Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 6 (1886)
- Issue
- Heft 28 (31.8.1886)
- Date
- 1886-08-31
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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2 berührt ungemein sympathisch, das sabbath- und feiertägliche Chasamis, wie nicht minder das von Roscli hoschanali und Jom kippur, streng grupp irt, verwendet zu finden. All' die theueren Klänge, wie das maariw von Sabbath und den drei Feiertagen, Samstag Vormittag. Geschem und Tall, ledor wodor, wie der Geiammtstoff der hohen Feiertage, erscheint meisterhaft angeordnet und verwertbet und selbst die nicht traditionellen Gesänge und Necitative find nicht, wie bis dahin üblich, choralmäßig sondern rhythmisch und sogar melismatisch gearbeitet. Dies Vorgehen zeigt zu deutlich die strenge Meisterhand und das vollbewusste Zielerkenntnis seitens des Autors, als dass nur der winzigste Spielraum zu einer anderen Deutung und Anslegung übrig bliebe. Für die Erhaltung der traditionellen Melodie hat Lewandowski demnach ausgiebig gesorgt, ׳ und die Geschichte darf ihm den Dank biesür nicht schuldig bleiben. Allein Lewandowski spricht, wie oben angeführt, in der Vorrede zu kol rinnoh ut’filloli von der Nothwendigkeit, das V e r st ä n d n i s für unsere herrlichen Tonweiscu zu gewinnen, und wir forschen in dem vorliegenden Werke vergebens nach der Verwirklichung dieses überaus wichtigen Ausspruches. Kanu ein V e r st ä n d n i s für einen antiquirteu Gesang lediglich durch die Erhaltung desselben gewonnen sein oder wird dasselbe vielmehr durch eine wissenschaflliche Erklärung des Stiles und der Art dieses Gesanges nicht leichter vermittelt? Die von Lewandowski ausgezeichneten Gesänge tragen zumeist das charakteristische Gepräge ihrer Art, so dass die Annähme ausgeschlosten ist, Lewandowski habe bei seinen Aufzeichnungen lediglich die überkommenen Melodien und nicht auch den ihnen innewohnenden Styl.,vor Augen gehabt; allein, wie bekannt, sind ja selbst die gleichartigen Melodien in den verschiedenen Ländern verschieden, so dass mau schließlich, wenn. man diese gleichartigen und dennoch verschiedenen Melodien neben einander stellt, in Verlegenheit ist, welcher von ihnen man das Epitheton ,Originalmelodie' beilegen soll, wenn auch außer Zweifel erscheint, dass allen derselbe Geist innewohnt. Es ist daher bedauerlich, dass ein Mann wie Lewandowski wenigstens den Versuch nicht machte, auf den Geist, d. h. auf die wesentlichen Merkmale, die jeder dieser Melodiengruppe ihr eigenthümliches Gepräge verleihen, hinzuweisen, vielleicht auf die dominirenden Intervalle, Schlüsse rc. aufmerksam zu machen; er hätte, unseres Erachtens, ein wesentlich bedeutenderes Werk geschaffen, als durch pure Aufzeichnungen diese Melodien der Nachwelt zu erhalten. Hätte der bedeutende Musiker Lewandowski vor 30 Jahren aus ein eventuelles System aufmerksam gemacht, das jüdische Cantorat besäße heute eine Wissenschaft und es wäre unmöglich geworden, solchen Anschauungen zu begegnen, wie dieselben in letzter Zeit von jüdischen Obercantoren entwickelt wurden, als: ,eine Stimme kann singen, wie sie will' — oder ,volhynischer Traditionszesang', oder gar ,unser Erinnerungsvermögen bezüglich des Traditionsgesanges reicht nicht weiter als dis Dowidl Brod' rc. Diese Versündigungen haben lediglich alle jene Herren der Geschichte gegenüber zu vertreten, welche als Leitsterne aus dem Gebiete der Synagogenmusik galten — und, weil sie bezüglich des traditionellen