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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1886-08-31 · Heft 28 (31.8.1886) · p. Seite 6

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
6 (1886)
Issue
Heft 28 (31.8.1886)
Date
1886-08-31
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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die Ernte 10 Mal so viel ergibt, wie die Saat. Die oben angegebene Ziffer unseres Ertrages ist nur eine Durchschnittsziffer. An einigen Orten haben die gesäeten Kartoffeln gar keine Keime angesetzt; an anderen haben die Maulwürfe großen Schaden angerichlet und man hat nur 2 Mal die Saat geerntet; an anderen Orten endlich hat man das zehnfache der Saat erreicht, was den Beweis liefert, dass der Kartoffelbau desselben Ertrages fähig ist, wie in anderen Ländern. Pächter eien. Die Getreideernte ist beendet. Das Korn befindet sich jetzt in den Scheunen, woselbst es von den Arabern gedroschen wird. Unsere Pächter bessrgen jetzt den Sesam, der gut vortkommt. Die Lupinen sind gedroschen. Die Ernte hat nur 66,50 Kilo betragen, wovon 33,25 Kilo auf uns kommen. Diese Frucht ist in diesem Zahr auf dem Markt selten gewesen und theuer verkauft worden. Kleine Chronik Mrag, 27. August. Es hat schon zu wiederholten Malen das lebhafteste Bedauern verschiedener Kreise wachgerufen, dass den zahlreichen jüdischen Gemeinden in Prag eine einheitliche Organisation fehlt. Es besteht daselbst eine Anzahl coordimrter Vereine, die je eine Synagoge erhalten. Abgesehen davon, dass unter de u dermaligen Verhättnißen dem Zudeuthmne nichts so sehr als Einigkeit noth thut, würde gewiss durch das Zusau,mentret.n der kleinen Gemeinden zu einer Groß-Gemeiude das Ansehen der Prager Jadenschaft um Bedeutendes erhöht werden. An intelligenten und fähigen Männern, die dazu berufen wären, an die Spitze eines großen Gemeindeverbandes zu treten, fehlt es, Gott fei Dank, auch nicht, und mit einigem guten Willen könnte das Werk zu Stande gebracht werden. Freilich nicht ohne Widerstand, und zwar von Seite der verschiedenen Gemeindepaschaß, die, wie es scheint, nur dazu geschaffen sind, um den Beamten das Leben so sauer als möglich zu machen. Wie grenzenlos die Willkür solch eines allgewattigen Herrn Vorstehers ist, davon kann der Cantor der Pinkasfynagoze, Herr Zacharias Weinberger, ein trauriges Liedchen singen. Nahezu zehn Jahre versah dieser wackere Beamte mit dem größten Pstichreifer den Gottesdienst in der genannten Synagoge, bis׳ er vor einiger Zeit das Unglück hatte, von einem nervösen Kopsteiden befallen׳ zu werden. Jeder billig denkende Mensch wird nun wohl vermutheu, dass die Gemeinde Lern Cantor, der jo lange Zeit in ihrem Dienste steht,- und sich auch der größten Sympathie der Mitglieder erfreut, Mittel und Gelegenheit bieten werde, die Heilung dieses vorübergehen- Len Leidens herbeizuführen, aber ein allmächtiger Herr Vorsteber, der wahrscheinlich schon von der Sehnsucht nach einem neuen Gesicht gequält wird,-hat cs anders beschlossen: Dem Cantor wird gekündigt und ein Concurs ausgeschrieben. Dieses Vorgehen gegen erneu durch viele Jahre bewährten Beamten verdient öffentlich gegeißelt zü werden und ich hoffe, dass die geschätzte Nedaction dieses Blattes es nicht nnterlaffen wird, diejenigen Herrn Cantorerr, die sich um den arrsgeschrieben Posten bewerben sollten, über dieses hlmmelschrekende Unrecht gehörig aufzuklären. Verus. Iroppail, 25. August. Ich bin in der angenehmen Lage Ihnen die Mitrherlnug machen zu können, dass die hiesige Gemeinde nach langem Suchen endlich einen geeigireteu Mann für den hiesigen Obercantorposten gesunden hat, welcher seit 15. Juli mit Herrn M. S'ngermanu besetzt ist. Herr S., ein langjähriger Schüler des Herrn Cantor Deutsch in Breslau, war bis jetzt in Duisburg a. Rh. in gleicher Eigenschaft thätig und erwarb sich daseldst als Cantor, sowie als ausgezeichneter und tüchtig geschulter Sänger einen sehr guten Namen. Er besitzt eine sympatbiscke Teiior-Baritonstimme und versteht