Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 6 (1886)
- Issue
- Heft 22 (5.7.1886)
- Date
- 1886-07-05
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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2 Abhaltung eines solchen ist mit bedeutenden Schwierigkeiten rerbuudeu, da unsere Statuten für seine Beschlussfähigkeit die An- Wesenheit von mindestens?0 Vereinsruitgliederu erfordern. Um also einzelnen Mitgliedern nicht unnöthigc Spesen zu verursachen, dürfen wir nicht früher an die Festsetzung eines Termines schreiten, bevor wir nicht die vollste Uebcrzeugung haben, dass der Caulorentag nicht an Beschlussunfähigkcit scheitern wird. Für den heurigen Sommer haben wir diese Uebcrzeugung nicht gewonnen, und darum bat der Vorstand nach reiflicher Ueberlegnng den Beschluss gefasst, den nächsten Cantorentag erst in den Sommerrnouaten des Jahres 1887 cinzubernfen. Für diese Beschlussfaffuug waren noch andere Momente maßgebend. Zunächst handelt es sich darum, dem Cantorentage ein fertiges, wohldurchdachtes Programm vorzulegen, die Statuten jedoch, die den wichtigsten Theil dieses Programmes bilden, sind noch nicht zu Ende berathen und werden erst in einigen Wochen zur Kenntnis der Mitglieder gebracht werden können. Auch die Frage der Stellung der Cantoren zu den Gemeiudeverhältnißen, der wir oben Erwähnung thaten, wird im nächsten Jahre vielleicht schon spruchreif sein, jedenfalls aber wird sie sich in einem vorgefchrittcuen Stadium befinden. Schließlich darf nicht vergcsien werden, dass im Jahre 1887 die in den Statuten festgesetzte fünfjährige Carrenzzeit abläuft. An Unterstützungen für uoihdürslige Mitglieder haben wir im heurigen Jahre den Betrag von 60 fl. verausgabt und außerdem noch 14 fl. als Ergänzung des für die Wittwe des verstorbenen College!! I. Schwarz in Drosau eingelaufenen Berrages auf 200 fl. bewilligt. Die Vereinseasse wäre, Dank der Mnniflcenz der zahlreichen Gönner unseres Vereines, auch in diesem Falle vollkommen verschont worden, wenn nicht einige Mitglieder es noch bis heute unterlassen hätten, ihren Pflichtbeitrag einzufenden. Ein solches Vorgehen ist nnqualifizirbar und zeigt von einer Gemüthsrohcit, die wahrlich zu bedauern ist. Der Vorstand wird es aber auch nicht versäumen, auf Grund des §. 12 den Ausschluss der betreffenden Mitglieder zu beschließen, und hofft darin im Sinne fämmtlicher Vereinsgenosfen zu handeln. Der Bericht würde eine Lücke empfinden lassen, wollten wir.nicht der lobenswcrtheu Wirksamkeit unseres Vereinsorganes, ,.der österr.-nngar. Cantoreu-Zcitung", Erwähnung thuu. Sie ist dem Vereine in Allem getreu zur Seite gestanden und hat demselben, namentlich bei den Sammlungen, hervorragende Dienste geleistet. Trotzdem wurde ihr, um die Ausgaben möglichst einzuschränken, nur die Hälfte des Betrages für sämmtliche Verlautbarungen 2c. zugewendct. Indem wir nun unseren Bericht zum Abschluss bringe!!, können wir nicht umhin, der freudigen Ueberzcngung Ausdruck zu geben, dass unser Verein von Jahr zu Jahr nicht nur in materieller, sondern auch in ethischer Beziehung in gedeihlicher Entwicklung fortschreite, und dass wir mit -Rücksicht darauf mit berechtigtem Stolze und frohem Murhe der Zukunft entgegensehen können. §er Vorstand des öjterr.