Synazogengesangsstyles im Unklaren waren, den ,alten Sing-Sang* (sic) zu anderem alten Trödel warfen. Deshalb ziemt cs uns, zu constatiren, dass Lewandowski durch seine Rückkehr zum Traditionsgesange einen bedeutungsvollen Schritt auf geschichtlichem Gebiete gethau, indem er, wenn auch keine Erklärung der A r t, dennoch durch die rückhaltslose Annahme derselben bekundete, dass dieselbe, werth p, angenommen zu werden, und entschieden durch die Gruppirnng der.einzelnen Gesänge und durch die Neinerhaltnng der meisten derselben treffliches Material zur Auffindung und Feststellung eines Styles einen nicht zu unterschätzenden Beitrag lieferte. (Fortsetzung folgt.) Fragmente. Aus den: alten jüdischen Leben im Familienkreise, im Gotteshause, inr gemeinschaftlichen Verkehre. . (Zweite Artikel-Serie.) . XIII. Zur Symbolik der mos. SLiftsh Litte. Aus dem umfangreichen Werke Dr. Bährs über die Symbolik der mosaischen StiflShütte wollen wir nur aus dem dritten und vierten Capitel in gedrängt-.r Kürze einen Auszug liefern über die Bedeutung der Stoffe und der Farben, die bei der Stiftshütte in Anwendung kamen,, mit Hinweglassung anstößiger Stellen, die für ein jüdisches Blatt nicht passen. Die Bedeutung der Stoffe ist nach Bähr folgende: 1. Die Metalle deuten Licht an, in den natürlichen Neligionen das kosmische Licht, im Mosaismus das göttliche Licht. Dabei findet Gradation zwischen Erz, Silber und Gold statt. 2. Das Schittim- oder Akazienholz hat zum eigenthümlichsten Charakter die relative Unverweßlichkeit, cs ist also soviel als Lebensholz. 3. Die linnenen Zeuge stellen vermöge ihrer Leichtigkeit und Feinheit und vermöge ihrer gleichsam ätherischen Beschaffenheit den Bau als etwas Aetherisches, vom Himmel herstammendes dar. . 4. Die Ziegrnhaaren-Zeuge sammt dem Leder kamen der Stiftshütte als einem Zelte zu; wenigstens sollte sie als solches erscheinen. Es wurde durch diesen ihren Charakter erklärt, dass Zehovah mit seiner Offenbarung und segensreichen Gegenwart an keinen bestimmten Ort gebunden sei. Jehovah wohnt unter seinem Volke, wo das Volk ist, da ist und will auch er sein und segnend wirken. Die Hanptstoffe geben dem Baue den Charakter einer Stätte des Lichtes und des Lebens. Die Bedeutung aller Farben ist das Licht. Licht ist dem Hebräer das Kleid Gottes (עטו־! אור כשלמת), seine Herrlichkeit, der sein Name entspricht. Die Farbe im Allgemeinen als Manifestation und Erscheinung des Lichtes ist somit das natürliche Symbol des Namens Gottes. Die einzelnen Farben müssen Symbole der einzelnen, verschiedenen Namen Gottes sein. Die Farben der Stiftshütte waren nun: 1. (תכלת), Hyazinth, dunkelblau, heilige Farbe, Farbe des Himmels, Farbe Gottes, insofern er vom Himmel herabgekommen und mit Israel in einen Bund getreten ist, also zugleich symbolische Farbe des eigentlichen Zeugnißes Gottes, des Gesetzes. 2. (ארגפ׳ן), Purpur, glänzend dunkelroth, die edelste Farbe, Bezeichnung der höchsten Würde, der königlichen Herrschaft, der Gottheit beigelegt; ein Symbol der absoluten Majestät Gottes, Symbol der Königswürde Jehovas im Verhältnis zu Israel. 3. (תולעת שר), Glanzwurm oder Kermes, daher Karmesin, ein glänzendes, leuchtendes Noth. Farbe des Blutes und Feuers, symbolisirt zunächst, das physische, dann aber auch das Leben überhaupt in seiner ganzen Ausdehnung. Auf Gott bezogen bezeichnet es ihn als den absolut Lebendigen und die Quelle des Lebens. 4. (שש) Byssus, daher dessen Farbe, glänzend weiß, Symbol der Heiligkeit; Gott ist der Heilige Israels.