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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1886-09-27 · Heft 31 (27.9.1886) · p. Seite 3

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
6 (1886)
Issue
Heft 31 (27.9.1886)
Date
1886-09-27
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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3 schehen, wenn ein jüdischer Cantor auf das Niveau dieses von uns geschilderten Individuums herabsiukt und sich dennoch erdreistet, auch ferner sein Amt zu versehen? Um daher solchen trostlosen Erscheinungen zu begegnen, die den Stand der jüdischen Cantoren in den Koth zerren und unser heiliges Amt mehr schädigen als alle Anfeindungen, ja deren Veranlassung sie sicherlich sind, müssen wir uns frühzeitig gewöhnen, Opfer darzubringen. Zuvörderst ein Sühnopfer für all' daS, was wir bis nun, sei es aus Unkenntnis, sei es aus Leichtlebigkeit. vollbrachten, indem wir den Vorsatz fassen, solches für die Folge zu lassen; dann ein Freudenopfer durch die freudige, keines erschütternden Einflußes fähige Hingabe an unseren Beruf; ein Ganzopfer, indem wir des Lebens ganzes Glück und dessen Segen nur allein in unserer Familie, an der Seite von Weib und Kind suchen und genießen, und all' das lassen, was uns vom Familientische fernhält, ja im Laufe der Zeit demselben ganz entfremden muß; ein Dankopfer durch die rückhaltslose Dankesäußerung all' denen gegenüber, die uns auf unsere Jrrthümcr aufmerksam machen und dem Einflüße derselben entziehen; und schließlich ein Trankopfer — ein Trankopfer. Abgesehen von der verwerflichen Intimität mit den Göttern Bacchus und Gambrinus an öffentlichen Orten, hat ja der jüdische Cantor bei den mannigfachsten Familienfesten Gelegenheit, dem Gläschen zuzusprechen; wie schwer ist cs, in der freudigen Festftimmuug jene Grenze der Mäßigkeit einzuhalten, die den Dichter zu dem Aussprüche vcranlasste: ,Der Wein erfreut des Menschen Herz', und wie leicht ist cs, in jene Sphäre zu gelangen, wo der Ausspruch am Platze wäre: ,Der Wein verdirbt des Menschen Sinn'. Ein Mensch, der der Einwirkung eines unmäßigen Weingenußes anheimfällt, ist seiner Sinne nicht mehr mächtig, und ein Mensch, der nicht im Vollbesitze seiner Sinne ist, kann wohl Thaten ausführen, die in guter Gesellschaft nicht üblich sind. Darum bringe der jüdische Cantor bei solchen Gelegenheiten ein Trankopfer, d. h. ein Opfer dem Tranke, indem er stets an die Grenze der Mäßigkeit denkt. Hat der jüdische Cantor während des Jahres all' diese Opfer am Altäre Gottes dargebracht, daun besitzt er eine Seele, die von Selbstsucht unangetastet, von der Gemeinheit unberührt, von Leidenschaften und Zügellosigkeiten ungetrübt, von der Ein- Wirkung des Alltaglebens unbeeinflusst geblieben, dann ist er, trotz Deuteleien und Einwendungen, ein von jeglicher Schuld freier Diener Gottes, demnach ein würdiger schuldloser Priester im Hause des Herrn. Für einen solchen Gottesdienec wählte daher die Synagoge als Amtskleid für die hohen Feiertage mit vollem Rechte das weiße Linnen. Nur jener jüdische Cantor, der im vollen Bewusstsein seiner Unschuld vor Gott erscheint, hat das Recht, dasselbe auzulegen. Möge diese Auseinandersetzung geeigneten Anklang sinden, dann sind wir der Ueberzeugung, dass die Anfeindungen gegen unseren Stand aufhören und eine bessere, eine Gnadenzeit für uns aufdämmern muß. 8 .... r. Was Hab' ich davon? Resultate einer Ferienreise. Von M. Tintner, Cantor und Lehrer in Bunzlau (Schlesien). ,Wenn Jemand