Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 6 (1886)
- Issue
- Heft 22 (5.7.1886)
- Date
- 1886-07-05
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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5 Benennung allein besagt, nicht jüdisch, sondern türkisch und Llawanerisch, also fremde Elemente, die in unserem Lottesdienste keine Berechtigung haben. Wir haben auch uachgewiesen, durch welchen Znterwallcmvechsel der Klawaner entsteht, das -gehört aber nicht hieher. Dieser dritte רבה i"QN8׳Steiger ist eigentlich der Stein des Anstoßes, weil er von 1 zu 2 einen halben und von 7 zu 8 einen ganzen Ton führt. Eine solche Unregelmäßigkeit lässt sich musikalisch durchaus nicht rechtfertigen. Gleichwohl kommt gerade dieser Steiger am häufigsten zur Anwendung. Nun wird so mancher Pedant fragen: darf das sein? Darauf antworten wir zweimal, mit: Za! Erstens, wie schon bemerkt, weil wir Juden sind und als solche diese Singweise als traditionell vererbte respecti.ren, .Zweitens wollen und brauchen wir diesen Styl nicht zum Componiren, sondern nur für das Necitativ. Für das Necitativ;,aber— darauf möchten wir namentlich die jüngern Amtsgenossen wohlmeinend aufmerksam machen — gibt es hinsichtlich des Scalenverhältnißes in der Musik kein Gesetz und ^eine Regel. Eine Stimme allein, ob singend oder spielend, darf!machen, was sie will. Man braucht nur eine Tonart zum Ausgangspunkte,, also Grundton. Terz, Quinte und Octäv. Alle mbrigen Intervalle, wie immer sie dann aus freier Phantasie gegriffen werden, sind bei einer Stimme selbst vom streng musikalischen Standpunkte nicht verboten, weil die vielen und b, die da Vorkommen, als ,zufällige* betrachtet werden. Erst wenn mau mehrere Stimmen zusammen gibt, wenn man harmonisiren, . moduliren, ein Assemblee bilden will, erst dann tritt die musikalische Grammatik auf, gebietet der Willkür Einhalt und zeigt den Weg, den man zu gehen hat. , Vergleichen wir nun das Gesagte mit der vorliegenden Broschüre Singer's, besonders mit den Notenbeispielen, so ergeben sich, mehrere Jrrthümer. Vor Allem spricht Singer immer von einem HDK מק-Steiger, der gar nie cxistirt bat. Seit meinem zwölften Jahre, also schon 48 Jahre, befasse ich mich mit 'Vorbeten. Auf der Jeschiwab ernährte ich mich von Vorbeten. Später, als ich das Cantorat zum Berufe wählte, machte ich eigens Reisen, um verschiedene Chasonim zu hören, seit 36 Jahren bin ich ununterbrochen im Amte, hatte also viele bnnderte Polnische und deutsche, gute und schlechte Cantoren kennen gelernt, von einem Mögen o>vos-Steiger hörte ich nie. Dieser konnte sich auch schon deshalb nicht heransbilden, weil ja die alten -Chasonim das I^V-Gebet am Freitag Abends gar nicht vorgebetet haben. Der zweite Jrrthum, in den der Verfasser verfiel, ist der, dass er den Jisobtabbaeb-Steiger, anstatt Abawob rabboh, dominiren lässt und eine ganze Menge von Necitativcn .hineinzwängt, die mit dieser Weise in gar keiner Affinität stehen. Dadurch sind auch viele der ausgezeichneten Notenbeispiele mis. lungen. So zum Beispiel ist es für einen nur etwa» kundigen ,51*7>בעל תפ geradezu unbegreiflich, wie man das Webakobanim von Jom kippur in den Jisobtabbaeb-Steiger verlegen kann. Wir wollen die Jrrthümer nicht weiter verfolgen und nur :noch eines Hauptmomentes erwähnen. Herr Obercantor Singer :behauptet nämlich, die Singweise für die Vorlesung der מטילה .am Purim und für die Klagelieder Jeremias am ת״ב wäre ganz gleich, der scheinbare Unterschied läge nach seiner Auffassung blos im Tempo, das bei der Megilah rasch, bei איבה aber langsam genommen