Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 6 (1886)
- Issue
- Heft 31 (27.9.1886)
- Date
- 1886-09-27
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
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— ׳7* — Herr Ccurtor Sigmund Jelliuek bestellt, der schon seit fünf Jabren in Mistelbach fuugirt und im Februar l. I. die Neligionsprüfnng bei Sr. Ehrwürden Herrn Landesrabbiner Dr. B- Platschek ablegte. Die 'Allianz hat für den Neligionsnntenicht eine jährliche Sudvention von 100 fl. ausgeworfen und dadurch die Möglichkeit gegeben, dass die 40 jüdischen Kinder, welche die hiesige öffentliche Schule besuchen und von denen bisher die meisten keinen Religionsunterr cht genossen, nicht dem immer mehr zunehmenden Jndifferentismns anheimfallen. Für dieses humaintäre und hochherzige Streben verdient die wohllöbliche Allianz die vollste Anerkennung eines jeden Glaubens- > genossen. Menfra Am 6. September fand vor den Schranken des hiesigen Strafgerichtsbofes die Hanptverhandlnng gegen den Bankier Jussef Salama aus Alexandrien wegen Bigamie statt, zu weicher derselbe persönlich erschien. Die Angelegenheit bietet sowohl >ür den Laien als auch für Fachleute großes Interesse. Jussef Salama, mosaischer Religion, der, nebenbei bemerkt, streng religiös ilt, heiratete mit Wissen seiner legitimen Gattin, wie es die Bibel vorschreibt, die kinderlose Wittwe seines in Damaruhr verstorbenen Bruders. Anfänglich schien die Sache in Ordnung zu sein; später überkam jedoch seine erste Gattin ernste Rene; sie bestritt aut Anraihen dortiger Inristen die Legalität der zweiten Ehe und erstattete gegen ihren Gatten als angeblichen ungarischen Staatsbürger beim k. k. General- Consulate in Alexandrien die Strafanzeige wegen Bigamie. Der Process bietet, abgesehen von der Originalität des Tkarbestandes, der Frage über die Eompetenz und die Strafbarkeit selblt, wegen der dabei handelnden Persollen lebhaftes Interesse, denn die Privatklägerin hat der Landtags-Depntirte, Advocat Karl Eötvös, vertreten, während die Bertheidigung von Dr. Armin Katlay geführt wurde. Bei der Verhandlung erklärte Salama, mit seiner Schwägerin blds eine ,Leviratseh.ימם) '׳), aber keine .Ehe' geschlossen zu haben und bestritt überdies die Eompetenz des Gerichtet׳, da er nicht nach Neutra zuständig sei. lieber den letzten Einwand wurde eine Ergänzung der Untersuchung beschlossen und überdies die Einholung eines Gutachtens vom Oberrabbiner von Alexandrien über das Wesen der ,Leviratsehe'. Merlin, 14. September. Reichstags-Abgeordneter Ludwig Loewe wurde heute Vormittags nach einer würdigen Trauerfeier in der Synagoge, wo Rabbiner Maybanm dem Verblichenen einen Nachruf widmete, auf dem alten jüdischen Friedhofe in der Schönhauser Allee bestattet. Die Leichenfeier gestattete sich durch die sehr zahlreiche Betheiligung hervorragender Mitglieder der Berliner Gesellschaft, der liberalen Abgeordneten, der Vertreter d.r Presse, der Arbeitervereine re. zu einer imposanten Kundgebung. An der Spitze schritt der Bezirksverein Att-Cöln, dem der Wahlverein des ersten Reichstags- Wahlkreises, welchen der Verstorbene lange Jahre im deutschen Parlament vertreten, folgte. Sodann folgten die Bezirksvereine ans dem Gebiet des ersten Wahlkreises, denen sich der Reihe nach die Wahlvereine der fünf anderen Reichstagswahlkreise mit ihren zahlreichen Bezirksvereinen anschloßen. Auch der Berliner Arbeiterverein, der mit seiner großen schwarz-roth-goldenen Fahne erschienen war, hatte ein stattliches Contingent gestellte Sodann sind noch der ebenfalls zahlreich vertretene Verein ,Waldeck', der deutsch-freisinnige Arbeiterverein aus Charlottenburg und der jüdische Wohlthätigkeitsverein zu erwähnen. Unmittelbar vor dem Leichenwagen gingen