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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1886-09-27 · Heft 31 (27.9.1886) · p. Seite 4

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
6 (1886)
Issue
Heft 31 (27.9.1886)
Date
1886-09-27
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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- 4 ־ Sicherheit behaupten, ob es wirklich dreierlei oder blos zweierlei Arten von ,Steigern^ — meines Erachrens Singweisen — gibt. Die 24 Notirungen der traditionellen Gesangsweisen sind doch uns Allen recht liebe Bekannte, und sie würden auch, wie ich glaube, erst Jedermann besser einleuchten, wenn dieselben in rhychmischem Style gehalten wären, da sie dadurch leichter aufzufassen und studirbarer sind. Die Tendenz, welche Sie in ihrer Broschüre verfolgen, ist epochemachend, jedoch fürchte ich, dais das Terrain ein undankbares und schwieriges ist, und es wird vieler Ausdauer und Geduld Ihrerseits bedürfen, um das vorgesteckle Ziel zu erreichen — wenn Sie es auf der Basis Ihrer jetzigen Broschüre überhaupt erreichen werden können. Denn durch eine langjährige Ausübung haben sich die von Ihnen stigmatisirten Gebräuche schon derartig bei Fachleuten, wie auch beim großen Publikum eingewurzelt und festen Fuß gefasst, dass au ein ganz radicales und gründliches Aufräumen mit denselben nur schwer zu denken ist. Dies wäre nur durch die gegenseitige Unterstützung aller betheiligten, für die Sache sich imeressircndcn Facrvren theilweise möglich. Doch müsste sehr behutsam vorzeganzen werden, um nickt ins Extreme zu verfallen! Das Ziel müsste meines Erachtens folgendes sein: Eine einheitliche Nichtunz auf dem Gebiete der Syuagogal- Gesänge zu erstreben, dabei auf die althergebrachten Melodien basireud, jedoch auch der modernen Strömung Rechnung tragend I — Ein solches Programm wird und muß durchgreisen und Sie können dabei auch auf meine Mil- Hilfe — soweit es eben in meinen schwachen Kräften steht — rechnen. — Die Gründlichkeit und bezwingende, selbst jedem Laien zugängliche Logik, welche Ihnen in der Behandlung aller Ihrer Themate eigen ist, sowie auch Ihre in jeder Weise gediegene Feder lässt den Sieg eines derartig umgewandelten Programmes als sicher und leicht errcickbar erscheinen. Die Polemik, welche Ihre geschätzte Broschüre bis heute hervorgerufen hat, deutet Ihnen zum Thcile jene Richtung an, welcher sich dieses Programm anpassen muß, um keine Spaltungen und Dissonanzen in den Reihen der Collegen hervorzubringen. Dies haben Sie selbst zugegeben. — Nun heißt es, die Rollen gebrachte Frage dem entsprechend weiter zu bcbandeln! — Mit der Versicherung meiner ausgezeichneten Hochachtung, und Werthschätzung zeichne ich, sehr geehrter Herr Obercantor, Ihr ganz ergebenster Adolf Grünzweig Regenschori am Araber Cultus-Teinpel. Gesangs-Briefe. (Fortsetzung.) Wir schreiten zu den Hindernißen, die auf längere Perioden die Schönheit der Stimme beeinträchtigen. Die Brust ist ein zartes Gewebe oon Fasern, Nerven, knorplichen und knochigen Theilen, deren geringste Verletzung in die Dauer des Lebens eingreift; einen zarten Theil aber noch mehr zu verzärteln, um ihn zu erhalten, ist nicht ratbsam- Den Hals und die Brust so frei als möglich getragen zu haben, sich des frischen Waschwassers zu bedienen, und dieser Gewöhnheit nicht nur in heißen Sommertagen, sondern bei jeder Jahreszeit, von Kindheit au treu geblieben zu sein, — ist׳ gewiss das