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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1886-08-14 · Heft 26 (14.8.1886) · p. Seite 3

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
6 (1886)
Issue
Heft 26 (14.8.1886)
Date
1886-08-14
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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3 wahre reine Kirchenmusik eines berufenen Meisters gleicht dem ן erhabenen Lobgesauge der Allnatnr zu Ehren ihres Schöpfers, in dieses Lied aber können alle Gottesgeschöpfe einstimmen ans bewegter Seele, Heiden und Christen, Juden und Mahomedaner, selbst Atheisten und Materialisten, die es im Grunde gar nicht geben kann. Die Notenbeilagen der Singer'schen Schrift sind, von allem! Anderen abgesehen, schon durch ihren'rein musikalischen Werth von Interesse und bieten Leite für Seite Belege zu den Aussührnngen im Texte. H. Eichborn. Fragmente. Aus dem alten jüdischen Leben im Familienkreise, im Gotteshause, im gemeinschaftlichen Verkehre. (Zweite Artikel-Serie.) XII. Zur Symbolik der mos. Stiftshütte . Ueber die Symbolik der mosaischenStiftshntte sind dickleibige Bände geschrieben worden und meist von nichtisraelitischen Gelehrten, wir nennen nur Luther, Bähr, Friedrich rc. Es ist geradezu wunderbar, was der menschliche Geist Alles anssinnen kann. Alle diese Versuche, je mehr sie ins Einzelne übergehen, desto künstlicher und erzwungener stellen sie sich dar, desto entschiedener treten sie als Spiel gelehrten Witzes auf, und desto weniger kann die Alterthumsknude Notiz davon nehmen. Aber auch jüdische Gelehrte gab es, und gibt es gewiss auch heute noch, überhaupt bei Anhängern der Kabala-Literatur, die solche Geistesspiele aufführen. Wir wollen hier nur einen Versuch über die Symbolik der Stistshütte Ouriositatis causa an führen, weil dieser Schriftsteller eine bekannte und hochgeachtete Capacität ist, Nabbi Zehuda Halevi, Verfasser des hochgeschätzten Buches Oosari (כוורי)♦ Dasselbe wurde 11m das Jahr 1140 nach der jetzigen Zeitrechnung vom benannten Verfasser in arabischer Sprache geschrieben, später von Nabbi Jehuda Aben Tybbou ins Hebräische übersetzt, und später von Nabbi Jehuda Muskatus mit einem ausführlichen Commentar, ״TUT ׳״קול genannt, versehen. Die uns angehende, die Stiftshütte und deren Bedeutung betreffende Hauptstelle des Buches Cosri befindet sich im zweiten Abschnitte dem 26., 27. und 28 § desselben, wo der jüdische Schriftgclehrte unter den Namen Chaber, dem Könige Cosri, der Auskunft über den mosaischen Cultus verlangt, Antwort gibt. Wir führen hier nach der Auffassung und Eintheilung des genannten Commentators Muskatus, sechzehn Punkte, etwas gekürzt, an, welche folgendermaßen lauten: Die Sachen, welche sich in der Stiftshütte befanden, und die Ordnung ihrer Verwaltung, vermittelst deren die Gottheit in Israel wohnte, lassen sich vergleichen mit den Gliedern des menschlichen Körpers, vermöge deren er zur Nesidenz der vernünftigen Seele taugt. -1. Die Bnndeslade, in welcher sich das Gesetz befand; ihr gleichen das Herz, welches die Quelle der Weisheit ist. 2. Die Cherubim mit den über der Lade ansgebreiteten Flügeln; ihnen gleichen die Lungen, mit ihren über dem Herzen ausgebreiteten Lappen. 3. Das göttliche Feuer zum Opfer, Nauchwerk und Leuchter; ihm gleicht die natürliche Wärme, die sich in dreifacher Abstufung, in die Leber, in das Herz und in das Gehirn vertheilt. 4. Die Opfer, das Rauchwerk und das Qel, womit sich das besagte Feuer verbindet; ihnen gleicht der geistige Theil des Blutes, womit sich die natürliche Wärme in ihren drei Graden verbindet. 