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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1886-08-31 · Heft 28 (31.8.1886) · p. Seite 4

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
6 (1886)
Issue
Heft 28 (31.8.1886)
Date
1886-08-31
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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;•־י8ד\ -׳ י " Herr ÖBercantor Sinz er jagt ferner, ich. hätte die Namen Deutsch und Naumburg nur cüirt, um au seiner Persönlichkeit zu rütteln. Ich weiß nicht, wie Herr Singer zu dieser Verdächtigüng kommt. Ich habe die Namen dieser verdienten Synagogen-Componisten genannt, weil sie, wie ich quellenmäßig nachgewiescn, sich mit diesem Gegenstände cingehend beschäftigten und ihre Ansichten schriftlich darlegten; cs lag mir also fern,, an seiner Persönlichkeit zu rütteln. Es folgt dann der miszlückte Versuch, mich als Egoisten hinzustellcu, als ob ich Herrn Lachmann einen .,kleinen" Cantor genannt hätte, um mich als großen" zu dünken. . ÜZfyatiäcfyUd} habe ich Herrn L. nur gegenüber den bekannten Componiften der Synagoge einen schlichten, das will sagen einfachen, weniger bekannten Cantor genannt. Die Bezeichnung ״klein" findet sich in meiner Necensibn "nicht 'üor. Herr Obercantor Singer sagt an dieser Stelle,. Ich..nwllte seiner Broschüre das Verdienstliche der Originalität rauben und nennt mein Bestreben ein feindseliges. Er hat jedoch übersehen, dass ich gleich am Anfänge sagte: ״Während bisher die Bezeichnung ״Steiger" nur als Prototyp für das freie Necirativ gebraucht wurde, . . . will der Verfasser a l l e Melodien der Synagoge — Neginoth, Pismonim, Aboda, gewöhnliche Gebetstücke und die verschiedenen Piutim — zusammenfassen, um sie drei Tonsystemcn uuterzuordnen." Ich bin mir demnach keiner Feindseligkeit, wie sie mir der Herr Obercantor Singer unterschieben will, bewusst, wie ich dazu überhaupt gar keine Ursache habe, viell mehr scheint dieselbe vom Zaun gebrochen zu sein, um meine Necension in ein falsches Licht zu stellen und dadurch abzuschwächen. Sie sollte als von persönlicher Gehässigkeit dictirt, hingestellt werden, während ich mich factisch nur von sachlichen Gründen habe leiten lasten. . Des Weiteren wird meine Necension einer Kritik unterzogen, weil ich nur zu sagen erlaubte, er hätte bei seinen Untersuchungen weiter gehen müssen, und wäre dann zu ganz anderen Resultaten gelangt. Trotzdem meine Ausführungen von ihm für' so unverständig erachtet werden, dass er sie in höflicher Weise für Druckfehler auszugeben so gütig ist, halte ich sie aufrecht. Za, um das Alter der Synagogen-Melodien festzustellen, stehen Die Juden in Spanien, Ze seltener Berichten über die Verhältuiße der Juden in Spanien zu begegnen ist, um so größeres Interesse gewinnen die Mittheiluugen, welche Herr Zsidoro Lopez Lapiuja, Mitglied der Geographischen Gesellschaft und, wie hcrvorgehoben sei, ein Katholik, in den ״Archives israelites‘‘ veröffentlicht. Nachdem er in den einleitenden Worten auZeinaude!gefitzt, warum bis zum Jahre 1868, dem Jahre der Revolution gegen Jsabella, in Spanien keine ״Judenfrage" existiren konnte, fährt er dann wörtlich fort: ״Sogleich aber, nachdem in der Constitution von 1869 das Princip der Gewissensfreiheit sestgestellt worden war, fing man, ermuthigt durch das neue Leben, welches in allen Fächern des Wissens herrschte, au, über alle Dinge zu sprechen,' alle zu discutireu; uud so musste mau uatürlich auch auf das Problem des modernen Judenihums stoßen. Auf allen Seiten sprach man sich sehr entschieden und cinmüthig gegen die von den früheren spanischen Herrschern verfügte Austreibung der Juden aus, und heut' ist die ״Judenfrage" definitiv entschieden. Man beschäftigte sich sofort damit, Mittel