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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1886-09-08 · Heft 29 (8.9.1886) · p. Seite 6

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
6 (1886)
Issue
Heft 29 (8.9.1886)
Date
1886-09-08
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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© rneindemitglieder dahingewirkt, dem Heimkehrenden eine würdige Ovation zu bringen. Zu diesem Behufwurde vom Vorstande eine Gemeindesitzuug abgehalteu und der einhellige Beschluß gefasst, dass dem Herrn Rabbiner in Anerkennung und Würdigung seiner Verdieuste, die er sich hier sowohl um Gemeinde und Schule, als auch im Allgemeinen durch sein gemeinnütziges Bestreben auf dem Gebiete der Neformbewegung im Judenthume, erworben, am 1 Sabbathe nach seiner Rückkehr unmittelbar nach dem Mussaphgottesdienste eine aus der Elite der Gemeinde erwählte Deputation, bestehend auS 12 Mitgliedern, ein von sämmtlichen Mitgliedern gefertigtes Adressschreiben, nebst einem würdigen und ansehnlichen Ehrengeschenke überreichen solle. An dem oberwähntcn Sabbathe, füllte sich der Tempel in allen Räumen und nach' dem weisen Spruche 2 עם הדרת מלך"Q gewann hiedurch die Feier bedeutend an Würde und Solennität. Der Jubilar wurde in ausgezeichneter Weise zur Thora gerufen, und nach Vorlesung des Bibelstückes und Vollendung der üblichen Segensformel recitirte der Canior der Gemeinde einen zu diesem Feste gewidmeten Miselieb erach, der sowohl vom Jubilar, als auch von der ganzen Gemeinde beifällig ausgenommen wurde. (Wir bedauern diesen von Herrn Cautor Lowinger in ausgezeichnetem Hebräisch abgefassten Misebeberaeb nicht veröffentlichen zu können, da unsere Officin nicht genügend mit hebräischen Typen ausgestaitet ist. Die Redactiou.) Nach dem Ceremoniell der Thoraeinhebung bestieg der Jubilar die Kanzel und begann seine Festpredizt mit folgenden Worten: ,Der dieswöchentliche und der nächstfolgende Abschnitt der Thora besprechen die Erkennungszeichen eines wahren und falschen Profetcu. Nun detaillirte er diese Erkennungszeichen, ging dann auf die Priester und Volkslehrer der Gegenwart über, und sagte: So wie Moses der erste und größte Profet Erkennungszeichen gab, welcher von den ihm folgenden Profeten ein wahrer oder ein falscher sein wird, eben so gab auch Maleachi, der letzte jüdische Profet, Erkennungszeichen, welcher von den ihm folgenden Priestern oder Volkslchrern ein treues wahr- Hafter oder ein falscher, lügenhafter sein wird. Der Profet Maleachi schildert den Priester der Vergangenheit und sagt: (2, 6.) ,Die Lehre der Wahrheit führte er in seinem Munde; Unrecht fand man nicht auf seinen Lippen; in Frieden und in Geradheit wandelte er vor mir.* — Redner erklärte hierauf jedes dieser drei Erkennungszeichen und schloss immer dasselbe mit dem Rückblicke auf seine 25jährige Amtsthätigkeit, indem er Gott und seiner Gemeinde das Gelöbnis that, auf diese Weise auch fernerhin feine heiligen Berufspflichten zu erfüllen, so lange ihm Gott das Leben, die Gesundheit und die Kraft zur Vollziehung seines geistlichen Berufes schenken wird. Nach der Festpredigt stimmte der Tempelchor den 150. Psalm an, und mit Beendigung des Mufsaph'S schloss das Synagogenfest. Unmittelbar nach dem Gottesdienste begab sich die oberwähnte Deputation unter Führung deS Gemeindepräses, Herrn Sam. Hoffmann, in den Gemeindesaal, um dem Jubilar die geplante Ovation darzubringen. Der Präses hielt die Ansprache und hob in markanten Worten die Verdienste des Jubilars während seiner 25jahrigen Amtsthätigkeit um Gemeinde und Schule hervor und üb-.rreichte demselben eine schön auSgestattete Adresse nebst einem Ehrengeschenke. Der Jubilar fand vor Ueberraschung kaum Worte seinen Dank zum Ausdrücke zu bringen, und war von dem feierlichen Acte der Ovation sichtlich gerührt. Im Laufe deS Nachmittags erschienen mehrere Deputationen, unter Anderen die des Lehrerpersonales mit einer Adresse, wie auch die Humanitären Vereine der Gemeinde unter Führung des Chewra-Kadischa VorstandeS, welcher ebenfalls in Begleitung eines schönen Ehreng schenkeß eine Adresse an den Jubilar richtete. .Aus dem