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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1886-10-08 · Heft 32 (8.10.1886) · p. Seite 3

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
6 (1886)
Issue
Heft 32 (8.10.1886)
Date
1886-10-08
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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3 Fragmente. Aus bem alten jübischen Leben im Familienkreise, im Gotteshause, irn gemeinschaftlichen Verkehre. (Zweite Artikel-Serie.) XV. Aie Schicksale des Kempels mtd Jerusalems. Nach vierhundert und fünfzehnjähriger Dauer stürzte der Tempel endlich (588) bei einem Brande zusammen, welchen die babylonische Armee entzündete, um die Zeit, in welcher die Phocäer eine Colonie nach Marseille führten. Bei der Rückkehr ans der Gefangenschaft erbaute man ihn wieder auf den Trümmern des alten. Die Arbeiten wurden oft unterbrochen; Esra und Nehemja feierten die Einweihung mit großem Pompe. Siebzig Jahre nach der Zerstörung des ersten, um die Zeit, als Harmodius und Aristogiton Athen befreiten und das Consnlat des Brutus das Königthum Tarqnin's verdrängte. Dieser zweite Tempel enthielt das heilige Feuer und die Bundeslade nicht, welche der Prophet Jeremias hatte fortbriugen lassen, um, wie es beißt, jenes in einem sehr tiefen, trockenen Brunnen, die in der Höhle Nebo, zu welcher mau den Zugang nicht mehr fand, zu verbergen. Er wurde vom Oberpriester Simeon dem Gerechten, gegen das Jahr dreihundert vor der jüdischen Zeitrechnung, befestigt und vom König Egyptens, Ptolomäus Philipator (315) entheiligt. Man kennt das angebliche Los des Heliodor, Gesandten des Königs von Syrien, der mit offener Gewalt sich des Schatzes, der für den Unterhalt der Witwen und Waisen sorgte, bemächtigen wollte, und mit Geißelhieben von Engeln, von denen der Eine in der Gestalt eines Reiters, und zwei Andere in der Gestalt zweier junger, sehr schöner und besonders sehr kräftiger Infanteristen erschienen, bewillkommt wurde. Der syrische König Antiochus Epiphanes plünderte und entweihete ihn von Neuem gegen das Jahr hnndertsiebzig; Juda Makkabi befestigte ihn sechs Jahre später und feierte die Einweihung. Seine Nachfolger suchten ihn zur Festung eiuzurichten und legten die Grundsteine zu einen! Thuuuc im Nordwesten, der später den Namen der Festung Antonia erhielt. Er fiel im Jahre dreiundfechzig in die Gewalt des Pompejus, als dieser Feldherr sich zu Gunsten des Antipater und Hirkan des Zweiten gegen Aristobul, den Bruder des Letzteren, erklärte. Die römische Armee benutzte einen Sabbattag, wo die Priester, die ihn vertheidigten, zur Unzeit ihre gewöhnliche Wache aufgehoben hatten, und sie sah nicht ohne Erstaunen, mit welcher unstörbaren Ruhe diese Leute auf den Stufen des Altars, wo sie ihr Amt wie im vollen Frieden zu verrichten forlfuhren, den Tod erlitten. Der habsüchtige Krassus plünderte ihn im Jahre vierundfünfzig, als er gegen die Parther marschirte. Er wurde von HerodeS eingerisseu und nach einem umfassenderen Plane und in einem schöneren Style wieder erbaut. Er umgab ihn mit prächtigen Säulengängen und Hallen, ohne ihm die Kraft, eine Belagerung auszuhalten, zu nehmen. Die Makkabäer ließen einen Theil des Berges Akra, der im Osten war, abtragen, um die Ausdehnung seines Gebietes zu vergrößern; auf der westlicheu und südlichen Seite hatte man in derselben Absicht Terrassen, dis von dicken Mauern unterstützt wurden, ausgeworfen. Endlich wurde er am zehnten August, im Jahre einundsiebzig der politischen Zeitrechnung, von der Armee des Titus an demselben Tage desselben Monates, am nennten Ab, an welchem ihn Nebuhadnezar verbrannt hatte, vom Grund