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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1886-07-13 · Heft 23 (13.7.1886) · p. Seite 6

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
6 (1886)
Issue
Heft 23 (13.7.1886)
Date
1886-07-13
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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© denken und fühlen; doch verhüte er, dass durch dieses lebhafte Mitgefühl sein Blut nicht in Wallung geratbe, weil dadurch das Herz schneller schlägt, der Athem verkürzt wird und der Ton von seiner Fassung verliert, da er durch die wiederholt kurzen Athcrnzüge durchbrochen wird. Dies ist zwar der Fehler seltener Sänger, und er entspringt aus einer Tugend; doch bleibt er für den vollkommenen Gesang nicht weniger ein zu vermeidender Fehler. Weit uuangenebmcr sind indessen diejenigen, die ein kuustmäßiges, kaltes Wesen annehmen, das keiner begeisterten Muse zuspricbt und nur gesellschaftlicher Zwang gebar, wo sich der Sänger nie seinem Gefühl überlässt, aus Furcht, die geringe Cultur seiner inneren Gefühle aufzudecken. Wer gewohnt ist, sich so zu zeigen, wie es ihm um v Herz ist, seine Ausdrücke und Reden, seine.Mimik und Körperbewegungen in seinem Kabinete, wie im großen Zirkel der zarten Grazie zu unterwerfen, braucht nie aus seiner Hut zu sein, dass ihm nichts Unschickliches entschlüpfe. Es ist ein schöner, oft beherzigter Zuruf, der auch hieher passt: Seid natürlich, um. wo nicht schön, doch anziehend zu sein, da doch das natürliche Seelenzefühl der Kunstgriffe und kleinlichen Koketterie nicht bedarf. Ohne es zu ahnen, umgibt dieses die Anmnlh, findet Herzen, ohne sie zu suchen, rührt, ohne zu berechnen. (Fortsetzung folgt.) Eingesendet. Geehrter Herr Nedactenr! Gestatten Sie mir eine Angelegenheit, die wohl meine eigene ist, jedoch ein allgemeines Interesse bietet, da sie vielleicht die Situation so manches Collegen auf dem Lande widerspiegelt, in unserem Vereinsorgane zu besprechen: In meiner Gemeinde wurde vor längerer Zeit die.Eventualität des Abganges unseres Rabbiners und hiemit auch die Besetzung der von ihm bisher versehenen Neligionslehrerstclle erwogen, da an die Wiederbesctzung des Nabbinates in Folge stetigen Rückganges der Gemeinde nicht gedacht wurde. Um nun bei Eintritt dieser Vacanz als behördlich autorisirter Neligionslchrer den Religionsunterricht ertheilen $11 können, wandte ich mich im Wege der k. k. BczirkShauptmaunschaft an die hohe k. k. StaLlhalrerei in Prag und bat — unter Beilage meines Prüsnngszeugnißes über den Nelkgionsunterricht an Volks- und Mittelschulen, ausgestellt vom Bezirksrabbincr Dr. Schmied! in Fünshaus und vidirt vom Neligionsschulinspector Dr. Gerson Wolf in Wien, sowie eines zweiten Zeugnißes vom hiesigen Schul- Vorstände über mehrjährige pädagogische Thätigkeit — um Ertheilung, resp. Bestätigung des Lehrbesähigungszcugnißes zur Ertheilnng deS israel. Religionsunterrichtes. Nach einem Jahre erhielt ich hieraus folgenden Bescheid: .Ueber Ihr Ansuchen 11m Ausstellung eines Lehrbefähigungszeugnißes zur Ertheilnng des israelitischen Religionsunterrichtes wird Ihnen mitgetheilt, dass sywohl der k. k. Landesschulrath als auch die hohe k. k. Statthalterei die Ausstellung eines solchen Zeugnißes auf Grund der von Ihnen vorgelcgten Bescheinignugen verweigert haben, und dass übrigens als israel. Neligionslehrer nur die Rabbiner und die mit der Lehrbefähigung für Volksschulen versehenen Lehrkräfte, wenn sic die Prüfung für die Ncligiouslehre ihrer Consession vor einer k. k. Prüsungscommission abgelegt haben, angesehen