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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1886-07-21 · Heft 24 (21.7.1886) · p. Seite 5

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
6 (1886)
Issue
Heft 24 (21.7.1886)
Date
1886-07-21
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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m onische Bezeichnung der Töne zu einander. Die modulaj torische wäre im gewissen Sinne zu accepliren, obzwar dieselbe im Zeilenfluge nicht weit hinanfreicht, aber eine harmonische — unmöglich! Das muss abermals ein Druckfehler sein. Eine .harmonische Bezeichnung bei einer alten M e l o d i e, das fasse, wer es fassen kann, ich bin cs nicht im Grande, wie ich auch die Nenanfftellung der Blrnbaum'schen Notenbeispiele nicht LU fassen vermag. Das Denkwürdigste jedoch, was Herr Birnbaum doeirt, ist der Hinweis, dass die Mögen owaus-Sßeife von einer Anzahl volbynischer חודם imporlirt wurde und kaum 150 Zabre alt sei. Und der wissenschaftliche Nachweis hiefnr? Den behält ..Herr Birnbaum höchstwahrscheinlich bis zu einem geeigneteren Momente in seiner Mappe verborgen. — Die Fachkreise dürfen aus diese Enthüllungen gespannt sein, ich aber, der ich zu dieser volhynischen AlterthumSforschung kein rechtes Zutrauen habe, halte bis zur Beweisführung über diese inter ssante Kundgebung meinen nachgewieseneu Zusammenhang der Mögen owaus- und der aeolischcn Sc^la, sowie das historisch bekannte, hohe Alter derselben auch hiebei aufrecht. Die Zurückweisung des von ,mir erbrachten geschichtlichen Factums und die Aufstellung eines wolhyniswen Kunststyles seitens des Herrn Birnbaum klingt geradezn wie eine Verböbnung der Wissenschaft, und ich ziehe es vor, mit Rücksicht auf den in jeder besseren Gesellschaft zu beansprucheuden ״guten Ton" allen weiteren Erörterungen Einhalt zu gebieten. Die Behandlung des adonoj moloeü-Steiger seitens des Herrn Birnbaum ist eine gleichwerthige, wie die vorher besprochene. Der Tenor meiner nachgewiesenen Charakteristik der adonoj moloeli-Steigerscala gipfelt in dem halben Tone von der 6. bis 7. Stufe; diesen Umstand berücksichtigt Herr Birnbäum gar nicht, indem er einerseits immer nur für seine Beweivführung aus dem katholischen Kirchengeiange den Ambitus einer Quinte benützt und die charakteristische kleine Sept außer Acht lässt, anderseits von einer Verwendung dieser Tonart bei den Sabbath- und feiertäglichen Psalmen spricht, die vollständig alrs der Luft gegriffen, oder zu mindestens aus falschen Voraussetznngen resnltirt. Vor den hiebei erbrachten wissenschaftlichen Tira- Dies sagend, versuchte er sofort, mir die erste Leclion zu ertheilen; ich aber, unklug genug, wies jene Versuche, welche die erste künstlerische Grundlage zu meinem Cantorate bilden sollten, ganz unwirsch zurück. Und siehe da: Bsrl Nimmersatt wurde mein bitterster Feind. Wir wollen ihn Bert nennen, obwohl seinem echten Prädicate ein anderer Name vorsteht. Aber glauben Sie mir, Nimmersatt bleibt Nimmersatt, ob Schmuel, Chaim oder Berl. Mein Berele hatte die nicht zu unterschätzende Gewohnheit, seine Säcke jederzeit mit Bonbons, Nadischen, mürbem Backwerk und ähnlichen Leckerbissen gefüllt zu halten, von denen er seinen guten Freunden und Freundinnen zugleich mit einer Prise aufzuwarten pflegte. Ich aber hatte mir das Glück, mit den segensreichen Füllungen seiner bis .an die Knie reichenden Hosentaschen bedacht zu werden, verscherzt. Und das, wie das? Aber was das Aergste ist, ich wäre mein Leben lang ein ,Drong' geblieben, hätte ich nicht Gele- .Henheit gesucht, für Bereles Magen einmal ausgiebig zu sorgen. Ach, welche Metamorphose