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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1886-08-23 · Heft 27 (23.8.1886) · p. Seite 4

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
6 (1886)
Issue
Heft 27 (23.8.1886)
Date
1886-08-23
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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habet, dass nicht eig e n u ü 1}ige.MotiveEuch für das Veste des Cantorenvereines wirken hießen׳, kommt im Interesse der guten Sache den Wiener Co.llegen entgegen, reicht Ench die Bruder- Hand und suchet nur in dem Strebendas Ansehen des Vereines zu heben, es Einer: dem Andern vorzuthuu. .Wird dies geschehen,, werden die Collegcn die Einigkeit der Vorstände des Vereines zum׳ guten Zeichen seiner segensreichen Wirksamkeit an irgend einem E r e i g n i ß e erkennen, dann wird die frühere Schaffensfreudigkeit wieder in erfreulichster Weise sich documentiren, und es wird endlich möglich ׳sein, den׳ schon zweimal verschobenen statutenmäßigen Cantorentag einzuberufen, ohne befürchten zu müssen, dass derselbe aus Mangel an betheilizenden Mitgliedern nicht zu Stande^ kommen werde. Ein solches Ereignis die Einigkeit deutlichst zu manifestiren, bietet eben der Cantorentag, welcher nach §. 20 der Statuten jedesmal in der Hauptstadt eines andern Kronlandes zu tagen hat. Laffet d e n n ä ch st e n C a n t o r e u t a g i n Prag z'usa mm eutreten und Ihr werdet Euren guten Willen, in Einigkeit für die Erstarkung des Vereines zu wirken, aufs Schlagendste beweisen und seid versichert, dass der Prager Cantorentag gewiss in unserer Vereinsgeschichte den Wendepunkt zur Blüthezcit bedeuten wird. Von der Unparteilichkeit der geehrten Nedaction hoffe ich, dass sie meinen Artikel vollinhaltlich veröffentlichen wird, denn besser hineinschnciden in's wunde Fleisch und alles Ungesunde mit der ätzenden Wahrheitssonde abtrennen als den ganzen Körper unthätig dem Untergänge entgegeneilen zu lassen *). HorLc, im August 1886. Leop. A u s p i tz, Cantor in Horie, Böhmen. Gksiings-Kriese. (Fortsetzung.) Hat ein Sänger von der Natur ein schönes Organ erhalten, das er durch Fleiß und zweckmäßigen Unterricht fehlerfrei entwickelte; sammelte cr sich musikalische Keuntniße und Fertigkeiten, die leine ferneren Fortschritte verbürgen; singt er jedes ihm vorgelegte Stück, das für feine Slimme passt, mit voller Empfindung : so kann er im häuslichen Zirkel viel Freude schaffen. Aber es bleiben ihm. noch mehrere Schritte zur Beförderuug der möglichsten Ausbildung zu thun, ohne die er nie eine ausgezeichnete Stelle unter wirklichen Sängern ehrenvoll bekleiden wird. Es fehlt ihm an der Anmnth, welche den Zn- Hörer anzieht, an der Grazie, die ihn fesselt, an der feineren *) Wir haben es jederzeit als unsere jourricrlisnsche Pflicht erachtet, den Enunciationen unserer Coliegen in diesem Blatte Raum zu geben, und dass wir dies selbst bei nicht ganz gerechtfertigten Kritiken nicht unterlassen, glauben wir . am besten durch die Aufnahme des obigen Artikels zu beweisen. Die Intentionen des geehrten Einsenders mögen wohl die besten sein, aber in den Ursachen der von ihm bemerkten Stagnation hat er sich ein wenig getäuscht. Dass dies der Fall ist, wollen wir in einer der nächsten Nummern erhärten. Ein e n Vorwurf jedoch müssen wir sofort zurückweisen, er betrifft die ״Luxusartikel" Bezüglich der Artikel aus dem Kreise unserer rabbinischen Mitarbeiter habenwir uns schon einmal geäußert und an dieser Aeußerung halten wir noch jetzt fest. Theilt Herr. College Auspitz diese Ansicht nicht, dann möge er solche Artikel Luxusartikel nennen. Dass er aber auch die, gerade in den letzten Monarcn zahlreicher veröffentlichten Arbeiten hervorragender Fachgenoffen aus dem Zn- und Auslände gänzlich außer Acht lässt, oder sie unter dem obigen Colleetiv׳ begriff subsummirt, finden wir sehr bedauerlich und wir