Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 6 (1886)
- Issue
- Heft 29 (8.9.1886)
- Date
- 1886-09-08
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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größten Feinde wären, welche die Bevölkerung verarmten, dass alle Dörfer der Nheiugegend ihnen gehören, wodurch die Spannung so groß geworden lei, dass der Eintritt eines Massacre's zu befürchten stände. Napoleon versprach eine Untersnchung vornehmen zu lassen, um dem Hebel vorznbengen. Diesem theilweisen Erfolge folgte eine Peiition an das Justiz- Ministerium, den Juden das Darlehen auf Liegenschaften wenigstens auf einige Zeit zu verbieten. Napoleon, treu seinem Versprechen, brachte diesen Gegenstand vor sein Cabinet, und Berichterstatter, Graf Mole, der!den Juden nicht geneigt war, äußerte, dass cs wünscheuswerth wäre, die Rechte derselben, wie früher, nicht nur in Elsaß, sondern in ganz Frankreich zu beschränken. Damit wurde wieder ein Beispiel geliefert, wie leicht das Vergehen einzelner Weniger dem ganzen Judenthume zur Last gelegt wird. Von der Haltung Frankreichs hing der Zustand der Juden in der ganzen Welt ab, denn auch in Deutschland und anderen Ländern wurde für .die Emaucipation agitirt, und wenn ihnen wegen der zur Last -gelegten schlechten Aufführung die Bürgerrechte in Frankreich benommen worden wären, so hätte auch die Legislation anderer Länder ihnen solche nicht bewilliget. Napoleon legte dieser Frage die höchste Wichtigkeit bei und discutirte hierüber bei mehreren Sitzungen des Staatsrathes, in welchen manche Mitglieder den Luden freundlich gesinnt waren und für die Freiheit und Gleichheit aller Völker kämpften, wogegen Andere zum alten Regime zurückzutreten strebten. Napoleon selbst war unentschlossen, denn einerseits wollte er sich nicht den Vorwurf der Jntolleranz und -charter Behandlung irgend einer Volksclasse zuziehen, und andererseits konnten ihm die Klagen wegen Wucher und Beraubung nicht gleichgiltig sein; er entschloss sich daher eine Zahl jüdischer Repräsentanten von verschiedenen Provinzen zusammenzurufen, die gewissenhaft beantworten sollten, ob das Judenthum seinen Anhängern den Hass und Feindseligkeit gegen die Christen empfehle, denn Napoleon erachtete es für zweckmäßig, dass dis .Juden selbst über ihre künftige Behandlung in seinem Reiche entscheiden sollten. Seltsam war es, dass nicht die Juden, sondern die Muniwipalität aufgefordert wurde, die jüdischen Repräsentanten zu wählen. Beinahe 100 Personen waren dazu bestimmt, und glücklicher Weise Männer von glänzender Qualität, sowohl wissen- ׳schaftlich gebildet, als tacivoll und anhänglich ihrem väterlichen Glauben. Unter diesen ist zu erwähnen Rabbi Josef David Zinzein, Ober-Rabbiner aus Straßburg, ein sehr gelehrter, frommer und liebenswürdiger Mann, Herr Zsaac Beer aus ׳Nancy, ein unermüdlicher Arbeiter für das Interesse seiner Gtaubensgenossen, Abraham Furtado, ein vorzüglicher Redner und einstiges Mitglied der Gironde und mäßiger Republikaner, Abraham Andrate, portugiesischer Rabbiner aus Saint Esprit und manche Andere׳, worunter nicht wenige sich als Journalisten, -oder tapfere Soldaten, die auf dem Schlachtfelde durch den Orden der Ehrenlegion ausgezeichnet waren. Alle Repräsentanten wussten, dass von ihrem tactvollen Vorgehen das Schicksal der französischen Juden, d. i. die Aufrechthaltung oder Aufhebung der Civilrechte, die sie bis dahin genossen, abhieug. Laut Verordnung des Ministeriums sollte die erste Ver. sammlung am 26. Juni 1806 im Stadthause zu Paris stattsinden. Dieser Tag siel aber auf einen Samstag und es fragte sich, ob es Juden erlaubt sei, solche Transactioncn am Sabbath vorznnehmen. Diese Frage wurde