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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1886-07-21 · Heft 24 (21.7.1886) · p. Seite 6

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
6 (1886)
Issue
Heft 24 (21.7.1886)
Date
1886-07-21
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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© Ja, in den wirklich alten Sangesweisen, denen eine Corruption durch der Zeiten Wandel fern blieb, die ein Ganzes mit dem heiligen Texte bilden, pulsirt ein frommes, inniges, sinniges und großes Gefühlsleben unserer culturbistoriickcn Vergangcnbeit- Ist es nicht eine Verletzung gegen das göttliche Geschenk, dm Gesang, die Stimmbildung schon bei dem Kinde zu vernachlässigen und nur das ,Tastendreschen' in den Vordergrund zu stellen? Mit dem gewaltsamen Hinausdrängen der Ziousweisen auL Judas Gemächern schwindet mehr und mehr die traute Poesie deS jüdischen Familienlebens, und trauernd schweifen die Blicke der Sabbathbraut hinaus in das wüste Treiben und harret der Erlösung, um daS Gegengewicht wider den kalten rechnenden Verstand herzustellcn. Mögen unsere Tempelgesänge aus alten Sangweisen der ehemaligen Herrlichkeit Israels oder aus weltlichen Volsgejängen oder aus eigener Erfindung, oft vom Dichter der Texte selbst entstanden sein, sie sind voll heilig ernsten, glaubenemuthigen, feierlichen, freudigen, stehenden, wehmüthigen, liefjchmerzliche» Ausdruckes, haben uns von Kindhei! her, unsere Väter und Ahnen seit Jahrtausenden erquickt, geiröstet, gestärkt, sind die Freuden- und Schmerzensrnse unseres Volkes gewesen, mit denen es sich zur Toras Moschet bekannte und zur Heiligung erhob, waren stets ein starkes Rüstzeug gegen Schmach und Hohn und werden, so wir dafür ernstlich sorgen, mit all' diesen Erinnerungen, in all' dieser Macht auf unsere Nachwelt übergehen wohl bis in die späteste Zeit. Dank und An e rk ennung d a r um jen en got l b e gnadeten Männern, die uns das theuere Erbe in ihren Werk en n oti rten. Die Ausgabe muss aber noch besser von den Lehrern und Cantoren gelöst werden. ,Der religiöse Gesang ist der Schlüffe!, womit an das Heiligthnm des Kinderherzens angeklopft werden muss, dass es sich öffne, um die heilige Gemeinde der religiösen Gefühle und Gedanken aufzunehmen'. Deshalb müssen die israelitischen Seminarien besonders darauf bedacht sein, den Seminaristen (die künftigen Lehrer und Cantoren) nicht nur die allgemeine Wissenschaft zu bieten, sondern auch den Geist und das Gemüthsleben durch Vocal- und Instrumentalmusik zu fördern. Viele Seminaristen halten den Musikgegenstand für Nebensache, verwenden zu wenig Zeit und Fleiß aus diesen wichtigen Lehrzweig und vergesten, dass der Volksschulen leider nur wenige sind, vielmehr die Nelrgionsschule mit dem Tantorate in den meisten Gemeinden verbunden ist. Mancher tüchtige Lehrer mit guten Stimmmitteln begabt, muss auf die einträglichste Stelle verzichten, weil er weder dem Cantorale noch dem musikalischen Fache genügend gewachsen ist. Der Gesang muss daher ein discipüuarisches LildungsmitLel in der Schule werden, denn er steht in reinster Harmonie mit dem innersten Wesen des Menschen, mit seinen: Denken und Fühlen. ,Bei uns ist der Gesang die erste Stufe der Ausbildung, alles andere schließt sich daran und wird dadurch vermittelt. Der einfachste Genuss, sowie die einfachste Lehre werden bei \ uns durch Gesang belebt und eiligep! ägt, ja selbst, was wir j überliefern von Glauben- und Sitteukenntnis, wird auf dem Wege des Gesanges mitgetheilt'. (Göthe ״Wilhelm Meisters Wanderjahre'. 