5. Die drei dazu uöthigen Geräthe, der Brandopfer-Altar, der Näucher-Altar und der Leuchter mit Zngehör; ihnen gleichen die Leber, das Herz und das Gehirn mit ihren Werkzeugen. 6. Der Tisch mit den Schaubroten; ihnen gleichen die zum menschlichen Wohlleben erforderlichen Güter und -Reichthümer. 7. Die Vorhänge der Stiftshütte, ihre Zeug- und Felldecken 2c.; ihnen gleichen die weichem, äußern Gliedmaßen. 8. Die Bohlen, Säulen, 2c.; ihnen gleichen die äußern Gliedmaßen. 9. DaS Wasserbecken und sein Fußgestell. und die zur Reinigung dienenden Geräthschaften; ihnen gleichen die Gurgel, die Nase, das Zwerchfell, die Werkzeuge des Athembolens, der Verdauung und Sekretion. 10. Die Priester und Propheten, welche die Kenntnis des Gesetzes und der Weissagung besaßen und dem Volke als Nachgeber, Erinuerer und Wegweiser "dienten; diesen gleichen das Haupt mit den sichtbaren und verborgenen Sinnen, welche dem Menschen zu Nathgebern dienen und auzeigeu, was er zu suchen und was er zu fliehen hat. 11. Das Oel der Salbung, welches über das Haupt ausgegossen ward; ihm gleicht der Einfluss der Weissagung auf den Menschen. 12. Diejenigen, welche die Pflicht hatten, die Stistshütte und ihre Geräthe zu tragen; ihnen gleichen die Muskeln, Nerven und Ligamente, die Hände und die Füße, welche zur Ausführung der freiwilligen Bewegungen dienen und den Körper von einem Orte zum andern bringen. 13. Eleasar, der Priester, der das Oel der Salbung, das Rauchwerk der Spezerein, die Gaben des beständigen Opfers-, und das Oel der Lichter trug (Num. 4, 16); ihm gleicht die Reinigung des geistigen Blutes, zubereitet in seinen drei Graden der geistigen Neinigkeit, welches sich von selbst bewegt. 14. Die Söhne von Kehat (Num. 4, 4.), welche die innerlichen heiligen Geräthe trugen; ihnen gleichen die Geister und Kräfte, welche die innerlichen Glieder unterhalten. 15. Die Kinder Gerson, welche auf Wagen die Vorhänge und Decken der Stiftshütte re. führten, und die Kinder Merari, welche gleichfalls auf Wagen die Bohlen, Riegel, Säulen, rc. fortschafften; ihnen gleichen die Muskeln, Nerven Ligamente, welche die weichen und die harten äußern Glieder tragen. 16. Die Wagen, die zur Fortschaffung dienten (Num.7, 7.8.) ihnen gleichen die Hände und die Füße des Menschen. Nachdem der Chaber jene erwähnte Vergleichung angestellt und bereits größentheils durchgeführt hatte, sagte der König Cosri: Du hast dich in der Anstellung dieser Vergleichung bewunderungswürdig gezeigt. Aber wenn dem so ist, dass die Bundeslade das Herz und die Priester und Propheten das Haupt mit dem Sinne in der Körperschaft Israels sind, so seid ihr heutigen Tages ein Leib ohne Kopf und Herz. Der Schriftgelehrte entgegnete § 30: Es ist so, wie du gesagt hast, ra, wir sind eigentlich nicht einmal ein Leib, sondern nur zerstreute Gebeine eines Leibes, gleich jenen verdorrten Gebeinen, welche Ezechiel sah (K. 37). Jedoch, o König Cosar, solche Gebeine, in denen noch etwas Kraft und Leben übrig ist. und die doch einst wirklich Werkzeuge des Hauptes und des Herzens, des Geistes, der Seele und der Vernunft gewesen find: solche Gebeine eines lebendigen Leibes sind doch jedenfalls besser, als Leiber, die aus Stein und Kalk gemacht sind, mit einem Kopfe Augen, Ohren und den übrigen Gliedern, in welchen niemals ein Lebensgeist war, noch sein konnte. . W . . , . r. . (Fortsetzung folgt.)

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