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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1886-09-16 · Heft 30 (16.9.1886) · p. Seite 4

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
6 (1886)
Issue
Heft 30 (16.9.1886)
Date
1886-09-16
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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- -L — vorgeuommen zu haben, und sein hierfür angegebener Grund ist auch' vollkommen begründet. Mir aber lag flcherlich nichts ferner, als der mixo'lydifchcn Tonart einen ihr fremden Ton ausdrängen zu wollen. * 'י Schließlich will ich noch bemerken, dass mein Brief, der, wie aus dem vertraulichen Ton desselben deutlich hervorgeht, ganz und gar nicht für die Oeffentlichkeit bestimmt war, nichts anderes, als eine flüchtige Vergleichung der erschienenen Werke des traditionellen Synagogengesanges beabsichtigte. Sollte es mir jedoch vergönnt sein, an der jetzt so lebhaften Bewegung auf dem Gebiete unserer traditionellen Litteratur weiter theilzunehmen, so werde ich es an Bemühungen nicht fehlen lassen, ״den Ariadnefaden im Labyrinth der alten Tonarten nicht zu verlieren". C a n t o r Ä. B a e r. Gesangs-Briefe. (Fortsetzung.) Was der Mensch mit Anstrengung erlangt, wird ihm theuer; was ihm lieb und theuer wurde, wünscht er auch zu erhalten. Es gibt wenig Dinge, die ihrem Eigentümer so nahe am Herzen liegen, als sein schönes Organ; denn eS erinnert ihn täglich, dass er durch Studium die milde Gabe der Natur veredelte und ein zweites Wesen in sich schuf, das sich in jede seiner Gemüthsstimmungen schmiegt, durch das er über einen Wohlklang herrscht, der nicht allein Vielen hohes Vergnügen schafft, sondern ihn in den Besitz eines stillen Genußes setzte, der weit über den glänzenderen erhaben ist. Da in diesen Briefen von der Bildung und möglichen Allgemeinwerdung schöner Stimmen die Rede war, so glaube ich auch sagen zu muffen, welche Feinde ihrer Erhaltung drohen. Zuvörderst bleibt es eine bewährte Negel, dass Alles, was der Gesundheit des Körpers nachtheilig ist, es auch der Stimme wird; und so im umgekehrten Falle, wenn der Mensch nicht etwa verweichlicht wurde. Bei zweifelhafter Behandlung in Rücksicht auf die Erhaltung der Stimme diene dies zum Führer. Es gibt Dinge, die eine schöne Stimme auf kurze Zeiträume, andere, die sie auf lange, ja noch andere, die sie ans immer verderben. Zusammenziehende, fette, zu bittere oder zu süße Speisen, beiße oder scharfe Getränke, gehören zur Ersten'Elaffe. '--Nüffe,--' Mandeln, Gebackenes, Milch rc. verursachen ״in der Kehle eine-׳ fette Unreinheit, die sich mehrere Stunden erhält. Solche"Speisen" trüben den Hellen Klang, sie rauben der Stimme die nöth'ige׳ Elastizität, dem Anklang seine Leichtigkeit."Daher wird ein Sänger/- dem es darauf ankommt, sein Organ im vollen Glanze hören׳ zu lassen, sich früh zu kleinen Aufopferungen verstehen müssen; darum kann ׳ein solcher aber auch'nicht zu jeder Stünde auf-, gelegt sein, da, wo man ihn als Sänger beurtheilen will, sich sogleich hören zu!affen. ״' - Nicht selten werden die Augenblicke des Nachtisches bei frohen Gastereien, oder die Stunde nach dem Thee gewählt, um" bekannten Virtuosen oder Dilettanten eine musikalische Erholung^ obzulocken. Für die muntere Ver-sammlung istder Zeitpunktד allerdings vortrefflich gewählt, weniger günstig׳ aber wird er dem' Sänger, der nie mit gefülltem Magen siügen sollte, da er es mit dem besten Willen nicht zu seiner Zufriedenheit thun kann. Indessen