bei seinen guten musikalischen Kenntnißen das alte C-msonus; mit dem modernen Kunstgesang vortrefflich zu vereinen. Möge es unserer- Gemeinde vergönnt sein, Herrn Singermann recht lange zu behalten. B l u m, pensionirter Obercantor. Wien. Nach dem soeben ansgegebeuen Berichte der ״Alliance israelite“ über das 2. Semester 1885 und das 1. Semester 1886 beträgt die Zahl der von ihr gegründ.te» und subventionirten Schulen 48, und zwar 32 für Knaben und 16 für Mädchen. In den 24 Harrdwerkerichulen erhalten 421 Knaben und 154 Mädchen ihre Ausbilduug. Es unterrichten an den Schulen der Allianz 231 Lehrer und 76 Lehrerinnen, zusammen 5700 Schüler und 2434 Schülerinnen. Von den ersteren sind 2165 Zahlende und 3530 Nichtzahlende; von den letzteren 1033 Zahlende und 1401 Nichtzahlende. Die Allianz leistete zu diesen Schulen einen Gesammtzuschuss von 151,384 FrcS., an Schulgeld ginge» 130,771 Francs ein, und der Nest der Kosten, welche im Ganzen 503,860 Francs betrugen, wurde durch private Sammlungen, Geschenke, Bälle und ähnliche festliche Veranstaltungen aufgebracht. Mudupest, im Augnst. In Tißa-Lök, das in dem Tißa-Eßlarer- Process eine traurige Rolle gespielt, ereignet sich folgender Fall: Wn.׳ »Melamed* blieb allein in der Synagoge zurück und betete. Zwei Bauernweiber, die vorübergingen und das Weinen und Klagen des andächtig Betenden vernahmen, versielen nun auf den verrückten Gedanken, dass jetzt in der Synagoge ein »Christeukind abgeschlachtet/ werde. Die Eine blieb auf der Wacht, während die Andere die Sache beim Richter anzeigte. Alsbald war der Richter, der Notar und eine große Menschenmenge erschienen und wollten in die Synagoge eilldringen.; doch weigerte sich der Betende dieselbe zu öffnen. Umso größer wurde natürlich die Aufregung und schließlich die Synagoge gewaltsam geöffnet; der arme Beter stand ganz erstaunt, da er nicht, wusste, was man von ihm haben wollte. Indessen wurden die Synagoge, die heilige Lade und die Betstäuder sorgfältig durchsucht und natürlich nichts Verdächtiges gefunden. Dennoch hielt man es für nöthig, über den ,Befund" ein Protokoll anfzunehmeu, Merlin. Gelegentlich der Wiederkehr des hundertjährigen Todestages Friedrich des Großen dürfte es für unsere Leser von Interesse sein, einen Entscheid des Königs, der »jeden nach seiner Fatzon selig werden taffen" wollte, in einer rituellen Frage zu erfahren.; Ein Kaufmann Poser, der das Bedürfnis fühlte, seinen Bart rasiren zu taffen, war von dem dermaligen Rabbiner mit einer empfindlichen Strafe für die Wiederholung dieser gesetzwidrigen Handlung bedroht worden und erhoffte von dem freisinnigen Monarchen einen Entscheid, zu seinen Gunsten. Statt dessen schrieb der König an den Rand der Bejchwerdeschrist: »Der Jude Poser soll mich und seinen Bart ungeschoren taffen/ Dass Beides geschah, ist selbstverständlich. Magdeburg. Die lediglich durch die Agitationen der zumeist antisemitisch angehauchten Thierschutzvereine in Deutschland aufgeworsene Schechita-Frage scheint auch in Negierungskreisen in ernste Diseuision gezogen zu werden. Dass man zum Mindesten eine staatliche Couirole der Sckächter beabsichtigt, beweist ein Vorfall, über den ein in der Nähe Magdeburgs sein Amt seit Jahren treu verwaltender Cultusbeamter in folgender Weise an die .Magdeb. Wochenschrift" berichtet: ,Mit Gegenwärtigem wollte ich mir erlauben, Ihnen eine Verfügung des Herrn Negierungs-Präsidenten zu Magdeburg — der Merkwürdigkeit weg?» — mitzutheilen. Im Monat März l. I. wurde ich hier aufs Rathhaus citirt. wo mir eröffnet wurde, dass laut Verfügung der Königl. Regierung zu M. ich angehalten.werden soll, meine sämmtlichen Zengniße über Onalificatioii zur Ausübung meiner Ä'emter, einschließlich auch über die Schechita, zur Prüfung einznsenden. Ich kam selbstverständlich dieser Aufforderung nach, und da ich unter andern HD2p auch eine vom sel. Nabbinats-Asseffor N. Elchonon Rosenstein zu Berlin besitze, so schickte ich auch diese-

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