eine 0?etfe thut, So kann er was erzählen, Drum nahm ich meinen Stock und Hut Und that das Reisen wählen*. — So lautet die Einleitung zu Uriaus wohlbekannter Reise, und war für seine Zeit ganz passend. Doch die Zeit hat sich sehr geändert. Was zunächst daS Erzählen betrifft, so ist das eine ziemlich überflüssige Arbeit für den Reisenden geworden, denn da haben Bädccker und Consorten jetzt hinlänglich dafür gesorgt. Darum ist es undankbar, Neiseerlebniße zu schreiben, denn ein Seume, der seinen Spaziergang nach Syracus hinterlassen, bin ich leider nicht. Aber — ,Es sei jeder vollendet in sich', sagt Schiller. Beinahe hätte ich mein Tbema vergessen, denn ich muff trotz meiner Einleitung etwas erzählen. Es war ein schöner Nachmittag, und ich laugte in der Stadt G .. .. an, woselbst ich mich nach dem mir unbekannten Collegen erkundigte; er wurde angetroffen, und ich fand eine gastliche Aufnahme. Im Laufe der Conversaliou, die sich um unser Amt drehte, kam ich auch aus unsere Fachblätter und deren Artikel zu sprechen. Da kam ich schön an. Eiskalt wurde ich abgewiesen mit den Worten: ,Was bab' ich davon?' ,Meiner Gemeinde sind alle Artikel und Debatten ziemlich gleich". — ,Doch Ihr persönliches Interesse, Jbr Streben, die Wissenschaft', warf ich bemerkend ein- — ״Was Hab' ick davon?" — Ich hatte genug gehört, dachte: Schade um jedes Wort! und brach zur Weiterreise auf. Das von ibm gebörte Wort habe ich aber lauge nicht auS dem Sinn gebracht und bin jetzt willens, dem strebenden Collegen meine Ansicht über Fachbläkler auszuplaudern. Was ich davon habe, diese oder jene Fachzeitung zu lesend ״Ich habe viel davon"! Mein Geldbeutel allerdings bat nichts davon, denn weder Gehaltszulage noch Gralificativn ist mir dieserhalb zugeflosseu. Trotzdem babe ich, und viele Collegen mit mir, manches persönlich gewonnen und, waS die Hauptsache ist, auch unsere vielgeliebte Frau Musika. Zuvörderst baden wir unserer Cantoren-Zeitunz die geistige Annäherung zu verdanken. Belehrung und Anregung, manche Unterbaltung und manche Freude, als auch den Besitz der in derselben angezeigten Musik und Fachlitleratur. Wenn ich beim Leien manchen guten Freund aus alter Zeit wieder traf, dem drückte ich berckich im Geiste seine Neckte, sandte ibm einen stillen Gruß, erinnerte mich mancher schönen, sröblichen Stunde und wünschte ein baldiges Wiedersehn! Nun weiter zu meiner Reise. — Die nächste Stadt, die ich erreichte, war B.Dort barte ich die Freude, bei meinem alten Freunde mehrere wackere College» kennen zu lernen. Wir haben köstliche Stunden verlebt, das waren Männer voll ernsten Wollene und Slrebens. Der warme Händedruck von gleichgesinnten Menicken, dcr frische, ungeheuchelte Austausch der Gedanken, das sind Resultate, mit denen man neu gestärkt nach Hause geht. Unter solchen Amtsgenoßen vergisst man die Ai üben des Alltagslebens und zehrt lange Zeit an den empfangenen, wobllhätigen Eindrücken — ein nicht zu unterschätzender Gewinn für Herz, und Gemütb. ״Wen die Kraft harmonischer Töne Fnr's Wahre, sür's Gute und Schöne Je begeistert und geweiht: Dem Heil und Ruvm für alle Zei." Wer könnte noch io liebtos fragen: ״Was Hab' ich davon"? Stimmen über den tniditinneUen 31)1111ptirmirfam)- VIII. Herr Overcanror Singer. Wien. Sebr geebrter Herr! Erwarten Sie von mir durchaus keine Kritik der von Ihnen aufgestellten Scalen (Steiger). die wirklich bewrmderungswürdig in ibrer Art zergliedert sind. Auch möchte ich nicht mit

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