fordert man hier auch nur kleine Liedchen, und kein billiger Zuhörer wird es sich einfallen lassen, die Virtuosität eines Sängers nach diesen Aeußerungen der Fröhlichkeit zu berechnen. : Bei den Theezirkeln, wo dies leicht der Fall sein dürfte, ratheich dem Sänger, dem augenblicklichen Stimmenverderber, dem Thee, zu entsagen, oder wenn ihm das klare Glas'Wasser nicht׳ ebenso angenehm ist, sich wenigstens nur nach dem Gesang die׳ Nektarschale aus den Händen der gefälligen Hebedie den Göttertrank mischt, zu erbitten. ׳ Es gibt eine unzählige Menge von Kleinigkeiten, die oft l dazu beitragen, der Stimme hohe Politur für kurze Zeit zu verdunkeln oder zu erheben. Dazu gehören die Zufälligkeiten mancher Kleidung. Ein eng anliegendes Gewand, das die Ausdehnung ' der Brust verhindert, dem Kehlkopf beim Gesang den Spielraum' raubt, die freie Bewegung des Halses oder das leichte Athinen verhindert, dies Alles beschränkt den Sänger, der durchaus unbeschränkt in dieser Ausdehnung sein muß. Auch die Atmosphäre, in der wir unsere Töne aushauchen, - trägt unendlich viel zur augenblicklichen GeÜteudmachung des Organes bei. Eine dicke warme Luft in Ess-, Ball- und Gesell- ' schaftsversammlungen; eine zu nahe auf den Sänger eindringende Eine jüdische Knlgaren-Fürflin. Beweint von seinem Volke hat Fürst Alexander von Bulgarien das Land seiner Herrschaft verlassen. Die Bitterkeit, die! sein Herz erfüllen muß, wird gemildert werden durch das Bewusstsein, dass der Lauf seines bewegten Lebens ihm gestattet hat, seinen Namen mit Rnhm in das Buch der Geschichte ein-, zuzeichnen, und dass ihm die Sympathien, fast des ganzen gebildeten Europa's zugewendct sind. Fürst Alexander ist fort, und oft noch wird die bulgarifche Nation sich nach diesem Regenten sehnen, der sie in ihrer eigenen Achtung emporgehoben und den Traum von der Einheit des bulgarischen Volkes nahezu verwirklicht hat. Die heldenmüthige Gestalt des jugendlichen Fürsten erinnert uns an einen anderen Alexander, der um die Mitte des vierzehnten Jahrhundertes auf dem Throne des damals mächtigeren Bulgariens saß und zur Zeit folgender Geschichte in seiner Hauptstadt Tirnowa residirte: Czar Johannes Alexander war jung, schön, schlank wie die Ceder, und sein Volk liebte ihn. Seine Gattin, eine ungebildete Rumänin, scheint er nur aus politischen Rücksichten geheiratet zu haben, und je länger er mit ihr verkehrte, um so drückender erschien ihm das Verhältnis, um so tiefer bereute er diejen Schritt, und sein wissensdurstiger Geist irrte ruhelos in der Finsternis seines - ehelichen Lebens umher und suchte sehnsüchtig nach einem Auswege aus der Herzensöde. . Da trifft er eines Abends vor dem Eingänge zur Krönungs- Kirche ein in Gedanken versunkenes Mädchen, '• das bei seiner Annäherung aufschrack und Miene machte, zu enteilen. . Alexander tritt ihr rasch in den Weg; das fahle Mondlicht ׳ lässt ihre ängstlich flehenden großen Augen noch berückender erscheinen als sonst. »Ei, eine Jüdin?" flüstert Alexander und fasst ihre zitternde Hand. »Vergib, o Herr!" bittet sie, während der Czar sein stau- - nendes Auge auf ihrem Angesichte ruhen lässt. »Du bist schön!" »Mein Herz ist ohne Fehl, o Herr." . »Fürchte nichts, mein Kind!" »O, sei bedankt hiefür!" entgegnete sie aufathmend und küsst seine Hand. Er lässt sie frei: »Darf ich Dich Wiedersehen?׳' »Ich bin ein armes Judenmädchen, die letzte unter meinen' Schwestern, und die Gesetze meines Volkes . . . ."

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