sicherste Präservativ gegen die Verkältnngen, Schnupfen und Husten, die zwar jedem Menschen unangenehm sind, es aber doppelt für solche Personen werden, die dadurch den Gebrauch ihrer Singstimnie verlieren, und oft ungefällig scheinen müssen, ohne es zu sein. Oefterer Husten und Schnupfen legt nicht selten den Grund zu ernsteren Erkrankungen der Nespirationsorgane. Uns also durch frühe Abhärtung diesem Lebensabbrnch zu entziehen, ist zunächst Pflicht für den Menschen, und wird cs daher auch für den Sänger. Ein gesunder Mensch gewöhnt sich an Alles, wenn die Abstufungen nur nicht zu grell ans einander folgen und in wohlgewählte Augenblicke fallen.^ Ich rathe also, die jungen Zöglinge früh dem Wind und Regen, der Zugluft, Hitze, Nässe und Kälte, wenn sie gesund sind, ansznsetzen, um dadurch ihren Körper für die Zukunft zu stählen. Dies wird ihnen nicht allein als gesunden Menschen, Eine jüdische Bulgamr-Fürflin. (Schluss.) Und cr presste die kleine, süße Scköne, so oft sie geendet, an sein wildpocheudes Herz und erzählte ihr, wie Tirnowa von Riesen gegründet wurde und wie er nun selber, durch sie zum Niesen geworden, die alte Czarenstadt mit neuem, unerhörtem Glanze umgeben wolle; sang ihr vom Schutzpatron seines Reiches, -dem heiligen Johannes, dessen Gebeine am Trepesi; ruhen, und Dom Besieger der Tataren, dem Czaren Theodor Swestlaiv . . . Und sie? Auch sie war ihm aus tiefster Seele zugethan. und als eines Abends das holde Geplauder zum seligen Flüstern -erstorben war, da umschlang Alexander den Leib der schönen Jüdin und raunte ibr begeistert in das Ohr: Vom Donaustrand bis zu den Nhodopebergen ist mir das Erdreich unterthan! Eroberungspläne gähren in meiner Seele, und so oft Du es duldest, dass ick zu Dir anfblicke, will ich jedesmal ein Reich bczwingen und Dir zu Füßen legen und mit Dir die Herrschaft theilen!* Was für Gedanken, was für Pläne zuckten wohl blitzartig durch ihr Gehirn? Dachte sie zuerst an ihr geknechtetes und Derachtetes Volk, oder lag ihr das persönliche Wohl näher? Sie desaß ein großes Herz — und dachte an ihr Volk! Das Ehazarische Reich, von jüdischen Königen regiert, stieg langsam vor ihres Geistes Auge ans. Als sie den Zerstörer desselben, Basilius II. von Bizanz, nannte, da gedachte wieder Alexander der 15.000 Bulgaren, denen jener Wütherich nach ihrer Gefangennahme in der Schlacht am Berge Belasika hatte die Augen ausstechen lassen, und bei deren Anblick dem Czaren Samuel das Herz gebrochen war —! Der Krieg gegen Bizanz wurde beschlossen, und den gedrückten Juden des griechischen Reiches lächelte aus den Zügen der engelschönen Hebräerin die goldene Freiheit entgegen. Alexander war der Bundesgenossenschast seines Schwagers Stefan Dnschan sicher — und sie? Sie baute aus die Hilfe der Juden Unter-Italiens, welche schon im 6. Jahrhundert heldeumüthig gegen die Oströmer gestritten hatten; sie hoffte auf die kriegerischen, jüdisch-samaritischen Stämme des »glücklichen Arabien"; sie vertraute endlich aus die nordasrikanischen Glaubensgenossen. Johannes Alerander hatte die Inden stets glimpflich behandelt und auf der großen Synode von Tirnowa, der cr selbst präsidirt hatte, über die christlichen Sekten den Fluch ausgesprochen, die Juden aber blos in ihren bürgerlichen Rechten beschränken lassen, in jenen Tagen gewiss ein Vorzug, wenn man bedenkt, dass das 14. Jahrhundert so reich ist an grausamen Judenverfolgungen.

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