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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1886-08-14 · Heft 26 (14.8.1886) · p. Seite 5

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
6 (1886)
Issue
Heft 26 (14.8.1886)
Date
1886-08-14
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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tungsvoll ist unser Berus, unzählig sind, die Amtspflichteii, die uns ausgebürdet werden, und die wir in Geduld und Demuth -gewissenhaft und pünktlich nach besten Kräften zu erfüllen destrebt sind. Wie oft ziehen dunkle Gewitterwolken sich über unserem Haupte zusammen; wie oft wird unsere Seele von Blitzstrahlen des Hasses und der boshaftesten Verläumdung verwundet. Nicht selten wird unser friedliches Lager vom Hagel der Jntrigue und der Feindseligkeit aufgestört und heimgesucht. Dies ist unser Los, unser Schicksal, und unsere Aussicht für die Zukunft?! — Nun, wem das Glück zu Tbeil wurde, in mittleren oder gar kleinen, zank!üchtlgen Gemeinden zu wirken, dem ist es wobl bekannt, was für eine Ernte wir zu erwarten haben. Mit Thränen säen auch wir heilige Saaten aus, um schnöden Undank zu ernten. Man Werse mir nicht vor. daß ich die Farben zu düster aufgetrageu. Nein, es sind Schilderungen, die aus dem Leben gegriffen und nach der Natur gezeichnet sind. Darum müssen wir immer wieder von Neuem unsere Stimme erheben und Prolest einlegen gegen solche Thatsachen; unseren Fachblättern müssen wir es laut sagen, ihnen wollen wir es klagen — und erzählen von unseren Sorgen und Plagen, wie neulich ein College so zutreffend sagte: ״Durch viele derbe Streiche Fällt selbst die stärkste Eiche'. Acht Jahre sind beinahe verflossen, 'seitdem ich die hiesige Stelle übernahm, und während dieser verhältnismäßig kurzen Zeit sind nicht weniger als fünf Collegen in unserer nächsten Umgebung brodlos geworden; ja die eine dieser verehrlichen Nachbargemeinden besitzt seitdem sogar bereits den dritten Cultusbeamten, und dieser Bedauernswerthe hat auch schon solch' schlimme Erfahrungen daselbst durchgemacht, dass er sich nach einer Stelle lim״ sehen muss. Natürlich wollte meine Gemeinde hinter den kleineren nicht zurückstehen, und so wurde denn auch ich eines schönen Tages mit einer Kündigung ganz unerwartet angenehm überrascht. Wie ein Blitzstrahl ans heiterem Himmel bei Hellem Sonnenschein, wirkte auf unser Gemüth dieses furchtbare Un- Wetter. Um der Wahrheit die Ehre zu geben, muss ich hiermit dankbar anerkennen, dass viele Collegen sich diesmal sehr edel und musterhaft gegen mich benahmen. Als nämlich die hiesige Vacanz, ausgeschrieben war, ließen viele anständige Amlsbrnder welche die Absicht hegten, sich um die hiesige Stelle zu bewernach Paris, ist allerdings ein zu gewagter Sprung. Und doch war er gelungen. Die Pariser Judengemeinde hatte sich zufällig einige Zeit früher an Liszt mit der Bitte gewendet ihr einen Cantor zu empfehlen. Er gab dem Vater des talentirten Knaben einige Zeilen nach Paris mit und etliche Wochen später hatte jener feinen Austellungsbrief in der Tasche. Der Cantor wirkt noch heute in seiner Stellung in Paris und der junge Pianist hatte gehalten, was seine Begabung versprach. Unter dem Namen Henri Ketten war er bald in weitesten Kreisen bekannt und beliebt. Vor einigen Jahren ist er in der Blüthezeit seines Lebens und Wirkens gestorben. So mancher Wiener wird sich noch des Künstlers erinnern, der während der Weltausstellung 1873 in der Notnnde sich oft hören ließ. Er und seine junge Frau, eine