2. Baud). Möge Liese meine ans Ueberzeügung und Pietät hervorgegangene Anregung zur Pflege des religiösen Gesäuges ein Schärstein beitragen; daun ist ״der Zeit der Zotenlieder und widrigen Gassenhauer der Weg wie vormals in das jüdische Haus versperrt. Emgrlrndrt. Sehr geebrler Herr Nedacterir! Wollen Sie gefälligst nacbl'tebende Zeilen zur Ergänzung meiner früheren in unser Ver-insblakt einbeziehen. Ich balle mich verpflichtet, Herrn Rabbiner Dr. Grünwald für die logische und gewi's auch richtige Desinirnng der beregten Fiage vom 30. Sabbath recht sehr zu danken, und auch Herr Gymnasial-Direcior er suchte mich, dessen vo e Befriedigung über die Lötung dreier Frage, dieser vergeblich in allen lexikalischen Werken gesucht habe — ausznsprechen. Dieselbe Idee, womit Sie, Herr Dr., diese Frage richtig begründen, hielt auch ich, noch bevor ich sie der Oeffentlichkeit übergab, für die einzig richtige; um jedoch rricht unbescverden autoritäiischen Stimmen vorzugreifen, hielt ich mit meiner Meinung zurück, umsomehr, da unser Herr Rabbiner diese Annabme perborrescirte und meint: zur Zeit des Augustus war die jetzige kalendarische Zeitrcchnnng in Morid und'Wochen nickt maßgebend, auch der Name von ׳ראש הע1נ der weder in der Thora noch in “pfl seine Begründung als Zeilablchnilt der damaligen Zeit sindet — liegt vielmehr der Sinn dieser Frage in dem Satz: וספרתם לכם und demzufolge auch die Wochentage als Sabbathe gerechnet wurden. Diese Argumentation will mir durchaus nicht als wahrscheinlich einleuchten, und freut es mich, dass meine erste Idee mit Ihrer logischen Desinirnng zusamlnerilrifft, wofür ich Ihnen Herrn Dr. meinen besten Dank in aller Hochachtung ausspreche. N e u b i d s ch o w , 25. Juni 1886. A. Singer. Geehrter Herr Nedcrctenr! Mit Hinweis auf bas ״Eiugeseudet" ans Nr. 23 Ihres w. Blattes, betreffend den abweislichen Bescheid der staatlichen Auerkennung eines Docunrenres privaten Charakters, werden Ihnen die israelitischen Cultnsbeaurten für die von Ihnen beigebogene Aufklärung dankbar sein. Durch unrichtigen Ortet׳ angebrachte Klagen wirb im Judenthume der Glaube an den 31111iןemit 15in 110 genährt; trifft ein solcher Vorwurf schließlich die Behörde, so wird das ohnedies schon traurige Verhältnis noch mehr zugespitzt. Wäre es nicht angezeigt, wenn die betreffenden Herren, um solchen Eventualitäten vorzubeugen, sich mit den bezüglichen Landes- und Rei'chögesetzen vertrant machten? Dem Herrn Fragesteller diene zur Kenntnis, dass die Basts, aus welcher wie bei vielen meiner College!: auch meine Anstellung erfolgte,! durch das Lehrbefähiguugszeugnis für allgemeine Volksschulen und das Zeugnis der Prager Caiitoreuschule umfasst. Ergebenst S. 31 ü b e 11 ft e i n. A m sch elberg, den 15. Juli 1886. Horazdowitz, am 15. Juli 1880. Löbliche 31edactiou! Wie ich ans Ihrem geschätzten Blatte Nr. 23, ddo- 13. Juli d. I. ersehen, wünscht ein Collega in Böhmen, als auch die löbliche Redcrction unseres geschätzten Fachblattes zrr erfahren, ans welcher Rechtsbasis, wir den 31e!igionsuntcrricht in der. Gemeinde eriheileu. Die Hauptbasis war folgende: ' Ich war in einer Gemeinde, welche mir mein׳ ReligiouSlehrer- Zeugnis, ausgestellt von Sr. Ehr wurden Herrn' N. Kohn, seinerzeit Rabbiner des Bezirkes Leitnreritz 'und Gandnitz, für nicht giltig erklären wollte, und hiezu bemerkte, dass selbes behördlich vidinrirt fein muß. . Nun wandte ich mich an die töbl. k. k. Bczirkshaupt-

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