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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1886-10-08 · Heft 32 (8.10.1886) · p. Seite 4

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
6 (1886)
Issue
Heft 32 (8.10.1886)
Date
1886-10-08
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Vorbilde in Egyprcn, in der Nähe von Heliopolis, durch die Anstrengungen des OniaS, Sohnes dcßOberpriesters von gleichem Namen, dem die Könige von Syrien die Priesterwürde genommen Hanen. Man schloß ihn nach der Zerstörung Jerusalems ans Befehl des Proconfuis dieser Provinz. W. . . . . r. (Fortsetzung folgt.) Fraiy Lis!t und die Inden. J. L. BL Ohne Zweifel haben wir Juden nicht viel Glück bei den Koryphäen der musikalischen Welt. Richard Wagner's ,Das Zudeuthum in der Musik" ist noch unvergessen, weil Wagner in seiner Verblendung für jeglichen Mißerfolg auf seiner Künstler-!aufbahn die Juden veramwo.tlich aemacht. Der Name ״Wagner" ist überhaupt uns Juden fast zum Typ des Judenhasses geworden, ich erinnere nur au den Kreuzzeilungs-Wagnec und an den KaLHeder-Wagner. Wenn indessen je einer den Juden bitteres Unrecht gethan, so ist es ganz bestimmt Richard Wagner gewesen. In Paris haben Meyerbeer und Halevy sich seiner mann- Haft angenommen, sie baden ihn nicht allein in alle Künstler׳ kreise cingesübrt, sie haben ihn, der überall verschlossene Thüren fand, geradezu crmuthigt und; erhoben, oder, um im Style Wagner'scher Poesie zu reden — sie haben .,den fast dürren Priesterstab des Künstlers neu belaubt, dass er Mandeln und fuße Frucht trieb im Heiligthume der Kunst". Dem Einst»sie und der Empfehlung Meyerbeer's und Halevy's verdankte Wagner seine Erfolge in der französischen Hauptstadt, denn der französische Charakter, liebenswürdig, geistreich und schnell begeistert für alles Neue und Originelle, liebt iu der Kunst dennoch mehr das Reale, und kann derselbe der Zukunftsmusik, der Verhimmelung des christlichen Mittelaltels nicht viel Geschmack abzewillncn, denn dafür ist der Franzose zu praktisch und zu viel Kind der französischen Revolution in allen ihren Conscquenzen. Auch nach dem Erscheinen seiner berüchtigten Broschüre ,Das Judenthnm in der 'Musik" blieben die Inden im Ganzen und Großen ihm treu, denn ein großer Theil der Antheilscheine zu seinem Bayrenther Bühnenunternehmen ist in den Händen kunstsinniger Juden — peeunia non ölet — von dem. jüdischen Hoscapellmeistcr Levy ans München, der seine Opern in Bayrenth dirigirte. erst gar nicht zu reden. Hans von Büiow ist sicher ein Judenfeind, denn die famose Anlijemitenpetition an den Reichskanzler, die, obwohl in den Neichsp apierkorb geworfen, dennoch viel Unheil gestiftet hat, trägt seine Unterschrift als Mitglied des Organifations- Comitö's. Um so wohlthuendcr und angenehmer ist cs, wenn ein Mann von der Autorität eines Franz Liszt den Juden- Gerechtigkeit wiedersahren. lässt. Liszt hat in seinem Buche ״Die Zigeuner und ihre Musik in Ungarn, deutsch von Peter Cornelius, Mainz bei B. Schott's Söhne", den Israeliten ein besonderes Capitcl unter der Aufschrift ,Des Zigeuners Gegensatz — der Israelit" gewidmet. Ich übergehe die Stellen, in welchen Liszt das Charakteristische des jüdischen Stammes, über seine Hoffnungen und Enttäuschungen, über seine gesellschaftliche Organisation spricht, weil der Verfasser ans diesem Gebiete nngesähr denselben Dilettantismus beweist, wie wenn ein Schüler äe Lagarde's eine gelehrte Abhandlung über Machsorhandschriften schreibt und nicht weiß, was שני וחמשי שני bedeutet. Nun ans dem Gebiete der Kunst gebührt Liszt unzweifelhaft ein autorartives Wort, und hier führe ich sein Urtheil über