mehrere Hundert Arbeiter des Loewe'schen Etablissements mit ihrer Fahne und dem Gewerkszeichen. In dem mächtigen Zuge befanden sich mehrere Musikcapelleu, welche abwechselnd Trauermarsche bliesen. Dem Leichenwagen zur Seite trugen die Meister und Techniker der Fabrik des Verstorbenen prachtvolle Palmzweige. Unmittelbar hinter dem Wagen folgte die trauernde Familie dem Heimgegangenen. Die städtischen Behörden unter Vorantritt des Oberbürgermeisters v. Forckenbeck und des Stadtverorduetenvorsteher-Stellvertreters Dr. Stryck — sämmtlich mit den goldenen Amtsketten geschmückt — schloßen sich unmittelbar -an die Hinterbliebenen an. Hinter den Würdenträgern schritten die ,zahlreichen Freunde und Verehrer des Verstorbenen. Auf dem Fried- Hofe sprachen noch die Abgeordneten Virchow, Träger und HermeS. Die btdeutendste Rede war die Virchom's Er könne es, sagte er, nur der außerordentlichen Tbätigkeit der im öffentlichen Leben stehenden Männer jüdischer H.׳rknnft zuschreiben, dass die sonst so jüdische Race so rasch nacheinander bedeutende Männer, wie MaguuS, LaSker, Skraßmauu, Loewe, auf den Friedhof bringe. Virchow rühmte Loewe's aufopfernde Tdätigkeit für das Gemeinwohl und seine Freunde. Er babe nie einen treueren Freund gekannt. Bei aller gerechten Leidenschaft habe Niemand leichter als Loewe politischen Gegnern zur Versöhnung die Hand geboten. Selbst als die Freiheit der religiösen!Überzeugung zum Gegenstände der politischen Action gemacht wurde, sei wohl Niemand mebr als Loewe darüber empört gewesen, und doch war er am ehesten bereit, zu vergessen. Loewe'S religiöse Duldung, Arbeiterfreuudlichkeit und Gemeinsin» seien eine theuere Erbschaft für seine Gesinnuugsgenoss n. Der letzten Rede folgte der von dem Rabbiner. Herrn Dr. Ungerleider, gesprochene geistliche Abfchiedsgruß; derselbe schloß mit einem in hebräischem Text gesprochenen Gebet und dem Segen in deutscher Sprache. Und damit endete eine Beerdigungsfeier. die sie durch die allgemeine Betheiliguug der hauptstädtischen Bürgerschaft zu einer so großartigen Huldigung gestalrete, wie wir sie in den letzten Jahrzehnten nur in höchst vereinzetten Fällen zu verzeichnen hatten. Oe. W. Gauen. Vor einiger Zeit fand hier selbst in der jüdischen Schute die Prüfung statt, welche der General-Gouverneur von Kreta, Savas-Pascha, mit feiner Gegenwart beehrte. Der Pascha erklärte, er sei gekommen, um der jüdischen Gemeinde das hohe Interesse zu bethätigen, das er und auch die Negierung ar. den erziehlichen Fortschritten der Inden nehmen. Am Tage nach der Prüfung berichtete das hiesige griechische Blatr eingehend über dieselbe und rühmte dabei die von der jüdischen Schule erreichten Resultate in sehr anerkennender Weise. Mehrere frühere Zöglinge dieser Schule setzen bereits ihre Studien auf der Universität zu Athen fort. Im Uebrigen ist der Besuch des Paschas nur ein erneuter Beweis von der herzerfreuenden Einmütbigkeit. welche auf der Insel Kreta zwischen den Anhängern sämmrlicher Glanbenöbekenntniße besteht. Da wir uns Anlass -er hohen Feiertage durch unsere amt- Uchc Thatigkcit mehr denn je in Anspruch genommen sind, erscheint die heutige Nummer mit einer kleinen Verspätung. Die nächste Nummer erscheint Freitag, den 8. Bctober. Attea unseren CoUegen und Freunden wünschen wir כתיבה והתימה טובה Die Redaction. Abonnementsnnd Jnsertionsbeträge sind Ln der Nedaetion, Wien II., Rovaragasse 27, zahlbar. Kinderwäge,n-Fabriks-Lager. Verkauf von allen Gattungen Kinder- und Puppenwägen, Hutschpferden, sowie aller Gattungen Einkaufu. Luxuskörben des 8. Kammer ■'\7v7~iexi, XI., 13:leiD.e IFfarrafasse 2. Aufträge aus der Provinz werden prompt effectuirt. (Raten- Zahlungen bewilligt.) ILdCa-rtin. 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