Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 6 (1886)
- Issue
- Heft 30 (16.9.1886)
- Date
- 1886-09-16
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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3 Majestät, die den Tempel umgab, und durch das Verlangen aller Völker nach feierlichen Festen ergänzt. Der Staatshaushalt gewann dabei, insofern der in den Tempeln nothmendige Aufwand »drückend geworden wäre, hätte sich ibre Anzahl vermehrt, und die Moral wurde sicher gestellt, weil Cercmonien, die unter den Augen der Obersten im Volke und vor einer großen Volks- Versammlung vor sich gehen, stets vor jedem lächerlichen, unzüchtigen oder grausamen Gebrauche geschützt sind. Die Centralifation ist nur bann ein Nebel, wenn e i n Punkt auf Kosten aller übrigen bereichert wird; sie ist aber eine Wohllhat, wenn sie Elemente in Verbindung bringt, die sich anderweitig nie genähert hätten. Würde im menschlichen Körper das Herz alle Säfte, die in dasselbe strömen, für sich behalten, so müßte es jene vernichten, während jktzt alle übrigen Theile ein edleres Blut aus ihm zurückempfangen. Es zeigt sich uns hier in der That der wesentliche Unterschied zwischen dem egyptischen und mosaischen Gottesdienste; er besteht darin, dass jener berechnet war, das Volk zu v e reinzelnen und in allen Städten eine gegenseitige Abneigung zu unterhalten, während Moses ihn dazu dienen ließ, dem Nationalgesetze eine höhere Majestät zu erlheilen und der Nation feststehende und von der Willkür eines jeden Staatsoberhauptes unabhängige, allgemeine V e r s a m m l un g e n zu verbürgen. Was die zwei bedeutendsten Könige über ganz Israel, David und dessen Sohn Salomou, an Gold und Silber an häuften, ohne das Eisen, Kupfer, die kostbaren Hölzer und Edelsteine zu rechnen, übersteigt bas Bereich der Phantasie. Man mag sich gern auf Crösus, auf alle Könige, alle Paläste und alle Tempel des Allerthums berufen, die durch namenlosen Reichthum berühmt waren; sie verschwinden vor den Summen, welche der Text der Chronik» zu erwähnen scheint. Salomou gebrauchte sieben Jahre zu diesem Werke. Siebzigtausend Mann von den zinspflichtigen Kanaanitern waren mit dem Transport beschäftigt und achtzigtausend fällten das Holz. Die Maurer Hirams, Königs von Tyrus, arbeiteten vereint mit denen des Königs von Israel. Ihre Anzahl belief sich auf dreißigtausend, doch verrichteten nur zehntausend den Dienst, so dass sie einen Monat in Thäligkeit und zwei Monate in Ruhe waren. Die Steine wurden behauen und gezeichnet herbeigebracht, so dass sie ohne weitere Umstande an ihren Ort gebracht werden konnten; kein Hammer, kein eisernes Werkzeug wurde im Heiligthume gehört, nach der Deutung des Midrasch: ,Das Heiligthum ist eine Stätte des Friedens, dient die Verlängerung des Lebens herbeizuführen; das Eisen ist Werkzeug des Krieges, dient das Leben zu verkürzen, אינו דין שיגיף המקצר על המאריך, es wäre nicht recht, dass das, was das Leben verkürzt, geschwungen werden soll über das, was das Leben verlängert'. (S. Jalk. 2. M. K. 20 und zu Jos. 5). Die Einweihung des Tempels wurde gegen das Jahr dreitausend seit Erschaffung der Welt, ungefähr tausend Jahre vor der jetzigen Zeitrechnung, vierhundert dreiundsiebzig Jahre nach dem Auszuge aus Egypten, hundert vierundachtzig Jahre nach der Einnahme Troja's, zweihundert dreiundvierzig Jahre vor der Erbauung Noms gefeiert. Der Tempel erfuhr eben so zahlreiche, verschiedenartige Schicksale, als das Gesetz, das er enthielt; bald mit Eifer besucht, bald vom Volke verlassen. Schischak, König von Egypten, plünderte ihn; Joas, König in Israel, ließ ihm dasselbe Los widerfahren; Achas, über seine Niederlagen erzürnt, wählte die Götter Syriens, schloß den Tempel