Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 6 (1886)
- Issue
- Heft 24 (21.7.1886)
- Date
- 1886-07-21
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/1304829-3453044-3453068--1808-3455989- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
2 interessirt nickt allein den College!! und Fachmann, sondern auck den Laien, nickt allein den jüdischen, sondern auch den nichtjüdischen Musiker und jeden Niusikbeflisseneu, der -an der Musikforsckung Znteresse findet. Hiebei ist noch gar nicht in Erwägung gezogen, dass die Herstellung dieser Musikbeilage nichl uns allein gelten und nickt nur für kurze Zeit berechnet sein soll, sie möge vielmehr auck der fernen Zukunft angehören, und daher ein ständiger, viel gesuchter Artikel des regen Buch- Handels werden. Und nun erst das Ausland! Wird das ganz stillschweigend und gleickgiltig sich dabei verhalten und sich gar nickt bei der Abnahme derselben betheiligen? Das ist bereits kaum denkbar! — Gerade das Gegentheil. Man kann sicker darauf rechnen, dass Nutzland, Polen, Galizien rc. rc. ein großes Contingent von Abonnenten und Abnehmern zu dieser Beilage stellen weiden, überhaupt wenn sie es erfahren, dass ihr Gesang — nämlich im Sinne dessen, wofür er in Deutschland gehalten wird —־ in derselben eine große Nolle zu spielen bestimmt ist, und dass er durch sie eine theoretischmusikalische Grundlage erhallen wird. Dass diese wahrscheinliche Massennacksrage nach der Musikbeilage in spe auch auf die betreffenden Zeitungen!licht zu ihrem Nachtheile rückwirkend sein wird, ist selbstredend und braucht eigentlich gar nicht erwähnt zu werden. Für eine Musikbcilage mit so bestimmten Formen und Zielen dürfte sich ferner eine ungewisse und schwankende Erscheinungszeit mit zwanglosen Nummern, wie es bisher der Fall war, nickt besonders gut und für die ^Unternehmung wenig förder lick erweisen. Es müßte demnach unbedingt eine fortlaufende periodische Ausgabefrist für sie eingerichtet werden, damit die Mitarbeiter sowohl, wie die Abonnenten auf das Erscheinen jeder Nummer vorbereitet und somit immerwährend in Athcm aebalten werden sollen, die erster», um -ununterbrochen fortzuarbeiten, und die letzter!!, um zur Zeit und pränumerando abonnircn zu können. Wie groß, oder besser wie klein die Zwischenräume in den Erscheinungsperioden sein sollen, werden die vercbrlichen Nedactionen selbst — nämlich je nach dem Barometerstände ihres Säckels und je nach der Höh: ihrer mnthmaßlichen Abonnentenzahl — am besten zu bemessen wissen. Jedoch glaube ich — nnmaßgebeud — dass man cs auf länger wie auf monatliche Nummern unmöglich ansdehnen könnte, welche Erscheinnngstermine suecessive immer enger werden müssten, bis sie mit den Zeitnngsuummern parallel laufen würden. Schließlich wäre cs sehr erwünscht, wenn auch für die Beilage ein festes Postabonnement eingerichtet wäre, damit auch hier Ordnung in die Sache gebracht und jede unnöthige Mehrausgabe verhütet werden sollte. Denn das Abgeben einer jeden Nummer für sich verlheuerl Las Exemplar jedesmal um 20 Pfeuuige Geldeinsenduugsportv, und nun gesetzten Falles, dass nur ZOO Exemplare von jeder Nummer abgenommen . werden, so macht das schon ein Plus von 60 Mark ans, welche die Ab׳ nehmer j e d e s 111 a l über den eigentlichen Prcissatz verausgaben müssen, um nur das Geld an die Nedaction gelangen zu lassen. Wenn wir nun diese 60 Mark der Beilage selbst zu Gute kommen lassen, um sie auf eine bessere Ausstattung derselben zu verwenden, was ließe sich dann dafür in dieser Beziehung heut zu Tage ausrichtcn, und wie gut situirt könnte dann