-nngar. Cantoren-Vercines. von Obereantor I. Singer, Wien. Die obigen Titel führende .Duplik des Herrn College!! Deutsch veranlasst mich durch ihren Ton und Inhalt zu einer Beantwortung. ,Reiche, unantastbare Beweise" dafür, dass der Kircheugesang aus dem Teinpclgesange flamme, sind in jeder besseren Geschichte der alten Musik zu finden, und es berührt mich überaus befremdend, wenn Herr Deutsch die von mir als weltberühmt bczeichneten Gesänge im Zioustempel trotz des Ausspruches ״ascln*e ajen roa’soli hamscliorerim wechol mine schirim“ etc. und hundertfacher Nachweise auch nichtjüdischer Historiker so abweisend humoristisch behandelt; es ist befremdend, ändert jedoch an der Thatsache nichts. In meiner Ncplik Seite 4, zweite Spalte, erklärte ich, dass die B e n e n n n n g e n der von Herrn Deutsch ausgestellten 6 Kirchentonarten mit denen der griechischen Tonarten nicht übereinstimmen, dafür aber mit den B e n e n n u n g e n der von Glareanus (16. Jahrhundert) ausgestellten Tonarten vollständig identisch erscheinen. Hierüber entwickelt Herr Deutsch eine auffallend ausführliche Klarlegung, mit deren Inhalt er nachzuweifen bestrebt ist, ich hätte die betreffenden Scalen-!! a m e 11 mit den Scalen selbst verwechselt und ich würfe mit den Jahrhunderten nur so herum. Diese freundlichen Znmuthungeu, dass ich die von Glareanus ausgestellten Scalen namen als ein von dem Letzteren neu erfundenes Scalensystem hingestellt, muss ich dankbar ablehuen, da in meiner Replik, zweite Spalte, ein ähnlicher Jdeengaug nicht vorfludlich, sondern auf ein griechisches Tonsystem zu wiederholteumaleu hiugewiesen wird, überdies die Worte ,Benennung" und .Namen" sieben Mal vor- Händen sind. Ebenso muss ich auf die mir von Herrn Deutsch zugedachte Ehre, mit den Jahrhunderten nur so herumzuwerfen, allen Ernstes verzichten, indem ich nochmals registrire, dass weder die ambrosianische und gregorianische, noch die Kirchentonaiten der darauffolgenden Jahrhunderte griechische Benennungen trugen, sondern dass diese letzteren erst das Ergebnis der Musikcpoche von Guido bis Glareanus bildeten, und dass die von Glareanus aufgestellteu griechischen Benennungen dem griechischen Tonsysteme entlehnt, nicht aber auch die einstigen griechischen Tonarten mit ihren ursprünglichen Benennungen, sondern die einstigen Tonarten mit vollständig verschiedenen Benennungen von Glareanus aufgestellt wurden. Daraufhin, dass Herr Deutsch diese von Glareanus ausgestellten und neubenannten Tonarten als Ausgangspunkt unseres Synagogengesangssystems hinstellt, that ich meinen Ausspruch, die Feder hinlegen zu wollen, indem ich mich für eine dreihundertjährige Tradition bei einer Kunstbestrebung, die schon Jahrtausende besteht, nicht begeistern kann. Möge Herr College Deutsch die in seiner Duplik angeführte zweite Spalte seiner Replik lesen und er dürfte flugs zur Einsicht gelangen, dass es ungerechtfertigt ist, m i r ein Herumwerfeu mit den Jahrhunderten vorzuwerfen. Was die Oi86I!tabael1-Steiger-Scala betrifft, meint Herr College Deutsch, es müsse hier ein Misverständnis obwalten, lieber Misverständniße ist allerdings nicht viel zu sprechen, allein da dieses mir zugeschobene Misverständnis mehr ein Unverständnis des Gelesenen involvirt, so ersuche ich die dritte Spalte der Replik des Herrn Deutsch zu lesen, und zwar vom Passus: ,lieber die Weise des Jischtabacli etc." und es dürste einleuchten, dass hier von einem Misverständniße kaum die Rede sein kann. Im griechischen Tetrachord-System lautete die phrygische Scala d e f g a 11 c d, während die von Glareanus (16. Jahrhundert) ausgestellte phrygische Tonleiter e f g a 11 e d e lautete; dass ich mich für diese letzte phrygische Scala als Ausgangspunkt unserer Oisebtabaeb-Singweise nicht bcgeistern kann, dürfte nunmehr nicht auffalleu. Ich hätte bezüglich Nr. 240 und namentlich Nr. 255 der Vvrbeterschule Mannigfaches zu sagen; da ich jedoch demnächst den Gegenstand! eingehender zu behandeln Gelegenheit haben werde, so nehme ich