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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1886-08-31 · Heft 28 (31.8.1886) · page 1

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
6 (1886)
Issue
Heft 28 (31.8.1886)
Date
1886-08-31
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Oesterreichisch-ungarische Priuiumcr'Atiens-Pirir ^ür 'Dereiiismiiglicder: ©nnjiäbvig . - . fl. 5.— Halbjährig - - - st- 2.50 Vierteljährig - . st. . 1.25 Monatlich ... st. —.45 Kür Nichlmitglie-er: Ganzjährig ... fl. 8.— Halbjährig ... st. 3.— Vierteljährig . . fl. 1.50 Monatlich ... fl. —.50 Kür das Ausland: Ganzjäbrig ... st. 7-— 12 Mark oder 6 Rubel. V־ Organ für die GeZliilimi -IiümZMi jiidiZchkr Cmitnrpn. Erscheint jeden achten Hag. Begründer: Obercantor Icr^ob Acru6r7. Avministration IU i e n, II., Novaragasse 27. ] Inserate werde» billigst berechnet. Manuskripte werden nicht retournirt. Nr. 28 Wieiu ZI. August 1886. 6. Jahrgang. Uel'er die Entivickelung des Synagogen- Gesanges Von Ober-Cantor I. Singer in Wien. IL Serie. V. In beu. ersten acht Zeilen seiner Vorrede zu Kol rinnoh ut'fiUoli zeichnet Lewandowski mit logischer Schärfe die geschichtliche Entwicklung des Synagogengesanges von Sulzer bis zur Herausgabe des vorliegenden Werkes (Juli 1871). Die trefflich gewählten Worte: ,,Während dieses Zeitraumes haben verschiedene Cantoren und Musiker, dem Beispiele Snlzers folgend, die Zusammenstellung ähnlicher Werke versucht und verbreitet, in der guten Absicht, durch ihre geistigen Producte den Cultus zu veredeln und unwürdige Sangweisen, welche bisher in fast allen israelitischen Gemeinden üblich waren, durch neue Melodien zu verdrängen", dürfen nicht in landläusig oberstächlicher Weise gelesen, sondern die Stellen wohlwollender"Zustim. mung müssen von denen offenbar sarcastischen Inhaltes geschieden und erfasst werden, um die schwere Bedeutung derselben voll und ganz zu würdigen. Weniger sympathisch klingen die weiteren Kundgebungen, den Cantor in seiner Wechselwirkung zum Chore und der Gemeinde betreffend. Die Anschauung: ״Die Vorbeter, welche bis dahin die alleinigen Träger des Gottesdienstes gewesen waren und durch den Charakter der von ihnen gesungenen Melodien die Gemeinden ebenso erbauten als angenehm unterhielten, mussten von nun ab einen Theil ihrer gottesdienstlichen Functionen auf einen Chor übertragen rc." muß zurückgewiesen werden. Wenn schon zugestanden werden mag, dass der nichtcantorale Synagogengesang überhaupt eine gottesdienstliche Function involvire,. so kann unmöglich behauptet werden, dass dieser Theil erst mit Einführung des Chorgesanges in der Synagoge auf der Tagesfläche erschien, indem es genügend bekannt ist, dass lange vor Regelung der Synagogengesänge schon Cantoren mit Meschorerim beteten, deren Glanzstellen sehr oft das Zusammensingen, wenn auch nicht streng gearbeiteter, immerhin bemerkenswerther Ensemble-Sätze bildete, dass demnach der geregelte Chorgesanz für die Synagoge zwar eine läuternde, keineswegs jedoch eine neue Erscheinung war; der fachmänuisch reife Cantor jedoch war und ist zu allen Zeiten, selbst bei Aufwendung der möglichst größten chorischen Kräfte, der alleinige Träger des jüdisch-liturgischen Gesanges. Auch der fernere Inhalt der erwähnten Vorrede bietet eine solche Fülle historischen und didaktischen Stoffes, dass wir demselben unsere volle Aufmerksamkeit nicht vorenthalten dürfen. Lewandowski schreibt: ״Um Neeitative für unsere Gebete zu erfinden, muß man ein tüchtiger Musiker, ein guter Hebräer, begeisterier Jude sein und genaue, womöglich historische Kenntniße des Ritus in reichem Maße erworben haben" .... ״Das katholisch starre Nccitativ d.׳rf in unserem Gottesdienste keine Verwendung finden.... Haben unsere Väter nicht genügendes Material geschaffen?.... Wenn nun dieses Material uns erhalten bleiben soll, dann dürfen wir es nicht, wie es leider am meisten bei unseren Glaubensgenossen selbst der Fall ist. mit Hohn behandeln" .... ״Und wenn wir auch die Sprache unserer Väter verlernt haben, das Verst ä n d n i s für ihre und unsere herrlichen Ton weisen m ü s s e n w i r wieder gewinnen: Wer empfände nicht in ihnen die Ge schichte unseres Volkes'.' ״Ja wohl, jeder von uns, der einoffenes Ohr für die aus entfernten Jahrhunderten in unsere Zeit hinüberklingenden altehrwürdigen Töne besitzt, und dessen Geist für die heilige Geschichte des Jnd enthnmes vorgebildet und empfänglich ist, muß sich mit Vorliebe dem Studium dieser beinahe verklungenen Töne hingeben und die Finsternis immer mehr zu erhellen trachten.' Was hat nun Lewandowski für die Erklärung und E r h a l t u n g dieses von den Vätern ererbten Gesangs- Materials gethan, und welche Erfolge haben seine Bestrebungen aufzuweisen? Sein erstes Werk: Kol mmoh ut’filloh bedeutet zweifellos ein Zurückweisen des bis dahin üblichen christlichen Necitativs und eine vollständige Rückkehr zur tradiiionellen Gesangsweise. Allerdinds waren nach dieser Richtung schon Andere und namentlich Naumburg anerkennenswerth vorausgegangen, aber mit solch' entschiedener Berücksichtigung deL traditionellen Gesanges keineswegs, wie es bei Lewandowski der Fall ist. Es

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