die Kunstleistnngen der Inden wörtlich an. Aus Seite 23-schreibt er in dieser Beziehung: ,Eine unbegreifliche Begabung ihrer Organisation hat jedesmal, wenn sie kaum aus einer Zeit der härtesten Unterdrückunz hervorgingen und nur einige Generationen lang so viel Ruhe genossen, um nicht jeden Morgen Hunger und Tod fürchten zu müssen, große Theologen und Metaphysiker, Philosopheu und Naturforscher unter ihnen erstehen lassen, deren Gelehrsamkeit sowohl durch colossale Anhäufung des Materials, Die Iildm in Sofia. Je mehr die allgemeine Aufmerksamkeit aus die Donau- Fürstculbümer gelenkt ist, desto größeres Interesse Dürfte eine Schilderung ftiitat, welche ein Berichterstatter über die Verhältniße der Juden in Sosia entwirft. Er schreibt: ,Düster und ernst präseutirt sich der jüdische Friedhof. Ein weites Feld, das von keiner Umfassungsmauer abgegrenzt ist, scheint er mit erratischen Blöcken überschüttet. Regellos verstreute Felsstücke von unregelmäßiger Form deuten ebenso viele Grabstätten an. Hier haben Wetternnbill und der Fuß pietätloser Menschen längere Zeit bedurft, die vormals gerundete Oberstäche des Steines zur ebeneu Fläche zu verschleifen und die Inschrift auszumerzen, welche der Nachwelt von dem Schmerze der Vergangenheit erzählen sollte. Je weiter man kommt, desto bester sind die Steine in ihrer ursprünglichen Form erhalten; schon kann mau hebräische Schrift- Zeichen erkennen, die sich um die Einfassung des Sarkophages hinziehen; doch nur die neuesten zeigen sich in unberührter Einfachheit. Dort kauert ein Mann, der mittelst eines harten Spanes in Tusche die Zeichen aufträgt, die später in den Stein gegraben werden sollen. Mit großer Gewandtbeit entledigt er sich der Ansgäbe, die schwer genug ist, wegen der Unebenheit des Steines und der Unbehilflichkeit des Instrumentes. Auf einigen Grabmälern sieht man auch deutsche Inschriften. Der Weg zur Stadt führt wieder durch das Judeuviertel, das im Sonnenschein noch trauriger und armseliger aussieht, als in der Dämmerstunde. Die Trachten sind mannigfaltig genug und bunt. Bei den Männern findet man häufig reizende Charakterköpse. In offenen Höhlen, nicht in Läden, in Kasten und Schränken arbeiten hier die Handwerker, halten Oebftler ihre Früchte, geschickte Silber- Arbeiter ihre Filigranspangen seil, die sie vor den Augen der Passanten Herstellen, wie die Bäcker das Brod. Trotz des Gewühles ist es ziemlich still; nur wenn Büffelgespanne pastiren, tritt eine Stockung ein. Ich begegnete einen ehrwürdigen Greis, dessen kluges Gesicht, dessen langen, schneeweißen Bart ich schon einmal gesehen, und zwar bei dem Empfange des Fürsten Alexander, der unter dem großen Triumphbogen dem Alten freundlich die Hand gereicht. Meine Vermuthung, dass ich den Groß- Rabbi von Bulgarien, Chacham Baschi Gabriel Abraham Alsmusnino vor mir hätte, bestätigte sich. Da ich ihn anredete, lud er mich in seine nahe Wohnung. Durch ein Vorhaus ging es, das ganz so elend war, wie dis Nachbargebände. Im Hose aber änderte sich das Bild vollständig. Ein bei aller Armseligkeit freundlicher, einstöckiger Bau, von der Straße aus gar nicht bemerkbar, stand hier. Eine hölzerne Doppeltreppe — die erste, die ich in Bulgarien sauber gesehen — führte in das obere Stockwerk, in dessen Mitte sich das mit einem Balkon versehene -Wohnzimmer des Chacham Baschi befand. Den Dol^ metsch machte anfänglich ein Sohn des Chacham in französischer Sprache. Später leistete ein kleiner Knabe den nämlichen Dienst. Dieser Junge, Lehrling bei einem Spenglermeister, sprach fließend deutsch, rumänisch, bulgarisch, hebräisch und die lingua

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