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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1886-07-21 · Heft 24 (21.7.1886) · p. Seite 4

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
6 (1886)
Issue
Heft 24 (21.7.1886)
Date
1886-07-21
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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*}«Hawaiis wB₪₪m₪mmm Herrn Birnbaum imputirten Ansdruck .pathetische, als mir nicht geläufig, zurück. Zn seinem ehrlichen und auerkeuneuswerthen Bestreben, an mein r Persönlichkeit zu rütteln, citirt Herr Birnbaum Namen wie Deutsch und Naumburg, und ergriffen von der heiligen Begierde, ein eventuelles Verdienst meiner Broschüre zu verringern, verschmäht er es nicht, an der Bedeutung eines verdienstvollen Mannes zu mäckelu, indem er von einem .kleinen' Cantor spricht, der bereits dasselbe kundgegeben haben soll, was ich in meiner Broschüre behandelte. Das ist die dritte Entstcllung der Tbatsachen. Deutsch und Naumburg untersuchten die Syvagozengesänge mit dem Gradmesser der Kirchentonarten, und die Producte dieser Untersuchungen hasten daher auch an der Zeit und an den Ergebnißen der Kirchentonarten; von einer Untersuchung der Steiger aus ihren Zntervallenwerth und von einer Präzisirung einer specifisch jüdischen Scala ist weder bei Naumburg und Deutsch, noch bei jenem von Herrn Birnbaum als ,kleine!!' Cautor hiugcstellten College!! der Fall. Zch erachte die Verdienste Lachmanu'S um den Synagogeugesang als bedeutender wie die eines Anderen, der sich ein ,großer' Cantor dünkt, allein Herr College Lachmann hat auch nur einige Scalen jüdischer Weisen behanbett, ohne dieselben in ein System zusammenzufassen. und obne zu erwähnen, dass die Pintim nach Steigern gearbeitet, dass das .Leinen' der Thora und Haphtora dem gleichen Systeme entsprang re. Demgemäß erscheint die ancrkennenswerthe Bestrebung des Herrn Birnbaum, meiner Broschüre das Verdienstliche der Originalität zu rauben, vollständig gegenstandslos und nur seindselig. Auf den ferneren Inhalt der Birnbaum'scheu Neceusion einzugehen, kann ich nun wohl verzichten, da die angeführten Stichproben genügen, den wissenschaftlichen Standpunkt des Herrn Birnbaum zu kennzeichnen; nur eines Umstandes muss ich noch erwähnen, der für die fragliche Angelegenheit von Bedcntung sein dürfte. Bei Ausstellung meiner Mögen orvaus-Steiger-Scala wies ich darauf bin, dass die aeolische Scala, deren Tougesüge die Mögen 0vkL!18-Weise anfweist, bereits zu Terpauder's Zeilen (also 800 Zahre v. Cbr.) bekannt war, und resumirle, dass zwischen einem Tougesüge. welches bereits 800 Zahre v. Ehr. bekannt war und noch heute von den Juden unverfälscht gepflegt wird, ein historischer Ankuüpsungs- Punkt zulässig erscheint. Herr Birnbaum will diesen Nachweis nicht acceptiren, denn wie er docirt, »zur Unters ch e i d u u g, welcher Epoche diese o d e r j e n e Melodie an gehört, ׳stehen u ns a!! d er e Mittel zu Gebote, einerseits die Tex t e, anderseits der Styl n n d C h a ra k t e r der Melodie selbst.' Ich gestehe, dass ich beim Lesen der Worte ,andere Mittel' ganz ernstlich erwartete, Herr Birnbaum werde ein interessantes und epochemachendes Altersnachweis-Lystem anführen, welches nach seinem mutbigen Zurückweisen meiner Stylbeurtheilnngs-Methode den wistenschaftlichen Nachweis einer untrüglichen Prüfungsmethode erbringen dürste. Welches sind nun die vom Herrn Birnbaum erbrachten wissenschaftlichen Prüfungsmomente für die Beurtheilung der Entstehungszeit einer Melodie? Erstens sagt Herr Birnbaum ,die Texte'. Nun dieser Nachweis kann doch von Herrn Birnbaum unmöglich ernst gemeint sein. Zweitens ,der