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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1886-09-27 · Heft 31 (27.9.1886) · p. Seite 5

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
6 (1886)
Issue
Heft 31 (27.9.1886)
Date
1886-09-27
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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sondern auch als guten Sängern zu statten kommen. Dennoch können sie dann und wann an Schnupfen und Husten leiden und eine unangenehme Versteifung in den Slimmwerkzengen fühlen; dann mich man nicht singen, weil diese Anstrengung die Brust erhitzt und der anhaltenden Schönheit der Stimme schadet. Jede Anstrengung, die mehr als eine zufällige persönliche Trägheit zu überwinden hat, wird bei dieser Gelegenheit nur mit kargen, ost mit theuer erkauften Früchten lohnen. Das Wohlbesinden der Stimme und des Körpers ist der Maßstab, nach welchem man seine Zumulhungen einrichten muß. Vieles Tabakrauchen oder Einsangen des Rauches und Staubes, heftiges Tanzen und schnelles Erkälten, nachdem man sich durch Tanz oder Gesang angegriffen hat, und, ohne die erhöhte Reizbarkeit zu bemerken, sich der Zugluft blosstellt, sind alles Dinge, die der Stimme eine unangenehme Krudität verurfachen, indem sie ihr die Geschmeidigkeit rauben, die einen Tbeil ihrer Schönheit ausmacht. Man hat weder Schnupfen noch Husten davon, wenn der Körper unverzärtelt blieb; aber doch ist das Organ widerspenstig und bleibt es oft lange Zeit, wenn man es unter solchen Umständen zwingen wollte. Wir mögen noch so abgehärtet sein, so kann doch diese Abhärtung den Körper nicht bis zur Unempfindlichkeit bringen. Die Empfindlichkeit der Stimme wie des Körpers gehört ja außerdem zu ihrer Vollkommenheit; kein vernünftiger Mensch wird darauf .ausgehen, sie zu vertilgen. Jedes Uebermaß von Bewegung oder Ruhe, von Erkälten oder Erhitzen, Abhärten oder Verzärteln, 'Genießen oder Nichtgenießen theilt sich jedesmal der Stimme mit, je mehr der Theil des Körpers, auf den die Wirkung zunächst fällt, mit den Stimmwerkzengen nah oder entfernt verwandt ist. Der Freund seiner Stimme und einer klugen Mäßigung findet, wenn er sich die Mühe gibt, die Wirkungen zu beobachten, gewiss seine Belohnung in dem frischen Jugendkolorit und dem saftigen Klange seiner Singstimme wieder. Es gibt Sänger, die den Mangel an z orgfalt für ihr Organ durch allerlei Getränke, Sirups und Bavaroisen zu er setzen hoffen. Allein dies ist vergebliche Mühe. Weder die Für die Dauer konnte sich die »Jüdin* nicht an den Stufen des Thrones behaupten. Der Glanz blendete sie, sie wurde schwach. In der Krönungskirche am Fuße des Trepewitsch trat sie zum Christenthum über. Sie empfing den Namen Theodora und bald darauf setzte ihr der gelehrte Patriarch von Tirnowa das schimmernde Perlen-Diadem Bulgariens auf das blauschwarze Haupthaar. Mit Jubel begrüßte das Volk die ,neuerleuchtete Czarin! Alexander gebar sie einen Sohn, Schischman III., und eine Tochter, Thamar. Nachdem er dem Erstgebornen seiner geliebten kleinen Hebräerin, zum Verdrusse der ihm von der .Rumänin geschenkten drei Söhne, die Nachfolge gesichert batte, starb er 1365. Das Todesjahr dieser Czarin ist unbekannt. Die Bulgaren verehrten sie ob ihrer milden Stiftungen und sangen ihr nach dem Hinscheiden ein ״ewiges Andenken.