werden können׳'. Der k. k. Bezirksschulrath. Wie aus diesem Erlasse ersichtlich, ist diese Angelegenheit eine ungemein wichtige und darnach angethan, dem Cantvrate in kleinen Gemeinden, wo zumeist die Neligionslehrerstelle mit demselben verbunden ist, jede Aussicht für die Zukunft zu benebmen. Namentlich in Böhmen, wo iämmtliche Landgemeinden das Nabbinat auflasscn, ist die Anstrcbung der Neligionslehrerstellung eine Lebensbedlugung des Cantorates. Darum ist es auch Pflicht des Cautoreuvereines, sich mit dieser Frage eingehend zu beschästigten und ihre Lösung zu Gunsten des Cantorates herbeiznführen. Non Wichtigkeit wäre cs auch zu erfahren, auf welcher NechlSbasis die Herren Cantoren in Scküttenhosen, Klattau, Neuern, Horacdowitz. sowie in anderen Gemeinden, wo die beiden Aemter verquickt sind, den Religionsunterricht ertheilen.. Ein Cantor in Böhmeu. Es ist gewiss die Aufgabe des Cantorenvereines, die׳ Interessen des Cantorenstandcs nach jeder Richtung hin zu. vertreten, ob eS ihm aber gelingen wird, in dieser Angelegenheit an den gesetzlich normirten Verhältnißen etwas zu ändern,, möchten wir sehr bezweiseln, denn gegen das G-.setz lässt sich nicht nilkämpferi. Der Staat verlangt mit vollem Rechte von. dem Neligionslehrer — in gleicher Weise wie von den Lehrern in den übrigen Disciplinen — den Nachweis über das nöthige Maß. pädagogischen und sachlichen Wissens durch eine Ptüfnng vor der staatlichen Prüsungs-Commilston. Wer also eine Neligionslehrerstelle anstrebt, darf auch nicht zurückschrecken, sich einer solchen Prüfung zu unterziehen. Nach einer andern Richtung hin mag, eher ein Erfolg zu erwarten-sein, und zwar die-Alistrebnng des Cantorates von der Erfüllung gewisser Bedingungen abhängig zu machen. Die nöthigen Schritte wurden,- wie wir in voriger Nummer mitgetheilt, vom Vorstände des österr.-ungar. Cautoren- Vereines bereits eingeleitet. In einem Punkte müssen wir dem Wunsche des geehrten Einsenders beistimmen, indem wir diejenigen Herren Collegen, die sich in gleicher Situation befunden und dieselbe mit Erfolg, überstanden haben, dringendst .ersuchen, ihre Erfahrungen in dieser Angelegenheit in unserem Blatte öffentlich knndzugeben. Die Nedaclion. B r a i l a, den 8. Juli 1886. Sehr geehrter Herr College! Ich erlaube mir, Sie höslichst um gütige Aufnahme solgender Zeilen zu ersuchen :׳ Der durch Hochherzigkeit und Edelsinn auch weiteren Kr ejsen rühmlichst bekannte Philanthrop.' Herr D. Schwarzmann (Fabrikant und Großhändler) in Wien, welcher seinerzeit zum Baue der israelitischen Volksschule fin Braila den respcctablen Betrag von Frcs. 80.000 spendete, hat neuerdings einen Beweis seiner- Mnnificenz dadurch geliefert, dass er ans Anlass des Ablebensseines Bruders A. Schwarzmann in Braila der dortigen israelitischen Cnltusgemeinde Frcs. 1000 zu gemeinnützigen Zwecken übermittelte. Ich bitte Sie geehrter Herr -Nedactenr, dem edlen Sperr״ der im Namen unserer Gemeinde in den Spalten Ihres vielgelesenen Blattes den innigstgefühlten Dank anszusprechen. Mit collegialer Hochachtung Lazar Weiß, Ober-Cantor. Kleine Chronik "Mrag. Die hiesige Beerdigungs'Brüderschast, die bereits über׳ 300 Jahre besteht, hielt am 13. Jnni unter dem Vorsitze ihres Präsidenten, Herrn David Zappert, ihre diesjährige General-Versammlnug ab. Unter anderem kam auch eine Angelegenheit - zur Sprache, die sich vor Kurzem hier ereignet hatte. Im pathalogischanatomischen Institute war hier die Leiche einer jüdischen FrauenS- Person srcirt worden nnd wurde dann,׳ durch ein Versehen der׳

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