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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1886-08-06 · Heft 25 (6.8.1886) · p. Seite 5

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
6 (1886)
Issue
Heft 25 (6.8.1886)
Date
1886-08-06
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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fein Lob vernehmen lassen und dem Chasan das Jejasclier Kochacho nicht vorenthaiten. ' Man )ehe frühe und mit unbeugsamer Strenge darauf, dass die Töne immer rein intonirt werden. Es ist über diesen Punkt schon so viel Schönes und Lehrreiches gesagt und geschrieben?worden und dennoch wird soviel im ,Neinsingeu" gesündigt. Fleißiges Neben der Tonleiter, anhaltender Gebrauch und wiederholte Unterstützung von einer rein gestimmten Geige ist hier zu empfehlen. Die Violine ist ein melodisches, das Clavier hingegen ein harmonisches Instrument, darum wird die Violine, gut gespielt, beim Einüben einzelner Stimmen den Vorzug behalten, während das Clavier nur als Unterstützung für die schon eingeübten Stimmen dienen soll. Die Chorsänger müssen durchaus an selbstständiges Singen gewöhnt werden, und dann erst mag das Harmonium seine Schuldigkeit thun, d. h. das harmonische Gefühl bei den San- Lern wecken, erhalten und als ein Correctiv für die Reinheit der ersten Stimme walten. Mögen diese Andeutungen wohlwollende Aufnahme finden und zur Bessergestaltung mancher Synagogenchöre beitragen. Eingesendet. Löbliche Nedaction! Die in Nr. 23 Ihres geschätzten. Blattes bezüglich der Autorisation zur Ertheilung des Religionsunterrichtes angeregte .Frage erscheint wohl (für Böhmen) durch das in Nr. 24 veröffentlichte ,Eingesendet" des Herrn Rotter in Horazdowitz genirgend beantwortet. Zur völligen Beruhigung der durch vas ,Eingesendet" in Nr. 23 aufgeschreckten und um ihre Zukunft, respeetive um ihr weiteres Fortkommen etwa noch immer besorgten Herren Collegen dürste es jedoch angemessen sein, hierüber auch Stimmen ans andern Kronländern zu veröffentlichen, damit klar gestellt werde, ob die vom Präsidium der Repräsentanz der böhmischen Landesjudenschaft diesbezüglich aufgestellte Norm auch in allen andern Kronländern Geltung hat. Ich habe in ähnlichem Sinne an mir selbst in 2 Krönländern Erfahrungen gemacht. Auf Grund eines einfachen BefähigungszeuznißeS, ausgestellt von Sr. Ehrwürden Herrn Dr. Güdemann, Rabbiner in :Wien, wurde ich in! Jahre 1876 von Seite der hohen k. k. Statthalterei in Wien als Religionslehrer für die Volks- und Bürgerschule und für das Landes-Neal- und Obergymnasium in Horn in Nieder-Oesterreich bestätigt. Im Jahre 1882 übersiedelie ich hierher nach Hotzenplotz .in Schlesien, und da hier keine höhere als eine Volks- und Bürgerschule ist, habe ich, respeetive der Cultnsvorstand, mich blos beim Vezirksschulrathe angemeldet, welcher nach Einsichtnähme in meine Zeuzniße vhneweiters genehmigte, dass ich den Neligiollsnnterricht ertheile, und auch die Direction der .Volks- und Bürgerschule hievon in Kenntnis setzte. Es scheint somit auch in den andern Kronländern dieselbe Norm zu gelten als in Böhmen, und ich kann mir den unserem ungenannt sein wollenden Collegen zugekommenen abschlägigen .Bescheid nicht anders erklären, als dass er in der Sache ungeschickt zn Werke geganzen sei. Er hätte geduldig warten sollen, bis die Religionslehrerstelle in seiner Gemeinde vacant geworden, und dann durch seinen Vorstand sich beim Vezirksschulrathe als .Religionslehrer anmelden lassen sollen, in welchem Falle er .gewiss nicht abgewiesen worden wäre; jedoch aber von einer -politischen Behörde die Bestätigung eines Befähigungszeugnißes zu verlangen, das ist, gelinde