* Ihr Geschlecht thronte bis zum 17. Juli 1393, an welchem Tage das vertheidigte Tirnowa dem Anstürme der Türken erlag. Ihre Tochter Thamar wanderte in den Harem Murad's I., ein Opfer kalter und fruchtloser Politik. Jm^ Jahre 1393 verblutete ihr Sohn Schischman III. unter den Säbeln der Ja- .nitscharen in der Vernichtungsschlacht an den Maritza-Queüen. A. G. Neinbeit,. noch die Geläufigkeit der Kehle kehrt dadurch zurück. Indessen kann es Fälle geben, wo der Sänger mit augenblicklrchem Erfolg eine Sardelle, oder ein wenig Citronenfaft ans Zucker seiner Stimme zu Ehren genießen dürfte, wo vielleicht ein Glas Wasser die nämlichen Dienste geleistet haben würde. Ich komme ferner zu den Dingen, welche der Stimme auf eine unmerklichere, aber aus die Länge weit eingreifendere Art Schaden bringen, und jedesmal den frühen Untergang, eines schönen Organs bereiten. Dieser Dinge gibt es zum Glück wenige, und sie sind fast alle zu vermeiden. Denn ich rechne dahin keine heftigen Krankheiten, gleich den Pocken w, oder dergleichen erschütternde Ereigniße, gegen die man umsonst zu Felde ziehen würde, und die sich jedoch dann und wann als die Räuber der Singstimme zeigen; sondern nur solche, die größtentbeilS vermieden werden können, wenn man durch eigenen Beobacktuugsgeist diese Feinde ausspürte oder die Erfahrungen Anderer zur Vermeidung benutzte. Dahin gehört der Schaven, den die Singstimme durch anhaltendes Sitzen leidet. Es gibt wenig Dinge, die ihren Klang auf eine so entschiedene Weise tödten. Der Schaden ist aber noch sicherer, wenn der Zweck des langen Sitzens die Unterhaltung des Schreibtisches wäre, wo die Brust angelehnt, gedrückt, durch eine gebückte Stellung, wo die Schultern vorgebeugt, so zu sagen auf der Brust ruhen, leidet. Das Athemholen wird durch diese Stellung gehemmt und wird bald dem Sänger selbst wenn er steht, sehr erschwert. Der Nachtheil merkt sich nicht in den ersten Tagen, daher glaubt man kaum, dass die Dämpfung der Stimme von dem gebückten Sitzen herrühre. So manche Sänger und Sängerinnen schreiben selbst ihre Noten ab; so manche unterer singenden Collegeu sind in weitläufige Briefwechsel verwickelt und fühlen sich zum Tische hingezogen, wo man das Wort malt und den flüchtigen Gedanken fesselt. Weil wir es als eine Entwicklung unserer Geistesfähigkeit betrachten, bringen sie den Wohlklang ihrer Stimme zum Opfer. Sie vergeht nicht gleich auf der Stelle; aber sie fängt an weniger leicht anzusprechen. Der Ton wird dumpf, sein Anfang und Ende haben, eine gewisse Stumpfheit, die dem Kenner die Ursache des langen Gebücklsitzens verräth. Kommt dies oft vor. fallen vielleicht noch Nachtwachen dazwischen, wo die Schriflbeschäfligung sitzend fortgesetzt wird, so entsteht bald eine gänzliche Dämpfung des Tons, die Tage und Wochen anhält, und bei den Franzosen unter der Benennung der extinction de voix bekannt ist. Sie macht es unmöglich, einen Ton herauszubringrn. Die Theile der Brust, durch welche die Töne gehen müssen, sind nach und nach gebogen worden und haben eine Verkrüppelung erlitten, so dass die Töne nicht mehr den natürlichen Weg finden. Kehrt eins solche Erlöschung der Stimme oft wieder, so läuft der Sänger Gefahr, sie einmal ganz zu behalten. Diesem Nebel zu begegnen, ist um so schwerer, da eS langsam und an innern Theilen entsteht, wo nur die Zergliederungskunst Licht hinbringt. Die Arzneien aber, welche bis zu ihnen dringen, bringen den übrigens gesunden Körper aus seinem Gleichgewicht. Ich warne daher unsere Schüler vor den gefährlichen Schreibtisch, und sollte der Zweck, welcher sie an ihn feffelt, die Gefahr werlh sein, wonicht die Stimme sogleich ganz zu verlieren, ihr doch ein frühes Alter zu bereiten, so bleib! mir nur die Bitte zu thun, ja niemals länger als höchstens zwei Stunden anhaltend zu schreiben, dann wenigstens auf kurze Zeit wieder anfzuftehen, irgend ein den Körper bewegendes Geschäft zu unternehmen, und oft dazwischen eine Scala langer Töne zu singen, damit die Stimmritze in der natürlichen Lage erhalten werde. (Fortsetzung folgt.)

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