die Beilage an und für sich werden? Aber es gibt noch einen nicht zu unterschätzenden Vortheil beim Postaboniiemcnt, es verpflichtet gleichzeitig den Abonnenten wie die Nedaction, treu und ansharrend bei ihrer gegenseitigen Verpstichtung zu verbleiben und beiderseits nicht wortbrüchig zu werden. Die Nedaction muss hierbei ebensogut das Versprochene liefern, wie. der Abonnent es abzunehmen verpflichtet ist, und daher gibr es bei periodischen Erscheinungen nichts Besseres, Geordneteres und Billigeres als Postabonnement. Und nun bin ich auch mit meinen Explicationen und Excursionen glücklich zu Ende. Wie meine obigen Auseinandersetzungen und Darstellungen von den bochverehrlichen Nedactionen ausgenommen und überhaupt, welchen Beifall sie bei meinen lieben College!! finden werden? Ich weiß es nicht! Aber das weiß ich gewiss, dass alles bier Niedergeschriebene der wahre Ausdruck meiner tiefsten, nnerschütterlichften Ueberzeugung ist, ans welche alle meine langgehegten Ideale sich gründen, und die mir zu rauben gewiss Niemand im Stande sein wird. Fragmente. Aus dem alten jüdischen Leben im Familienkreise, im Gotteshause, im gemeinschaftlichen Verkehre. (Zweite Artikel-Serie.) Are SLiftshiLtte und ihre Bedeutung. XI. Nachdem durch die Ossenbarung am Sinai der jüdische Cultns geordnet war, erhielt das Volk nicht sogleich eine bleibcnde Stätte zur Ausübung desselben, sondern eine vsränderliche, wie auch das Leben in der Wüste nicht ein an feste Wobnsitze gebundenes war. Statt eines Tempels erhielten sie ein Zelt, welches indessen schon die Anlage des künftigen Tempels in sich trug. Dieses Zelt wurde, wenigstens bei der Wandcrung durch die Wüste, von einem Vorbof umgeben. Das Zelt selbst zerfiel in zwei Abtheilungen, das Heilige und das Allerheiligste, es führte auch den Namen Wobnung (משכן). Der große Moment der Berufung Israels zu seiner nimmer endenden Sendung war vorüber; das Volk hatte die Gottesstimme gehört, die ihm sein ewiges Priester!hnm zugewiesen, und die von Gott Belehrten, die zum Bündniße mit ihm Geweihten und Berufenen, sollten dem hehren Besitzthume, sollten Gott, der sich ihnen hatte geoffenb rrei, eine Stätte gründen. Auf dem großen weiten Erdeiirnild sollte der erste gottgewcihte Raum erstehen. Mitten in der Finsternis des Heidentbnms und einer ihrem Gotte entfremdeten Welt sollten Tausende und Myriaden, in deren Herzen und Geister der Lichtstrahl religiöser Weihe und Erhebung eingedrungen, von Usberzeugung gehoben nnd durchglnht, das erste gotteswürdige, gottgefällige Werk auf Erden zu gründen fick vereinigen. Während in der übrigen Weit der seiner selbst unkundige Geist deS Mensckcu irr. uinberschwcifte und dem eingeboruen Zuge nach dem Göitlicken in tollen Gütterfesten, in unwürdigem Sinnenraumel zu genügen suchte und von seinem Ziele nur abschweifte, immer tiefer in sich selbst versank und immer weiter von sich abkam — sollte sich dort im unwirthlichen Grans der Steppe, in der schweigsamen Oede, dem Einen, ewigen und .wahren Gotte Israels das Heiligthum erheben, sollte ohne Bild und Zeichen ihn, den tief Verhüllten, offenbaren. Die Geschichte verzeichnet uns die merkwürdigen Momente, der Vergangenheit, sie nennt uns die Namen der Helden nnd Sieger, bewahrt in treuem Gedäcktniße die Schicksale und Veränderungen des Völkerlebens, gräbt mit ehernem Grissel in ihre Gedenktafelndie Namen der Entdecker und Erfinder, die irgend einNälhsel. der Natur gelöst, denen die stummen Geheimniße des in.sich selber verhüllten Geistes, auf ihre Fragen N.ede standen und Antwort.gaben. Man kennt und nennt, und