zu Jerusalem und errichtete in allen Städten des Königreiches diesen neuen Göttern Altäre. Hiskia, ein Zögling des Propheten Jesais, stellte seinen Glanz wieder her; Menasse, sein Sohn, kehrte zum Götzendienste zurück und errichtete im Schoße des Tempels selbst den Sternbildern Bildsänlen. Gegen das Ende seines Lebens änderte er sein Betragen, aber sein Sobn Amon verbreitete den phönizischen Gottesdienst weiter und weiter. Josias schaffte die Misbräucke wieder ab und stürzte die Souner.rosse und Wagen um, welche am Eingänge des heiligen Ortes aufgestellt waren. Damals gegen daS Jabr sechsbundert vierundzwanzig, fand man das von Moses gcschriebene Gesetzbuch wieder, das während der Unordnungen der vorbergehenden Negierungen verloren gegangen war. Der Oberpriester Hilkras laS es dem ganzen Volke vor. Wohl behaupten manche Bibelkritiker, dais er es selbst verfasst habe," doch scheinen alle Thatsachen im Ganzen dieser Meinung nicht günstig zu sein. Dafür spricht auch die Gesandtschaft zur Prophetin Hulda, welche die Thatsache bestätigte, wie aus ihrer Strafrede deutlich zu ersehen ist. (2. Könige 22) W ..... r (Fortsetzung folgt.) Erwiderung. In Nummer 25 dieses geschätzten Blattes zeibet mich mein verehrter Freund und College Deutsch eiuiger Jrrthümer, waS mich veranlasst, trotz der gebührenden Hochachtung, die ich für den allen bewährten Meister auf dem Gebiete der Synagogenmusik empsinde, mit einer bescheidenen Entgegnung anfzutreten. Zunächst bestreitet der geschätzte Verfasser die von mir nachgewiesene Aehnlichkeit unserer bei der ^isobtadaeil-Jntonation, und zwar durch die Begründung der Tbalsache, dass die meinige (siehe Baal T'fillah Nr. 493) sich durchweg in O-moll bewegt. Hierbei scheint aber der verehrte Kritiker weder meine Anmerkung zu dieser Nummer, noch die nachträgliche Erklärung zu derselben in dem Briefe selbst beachtet zu haben; denn dort heißt es ausdrücklich, dass uack einer anderen Weise sowobl in diesem Stücke, als auch in Nr. 595, 596 und 598 stets ״fis“ und 68״" statt nf“ und ״eu gesungen werden. Mit diesen Veränderungen aber tritt diese bestrittene Aehnlichkeit doch deutlich hervor, während ohne diese heutzutage fast jeder singende Schulknabe in derselben die B-moll-Tonart herauszufinden im Staude ist. Der zwette Vorwurf betriff! die von mir angeblich constatirte Aehnlichkeit feiner 3i8011tal)aol1-Jntonati0tt mit der des Mögen owos, welches aber gar nicht der Fall ist. Mein Vergleich betrifft, wie aus dem Briefe ersichtlich ist» nickt seine 3i86ktadael1- Intonation, sondern die von Lewandowski, Naumbourg, Nnbin und die meinige (ohne Veränderungen und deshalb auch mir ,1. W-* bezeichnet), und zwar Nr. 409, wobei es nur in dem Briefe an der bezüglichen Stelle statt: ,ganz den': ,meinen' (Nr. 409) heißen muß. Dass die eigentliche flogen orvos-Jnto- Nation nicht in dieser, sondern in Nr. 410 ökeses Werkes zu suchen ist, wird wohl jedem Fachmanne bekannt sein; mit letzterer aber habe ich keine ^olltabaokr-Jlttonation verglichen. Ferner werde ich des Jrrthumeß beschuldigt, dass ich bei Vergleichung der Mögen 0^08-Jntonalion die phrygische Tonart mir der der äolischen verwechselt und deshalb irrthümlich den 7. Ton statt des 3. als erhöht bezeichnete. Dies hat allerdings seine Richtigkeit; sollte aber unser verehrter Altmeister in dieier Verwechselung wirklrch einen Schreib- oder Druckfehler ganz undenkbar halten? Ich glaube wohl mich der Hoffnung hingeben zu dürfen, dass meine 30jährige Arbeit auf dem Gebiete der alten Tonarten mir wenigstens die Kenntuiße der beiden genannten eingebracht haben sollte. Was endlich das Erniedrigen der Terz in der mixolydischen Tonart betrifft, so gesteht der geschätzte Verfasser ja selbst, dies