Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 6 (1886)
- Issue
- Heft 22 (5.7.1886)
- Date
- 1886-07-05
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
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Volk nicht fremden Göttern opfere. Darum folgt gleich der Opferlehre, ganz methodisch, das strenge Verbot über Götzendienst und Heidenbräuche, Sitten- und Zuchtlosigkeit. So lesen wir im (3.33. M. 18, 1-5): מצרים״ p» ״ ״כמעשהGleich den Thaten der Egypter, in dem Laude, wo ihr gewohnt habt, und gleich den Thaten des Landes Kanaan, wohin ich euch bringen werde, sollt ihr nicht thun, nach ihren Satzungen sollt ihr nicht׳ wandeln. Wahret meine Satzungen und meine Vorschriften, nach ihnen zu wandeln, ich bin der Ewige, euer Gott" u. s. w. Uebrigens wird schon in der Urgeschichte der Bibel dem Opfer fede wirkende Kraft abgesprochen, und ihm nur die des Symbols, des Ausdruckes der iuueru Gesinnung für Gott und des darnach zu nehmenden Wandels gelassen. Den Anfang des Opfers setzt die heilige Schrift schon in die zweite Generation deS Menschengeschlechtes. Mit dem Erwachen des menschlichen Bewnsctseins von seiner Bestimmung und Aufgabe ist auch schon, das Opfer als Ausdruck desselben da; Kain und Abel opfern..׳ Aber schon in dieser Erzählung von der ersten Opferung vergisst die Bibel nicht auf die wahre Gestalt des Opfers, hinzuweisen, um das Falsche davon zu unterscheiden. Kains Opfer wird nicht angenommen, und als er grollt deshalb, wird ihm bedeutet,- dass Alles auf den nunmehr ciuzuschlageuden Lebenswandel aukommt: ״Wenn du Gutes vollziehst, wirst du dich erheben, wo nicht, vor der Thüre lauert die Sünde, nach dir ist ihr Verlangen, aber du kannst über sie herrschen". (1. M. 4, 6—12.) Wer erkennt nicht die Wichtigkeit dieser Stelle für dis Geschichte und Würdigung des Opfers; in dieser ersten Darstellung liegt die ganze Charakteristik desselben nach der Bibel. Nicht die Tbat, sondern die Idee, die dem Opfer zugrunde liegt, ist die Hauptsache. Es ist ein Dankopfer, welches das freudige Anfschauen zu Gott, das Ueberströmcn des dankerfüllten Herzens, aber, nicht die Furcht und Niedergeschlagenheit, die Ursache des heidnischen Opfers, zu seinem Grunde hat. Die Bibel drückt das später in Worten aus: /לרצנל לפני יי', dass es ihm gnädig ausgenommen werde vor dem Ewigen" (3. M. 1, 3.). Die alten Völker hatten ursprünglich die sinnliche Anschauung, ihre sinnlich gedachten Götter wie vornehme und hochstehende Gäste zu bewirthen und zu speisen, und die Hebräer haben diese sinnlichen Vorstellungen als Ausgangspunkt bei allen alten Völkern vorgefunden. Diese übliche, stehende Form der religiösen Verehrung Gottes als Gemeingut der alten Welt sahen die Hebräer und behielten diese Verehruugsweise bei. obgleich ihre geläuterte Gotteserkenutnis sie belehrte, dass dem unsichtbaren Gotte keine Bedürfuiße und- Befriedigungen sinnlicher Art zuznschrcibcn seien. Ohne die sinnlichen Vorstellungen anderer Völker zu theilen, - behielten sie diese Cultusform bei, aber nur in dem Sinne, wie wir ihn oben augedcntet haben, ihrem Gotte die Verehrung und Ergebcnheit zu bezeugen, die Liebe und den Dank auszudrückeu und sich dadurch Gottes Wohlwollen zu erwerben und zu erhalten. Die ganze Menschheit im Alterthume lag in den Banden des Aber- und Irrglaubens, finster und umuachtet war ihr Geist. Dieser nichtige und schädliche Götzendienst führte zur Unsittlichkcit, vernichtete den Meuscheuadel und führte Zerrüttung im Staatsleben .herbei. Das. kleine Israel war berufen, den Kampf gegen eine ganze damalige Welt aufzuuehmcu, gegen das schändliche Heidenthum mit seinem Wahn- und Irrglauben. Hart war der Kampf gegen eine solch' überlegene Macht, er dauerte viele Jahrhunderte, bis endlich die Wahrheit über dis. Lüge, wenn wohl noch nicht ganz doch ausschlaggebend, den Sieg, davoutrug. Und wenn das Judeuthum kein anderes Verdienst als dieses hä!