wird. Ohne in eine theoretische Analyse einzugehen, beweist schon!der praktische Gebrauch dieser Singwcise das Gezentheil. Es gibt nämlich einige Stellen in der Megilah, wie ד רצים יצאו דחיפיע;• dann ומרדכי ידע und אבל גדול ליהודים• wo der Vor. Jeser von der Melodie abweicht und in die Weise ron איבה ישבה übergeht. Wäre nun die Melodie dieselbe, wozu der Uebergang? Diese Annahme ist also grundfalsch. Merkwürdigerweise habe ich vor drei Jahren diesen Gegenstand mikdem gelehrten Prediger der Wiener Gemeinde, Herrn Dr. Adolf Jellinek, besprochen. Jellinek ist ein so geistreicher Denker und aufmerksamer Beobachter, dass er auch auf diesem Gebiete ein richtiges Urtheil besitzt. Die Melodien von ת״ב, darin stimmten wir Beide überein, üben auf den Zuhörer, wenn auch von einem gewöhnlichen Vorbeter anständig vorgetragen, eine erschütternde Wirkung, während die Singweise von Purim einen humoristischen Eindruck macht, als wollte man Jemanden zum Narren halten. Freilich können wir das nicht mathematisch beweisen. In Kunst und Poesie gibt cs überhaupt keinen mathemalischen Beweis, da ist nur das ästhetische Fühlen der Preier chter. Bei dieser Gelegenheit machte mich Dr. Jellinek auf etwas aufmerksam, was mir unvergesslich bleibt. Die Neginah, meinte er. ist nicht zufällig so gesetzt worden, wie wir sie in der Bibel finden, es liegt darin eine böhere Bedeutung. Zum Beispiel das erste Wort von den zehn Geboten, ׳אנכי hat eine paschta, also ein Heben des Tones; ebenso steht auf dem Worte ובור ein sokef godol, waS ebenfalls eine Erhöhung und einen Nachdruck bedeutet, und noch viele andere Stellen. Zurückkehrend zu der Broschüre des Herrn College» Singer wiederholen wir, dass wir ibm für die theoretische Arbeit alle Anerkennung zollen. Der strebsame Autor hat jedenfalls das Verdienst, den Gegenstand in Fluss gebracht zu haben. . Fragmente. Aus dem alten füdschen Leben im Familienkreise, im Gotteshause, im gemeinschaftlichen Verkehre. (Zweite Artikel-Serie.) Gottesdienst und Hpfercnttus. X. Das dritte Buch Moses beschäftigt sich vorzugsweise mit der Opfirlehre, die Gott selbst angeordnet hat. Wir wissen aber, dass die Propheten in Namen Gottes sich oft gegen den Opfercultus ausgesprochen haben, wie das jedem Bibelkundigen bekannt ist, und worauf wir schon früher hingcwiesen haben. Und dennoch hat Gott schon in der Wüste, gleich nach Vollendung deS Zelt- Heiligthums, den Opfercultus selbst ungeordnet. Dieser scheinende Widerspruch ist leicht zu lösen und hat seinen Grund darin: Alle heidnischen Völker des Alterthums übten den Opfercultus aus, womit sie ihren Götzen dienten, und auch Israel hatte für einen andern Gottesdienst keinen Sinn. Haben doch auch dessen Stammväter, Abraham, Jsak und Jakob, Gott durch Opfer verehrt. Ein großer Theil des Volkes war aber in Egypten dem Götzendienste ergeben. Die Bibelstelle: ,.והמשים עלו בני ישראל 2) "מארץ מצרים. M. 13. 18) übersetzen (Raschi, Jalk. und Taneb. z. St.): ,אחד מהמשה יצאו וארבעה הקלים מתו*. Nur ein fünftel Theil sind auszezogen, die übrigen starben in den drei Tagen, als Finsternis herrschte", das sind diejenigen, welche Götzendienst geübt haben. Und dass Israel zum Götzendienste geneigt war, geht aus der spätern Geschichte hervor. Um diesem Nebel entgegen zu wirken und der alten Gewohnheit Rechnung zu tragen, hat MoseS nach dem Willen Gottes den Opfercultus beibehalten; aber die Opfer .müssen Gott zu Ehren gebracht werden, und durfte anfangs kein anderes als Opferfleisch gegessen werden. daS man im Heiligthume geschlachtet und das Blut auf den Altar auszießen, damit daS