Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 6 (1886)
- Issue
- Heft 22 (5.7.1886)
- Date
- 1886-07-05
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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an dieser Stelle hievon Umgang, so sehr sich auch Bemerkungen,! ja Beweise in die Feder drängen. Ich könnte, gleich be m Herrn Co liegen Deutsch, den für den Leser nngemein sympathischen Ton des Bedauerns darüber an schlagen, dass Herr Deutsch die Nezitationsweife des ato echod nicht für im mögen owaus und die Singweise der scliemone 6816 für die drei Feste nicht als in dem von mir aufgestellten dmelitayaell-Steiger gearbeitet hinstellt, allein ich muss mir.den Gebrauch dieser etwas stumpf gewordenen Waffe versagen, und wenn ich ebrlich sein soll, so muss ich erklären, dass cs mein Selbstbewusstsein hebt, ivenn Herr College Deutsch mir gegenüber diese Kampscsweise anwendet. Auch bezüglich der. h u m o ri st is ch e 11 Bemerkungen, wie: ,d i e Arbeit sich l ci ch t mn ach e 11', ״E r hatS ge s a g t", ,G l a u b e n un d Wi s se n n i ch t m e hr unterscheiden', ,T e mp o-allegr o N e d e', ,Da vid ische Ausgrab u ugen 2c.' muss ich schweigen, weil ich dieselben, als -persönliche Angriffe, deren sich Herr Deutsch leider nicht erwehren kann, in seiner Duplik viel lieber vermisst hatte, weil ich weiters nicht mit gleicher Münze zahlen will, und weil endlich diese seltene Sammlung jüdisch.cantoralen Witzes in dem Nahmen des zu behandelnden, streng ernsten Bildes mich mit Bangen erfüllt. Zu den humoristischen Bemerkungen rechne ich auch die Frage des Herrn Collegen Deutsch: ,Stehen wir noch auf wissenschasilrchem Boden?' Das ist eine feinberechnete Pointe, die den gewiegten Polemiker bekundet, der niemals um eine Waffe verlegen wird, und die ganz danach aussieht, mich in den Augen des weniger beobachtenden. Lesers zu vernichten. Nun! dem weniger eiugeweihten Leser dürfte diese Frage imponiren, dem strengen Beobachter jedoch muss es alsbald einlenchten, dass auch dieser Waffe die Spitze fehle. - Auch der letzte Passus der Dentsch'schen Duplik bekundet eine ähnliche Waffe. Wo hätte ich jemals ein Gelüste verrathen, dogmatisiren oder die jetzt beinahe zur höchsten Blüthe heranreifte Musikknnstform aus der Synagoge entfernen zu wollen? > Meine Broschüre schließt mit der Aufforderung: .Mögen sich .Berufene des heiligen Stoffes annehmen rc.', und in meinem Ausrufe, den ich kurz nach Erscheinen meiner Broschüre in der österreichisch-ungarischen Cantoren - Zeitung Nr. 12, Jahrgang 1886, veröffentlichte, befindet sich der Schlußsatz: ,denn es handelt sich um die Annahme oder Bekämpfung nicht meines, sondern überhaupt eines Systems. Bis nun gab es auf dem Gebiete des traditionellen Synagogengesanges über- Haupt kein System". Wie kömmt nun Herr College Deutsch dazu, mir einen Docenten-Ton impntireu oder mich mit Vernichtungsgelüsten dem bestehenden Mnsikgesctzs gegenüber ausstatten zu wollen? — Was ich anstrebe? Ich habe es zu wiederholtenmalen ausgesprochen, und Herr College Deutsch hat es in den letzten Zeilen seiner Duplik meisterhaft gezeichnet, ich w i l l dasjenige, was jeder ernst strebende Fachgenosse m u f s, die möglichste L ä u t e r 11 11 g 11 n b S y st e m is ז "r 11 11 g des spczif i s ch - s y u a g o g a l e n dt e c itativs und hiedurch die Herstellung einer einheitlichen Form des letzteren, eventuell auch eine dem System entsprechende Harmonisirung einzelner oder auch vieler wirklich antiker Synagogenmciodien. Dass mir. hiezu ein Fachgenosse von der Bedeniuug des Collegen Deutsch dis