Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 6 (1886)
- Issue
- Heft 28 (31.8.1886)
- Date
- 1886-08-31
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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Ackkrlirmschule iu Jaffa. Dem Cen1ral-Comit6 der »Pariser Allianz' sind folgende Berichte über die Lage der Ackerbauschule zu Jaffa zugegangen: Der Juni ist eine Periode großer Tbätkgkeit in Palästina; es ist die Zeit der Ernte. Männer, Frauen und Kinder sind damit beschäftigt, das Getreide zu mähen, es in die Scheunen zu bnngeüzu dreschen, zu sieben u. s. w. Es muß der,Sesam' behandelt und gcleitert werden, der jetzt dicht und kräftig wächst. Da wir jedoch nicht große Flächen bebauen, sieht man in dieser Zeit bei unserem Personal keine verdoppelte Thätigkeit. Unsere Nolle beschränkt sich darauf, die Arbeit unserer Pächter zu beaufsichiigen. Am Montag, den 14. Juni, wurden wir von einem furchtdar heißen Wind, ,Sirocko' genannt, heimgesucht. Von Morgens an war jede Arbeit unmöglich. Wir ließen sämmtliche Schüler zurnckkehren- Die Luft war wie in einem Backofen. Man sab, wie.von Minute zu Minute die Blätter vertrockneten, sich zusammenrollten und verdorrten. Das Obst der Bäume (besonders die Orangen), trocknete und siel in großer Menge ab. Im Innern unserer Gebäude, wo es gewöhnlich kühl ist, zeigte das Thermo- Meter 43 Grad. Wir setzten der Sonne ein alkoholisches Thermometer aus, in einer Minute stieg die Säule bis auf die äußerste Grenze der Nähre. Mau versicherte uns. dass in einigen ganz ungeschützten Orten Jaffa's die Temperatur bis au 60 Grad stieg. Der Schaden, welchen dieser Wind dem Ackerbau verursachte, ist furchtbar. Der Sirocko Pflegt sich zwar jedes Jahr einzustellen, aber im Frühjahr. Dieses Jahr wüthete er zur richtigen Sommerszeit, wo sich gerade die Orangen ausbildeten, Nn4 der Wein zu reifen begann. — Der Markt in Jaffa hat darunter gelitten, und die Kaufleute werden sehr besorgt. Man hatte bereits schlechte Nachrichten über die Getreideernte, welche in der ganzen Gegend keine glänzende war. Von der Stadt aus bis Jasur (ungefähr 3 Kilometer weiter als mpfc) war die Ernte eine befriedigende. Ueber dieses Dorf hinaus, ist die ganze Ernte misraten; sie wurde von einem Jnsect zerstört. Man sah sich dgezwungen, alles unreif wegzumähen. Die Ernte der Umgegend von Jaffa wird kaum dem localen Consum genügen. Man sagt, dass die Negierung sich gezwungen sehen dürfte, für dieses Jahr den Getreide-Export zu untersagen. gibt man sich alle Mühe, nachzuweisen, dass den Juden die Unterstützung mit Unrecht aufgedrängt werde, während man doch, um diese Argumentation wirksam zu unterstützen, Nachweisen müsste, dass die Juden die Stellung als Proteges Europas nicht verdienen l Dies ist also der Beweggrund für die judenfeindliche Haltung einzelner Journale, die übrigens keineswegs als Ansdrück der öffentlichen Meinung betrachtet werden dürfen. Dass nur in diesen politischen Verhältnißen der Ursprung jenes Juden- Hasses zu suchen ist, bestätigt auch die Stellung, welche dieselben ׳spanischen Blätter zu der augenblicklichen Hetzbewegung gegen die Juden in anderen Ländern einnehmen. Dieselben Leute, welche sich der Protegierung der marokkanischen Juden so heftig widersetzen, betrachten die Judenverfolgungen in anderen Ländern :mit offenem MiSvergnügen. Stillschweigende Verachtung, welche den antisemitischen Brutalitäten in Rußland, Deutschland und Oesterreich, den Angriffen, die erst neulich in einem französischen Buche publizirt worden sind, hier entgegengebracht wird, beweist, dass heute kein europäisches Land den Juden günstiger gesinnt