Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 6 (1886)
- Issue
- Heft 25 (6.8.1886)
- Date
- 1886-08-06
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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2 künstlerisch bemerkenswerthe Tbätigkeit Lewandowskl's, die sich lediglich auf das Einstndiren und Anfführcn von Andern, gegebener Compositioncn beschränkte, hätte gewissermaßen für alle diejenigen jungen Cbordirigenten, die, dem äußern Mnsterbilde Lewandowskl's zufolge, auf synagogalem Gebiete entstanden, ein Fingerzeig sein sollen, dass man wohl als Dirigent erfolgreich künstlerisch wirken kann, indem man die Geistesp׳׳odukte Anderer verwerthet, ohne die W.lt mit eigenen Compositionen zu beglücken. Zeigte sich somit Lewandowßki in der Zeit seiner absoluten Dirigentemhäligkeit ganz auf der Höhe seiner künstlerischen Ausgabe, so war er cs nicht minder, als er nach Jahrzehnten, gesättigt durch Erfahrungen und vertraut mit der Praxis des syuagogalen Gesanges, daran gieuz, die Produkte seiner stillen und emsigen Bestrebung der Oeffentlichkcit zu übergeben. DaS Ergebnis dieser Bestrebung siudcu wir in seinem ersten Werke ״Lol riunali utefillali“. Es sind zumeist ein - und zweistimmige Gesänge für den jüdischen Gottesdienst, wie nicht minder eine beträchtliche Anzahl trefflicher Nccitatiue für den Cantor. Zur Veröffentlichung dieser lcichtsangbaren zweistimmigen Originalchöre sah sich Lewandowski namentlich durch zwei Umstände veranlasst: zuvörderst, um den au ihn gerichteten Anforderungen vieler kleiner aber intelligenter Gemeinden zu entsprechen, deren Mittel es nicht erlaubten, größere als zweistimmige Chöre beim Gottesdieuste zu verwenden, hauptsächlich jedoch, um. dem Vandalismus,' der mit der erschrecklichen, laienhaften Transkription der im Schir Zion I vierstimmig gearbeiteten Chöre in zweistimmige getrieben wurde, zu steuern. Wenn man erwägt, dass es Cantoren gab, welche dir vierstimmigen Chöre des Schir Zion I mit einfacher Hinweglasfünff von Tenor und Bass zweistimmig singen ließen, oder auch zur Oberstimme blos den Tenor oder Bass hinznfügten, so dürste die Norhwendigkeit einleuchlen, die zur Herausgabe eines Werkes drängte, in welchem original gearbeitete, zweistimmige Chöre für den jüdischen Gottesdienst geboten wurden. Wenn man ferner erwägt, dass der specisisch cantorale Theil im Schir Zion I sehr stiefmütterlich, der traditionelle Gesang theils fragmentarisch, thcils gar nicht behandelt erscheint, so wird das gerechte Aussehen keineswegs befremden, welches dieses synagogale Erstlingswerk seinerzeit machte. Unter diesen Anspicien entstand die Sammlung Lewandowskist'cher Synagogengesänge ״Lol rinnah ritcüllah". (Fortsetzung folgt.) Unser Ritnulgelailg von Cantor AenLsch. In Nr. 22 dieses Blattes erachtet College Singer die Auseinandersetzungen mit mir als abgeschlossen. Meinerseits würde ich selber gern auf weitere Controversen verzichten, wenn alle unsere differenten Punkte dieselbe Klärung bereits erfahren hätten wie die vom College!! angestrebten Ziele, die er mit dankenswerther Klarheit am Schlüße seiner jüngsten Entgegnung angegeben, und in denen ich ihm s a st durchweg zustimmen kann. Anders jedoch steht cs noch immer mit den von mir unserem Nitnalgesang zu Grunde gelegten Tonarten und ihren Benennungen. Ich frage: Sind es die Ambrosianischen Tonarten und die Gregorianischen ans dem 4. resp. aus dem 6. Jahrhundert, die ich ihm zu Grunde gelegt? College Singer muss mir's zngestehen! Ist ferner die von mir gebrauchte Nomenclatur Ltze.zHeitz.. Whiy W.lM.l!,AagL!1 Mg^MeiyS! gshräkchliHtzr& Er< wivdj auch.^iMMchzhchestxeijtzNFöMkH! :TWtz:׳all^dem.