׳e, so verdient cs den Dank und die Anerkennung aller ' civil!siricn Nationen. So ruft der Prophet IesaiaS aus: ,Siehe,! Finsternis bedeckte die Erde und Dunkelheit die Nationen, aber dir Israel erstrahlte der Ewige und seine Herrlichkeit. wird dir sichtbar ,׳והלכו גויס לאורך. .Völker wandeln deinem Lichte zu und Könige deinem strahlenden Glanze' (Zes. 60, 2). Ferner:׳ ׳כי כאשר משפטיך לארץ צדק למדו יושכי רכל.. .Als deine Gesetze zur Erde kamen, lernten Gerechtigkeit die Bewohner der Welt* (Ies. 26, 9). Die Menschen lernten gut, gerecht und fromm sein, menschlich denken und sittlich handeln. Hebt Israel heute keinen Götzendienst mehr? In gewisser Beziehung doch, und das ist sehr bedauerlich. Die Propheten sprechen von einer -Art Abgötterei, die darin besteht, dass man manche Gegenstände mehr schätzt und ihnen mehr Liebe zuwendet, als Gott. ,Wer zu viel Vertrauen auf seine Kraft, auf seine Weis׳ heit, aus seinen Ncichthnm setzt, auf Menschen mehr, als auf Gott sich verlässt, der übt einen indirecten Götzendienst aus". Der Talmud führt uns noch andere Fälle vor: ..״המבזה■ את המועדות• /Wer Feier-Festtage geringschätzt 'כאלו עוכד עי, ist so viel, als wenn er Götzendienst übt* (Sab. 118). Das ist ein Vorwurf, der die heutige jüdische Generation hart trifft. ,Wer stolz und hochmüthlg sich benimmt, ist gleich dem Götzen Aschera zu ׳behandeln* (Sota 5). ״Der Wortbrüchige ist dem Götzendiener gleich" (Sanh. 92); so auch der eitle, hartherzige Mensch, der nur sich verehrt, nur sich liebt" (Keth. 68). Die reine, ungetrübte Gottesverehrnng erfordert ein heiliges Leben, das frei von allen Schlacken ist, ״ein Reich von Priestern, ein heiliges Volk", und das sollten alle Menschen sein, die im Ebenbilde Gottes geschaffen sind. O, wie weit sind wir noch zurück! Wird die Menschheit je dieses Ziel erreichen? Hoffen wir. W_v. (Fortsetzung folgt.) Correfpondenz der Nedaetion. Fr. in Sir. Für diese Nummer bereits zu spät ' ciugelaiigt. Vorher müssen wir in die bei S. befindlichen Belege Einsicht nehmen. 8in L. Broschüre werden wir Ihnen in den nächsten Tagen besorgen. M. in K. St. M. Wegen Anfhäufnug der Einläufe wollen Sie sich gefälligst ein wenig gedulden. F. in 8. Bei pünktlicherer Aboimementsbezahluiig wären Sie dieser Eventualität nicht auZgesetzt gewesen. I. H. in K. Den cingesandten Concurs können wir erst in nächster Nummer veröffentlichen. Die R e d a c t i o n. Abonnements- und Jnfertionsbeträge sind in der Wedaetion, Wien, II., Wovnragnsse ZA, zaylbar. In der ,hiesigen isr. Cultus-Gemeinde ist die Stelle eines zeitgemässeu Cantors, der zugleich. Paskener ׳שוחט לבודק וקורא zu sein hat, am 1. September d. J. neu zu besetzen. Jahi-esgehalt 600 fl. sowie freie Wolmuug, halbe Scliecluta und übliche Emolumente. Bewerber um diesen Posten wollen ihre diesbezüglichen Gesuche mit legalisirteu 'Belegen über Quaüflcation, bisherige Verwendung nebst Alters und Familienzahl-Angabe an den Gefertigten längstens 26. J ul .i 1. J. einsenden. Ein מוחל wirdbevorzugt. Auf Probevortrag können nur die Berufenen erscheinen.- Reisespesen werden ausschliesslich dem Aeceptirten vergütet.-, B. G y u 1 a, im ■fluni 1886. Irloriz Deutsch, Gemeinde-Präses.