blonde Schönheit, boten einen Anblick, wie er anmuthigea und reizender kaum gedacht werden kann. Die Ehe blieb jedoch nicht lange glücklich, Ketten trennte sich von der schönen, doch leicht gearteten Dame und dieses traurige Familienereignis wirkte auf sein Nervensystem so erschütternd, dass er zu kränkeln anfing und bald darauf starb. ben, z u e r st eine diesbezügliche Anfrage an mich ergehen. —׳ In Folge besten verzichteten sie darauf, sich um die hiesige Stelle zu bewerben. O, wenn doch sämmtliche Collegen, — freiwillig oder ge״ zwungeu — ihre Stellen zu wechseln beabsichtigen, stets so edel und rücksichtsvoll handeln möchten! Wie viel Aerger und Verdruss, Kummer und Sorgen würden sie mancher ״gekündigten" Cantorenfamilre dadurch ersparen und das günstigste Nesultat wäre, dass selbst die verbissenste Gemeinde schließlich genöthigt > wird, die Kündigung zu annulliren und den .alten" Beamten zu behalten, wie dies hier thatsächlich der Fall war. Es ist aber auch Pflicht und Schuldigkeit eines jeden ״gekündigten" Collegen, etwaige gutgemeinte Anfragen seitens stellensuchender Amtsbrüder ausführlich zu beantworten, denn nur durch gegenseitiges Vertrauen, durch aufrichtige Eintracht und Theilnabme, sowie durch festes Zusammenhalten können wir selbst unsere sociale Lage heben und verbessern und unserem Stande mehr Achtung verschaffen. Eingesendet. Löbliche Nedaction! Die Prager ״Politik" vom 8. Juli 1886 Nr. 187 bringt in ihrer Tageschronik eine Correspondenz von Pilsen v. 6. Juli d. I., in welcher bezüglich meiner Person wörtlich Folgendes zu lesen ist: ״Es verdient einer Episode Erwähnung zu thun, welche sich in der Hausflur des hiesigen isr. Tempels abgespielt hat. Es gerieth nämlich der Rabbiner Dr. Caro mit seinem Obercantor Armin F r e i s i n g e r in Streit, der unter großem Volksauflanse in eine regelrechte Prügelei ansartete, wobei die eben anwesenden Vorsteher der isr. Cultusgemeinde vergebens zu iutervenireu suchten. Dr. Caro unterlag zwar der riesigen Umarmung seines Cautors, nichtsdestoweniger nahm er eine Viertelstunde später dennoch Antheil an der Vorstellung beim Uuterrichtsminister, dem der aufgeregte Zustand dieses Cultus- Repräsentanten stark ausgefallen sein soll". In Folge dieser Mittheiluug des Prager Blattes ersuche ich höflichst in der nächsten Nummer Ihres geschätzten Blattes folgender Berichtigung Nauru geben zu wollen: ״Es ist nicht wahr, dass der -Rabbiner Dr. Caro mit seinem Obercantor Armin F r e i s i n g e r in Streit gerieth, weil erstens ich nicht der Obercantor des Herrn Dr. Caro bin, und zweitens ich in keinen Streit mit ihm gerathen konnte; es ist nicht wahr, dass sich diese Episode mit mir in der Hausflur des Pilsener isr. Tempel abgespielt hat; es ist daher auch nicht wahr, dass diese gar nicht stattgesundene Episode in eine regelrechte Prügelei ausgeartet sei; cs ist also auch nicht wahr, dass die eben anwesenden Herren Vorsteher der isr. Cnlrnsgemeinde in Pilsen int ervenirten; cs ist endlich nicht wahr, dass Herr Dr. Caro der riesigen Umarmung unterliegen konnte, nachdem ich mich bereits seit dem 20. Juni d. I. zur Cur in Carlsbad ununterbrochen aufhalte. Mit vorzüglicher Hochachtung zeichnel ergebenst Carlsbad, 12. Juli 1886. Armin F r e i s i n g e r, Obercantor der isr. Cultusgemeinde zu Pilsen derzeit Curgast in Carlsbad. Löbliche Nedaction! Der ergebenst gefertigte Vorstand des ״israelitischen Lehrer- Vereines in Böhmen" ersucht höflichst um Ausnahme der beiden

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