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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1886-08-23 · Heft 27 (23.8.1886) · p. Seite 6

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
6 (1886)
Issue
Heft 27 (23.8.1886)
Date
1886-08-23
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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S ,Zurücks zurnfend. Dem Herrn Major ist die Verhütung eines großen Unglückes zu verdanken. — Wie wir vernehmen, ist Ob.-Cantor Halpern bereits in Lemberg acceptirt. München. In einer baierischen Stadt starb im Jahre 1861 ein sehr reicher Israelit, welcher sein Vermögen zu gleichen Theilen seinen zwei Neffen, sowie einer Nichte seiner sel. Frau mitteltst Testament vermachte, welches aber erst nach 25 Jahren eröffnet und vollzogen werden darf. Am 27. v. M. wurde nun dieses Testament eröffnet, welches kurz und deutlich besagt, dass die Erben das Vermögen im Betrage einer Million Mark nur dann erben, wenn diese oder ihre Nachkommen noch dem streng orthodoxen Judenthume angehören, das ist nun bei keinem Einzigen der jetzt in Wien und Paris lebenden der Fall. Mehrere sind sogar zum Christenthume übertreten. Für diese Eventualität hat der Erblasser bestimmt, dass der betreffende Theil des Vermögens der Synagoge zu falle. Nachdem sich aber in seinem Geburtsorte mehr keine Synagoge befindet, da sämtliche Israeliten ausgewandert sind, hat das Gericht jetzt über diese Angelegenheit zu entscheiden. W. J. Sakomchi. Wie einem jüdisch-spaniolischen, zu Constantinopel erscheinenden Blatte berichtet wird, ist in Salonichi kürzlich ein exaltirter und anscheinend an seine eigene Fabel glaubender russischer Jude, der sich Pinchas-Elijah nennt, aufgetaucht und hat sich als der Vorläufer des Moschiach, als Elijah den Tisbiten ausgegebeu- Merkwürdiger Weise fand der Mann bei dem ungebildeten Theile der Bevölkerung Glauben. Er veranstaltete pomphafte Umzüge unter Psalmengesängen und Schofartönen. Eine seiner begeistertsten An- Hängerinnen war eine Witwe, welche vorgab und wahrscheinlich auch glaubte, dass ihr verstorbener Gatte ihr im Traume erschienen sei und die Echtheit des vermeintlichen Propheten Elijah bestätigt habe. Da kam der Vorstand auf die vernünftige Idee, zur Beschwichtigung deS fanatisilten Volks den Mann zu bereden, die Frau zu heiraten. Diese war gern einverstanden. Nach der Hochzeit aber wollte das Volk nicht mehr an den Manu glauben, da Pinchas-Elijah als Hoher- Nachdem hier die kurzen Begrüßungen vorüber waren und Wolsele uns mit einem Vorträge über Guittarspies, Optik, Kochkunst, höhere Technik auf dem Billardbrette und über das nichtmathematische ,Wurzelziehen' beglückt hatte, setzte er sich aus Harmonium, und mit zwei Fingern eine Taste berührend, hieß er mich etwas .Polnisch' singen. ,Kann was werden' war das mit Pathos hingeworfene Urtheil. Es sollte aber nichts werden, wenigstens mit Wolfeles Einwilligung nicht; denn nur zu bald erfuhr Wolsele, dass ich Mohel sei. und diese Kunst war für ihn, der außerdem, Prediger, Ncilabaltfilla, Schosarbläser, Chor-Director, Schächter, Soser 3c. war, eine Goldgrube, deren Eingang sehr sorgsam zu bewahren, er vollen Grund hatte. Sie können sich lieber Leser denken, dass Wolsele Tausendkünstler kein Mittel unversucht ließ, um meine Aufnahme in B. zu verhindern; aber seine wüsten Agitationen haben bei meiner Anstellung nur fördernd gewirkt, denn B. ist eine viel zu intelligente Gemeinde, um sich von den Bereles nnd Wolfeles leiten zu lassen. Und wenn ich auch nach meinem Dienstantritte von Wolsele, mit dem ich durch das unerbittliche Geschick gut werden musste, viel zu leiden hatte, so kann ich doch das Eine behaupten, dass von jenem Tage an die Handlungen Wolfeles vom Fluche begleitet schienen. Seine Ränke gegen mich sielen dröhnend auf sein Haupt, die mir gelegten Fallen haben i h u gefangen und alle seine Unternehmungen gegen