ist, als dieser westlichste Winkel der iberischen Halbinsel/ Ö. W. G e müse gar ten. In diesem Monat sind alle Handwerter, die im Gemüsegarten arbeiten, entlassen worden. Um diese Zeit in Namassan fasten dis Handwerker; es ist begreiflich, dass sie unter diesen Bedingungen und bei der großen Hitze, keine gute Arbeit liefern können. Man hat iu Folge dessen das Säen im Gemüsegarten eingestellt, und es genügten unsere Zoglinge für die laufenden Arbeiten, wie das Pflegen, - Begießen Binden und Säubern der Beete, wie auch daS Pflücken der Gemüse. G arten. Es wird das Begießen der Orangen und Cedra-Bäume bei Tag und bei Nacht fortgesetzt. Um die Bäume vor dem Moosansatz zu bewahren, bat man sie sämmtlich mit Kalk angestrichen. Die neuen Baumsäsreien, die jungen Orangen- Pflanzungen, die Cedra-Baumschulen sind gereinigt, geschnitten und gebunden worden. Den Orangenbäumen hat der Sirocko viel Schaden zugefügt. Nahezu die Hälfte der Früchte ist abgefallen. Schon die Blüthe an sich war keine besondere gewesen; es pflegt dieser Baum nur alle zwei Jahre eine gute Ernte hervorzubringen. Der vorjährigen fetten Brut folgt die diesjährige magere. Die Magerkeit des Letzteren ist durch das verzehrende Feuer des Sirocko noch mehr hervorgetreten. W e i n st ö ck e. Die Weinstöcke sind gereinigt und ge- Kunden worden, die Propfungen untersucht worden, wie auch die verschiedenen Sorten unserer Weinanpflanzungen mit Etiqueten versehen. Die beiden besten Sorten unter den französischen und arabischen Weinen haben bereits ihre Etiqnetten; der ,Alikant' oder ,Gremasche' (ein spanischer Wein, der schon lange im Süden Frankreichs anzebaut ist), welcher sehr gut in מקרה fortkommt und einen reichlichen und guten Wein liefert, der dem Sirocko am besten widerstanden, und der Zitania unter den arabischen Anpflanzungen, welchen man auf französich ״Olivette" nennen dürfte, wegen der Form seiner Beeren. (Ziton heißt im arabischen Olive). Es wurden alle die Weinreben geschaufelt, bei welchen man dies im vorigen Monat unterlassen, und auf welchen man Quidium bemerken konnte. Auch die Weinstöcke in Jaffa haben sehr unter dem Sirocko gelitten; an einigen Orten ging die Weinernte ganz verloren. Wir haben in unseren Anpflanzungen geringeren Schaden zu verzeichnen und dürfen noch auf einige Hektoliter Wein rechnen Die arabischen Neben haben weniger gelitten als die französischen. Sei es, dass diese Letzteren weniger an dieses sengende Klima gewöhnt sind, fei es, dass sie eine weniger reiche Vegetation, kein so volles Laub besitzen. Es sind in der That die weniger belaubten Stöcke, welche am meisten unter dem Wind und dem Sonnenbrand gelitten. Dies beweist, dass unjere Stöcke nicht zu sehr beschnitten werden dürften, wie es wohl im Norden Brauch ist, von den großen Weinpflanzern im Süden Frankreichs aber schon längst getadelt wurde. Verschiedene Cultrren. Wir haben die Lupus- Luzerne, die zu Anfang des Monats bewässert worden war, zum fünften Mal gewählt. Wir werden dies nicht wiederholen und das kostbare Feld in Folge dessen auch nicht ferner bewässern, da wir dessen Ertrag abnehmen sehen. Vielleicht nimmt daS Wachsthum im Spätherbst noch einmal zu, wir werden dann, um es auszunützen, unsere Schafe dort weiden lassen- Die Kartoffelernte ist beendet, der Ertrag hat 7094 Kilo erreicht, von 1269 Kilo gesäeten Knollen; der Ertrag übersteigt also 5Vr Mal die Saat; dies ist ein ziemlich gutes Resultat. Wir dürfen daraus nicht schließen, dass der Kartoffelanbau in Jaffa nicht lohnend fei; in diesem Jahre waren unsere Kartoffeln ן krank, anderswo betrachtet man es als ein günstiges Jahr, wenn