Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 6 (1886)
- Issue
- Heft 25 (6.8.1886)
- Date
- 1886-08-06
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/1304829-3453044-3453069--1816-3455998- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- hazzan 2× ep/1004827
OCR text
. Oesterreichisch-ungarische Pränumerativus-Preik Kür Aereinsmilglirdkr: Ganzjährig - - - stb.— Halbjährig - - - st- 2.5V Vierteljährig י - st. J-25 Monatlich ... fl. —•45 Kür Nichlmilgttedrr: Ganzjährig ... st. K — Halbjährig ... st. 3.— Vierteljährig . . st. 1-50 Kür das Ausland: Ganzjährig - - - st- 1 12 Mark oder 6 Rubel. Organ die Gerammt-Jüterrssm jüdischer Gunturen. ■1 . Erscheint jeden achten Tag. j . ' Begründer: Obercantor Icrkc»b Wcrirer׳. ^ßedticito^i t U11D - < ־. Adttrrttistratiott IU i cn, II., Novaragasse 27. > Inserat« werden billigst berechnet. Manuscripte werden nicht reiourNirt. Nr. 25 Wien, 6. August 1886. 71; 6. Jahrgang. Arber die Entwickelung des Synagogen- Gesanges. Von Ober-Ccmtor I. Singer in Wien, .j II. Serie. IV. •־> Der Eintritt Lewandowski's als Chordirigent der Berliner Synagogcugemeinde bildet einen bemerkenswertheu Markstein nicht bloß im Leben Lewandvlvski's selbst, sondern auch in der Entwickelung der Synagogengesaugsverhältniße im Allgemeinen. Wie jedwede Zeit- und Kunstepoche, wenn auch oftmals nach langem Zuwarten, doch endlich den richtigen Mann für die Neu- oder Weitergestaltung der aus der Zeitströmung sich entwickelnden Verhältniße findet und ihm auch die richtige Stätte für seine Arbeit zuweist, so muss auch die Einrichtung der Berliner Synagogengemeinde, für ihre Gesangsverhältniße eine hervorragende leitende Kraft zu berufen, als eine künstlerische Fügung erachtet werden, und es war eine überaus glückliche Fügung, welche gerade Lewandowski zum Leiter des Berliner Synagogengesanges auserkoren. Ausgerüstet mit allen künstlerischen Fähigkeiten und Wissenschaften und durchglüht vom feurigsten Schaffensorange war es . zwar für Lewandowski eben nicht sehr ermuthigend, als er, der Dirigent, sich plötzlich in eine Position versetzt sah, wo es eigentlich nichts zu dirigiren gab; denn der damalige Berliner Synagogengesang wurde nach streng alter Art von Chasan, Bass und Singerl besorgt, und aus diesem allerersten Stadium sollte der junge Mann all' das Gute und Edle gestalten, welches seiner idealen Gedankenwelt allerdings formvollendet vorschwebte. Fürwahr eine hehre, aber äußerst schwierige Aufgabe! — Hier galt es mit Traditionen zu brechen, die von einem Heiligenschein umstrahlt waren, Gewohnheiten Einhalt zu gebieten, welche namentlich die ältere Generation so voll und ganz gefangen hielten und etwas Neues hinzustellen, das der da- Maligen Gesinnung im Allgemeinen nicht entsprach. Hauptsächlich war es auch der Chasan, dem das neue System nicht sonderlich bebagen wollte, und so war aucb Lewandowski von all' den Trübungen nicht verschont, die das natürliche Gefolge jeder Umgestaltung bestehender ׳ Verhältniße sind und sein werden. Allein Lewandowski' beherrschte sein Gebiet wie ein Feldherr, und wenn er auch noch keine Soldaten zu eommandiren, d. h. keinen Chor zu dirigiren hatte, so waren die vorbereitenden Arbeiten für seine späteren Zwecke nicht minder bedeutungsvoll als diese selbst. Zuvörderst galt es, einen Chor einznrichten und wenigstens die nöthigsten Nesponsorien vierstimmig singen zu lassen, wie sie bereits in Wien gesungen wurden. Neben der angedeuteten technischen Arbeit lag es Lewandowski ob, den Gesammtinhalt des Schir Zion I, der zu jener Zeit allein maßgebend war, aus den alten Schlüsseln in die mehr gebräulichen zu transponiren und viele sich hiebei ergebende Unebenheiten zu beseitigen. Die Einflussnahme des Schir Zion I auf die Thän'gkeit Lewandowski's war eine nach jeder Richtung eminente. Die Compositionen Schuberth's, Seifried's, Würfel's rc. regten seine eigene Thatkcaft mächtig an, wie die von Sulzer getroffenen administrativen und fachmännischen Einrichtungen seine Anschauungen auf ein Gebiet lenkten, auf welchem durch Sutzer's Falkenblick allerdings vieles erspäht, aber immer doch noch sehr viel zu ordnen gab. Wir haben es nicht nöthiz, alle Phasen der erwähnten Lewandowskischen Thäligkeil haarklein zu verzeichnen; es genügt der Hinweis, dass er aus den primitivsten Vorbedingungen einen formvollendeten Chorgesang und auf dieser Basis die Einverleibung der Orgel in die Berliner Synagoge bewerkstelligte. Bis zur Lösung der Orgelfrage bildete der Schir Zion I die Basis des Berliner Synagogengefanges, und Lewandowski bekündete seine Künstlerschast namentlich auch dadurch» dass er bis ins Detail das im Schir Zion I Gebotene, wenngleich dasselbe auch nicht immer seinen Zutentionen entsprach, in Anwendung brachte und hiebei lediglich die Arbeit eines gewissenhaften Dirigenten vollführte; alle aufzufübrenden Gesänge und Responsorien wurden dem Schir Zion I entnommen, so dass der Inhalt desselben in keiner Weise anzetastet erscheint. Diese