aus zerstört. Die Altäre, welche Hadrian auf seinem Platze in der neuen Stadt, Aelia Capitolina genannt, errichtete, fielen zur Zeit Coustantins und Helena's, seiner Mutter, im Jahre drei» hundert sechsundzwanzig; das Christentbum führte seinen Cnltus ein. Der Kaiser Julia:׳, der Beschwerden überdrüssig, zu denen die neue Religion Anlass gab, wollte ihre Nebenbuhler unterstützen und erlaubte den Inden, ihren Tempel wieder aufzu״ bauen. Doch mehr, als die angeblichen Feuerkugeln, die auf wunderbare Weise der Erde entstiegen, unterbrach fein Tod das Unternehmen. Der christliche Gottesdienst wurde wieder hergestell!; aber im Jahre sechshundert fünfzehn nahm der Eidam Kosrocs des Zweiten, Königs von Persien, Jerusalem ein. Heraklius brachte im Jahre sechshundert siebenundzwanzig das Christenthum dahin zurück. Neun Jahre später psiauzie der Kalif Omar, der kein schwarzes Herz im Busen trug, den Halb» mond dort auf und legte auf dem Platze dcs alten Tempels den Grundstein zu einer Moschee, welche durch Abdelmalek, den Sohn Mervans des Ersten, reich verziert wurde und mit Medina und Mecca den Anspruch auf die mohamedanische Verchruug theilre. Die Kalifen, Omars Nachfolger, verschiedene türkische Horden, die sich zu Herren von Egypten machten, die Fatimiter, also genannt von Fatime, der Tochter Mohamed's, eroberten nach großen Verlusten Jerusalem wieder. Endlich gerieth das Abendland in Bewegung; der Orient Hane sich bis in den Schoß Galliens ergossen, die Sarrasfeuen drohten, Alles unter die Gewalt Pallaich's und ihrer Sillen zu bringen. Europa blieb eine Zeit lang ungewiss, ob es sich nicht den Turban umbinden würde. Die Kreuzfahrer, von einem begeisterten Einsiedler angeregt, stürzten sich ihrerseits auf Palästina und hielten im Monat Juli im Jahre 1099 ihren Einzug in Jerusalem; an ihrer Spitze stand Gottfried von Bouillon. Die Kirche ersetzte die Moschee Mohamed's und den Tempel Jehova's. Aber der Boden ertrug diese neuen Eroberer mit Ungeduld. Der Geist der Eitelkeit, des Schwindels und der Zwietracht verbreitete sich über sie. Ihr stolzer Nebenbuhler Saladin, Sultan von Egypten, nimmt die heilige Stadt im Jahre 1188 wieder ein. Ströme Nosenwassers fließen von allen Seiten, um die Kirche in eine Moschee des Gottes, dessen Prophet Mobamed ist, umzugestalten. Kaiser Friedrich der Zweite zieht (1222) dort ein. Zwanzig Jahre später wird Jerusalem vom Sultan Nedjmedin geplündert, und die Mameluken vertrieben im Jahre 1291 die Christen, ungefähr zweihundert Jahre nach ihrem ersten Einfalle, entschieden aus Palästina. So schien diese Stadt eine Zeit hindurch der Mittelpunkt der Welt zu sein und von ihrem Besitze die allgemeine Herr-, schaft abzuhängen. Ihre rechtmäßigen Herren, die Hebräer, saben sich unterdes dem Hohne und der Grausamkeit derer, die sich um ihr Land zerfleischten, preisgegeben, und dieses Volk, mit den Waffen in der Hand gefallen, erinnert gewissermaßen an den Leichnam des Patroklus, um den sich die Griechen und Trojaner stritten; doch mit dem wesentlichen Unterschiede, dass die Christenheit, gleichsam die Tochter dieses zweiten Patroklus seinen Körper mit Füßen trat, während sie um feinen Nachlass kämpfte. Die persischen und medischen Colonien, die nach Samaria verpflanzt wurden, hatten zu Gerisim einen Tempel nach dem Vorbilde des Tempels zu Jerusalem errichtet. Er wurde später dem olympischen Jupiter geweiht, und zweihundert Jahre nach seiner Erbauung von Hirkan Makkabi umgestürzt, als dieser gegen die syrische Macht, welcher die Stadt Sickem Hilfe leistete, auszog. Ein anderer Tempel erhob sich nach demselben

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