Choralton'. Herr Birnbaum meint wohl die Nepercussion, denn die Bezeichnung ,Choralton' ist nirgends auffindbar. — Die Nepercussion, d. h. das hervorstechende Intervall, welches in den verschiedenen Tonarten auf verschiedenen Stufen seinen Sitz hat, war lediglich das charakteristische Merkmal für je eine T o 11־־ art, galt demnach niemals für ein Merkmal einer gewissen Musik- Periode, ebensowenig, als die Schlussclausel und der Ambitus (Umfang) das Merkmal einer bestimmien Zeit, sondern stets nur das Charakteristische einer bestimmte!! Tonart ausmachte. Unbegreiflich erscheint die Aufstellung des Herrn Birnbaum, dass bei einer Melodie das Alter, also Styl und Charakter durch den ״Styl und Charakter der Melodie" uachzuweiseu sei. Hier muss entschieden ein Gedankensprung oder gar eine Verdrucknng der Worte stattgcfnnden haben; denn ein Lehrsatz ״Styl und Charakter" durch ״Styl und Charakter'- nachzuweisen, dürfte in den Annalen der Alterthumsknnde einzig dastehen. Hieran reiht.Herr Birnbaum noch eine gewisse modulatorische und har- Der K'hillemkwin. Von A. Mrk- Motto: Gott behüte mich vor meinen Freunden. Wer von Ihnen, liebe College!!, kennt dieses Thierchen nicht, von dem wohl die Naturgeschichte nichts zu erzählen weiß, Las aber dennoch lebt und sich gleich anderen Schmarotzern von fremden Organismen nährt. Zn einer dcr früher!! Nummern dieses Journalcs, das dem Interesse der Cantoreu geweiht ist, schildert ein alter Freund derselben die Cantoren, wie sie nicht sein sollen, und verspricht uns eine Fortsetzung dieser beherzigeuswerthen Ausführungen in einem gewiss schönen Artikel unter dem Titel: ,Probevorträgc'. Gestatten Sie, liebe College!!, dass ich mit meinem Ns- ^vi!1 (auch wie er nicht sein soll) dort beginne, wo unser oberwähnter ,Freund' uns aus ein frohes Wiedersehen vertröstete. Dort fängt der Herr Meivin, den dcr beliebte ungarische Schriftsteller Jokai treffend mit ,Lederglocke' bezeichnet, an, seine segensreiche (?) Thätigkeit zu entfalten. Ich glaube, es gibt keine K'hille, die dieses Gewächs entbehrt; denn der K'htlle- Mewin gedeiht in allen Klimaten und schießt selbst ohne Pflege üppig in die Höhe. Jeder von Ihnen, dessen bin ich gewiss, hat einen oder mehrere dieser Species aufzuweisen. Bevor ich zur Schilderung meiner Mewinim schreite, werde ich diese zuerst in drei Kategorien theilcn. 1. Der zahme Mewin hat in der Regel keinen großen Anhang und getraut sich nur in stiller Zurückgezogenheit und im intimsten Cirkel über'den Cautor loszuziehen, in's Gesicht hingegen ihn der besten Freundschaft versichernd. 2. Der wilde Mewin, ein Thierchen, das den Cautor tückisch ansällt und auf Beute ausgeht. Derselbe ist wohl nicht beliebt, aber er schreit und schreit so lauge, bis er doch das Publikum, zum Theite wenigstens, gegen den Cantor aufgehetzt hat. Er ist gegen ein gutes Trinkgeld in die Kategorie der ,Zahmen' zurücksührbar und knurrt daun nur von Zeit zu Zeit, wenn er Hunger verspürt. Endlich 3. Der Unverbesserliche. Dieser Mevin, liebe Freunde, ist eine arge Species, und ich rathe Euch, ihm so weit und so viel als möglich aus dem Wege zu gehen. Gegen seine Bisse weiß selbst Pasteur kein Mittel, und eine Impfung von ihm bringt selbst den klügsten Menschen in's Tollhaus. Vor einigen Jahren hielt ich in einer sehr achtbaren Gemeinde, deren Cantor ich später wurde, einen Probevortrag. Am Nachmittage desselben Sabbaths kam, ein Herr zu mir, der mir so viele Schmeicheleien sagte, dass mir vor mir selbst bange wurde. Derselbe erzählte mir aber gleichzeitig, dass er alle meine Vorgänger zu tüchtigen Cantoren herangebildet hätten

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