Hand reichte, erscheint mir in der heutigen, wie es sich zeigst fachmännisch dürftigen Zeit als eins gute Vorbedeutung für das Gelingen des Unternehmens,! und nehme ich die mir vom Herrn Collegen Deutsch dargebotens Hand dankbar an. Bezüglich des Ausdruckes ,Steiger' oder ,Tonarten' habe ich bereits am Ende der 9. und Anfangs der IO. Seite meiner Broschüre das Zweckdienliche gesagt und es erübrigt mir nur noch, dis vom Herrn Collegen Deutsch ausgesprochene Befürchtung gewisser Auslegungen und Deuteleien zu besprechen. Ich, um pro domo zu sprechen, hatte dafür, dass man mit derlei termini8 teolloiois, die als charakteristst'che Wahrzeichen einer vergangenen Periode ans die Gegenwart vererbt wurden, nicht so expedetiv Vorgehen, d. b. dieselben nicht so im Handumdrsben irres angestammten Rechtes e 11 tau Hern dürfe, und wenn Herr Deutsch die bei der gegenwärtigen Zeiiströmnng b-edauerliche Erfahrung gemacht, dass der Ausdruck ,Steiger' von gegnerischer Seite Veranlassung zu bämischen Bemerkungen gegeben, so werde ich im Laufs der lueirereti, meine Broschüre betreffenden Veröffeiltlkchuugen den Beweis erbringen, dass selbst christliche Musikkritiker von bedentendem Rufe den Ausdruck ohne jede Nebeubeinerkung acceptirteu, dass demnach aus derlei vereinzelte Bemerknngsn, die immerhin als gegnerisch erscheinen, nicht viel zu geben sei. Im Uebrigen dürste diese Meinnngs- Verschiedenheit durchaus keinen Grund zu Debatten abgeben und die Verständigung leicht hcrbeiznsühren sein. Somit erachte i ch die Auseinandersetzung mit dem verehrten Herrn Collegen Deutsch als abgeschlossen; waS wir uns noch zu sagen haben, das must einer voraussichtlich persönlichen Begegnung und Verhandlung anheimgestellt bleiben, weit ich mich veranlasst sehen dürfte, auch anderen Herren Collegen einige öffentliche Erklärungen abgeben zu müssen. Cs erübrigt mir nur noch Herrn Collegen Deutsch unumwunden zu gestehen, dass mir die kleine öffentliche Auseinandersetzung mit ihm nngemein Werthvoll und interessant war und ich nicht anstshe, ihm hiesür öffentlichen Dank ausznsprechsn. Stimmen über dm tniöitionelleu Synagagengesang. VI. Da wir es uns zur Aufgabe, gemacht, zur Klärung der jetzt in Discnssion befindlichen Frage des jüdischen Tradition sgesanges alle diesbezüglichen Enanciationen zu registriren, wollen wir in Nachfolgendem die Ansichten des hochgeschätzten Collegen, Qbercantor Pros. Friedmann, die er über dieses Thema in Nr. 5 der Ungar. Beamten-Zeitung kundgibt, unseren Lesern mittheilen ,Der Titel der von Obercantor I. Singer in Wien beransgegebenen Broschüre: ,Die Tonarten des traditionellen Synagogengesanges (Steiger), ihr Verhältnis zu den Kirchentonarten und den Tonarten der vorchristlichen Musikperiode rc.', ist so verlockend, so gewinnend, dass selbst der eingeweihte Fachmann mit einiger Neugierde darnach greift. Ein großer Bühnendichter sagte: wenn der Titel eines Theaterstückes gewählt ist, so ist der Erfolg zur Hälfte gesichert. Nach dieser Richtung hin hat Herr College Singer eine sehr glückliche Wahl getroffen. Und hätten wir cs hier blos mit dem theoretischen Theits zu thnn, wir würden dem Autor nur mit einigen Einwürfen gerne dis Auerkennung zollen. Die 19 Seiten lesen sich recht angenehm, und verdient die systematische Grupvirung des Stoffes, die formvollendete Darstellung und der echt schriftstellerische Styl das nngefchmälertsts Lob. Der wiffsnschaftliche Leser findet zwar keine, neue Entdecknng, kann auch nicht Alles unbedingt acceptiren, dafür aber entschädigt ihn die mit viel Geschick geordnete Zusammenstellung