gesagt, unpractil'cb. Das Verbot : 2 ולא תעלה במעלת אל מזבחי אשר לא תגלה עדותך עליו. B. Mose Cap. 20. V. 23 pflegt in humoristischer Weise dahin gedeutet zu werden, du sollst nicht zn hoch hinauf streben, damit u. s. w. Hiemit wollte ich nicht dem Schaden noch den Spott hinzufügen, sondern blos die in einer ähnlichen Lage sich besindenden oder in Zukunft kommenden Collegen freundschaftlich und wohlmeinend warnen, und ich wünsche auch dem ungenannten Herrn Collegen für die Zukunft ein besseres Gelingen aller seiner Pläne. Genehmigen Sie Herr Nedacteur die Versicherung meiner ausgezeichneten Hochachtung, mit welcher ich zeichne, Ihr ergebenster M. Rudolfe r. Hotzenplotz, 27. Juli 1886. Kleine Chronik Oroß Kanrscha, 27. August. (Orig.-Corresp.) Wieder habe» wir einen jener Veteranen der alten Garde, welcher der Volksmund das Epitheton der Unsterblichkeit zugedacht, zn Grabe geleitet. B. Moritz Knopfler, seit mehr als einem halben Jahrhundert, theils mitwirkendes Glied, theils Leiter unseres Synagogen-Chores, ist am 26. d. nach langem, müden Lebensgange sanft und ruhig für ewig entschlummert. Der selig Verblichene war in den Anfangsjahreu unseres Jahrhundertes in dem Städtchen Groß-Meseritsch in Mähren geboren, mußte schon in seinem 13. Lebensjahre, der Gewohnheit jener Zeit folgend, das väterliche Hans verlassen, und wendete sich in Folge seiner frühzeitig entwickelten Anlagen dem Gefangsfache zu. Begabt mit einer lieblichen, dem Geschmacke jener Epoche im hohem Maße entsprechenden Fistelstimme, die er auch noch im reifern Alter behielt, machte er auf feiner Wanderreise das ganze Meschorerimwesen, wie eS seiner Zeit leibte und lebte, durch. Beinahe alle Coriphäen des polnischen Synagogengesanges, die im nordwestlichen Theile unseres Vaterlandes, ihr unftätes Leben fristeten, waren feine Meister, und nicht selten hat sein hoher DiSeant Veranlassung zu^ lebhaften Processen gegeben. Von Scholom Baruch in nächtlicher Dunkelheit gestohlen, von Jtzigl Komorn rechtlich zurückgefordert, war er der Spielball der jüdischen Gemeinden jenes Landstriches, denen kein Opfer um das berühmte Kolsingerl zn hoch war. Oft erheiterte er uns durch mannigfache, diesem Leben entnommene Episoden, die Dank der Vorsehung und der in Len letzten Jahren platzgegriffenen besseren Anschauung dem heutigen Sängerthume entschwunden und fremd sind. So rollte sich das Glücksrad seines Lebens fort, bis es endlich hier im Anfänge der 30er Jahre unter dem verewigten Cantor Goldstein feinen Ruhepunkt fand. Frühzeitig hatte das kluge Auge des Verblichenen durchschauet, dass der regellose. Singsang von keiner Dauer fein wird, und fein Bestreben ging dahin, sich theoretisch im Mnsikfache auszubilden. Durch angeborenen Fleiß und Willenskraft hatte er auch diesbezüglich eine bedeutende Fertigkeit im Violinspiel erlangt, so dass er jahrelang Leiter und Führer der hiesigen Musikkapelle war. Im Synagogenchor wirkte er bis zum Jahre 1872 als Tenor mit, wo er dann, in Folge des Ablebens des Chordirigenten Herrn Josef Jeiteles, deffen Stelle übernahm, in welcher er, des vorgerückten Alters und der eingetcetenen Kränklichkeit halber, bis vor einem Jahre gewissenhaft, feinem Berufe getreu und zur. vollkommenen Zufriedenheit in muftergiltigfter Weise gewirkt. Im Privatleben zeichriete er sich stets als biederer Character aus. war friedfertig, jovial im Umgänge in der weitesten Bedeutung des Wortes. Aus seinem Meschorerimleben blieb ihm außer der Fachroutine nichts weiter als die angestammte gemüthliche Stimmung, die ihn auch bis zur letzte» Stunde nicht verließ und ihm in den besten Häusern hier nicht allein

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