bei einer privaten Zusammenkunft der Delegirten verhandelt und viel hierüber debattirt. Die Rabbiner und die Orthodoxen-Mitglieder wünschten Aufschub ..der Sitzung, um jüdische Princkpien nicht zu verletzen, allein die Majorität der E.rperten bestand darauf, dass die Sitzung am bestimmten Tags statlfinde,׳ um dem Kaiser zu beweisen, dass die'Juden den Gesetzen des Landes gehorchen. Die Sitzung fand daher am Sabbath statt, wo die Delegirten sich constituirten und die Wahl des Präsidenten Vornahmen. Es wurde mitgetheilt, dass die Orthodoxen die Stimmzettel Freitag ausfülltsn, um die Sabbatrnhe nicht zu entweihen. Abraham Furtado erhielt die größte Stimmenzahl und wurde zum Vorsitzenden ernannt. Er war auch unzweifelhaft der fähigste zu diesem Amte, da ihm die parlamentarischen Proceduren bekannt waren und er die Geschäfte mit großer Sachkenntnis führte. Bei der zweiten Sitzung erschienen drei kaiseriiche Commissäre und legten dem Präsidenten zwölf Fragen vor, welche die Deputirten beantworten sollten, worunter die wichtigsten waren, ob die Juden Frankreich als ihr Vaterland und die Franzosen als ihre Brüder betrachten, und die Landesgesetze bei ihnen bindende Kraft haben, ob nach jüdischen Gesetzen die gemischte Ehe zwischen Juden und Christen erlaubt sei? Ob eine gerichtliche Scheidung von Juden anerkannt werde, und ob der Wucher erlaubt sei? Graf Mole, einer der Commisfäre, den Juden abgeneigt, las diese Fragen vor und schloß mir der Bemerkung, dass die Klagen gegen eine Anzahl Israeliten sich begründet erwiesen, und dass der Kaiser wünsche, die Mittel zu erfahren, auf welche Art den Beschwerden abzuhelfen wäre, er bitte also diese Fragen ganz gewissenhaft zu beantworten. Dis Deputirten hätten völlige Freiheit hierüber zu discuttiren, aber der Kaiser müsse ihnen andeuten, dass die Inden der Ehre, Franzosen zu sein, nicht theilhaftig sein können, bis sie nicht die Neberzengung verschaffen, dass sie derselben auch werth seien. Der Sinn dieser Bemerkung war klar genug und gab zu verstehen, dass die Emaucipation und der jüdische Glaube als unvereinbar betrachtet wurde. Die erste Frage war von selbst und sofort entschieden, denn an jüdischen Patriotismus konnte nicht gezweifelt werden, nachdem Hunderte von Juden ihr Blut ans dem Schlachtfelde vergossen und Viele ihr Vermögen zur Bestreitnng der zahlreichen Feldzüge geopfert hatten. Sogar im Jahre 1792 conscribirts die kleine Gemeinde von Bordeaux hunderttausend Francs zum Kriegszwecke und es mußte vom Staate berücksichtiget und anerkannt werden, dass die Inden au der Wohlfahrt des Landes gelegen sei. Daher antwortete Herr Furtado dem Grafen Mole in einer Ansprache, welche seine große politische Fähigkeit bewies, dass es den Juden nur willkommen sei, ihren Patriotismus, sowohl den Landesmännern als der Welt zu beweisen. Im Geiste sehe er, wie der Genius der Geschichte den Namen des Kaisers, der alle Nacen der Welt mit größter Humanität zu vereinigen strebt, verewigen werde. Die Commisfäre entfernten sich, und es wurde ein engeres Comits gewählt, welches sich mit den Fragen befassen und ihre Anträge der nächsten Generalversammlung vorlegen sollte. L. J. (Fortsetzung folgt.) Kleine Chronik Keszlßeky, 3. September. (Orig.'Corresp.) Die Gemeinde Keszthely beging am 28. August שכת פרשת ראה ein Ehrenfest, dessen würdiger Verlauf öffentlich registrirt zu werden verdient. Unser Bezirksrabbiner, Sr. Ehrwürden, Herr Sal. K o h n, feierte am ob» erwähnten Sabbathe das Jubiläum seiner 25jährigen priesterlichen Wirksamkeit in der hiesigen Gemeinde. Während deffen Abwesenheit — Herr Rabbiner Kohn weilte nämlich über den Hochsommer zur Cur in Marienbad — wurde von Seite mehrerer maßgebender Ge»