--HH.axr^ EzlAMnu§:;MfgBelltW-,;y!ch rrMe§ nannten Tonarten als Ausgangspunkt unseres Synagogengesangssystems hinstelle! Ich kann nicht umhin, hier irgend einen Jrrthum seitens des Herrn College!! zu vermuthen, dessen Quelle ich beim besten Willen nicht entdecken kann. Man sehe doch weiter unten in derselben Spalte seine Ae.nßerung, er könne sich .für die von Glareanus im 16. Jahrhundert aufgestellte phrygische Tonart e f g a h c d e nicht begeistern*, diese Tonart ist aber gerade so alt wie die Tonart d 6 f g a h cd; Glareanus hat keine von beiden aufgestellt, - sondern lediglich ihre Benennungen verwechselt; während vor ihm die V-Tonart phryzisch hieß, nannte er, wie wir heutigen Tages noch, die L-Touart phrygisch. Nameuverwechslungen kamen übrigens auch schon in Hucbalds Zeiten vor. Ehe ich nun an die Fortsetzung meiner Beweisführung für den engen Zusammenhang unseres Nitualgesanges mit dem Gregorianischen gehe, sei cs mir gestattet, um einem etwaigen Wiederausdämmern eines Misverständnißes, welches bereits manche unfruchtbare Discussion erzeugte, vorzubengen, nochmals mit aller Entschiedenheit darauf aufmerksam zu machen, dass es uns bis zum heutigen Tage an jedem sicheren Anhalt fehlt _ um entscheiden zu dürfen, ob unsere Nitualgesänge auf die Kirchentonarten aufgebauet, oder als bereits vorhandene jüdische Tempelgcsänge von den ersten Christen nach dem Abendlande verpflanzt und aus ihnen heraus die Kirchentonarten dedvzirt wurden. Die gelehrtesten Mnsikhi'toriker, alte wie neue, sind hierüber verschiedener Ansicht und können in Ermanglung historischer Dokumente sich nur auf Bermuthungen stützen. Die Anführung des ״asclire ajin roasoli“, durch welche Herr College Singer mir die Existenz der einst weltberühnrter! Tempelgesänge beweisen will, gäbe mir sicherlich die schönste Gelegenheit zu .humoristischen Bemerkungen' oder zu einigen ,jüdisch-eantoralen Witzen', wenn ich wirklich nur die leifpfte Neigung dazu verspürte; das ist aber keineswegs der Fall; vielmehr ist es mir mit meinen Anslassnngen tiefer Ernst und bin ich an dem Humor, den der College in ihnen entdeckt, vollkommen unschuldig. Allerdings pflegt der Humor nicht selten auch unbeabsichtigt in einer zutreffenden Bemerkung oder in der Wahrheit selber zu liegen. Um auf das aschrc ajin znrückznkommen, will ich hoffen, dass die historischen Quellen, die der College anzngeven versäumt, reichlicher und klarer strömen, als der poetische Erguß eines von beseeligendcm Glauben und ungestillter Sehnsucht nach jerusalemischen Zuständen erfüllten Gemüthes, dein es doch um ganz andern Zweck zu thun war; als Geschichte zu schreiben. Noch möchte ich einen Widerspruch eonstatiren, in welchen, nach meinem Ermessen, der College mit sich selber gerathen. Bekanntlich wurden 8. sage, acht Kirchentonarten ans den ersten christlichen Gesängen hergeleitet. College Singer, der als sicher annimmt, dass diese aus dem jüdischen Tempelgesang herrühren, muss doch folgerecht zügeben, dass die 8 Tonarten bereits in Jerusalem die Grundlage unserer Gesänge waren, und dennoch will er in seiner Brochüre, Seite 11, nicht mehr als drei Tonarten als die ältesten der Synagoge gelten lassen, von denen , überdies Eine, die disclitahach-Weise, den Kirchentönen fremd geblieben. Ich kehre nun zur Verwandtschaft unserer Gesänge mit den Gregori mischen zurück, sie ist in allen bisherigen Diskussionen unbestritten geblieben und in der That wird sie von den Musik- Historikern und von Jedem, der Gelegenheit gehabt hat, beidezu vergleichen, allgemein zngestanden. Ich selber aber glaube! hjnzyfügen 1\h^dürfen-,׳.und.^bewxisei^.zu tSiuieii,;dass>>-abgesetzen. i v!W eiMlnMi irnuMrlc!WechvÄ!!!MhchM;d.Lut M eMn-icheneryMvH!! ä!MrMgeHk-,nsiser; NMalgtzsantz-rrriyUOei^! HaWthie.sGndHLyken.׳!