ging damals mit mir vor. Vom größten Drong bin ich zum tüchtigsten Cantor geworden. Aber auch Berele veränderte sich, aus dem ,wilden' war ein ,zah- Zner' Mewin geworden. Im nächsten Kapitel sehen wir uns bei Berele Nr. 2. (Fortsetzung folgt.) den habe ich selbstverständlich einen gebührenden Nsspect, ebenso vor der citirten Steile aus dem לקוטי מהרי״ל — die gar nichts Musikalisches beweisen und Nachweisen. M e i n Altersnachweis für die aclonoj moloeü-Steigerscala ist die in der arabischen Musik sich vorflndliche Scala Uschak, welche erst von Abdul Kadir (14. Jahrhundert) ausgestellt erscheint. Zst Herr Birnbäum im Besitze einer älteren Aufzeichnung für das Vorhanden» sein dieser Scala, so möge er schleunigst die Quelle kundgeben; ich würde ihm biefür eine öffentliche Danksagung nicht vorenthalten. Im Uebrigen legte ich auf diese beiden Scalen (mögen owaus und aclonoj moloch), wie aus meiner Broschüre zu ersehen ist, keinen sonderlichen Werth und, wenn Herr Birnbaum denselben eine solch' hohe Bedeutung für den traditionellen Synagogengesang beimisst, so überlasse ich ihm unbestritten dieses Feld zur freien Bearbeitung. Der Inhalt meiner Broschüre leitet entschieden zur Beweisführung für eine specifisch jüdische Scala; für diese hat Herr Birnbaum leider keinen Raum in seiner sogenannten Necension. Es wäre nach meiner Anschauung ersprießlicher gewesen, dieser letzten, selbst mir Hintansetzung der beiden ersteren Tonarten, den alleinigen Raum des betreffenden Aussatzes einzuräumen. Am Schlüsse meiner Entgegnunz angelangt, sehe ich es zu spät ein, dass ich, durch die Birnbaum'schen Abnormitäten veranlasst, eine Necension einer Necension geschrieben; allein es ist nicht mehr zn ändern. Wien, den 17. Juli 1886. Josef Singer. Zur Würdigung des religiösen Gesanges. Von ZK. Wrrtner Cantor und Lehrer in Bnnzlan, Schlesien. In rem menschlichen Leben gibt es Augenblicke, welche die Empfindung auch des rohesten Charakters überwältigen. Diese plötzliche psychologische Umwandlung vermag durch seine mächtige Wirkung der Gesang hervorzurufen. So wir die Tafeln der Cnltnr- und Musikgeschichten der Völker aufschlagen, finden wir allenthalben den Brauch, dass sie bei den religiösen Festen besondere Lieder anstimmen und bei dergleichen begeisterten Ergüssen die Seele auf den Schwingen der Andacht erheben. Wir ersehen daraus, wie der Gesang als Gvttesstimme ans der Menschenbruft entquillt und heilsame Lebensnahrung durch feine geheimnisvolle Kraft und Macht spendet. Aelter als Poesie und Sprache, als alle Tonkunst ist der Gesang — .der Ton'. Die menschliche Stimme ist entschieden das schönste Instrument, das auch den classischcn Jnstrnmentalisten bei ihren Tonschöpfungen als Muster galt, und nicht vermochten sie ein liebliches Opus der Nachwelt zu überweisen, ohne ein ,Cantabile' zum Ausdruck zu bringen. Je gebildeter eine Nation, desto höher wird die Vocalmusik stehen, denn sie ist die Vermittlerin zur Veredelung des Herzens und der Sprache, sie gewährt in den Lebensstürmen Frieden und Seelenruhe. ,Es schwinden jedes Kummers Falten, So lang des Liedes Zauber walten'. (Schiller). Welch' hohe Bedeutung dem Gesänge in unserer Mitte gezollt wurde, ist uns Allen zur Genüge bekannt. Es ist nicht erst seit gestern, dass wir die Gebetszeiten, die Feste, das Gotteswort und die Gottesschrift durch verschiedene uralte Weisen hervortreten lassen. Mithin ist der Gesang das kräftigste Bindemittel unseres Cultus und des ganzen religiösen Lebens, der Ausdruck der reinsten Freude und des tiefsten Weh's in dem Palaste wie in der bescheidensten Hütte. ■atr-^rs

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