meine Person sind mir znm Segen geworden. In früheren Jahren hat Wolfele dem Organisten die Spielpiecen im Buche ausgeblättert und den Chorknaben diverse Priester doch keine Witwe ehelichen dürfte. DaS Ehepaar hat daraus Salonichi verlaffen. Jerusalem. Aus dieser Stadt der großen historischen Erinnerungen kommen viele Klagen über die Entstellung des altehrwürdigeu Charakters des dortigen Architekturbildes. Professor T. Hayter Lewis berichtet im ,Athenäum'. ,Außerhalb der Mauern wachsen immer mehr Bauten empor und, ehe viel Zeit vergangen, wird der eizenthümliche malerische Zauber gerade der am meisten werthgehalteneu Siätten verwischt sein. So ist es schon heute mit dem schönen Ausblick vom Oelberge gegen das todte Meer hin; daS vordringliche Weiß der glänzenden modernen Gebäude steht arg im Gegensätze zu dem gedämpften Colorit der Landschaft. Näher an der Stadt hat dagegen die Bebauung Gutes gewirkt, insofern dadurch große Schnttmaffen, die noch bis vor Kurzem die Mauern bei dem Thore von Damaskus bedeckten, beseitigt worden sind. Ebenso war die Furrdarneutirung eines neuen Baues die Ursache, dass nordwestlich von der Jeremias-Grotte und südwestlich der Ruinen der St. Stephanskirche große Ueberreste eines Mosaikbodens bloßgelezt wurden, der sehr wahrscheinlich zu einem Gebäude gehörte, von welchem Theile schon 1883 von Dr. Selah Merrill gesehen worden sind. Dieser Mosaikboden ist auf etwa 50 Fuß Länge ausgedeckt, doch konnte seine Gesammtausdehnuug noch nicht sestgcstellt werden; nach der Breite hat man nur erst 8 bis 10 Fuß freigelegt, aber glücklicherweise zeigt dies Stück den sehr schönen Rand, de! sehr reich in Farben gehalten ist. Dies Mosaik ist in kleinen Würfeln von etwas weniger als einem ׳ halben Zoll ausgeführt. Die Muster sind durchwegs geometrische und in Schwarz auf weißen! Grunde gehalten; die außerdem angewendcten Farben sind Roth, Gelb und Blau, jede in zwei Tinten. Das Material ist Marmor, ohne die sonst wohl übliche Einschiebung von anderen Steinen oder von Terracotta. Unter Beistand von Dr. Merrill, der mit Mr. Schick die Ausgrabungen sorgfältig überwacht, war Professor Lewis in der Lage, Theile des Bodens soweit zu reinigen, dass man ein vollständiges Bild von der genauen Art nnd Weise erhielt, mit der die Würfel zusammen- Züchtigungen ertheilt. Diese seine Thätigkeit berechtigte ihn, sich Negenschori zu nennen, obwohl er für die Leitung eines Chores gerade so viel Verständnis hat, wie der Mops für Astronomie. Gleichzeitig benützt er diese Stellung, um die Gemeinde, entgegen dem Willen der Cantorcn, mit seinen Composirionen meuchlings zu überfallen. — Kennen Sie lieber Leser Wolfeles Compositionen? Kennen Sie überhaupt seinen Jigdal, Opus 613? Nein? Wirklich nicht? Schade, sein Jigdal, Opus 613, den er Ihnen über Verlangen gerne׳ zusendet, enthält soviel Feuer, dass er einen (Kohlen) Stein selbst ohne Kleinholz in Flammen zu setzen im Stande ist. Es ließe sich über solche Typen, wie Wolfele und Berele Bücher schreiben, und der bescheidene Raum eines Fachblattes reicht nicht hin, um diese ihrem wahren Wcrthe nach zu würdigen; wir müssen aber diesen an dem spärlichen Fette der Cantoren nagenden Schmarotzern auf den Nacken treten. Wenn, wir einerseits keinen Grund haben, eine gerechte Kritik, selbst wenn sie zu unserem Nachtheile ist, zu scheuen, und wohlgemeinten Rath jederzeit gerne und dankbar annehmen, so dürfen, wir. es. andererseits nicht unterlassen, jener Gilde, die es sich ganz unberufener Weise herausnimmt, den Cantoren von Unnwissenheit und Eigendunkel strotzende Belehrungen zu geben, gehörig heimznleuchten. Ich glaube, dass die Cantorenzeitung, für die wjr soviel und so oft im Rückstände sind, es auch-ihrerseits als ihre Schuldigkeit erachten wird, uns in unserem Vorhaben kräftig zu unterstützen. Beim Kapitel Probevorträge sehen wir uns wieder.

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