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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1886-09-27 · Heft 31 (27.9.1886) · p. Seite 6

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
6 (1886)
Issue
Heft 31 (27.9.1886)
Date
1886-09-27
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Napoleon der I. und die Juden. (Aus ״Hie jewish Herald“). (Fortsetzung.) Das Subcomile wählte zum Vorsitzenden den Nabbi Zinzheim, die geeignetste Persönlichkeit; denn man benöthigte dazu viel Takt, um einerseits dem Kaiser kein Aergerniß zu geben und anderseits das Iudenthum nicht zu comprommirtiren, und es war zu hoffen, dass unter der Leitung dieses Präsidenten alle Schwierigkeiten beseitigt würden. Nun wurde zur Beralhung geschritten, und bei manchen Fragen fanden keine Meinungsverschiedenheiten statt. Die Frage, ob die Juden Frankreichs die Franzosen als Brüder und die Gesetze des Landes als bindend betrachten, konnte nur bejahend beantwortet werden, da die Juden sich glücklich fühlten, Franzosen zu sein, und ibre Loyalität und ihren Patriotismus bei jeder Gelegenheit bewiesen. Auch war kein Anstand, die Ehescheidungen durch die Gericktsböfe für rechtmäßig anzuerkennen, und wenn auch zu einer neuen Eheschließung die vorhergehende religiöse Sckeidung nöthig wäre, so sollte eine solche Loch immer erst nach Auflösung der früheren Ebe durch die Civilgerichte stattfinden, wie dieses in England und in anderen Staaten Europas tchon eingeführt war. Was die Frage betraf, ob die jüdische Neligion den Wucher erlaube, erklärten die Repräsentanten. dass sie denselben im Gegentherle gegen Jedweden ohne Unterschied streng verbiete, und wenn auch manche Juden gegen die religiösen Vorschriften handeln und sich damit befassen, so sei deren Zahl zn geringe, um desbalb das ganze Volk zu bezichtigen. Auf diese Art wurden noch manche andere Fragen leicht erledigt. Nur die Frage, ob die jüdische Neligion Mischehen erlaubt, verursachte viele Schwierigkeiten und beschäftigte lange das Subcomite, welches einen sorgfältig auSgearbeiteten Bericht hierüber verfasste, worin ausgesprochen wurde, dass nach der Bibel nur die eheliche Verbindung mit 7 Nationen der Canaaniter und allen Haiden verboten sei. keineswegs aber mit Glaubcnsbekennern monotheistischer Neligionen. Auch könnten die Schwierigkeiten, welche die vorgcschriebcnen Ceremonien verUrsachen, weil bei Mischehen die üblichen Gebete nicht stallflnden können, dadurch beseitigt werden, dass solche Ehen von Civilrichtern und nicht von Nabbinern vorgciiommen würden, und wenn der jüdische Theil sich entschließt, auf diese Ceremonien zu verzichten, so sei das statthaft, und diese Art der Eheschließung würde ihn vom Verbände mit seinen Glaubensgeuoffen nicht ausschließen. Dieser Bericht rief bei der Generalversammlung eine große Debatte hervor. Zuerst wurde ein Antrag gestellt, die ganze Frage nur von den Nabbinern entscheiden zu lassen, da si° blvs religiöser Natur!'ei; aber dieser Antrag wurde nicht augeuommeu, denn die orthodoxen Mitglieder der Versammlung fanden den Lericht zu sehr unbestimmt und fürchteten, dais selber zur Verletzung vieler jüdischer Principieu Anlass geben würde, während die Aufgeklärten, die schon lange die Nnualgei'etze abgcstreift hatten, hofften, dass die Mischehen von der Ver'ammlung für erlaubt erklärt werden würden. Endlich fassten die Depniirien eine Nesolution, welche die Wünsche des Subcomi!6s mir wenigen Abänderungen accepiirte und den Gegenstand dadurch erledigte. Alle diese Verhandlungen wurden dem Kaiser zur Kenntnis gebracht, und er war damit zunied.n; denn die Art und Weise, wie die Männer die Geschäfte leiteten und die ansgezeichneten Neben, die gehalten