Kreise der Gönner, I Freunde und Schüler des Jubilars langten ebenfalls zahlreiche Tele- I gramme uud Gratulationen ein. | Die Gemeinde KeSzthely hat durch diese schöne Manifestation' abermals bewiesen, dass sie die Verdienste ihrer CultuSbeamten zw würdigen versteht und daher mit vollem Rechte unter die wohlgesinnten und intelligenten Gemeinden gerechnet werden darf. Josef Lowinger, Cantor und Notar. Budapest. In der Vorhalle des Pester Kunst-Pavillons, wo׳ jetzt die historische Ausstellung sich befindet, spielte sich kürzlich folgende Scene ab, von welcher das zahlreich versammelte Publikum tief ergriffen war: Kaiser Franz Josef, welcher die Ausstellung besuchte, wollte dieselbe eben verlassen, als die beiden orthodoxen Rabbiner von Bergsaß uud Erlau in der Nähe Seiner Majestät stehen blieben, die Hände erhoben und mit klangvoller Stimme den Segen : -ברוך שהלק מכבודו sprachen. Seine Majestät verweilte vor den Rabbinern einige Momente. Als der Segensspruch zu Ende war, neigte der Monarch leicht das Haupt, sprach Amen und drückte den Rabbinern seinen Dank aus. Die tief gerührte Menschenmenge brach in stürmische Eljenrufe aus. Zsmth. In einem eigenthümlichen Falle hatte jüngst unser Magistrat, als nächste Verwaltungsbehörde, Entscheidung zu treffen. Ein israelitischer Kaufmann verehelichte sich mit einer Protestantin,, wodurch das bereits vorhandene 5 jährige Söhnchen, das in der protestantischen Kirche getauft war, legitimirt wurde. Die Mutter׳ verpflichtete sich zwar notariell, zum Jndenthum überzutretcn, allein das Rabbinat lehnte das Gesuch mit der Motivirung ab, dass der Xiebertritt nicht aus innerer religiöser Ueberzeugnng geschehen wolle. Als der Knabe schulpflichtig wurde, fragte es sich, welcher Religion der Knabe angehöre. Da in gemischter Ehe inder Regel Knaben׳ die Religion des Väters anzunehmen haben, wurde der Schüler dem- Rabbiner zum Unterrichte überwiesen, welcher die Annahme verweigerte. Auf Grund der gesetzlichen Bestimmungen entschied nun der Magistrat, dass der Knabe in der israelitischen Religion zu erziehen sei. Baöykon. Die Wallfahrt zu dem Grabe des Profeten Jecheskcl׳ in dem unweit von Babel gelegenen Dorfe Tischiflis hat' auch Heuer in der dafür festgesetzten Zeit, zwischen Pessach und Sehewuoth stattgefunden, und haben sich an derselben circa 15 bis 20.000 Personen, Männer, Frauen und Kinder betheiligt. Eine Zählung der Pilger darf selbstverständlich nicht statlfinden; man rechnet jedoch gewöhnlich nach jedem Seelenlicht, welches am Grabe׳ angezündet wird. Montag den 28. Jjar, nahm die Wahlfahrt ihren- Anfang, da an diesem Tage die ersten Pilgerschaaren in dem genannten- Dorfe eintrafen- Dieselben kamen, wie noch immer, aus unserer Stadt, welche sie einen Tag vorher verlassen hatten, um mit Anbruch des nächsten Tages am Grabe des großen Profeten die Morgenandacht,, das Lebaebaritb-Gebet, verrichten zu können. Nun begann die allgemeine Wallfahrt. Den ganzen Tag über wollte die Thüre zur Grabes-׳ Capelle nicht stille stehen und in den letzten sieben Tagen der Wahlfahrt, vom 25. Jjar an bis zum 2. Siwan, war der Andrang so׳ stark, dass die Thüren ausgehoben werden mussten. Auch brannte» an׳ manchem Tage 600 Seelenlichter zu den vier Seiten des Grabes,.- das nun von einem Lichtmeere umflossen zu sein schien. Leider hatten wir auch einige Uuglücksfälle während der Wallfahrtszeit zu verzeichnen-׳ die zumeist Frauen und Mädchen betrafen. Zwei derselben stürzten und trugen Armbrüche davon, eine wurde durch eine Stange am rechten Auge schwer beschädigt u. s. w.. In Folge der großen Hitze, die in der letzten Wallfahrtswoche herrschte, brach ein hochbetagter Chacbam vor dem Grabe zusammen und verschied auf der Stelle, bevor ihm noch Hilfe gebracht werden konnte. Ihm ward so das hohe Glück beschieden, am Grabe jenes Profeten, der daS Vorspiel zu תה״ת המתים mit eigenen Augen geschaut, seinen Geist aufzugeben. Auch Heuer wurde die Seidendecke, die das Grab des Profeten umhüllte, durch eine neue, gespendet von einer reichen .Witwe, ersetzt,, worauf die alte Decke in Hunderte von Stücken zerschnitten wurde,

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