zu finden, um den für Spanien so verhängnisvoll gewordenen Jrrthum wieder gut zu machen, und feine Einwohnerzahl, feine Industrie und seinen uus sicherere Mittel zu Gebote: einerseits die Texte, ,anderseits der Slyl und Eharakter der Melodien selbst. Ich mache einen Unterschied zwischen והכהנים, welcher Mxt schon in der Mischna vorkommt und einem mittelalterlichen Pismon und faste, bevor ich an die Prüfung der Melodie gehe, für die nur der Ambitns, also Intonation, Choral- und Finalton maßgebend sein können, zunächst die Zeit seiner Hinführuu^ins Auge. Dass ׳dem Herrn, Obercantor bie_ deutsche Bezeichnung Choraltou für die sogen. Nepercussion unbekannt geblieben, äst nicht meine Schuld. .: Ich habe mir den Ausdruck .wahrlich nicht erdacht und/ kann ihm Werke über den Gregor. Gesang nennen, in welchen er vorfindlich ist. Auch dass man eine Melodie ans ihren Styl und Charakter prüfen kann, wird jedem Besonnenen,.einleuchten, wenn er bemerkt, dass es streng rhythmische und unrhythmische Melodien gibt, das heißt dann nicht.,mehr Styl und Charakter durch Styl und Charakter feststellen! Ein ganz anderes Moment bringen aber, meiner Ansicht nach, Psalmodien zu Tage, auf die ich aufmerksam machte.׳ Und den מלך;'^-®teiger halte ich fitzt noch für eine alte Psalmodie, da die Schlüsse bec!פסוקי דזמרך mit dem Schluffe auf den Text.עדותיך wirklich identisch, nicht aus der Lust gegriffen sind! Auch habe ich. nur, den. ״Steiger" in seiner heutigen Kunstform als von volhynischen חזנים herrührend, bezeichnet und genügend betont. Weil ich aber jedem Misverständniße vorzubeugen mich bemühte, bemüht sich nun in erster Reihe Herr Obercantor Singer, mich miszuverstehen. Von einer j harmonischen Bez e ich nun g, die dem Herrn Obercantor Gelegen--׳, heit zu so vielen hämischen Bemerkungen gab. habe ich ,nicht gesprochen; da ist ihm das passirt, was er bei mir vermuthete: er hat falsch gelesen. Nicht von harmonischen B ez eichn u ng en, sondern von harmonischen B ez i eh u nge n der Töne zu einander war die Rede. . ... Schließlich ist die Geringschätzung der hebräischen Quellen für die Geschichte der Synagogen-Musik seitens des Herrn Obercantor Singer bedauerlich, da sie, was die unverkennbare Beziehung der synagozalen Musik zu der jüdischen Hym n ologie anlangt, von größtem Werths bleiben. . :-;ä . Mit dem Ausdrucke besonderer Hochachtung zeichne C d. B i r n b a u m, Königsberg in Pr. Neichthnm zu vergrößern, und verrolgte dabei das Princip," die Nachkömmlinge jener ausgemiesenen Landeskinder' auf den heimatlichen Boden zurückzurnscn. Zwar wurde der Plan in dieser Form niemals festgestellt, aber wenn auch nicht geradezu ausgesprochen, war dieser Wunsch deutlich erkennbar. Im Weiteren verwahrt der Verfasser sich auch gegen etwaige Schlüsse, die aus der judenfeindlichen Haltung einiger spanischer Journale gezogen werden könnten. ״Man muß",!0' schreibt er, ״die Beweggründe dieser Angriffe und ihre Symptome kennen lernen. In Spanien beschäftigt man sich heutigen Tages vorwiegend mit der marokkanischen Frage. Allgemein herrscht allerdings die irrige Meinung, dass die nationale Politik in der Äufrechterhaltung der Autorität Spaniens in Marokko bestehen müsse, und deshalb verfolgen die spanischen Politiker das Ziel, uachzuweisen, dass keine Nation, mit Ausnahme der spanischen, in Marokko etwas ausrichten könne. Nun stört aber das Recht anderer Völker, Residenten in Marokko zu halten, die spanischen Zirkel, und die spanische Politik muß darum jenes Recht bekämpfen. Daher widersetzt man sich bei uns systematisch der Bestallung europäischer Residenten in Marokko, und da dieselbe hauptsächlich den'marokkanischen Israeliten zu Gute kommt, so

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