sind überzeugt, .dass dieses Bedauern von einem großen Kreise unserer Leser getheilt wird. Die Redaction. musikalischen Ausbildung, die den Sänger zum Künstler erhebt: mit einem Work, es fehlt ihm noch an der Einweihung in den Zauber des Vortrages, den man oft mit dem Bezeichnungswort der Methode belegt. Alan dürste in dieser Hinsicht den Sänger mit dem Nedner und Schriftsteller vergleichen. Der gute wie der schlechte gebrauchen die nämlichen Theile der Rede, doch von ihrer Zusammenstellung hängt lediglich der Erfolg ab'. Unter dem Vortrag beim Gesang versteht man gar Mancherlei,, besonders aber den künstlichsten Theil desselben, wo der Sänger auch das, was nicht immer vorgeschrieben steht, aus dem eigenen Schatze seiner Erfindung, an gehörigem Platz zur Verschönerung des Gesanges hinzuzufügen versteht; wo er nicht etwa durch überhäufte Auszierungen die Melodie unkenntlich zu verbrämen weiß, vielmehr durch den vielfachen Reiz einer gehörigen Einkleidung, durch die gedachten einzelnen Verschönerungen dazu geeigneter Stellen, durch ein unnennbares anziehendes Etwas, seinem Gesang die Rundung gibt, die sein Organ, so wie die Composiiion, die er vorträgt, in das vortheilhafteste Licht setzt. Wenn der Sänger diese Kenntnis immer in genauer Beziehung auf den Charakter des Stückes zu modificiren weiß, und für die einzelnen Theile, wie für die Haltung des Ganzen, weder zu wenig noch zu viel Kunst anwendet, wenn er nie den Ausdruck des Gefühles opfert, aber bei jedem gesungenen Stück seine Kunstfertigkeit und Kenntnis durch seine kluge Mäßigung zeigt: dann kann man von ihm sagen, er hat Methode, er kommt aus einer guten Schule, er singt mit Vortrag, oder wie immer die Modeausdrücke gewählt werden Mögen, wenn man die eigentliche Eleganz des Gesanges bezeichnen will. Aber der Begriff über den guten Vortrag ist zum Theil dem Geist der Zeit unterworfen, und wechselt daher in manchen Theilen mit ihr. Er ist dem Schnitte der Kleider nicht unähnlich; das Gewand bleibt für alle gesittete Nationen, aber es hängt oft; von dem Zufall ab, ob die glücklichere oder unglücklichere Idee eines Einzelnen Eingang finden soll. Schönes Portamento, Crescendo, Diminuendo, leiser Anklang der Vor- und Nachschläge, guter Triller, Weichheit des Organes, die sich anmuthig durch Halbe- und Vierteltöne schmiegt, sind Zuthaten des guten Vortrages, die zu allen Zeiten, wo auch unter gebildeten Menschen gesungen׳ wird, als Zierde und Erhebung des natürlichen Gesanges anerkannt bleiben werden. Aber Coloraturen, Triolengänge, barocke Variationen und Lustsprünge, die alle in eizenthümliche Modeformen gegossen, nur den Zweck haben, den einfachen Gesang zu füllen und zu verdrängen, verfehlen nicht selten ihren Zweck der Verschönerungen werden auch nur unbedingt aus Modcsucht von solchen Sängern angenommen, die wenig über das wahre Schöne in ihrer Kunst Nachdenken, oder von der Natur so stiefmütterlich behandelt wurden, dass sie sich keinen edleren Vortrag zu bilden im Stande sind, und sich mit dem Beifall der Menge begnügen. Der Kenner sieht mit traurigem Blicke auf das Gebiet der Kunst hin, und beklagt es, dass der bessere Geschmack, das innige Gefühl, sowie die edle Einfachheit, die zwar in allen Gegenständen, aber noch ganz ausschließlich bei der Tonkunst, auf das Herz zu wirken sucht, so ganz unterdrückt werden und der Sucht zu glänzen so unbedingt weichen müssen. Jene genannten Kunstfertigkeiten der Kehle, die für jedes Zeitalter Verschönerung des Gesanges bleiben, sich eigen zu machen, haben wir schon früh unserem Zögling ans Herz gelegt. Sie künftig da anzuwenden, wo sie eigentlich hingehören und vermisst würden, wenn sie der Sänger nicht von selbst anzu- 1 bringen verstände, kann er nur insofern leicht erlernen, als er I Gelegenheit fand, mit gutem Vortrag singen zu hören. Auch

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