Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 6 (1886)
- Issue
- Heft 23 (13.7.1886)
- Date
- 1886-07-13
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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ce g g g g g g Quintus Tonus sic incipit ge ga g sic mediatuv g a g e et sic finitur g a f g e c Seculurom Amen. Dieser Kirchcnton ist sowohl in der katholischen, als auch der englischen Hochkirche (Englisli lugst cstnrcst) als Psalmodie gebräuchlich und bat wie der ד׳ מלך Steiger c e g zur Inlouation, g zum Choralton, 6 zum Halb- und c zum Ganzschluss, wie mein erstes Notenbeispicl. Wir stoßen hier also aus die Identität einer Psalmodie der christlichen Kirche und der Synagoge. So wird das ״Juravit Deus“ der katholischen Kirche (Ps. 110,4), die übrigens noch jetzt alle acht Toni Psalmorum ן cultivirt, nach der Melodie von אודך (Pi. 118,21) gesungen. Für mich hat dieses Ergebnis wenig Ueberraschendes. Im Gegensatz zu Ambrosius, der es als ein Martyrium ansah, eine von ihm niedergebrannte Synagoge wieder ausbauen zu müssen, gilt Gregor der Große als Freund der Inden, wenigstens wird er in den jüdischen Schriften nur in diesem Sinne erwähnt. Als Schöpfer des Cantus planus aber erscheint er. in einem andern Lichte, indem er mit der Aushebung des rhythmischen Kirchengesanges nichts anderes beabsichtigte, alS jede Spur deS altjndi'chen Gesanges, wie ihn die abendländische von der morgenländischen Kirche mit Hinweis auf seinen Tcmpelursprung überkommen hatte, zu verwischen. Wenn wir trotzdem noch manche Psalmodie wiedererkennen, wie unsere ד' מלך, so mag das ein Fingerzeig für uns sein, dass wir bei der Erforschung unserer Melodien den Gregorianischen Gesang zu Nathe zu ziehen haben. Uebrigens habe ich oben noch nicht ohne Absicht das אודך als Beispiel gebraucht. Ich bin nämlich der Ansicht, dass die Anordnung N. Elasar bis Parta II., von אודך bis zum Schlüße des PsalmS die Verse zu wiederholen (Succa 39), nicht allein in Rücksicht aus den Parallelismus, sondern auch in Rücksicht auf die alte Psalmodie geschah. Im Anfang des 15. Jahrhunderts sang man aus אודך bereits freie Compositionen. (לא כדין הוא ששורדים במשתאות אודך כי עניתני וכה“ ג ...אן בבתי כנם־זת לרגלים ולמועדים מצוד. לשיר ולנגן שירות ותושבחות לכבוד המלך נדול ונורא יתברך: לקוטי מהרי‘ל). Auf die andern Steiger näher einzugehen, muss ich mir, weil ich sonst den Nahmen einer Besprechung überschreiten müßte, leider versagen. Zum Verfasser und seiner Broschüre zurückkehrend, muss ich aber noch die ans Seite 10 beanspruchte Priorität, die Steiger auf ihren Zutervalleuwerth geprüft und in ein System gebracht zu haben, berühren, da sie ihm nicht unbedingt zugestanden werden kann. Das Verhältnis der Synagogen-Melodien zu den Kirchentonarten ist schon vielfach zum Gegenstand der Untersuchung gemacht worden. Es sei hier an den Federstreit der Cantoren Deutsch-Breslau und Weintraub- Frankfurt a. M. erinnert, sowie an das 8. Capitel der ״Etüde historique sur la Musique des Hebreux“ in Kaumbourg’s ״Recueil de Cstant relig.