wurden, schmeichelten!einer Eigenliebe, und der Ausdruck der Loyalität erregte!ein Woblgesallen- Bevor die Versammlung sich auflöstc, fanden die Mitglieder noch Gelegenheit, ihre Anhänglichkeit an die Person des Kaisers zu manifestiren, nämlich am 15. August, dem Geburtstag des Kaisers. Dieser Tag wurde im Tempel in der glänzendsten Weise gefeiert, das Bild des Kaisers mit Blumen bekränzt und von drei Nabbinern in französi'cher, deutscher und italienischer Sprache dem Kaiser das größte Lob gespendet, sowie bebräische und sranzösische Hymnen gesungen. Napoleon als Freund solcher Vergötterungen äußerte seine Befriedigung und ließ ihnen andenteu, dass er die besten Intentionen habe, ihre Arbeiten anerkenne und osficielleu Bescheid ertheileu werde. Napoleon war zu sehr Staatsmann, um nicht zu wissen, dass die Beschlüße der Deputation keine bindende Kraft bei den Juden haben, und dass es selben frei stehe, solche zu befolgen oder nicht, auch dass ein großer Theil der Experten weder Autorität noch Einfluss besaß, um ihre Entscheidungen dem geiammten südischen Volke aufdrängen zu können, und fand daher einen Ausweg aus diesen Schwierigkeiten, nämlich die Nepräsenianten wurden alle auf den 8. September desselben Jahres wieder zusammenberufen, wo Gras Mole im Namen des Kaiiers erklärte, dass Se. Majestät, von ihrer Arbeit zufriedengestellt, bereitwillig wäre, den Juden die freie Ausübung ihrer Religion zu gewähren und alle Rechte und Privilegien gleich allen französischen Bürgern zu garantircn, wenn sie früher Sicherheit leisten, dass ihre Beschlüsse von ihren Glaubensgenossen in Frankreich befolgt werden sollten! Zn diesem Zwecke proponirte ihnen der Kaiser, ein großes Sanhedrinm, wie es zur Zeit des Tempels in Jerusalem bestand, zu errichten, welches, wie in alten Zeilen, die autoritative Kraft bei Ausführung der Gesetze und Negulirung der consessionellen Gegenstände besitzen sollte, dieses batre miß 71 Mitgliedern, worunter 2/3 Geistliche und % Laien, einem Präsidenten (Nasse) zwei Vicepräsidenten (Beth bin und Ehacham) zu bestehen. Diese Ankündigung verursachte bei den Depntirten außerordentliche Freude; denn es war mehr, als sie erwartet hatten, sie hatten nur um Clvilrechte gebeten, und es wurde ihnen auch ein mit execntiver Kraft ausgestattetes Sanhedrinm bewilliget. Sogar im Ausland erregte dieses Erstaunen; denn die Welt war an eine solche Willfährigkeit gegen ein überall verachtetes Volk nicht gewöbnt. (Schluss folgt.) Kleine Chronik Wie». Donnerstag den 23. d- M. 11 Uhr Vormittags fand die feierliche Einweilmng des von den vereinigten Cultusgemeiuden Hernals, Ottakring und Neulerchenfeld neu erbauten Tempels in Ottakiing, Hnbergasse Nr. 8, statt. Das Gebäude war mit Fahnen und Tannenreisig decorirt und von den zahlreich geladenen Gästen, unter denen wir auch die Vertreter der Regierung, des Bezirkes und der politischen Gemeinde bemerkten, bis auf das letzte Plätzchen besetzt. Die Feier, über welche wir noch Näheres berichten werden, nahm einen febr würdigen und erhebenden Verlauf. Wndapeik. Wie man uns meldet, soll der seit Langem bestehende Plan der Errichtung einer jüdischen Abtheilung im Cnltns- Ministerium endlich zur Nealisirung gelangen. Die jüdische Landeskanzle! würde sodann ihre Thätigkeit einzustellen haben. Das ,Bndapester Tagblatt' bemerkt dazu, dass an der Spitze dieser jüdischen Abtbeilung als Ministerial-Secretär ein talmudisch gebildeter Mann gestellt werden dürfte. WlKelöach. Mit Hilfe der israelitischen Allianz ist es dem biengen Milijanvereine gelungen, den jüdischen Religionsunterricht an der öffentlicheu Bürgerschule einzusühren. Zum Neligionslehrer wurde

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