gesammte Psalmenlitteratur und unsere neuhebräische Poesie. Hat je ein Volk die Sehnsucht und Hoffnung seines Herzens, die Leidenschaften seiner Seele in schöner» und edler» Weisen wiedergegeben. als der jüdische Stamm in seinen Pialmen und religiösen Poesien? In Bezug auf die Malerei und Architectur uud die übrigen freien Künste haben wir Juden an den allgemeinen Ausgaben der Cultur theilgenommen, und das gereicht dem jüdi!cheu Geiste doch nur zur Ehre. Aber interessant ist doch die letzte Bemerkung Liszl's, denn während die Einen es uns zum Verbrechen anrechnen, dass wir unsere Synagogen in maurischem Styl erbauen (siebe ä6 Im§arä6, Deutsche Schriften II, 27) und nicht in gothisch-romanischem. und uns dadurch den Edreunameu eines Deutschen strsilig machen, tadelt uns Liszt, dass wir keine speciell jüdisch-nationale Architectur geschaffen. In schönen und ehrenden Worten gedenkt Liszt der ״Künstlerorganisalion" Sulzers und des durch ihn geleiteten Gottesdienstes, dem er am Kolnidre-Abend in der Wiener Synagoge an-׳ gewohnt. Es ist immerhin schön, wenn in einer Zeit, wie die gegenwärtige, ein Mann wie Liszt, wenn auch nicht immer mit Sachkenntnis, doch immer mit Unparteilichkeit, die Kunstleistungen der Juden in so schönen Worten feiert; es macht diese Art der- Beurtheilung uns Auffassung seinem Herzen und seinem Christenthume alle Ehre und ehrt den Kritiker eben so sehr wie den Gegenstand seiner Kritik. Dr. Blume »stein, Luxemburg. Kleine Chronik Mlakring, am 23. September 1386. (Orig.-Corresp.) Die feierliche Einweihung des neuerbauten Tempels in der Hubergasse 8, fand heute um 11 Uhr Vormittags unter lebhafter Betheiligung sowohl der israelitischen als auch der christlicheu Bevölkerung statt.

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