“ (אגודת שירים Paris 1874), in welchem dieser Gegenstand eingehend behandelt wird. Aber auch ein schlichter deutscher Cantor — Herr Lachmann in Hürben — hat die »Steiger', wenn auch uicht ausführlich, so .doch früher (im jüd. Cant. 1880 Nr. 6 und 7) ans ihren Intervallenwerlh geprüft und in ein Tonart-System zu bringen versucht. Die Arbeit des Herrn Singer bleibt aber eine anregende und darum dankenswerthe und verdient von den Cantorcn eingehend studirt zu werden. Königsberg in Preußen. Ed. Birn bäum. Unsere Ritualgesiinge von Obercantor I. Singer, Wien. Herr Professor und Obercantor Monz Friedmann in Budapest würdigte meine Broschüre: »Die Tonarten des trabitioncllen Gesanges 2c.' in Nr. 5 der ungarischen Beamten- Zeikung dadurch, dass er den .Titel' de'׳ Schristchens überaus glücklich gewählt, die Schreibweise des Textes »echt schriftstellerisch' stylisirt, die Bedeutung meiner bescheidenen Arbeit als ,akademisch werthvoll" hinstellt und auch andere, die Aenßerlichkeiten meiner Broschüre betreffende Momente in überschwänglich lobender Weise bcnrtheilt. Ich gestehe, das? ich aus all' diese Liebenswürdigkeiten, als nicht zur Sache gehörig, sehr gerne verzichtet hätte, indem beispielsweise die eine Thatsache absonderlich klingt, von Herrn Professor Friedmann für meine stylistische Arbeit eine öffentliche Note ״mit Vorzug" z.r empfangen. So unangenehm mich demnach diese erste Abtheilunz der betreffenden Kundgebung in der ungar. Beamteuzeitung seitens des Herrn Professors berührte, ebenso willkommen waren mir die weiteren Darlegungen des ObercantorS da, -wo der Fachmann seine Anschauungen über meine Arbeit kundgibt, indem dieselben einen tiefen Einblick in dessen Seelenleben gc° statten und zugleich in eclatanter Weise die fachmännische Reise bekunden, deren sich der Herr Obercantor Friedmann rühmen darf. — Herr Obercantor Friedmann bestrebt sich, meiner Broschüre den praktischen Werth zu rauben, indem er nach seiner Auffassung, blos zwei Richtungen derselben, u. zw. den AlterS- Nachweis unserer traditionellen Gesäuge, wie die aus dem Intervallenverhältniße sich ergebenden Tonarten als für die Synagoge irrelevant vorführt. Ich hätte gegen diese fubjective Auffassung nichts cingewendet, wenn Herr Obercantor Friedmann nicht gleich neben dieser Aufstellung den Ausspruch thäte: ״Ja, wir sollen diese Weise verwerthen, weil sie schon durch das Alter allein eine Heiligkeit erwarben und weil sie schon ohne fremden Zusatz vorgetragen, zur Förderung der Andacht beitragen". Wo ist nun die logische Begründung der Irrelevanz? Wenn Herr Obercantor Friedmann das Alte r und die f r e mden Zusätze selbst als maßgebend für die Beibehaltung der traditionellen Gesänge vorführt, so erscheint es doch dringlich, das Alte r und das I n t e r v a l l e n s y st e m festzustellen, denn ohne Feststellung des letzteren dürfte cs Herrn Professor Friedmann etwas heiß werden, seine »fremden Zusätze' nachzuweisen. Demnach wäre meiner Broschüre selb ft nach der von Herrn Obercantor F r i e d m a n n a u f g e st e l l t e n A u s ch a u u n g eine praktische Verwerthung vollinhaltlich zuzusprechen. Befremdend berührt es weiter, dass Herr Obercantor Friedmann meinen w i s s e n s ch a f t l i ch en Altersnachweis zn perhorresziren sich bemüht, indem er von einem »Klügeln' und ,Grübeln' der jüdischen Cantoren spricht, welche sich bemühen, durch den Hinweis auf »myxolydisch und phrygisch Andersgläu- Ligen gegenüber zu rechtfertige n', dass wir in der Synagoge altjüdische Gesänge gebrauchen. Wo um's Himmelswillen hätte ich jemals in meiner Broschüre oder durch eine andereprivate oder öffentliche Verlautbarung eine derartige Rechtsert i g u n g Andersgläubigen gegenüber angeftrebt?