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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1886-06-27 · Heft 21 (27.6.1886) · p. Seite 7

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
6 (1886)
Issue
Heft 21 (27.6.1886)
Date
1886-06-27
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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7י Menschenmenge nahm nun eine drohende Haltung an, und einem Jeden drängte sich die Geschichte von Tisza-Eßlar ans. Nach stundenlangem Suchen musste die Commission cibziehcn, da sich ein zu rituellen Zwecken ermordetes Mädchen nirgends sinden ließ. Dass etwas ״Rituelles^ bei der Behörde angezeigt wurde, beweist schon der Umstand, dass die jüdischen Gemeindevorsteher von dem ganzen Vorgang weder vor noch nach der Untersuchung verständigt wurden. Ferner ist es höchst auffallend, dass der jüdische Stadtarzt zu der ganzen Untersuchnng nicht zngezogen wurde. W. I. Mertm, Anfang Juni. (Orig.-Corresp.) Eine Beschneidüng im Gefängniße dürste wohl noch nie oder nur höchst selten vorgekommen sein. Es wird daher die Leser Ihres geschätzten Blattes interessiren, von einem solchen Ereignis Kunde zu erhalten: Im hiesigen Control-Gefängnis sitzt nämlich eine jüdische Frau von auswärts, die vor einigen Tagen von einem gesunden Knaben entbunden wurde. Ihr Wunsch, das Kind nach unserem Ritus in den heiligen Bund Israels aufnehmen zu lassen, fand seitens der humane!. Behörde das bereitwilligste Entgegenkommen, und so wurde der heilige Act der Beschneidnng in einer leeren, aber freundlichen Jsolirzelle des Centralgefängnijzes feierlich vollzogen. Als Mohel fnngirte Herr I. Danziger aus Berlin, dem wir Beide, unser Rabbiner und meine Wenigkeit, assistirten. Eine ebenfalls daselbst detenirte junge, hübsche Hebamme ans Berlin leistete uns hierbei anerkeunenswerthe Dienste. Nach der iigentlichen Bris Min setzten wir uns au den schön polirfen Tisch und verzehrten unser mitgebrachtes frugales Mahl, bestehend aus einer — trockenen Semmel, die wir uns recht gut schmecken ließen. Der silberne Kelch wurde nun mit — Nosinenweiu vom Neuem gefüllt und wir tranken auf das zukünftige Wohlergehen unseres kleinen unschuldigen Glanbensbruders, der so ganz unfreiwillig in diesen Räumen das Licht der Welt erblicken musste. Nachdem wir zum Schlüsse noch das übliche Tischgebet mit den Hurachmons gesprochen, verließen wir tiefbewegt das Gefängnis. MnstsHnf!. lieber die sephardische Gemeinde in Rustschuk berichtet ein Correspondent des Jew. Chron. Diese Gemeinde verdient die Beachtung des Reisenden in hohem Grade. Sie wird als die civilisirteste Bulgariens betrachtet und ihre Mitglieder weisen in der That alle Merkmale moderner Civilisation auf, sie kleiden sich fast j ausnahmslos nach europäischer Weise. Auch das Innere der Häuser bietet im Allgemeinen einen gewissen Grad von Comfort, wiewohl sich mitunter ein Mangel an Geschmack geltend macht. Der Tisch wird in europäischer Weise gedeckt, Tischtücher sind allgemein, und jeder Speisende erhält ein besonderes vollständiges Besteck. Selbst in den reichsten Familien versieht die Hausfrau die Küche selbst und es wird ihr nie in den Sinn kommen, den Dienstboten dieses Departement zu überlassen. Durchgängig sind die Sitten der Männer und Frauen von äußerster Reinheit und lassen sie auf das Vortheilhafteste von ihrer Nachbarschaft abstcchen. Bemerkenswerth ist der Unterschied im Typus der Männer und der Frauen. Die Erstereu siud überaus lebhaft und eindrucksfähig, die Frauen sehr schön, so hervorragend! schön sogar, wie man sie iin Orient selten sindet. Leider gewöhnen sie sich von ihrer frühesten Jugend au daran, ihre Gesichter zu bemalen, und diese Malerei schädigt ihre Gesundheit ungemein, so dass jede Frau, welche irgend die Mittel dazu besitzt, alle Jahre eine Badereise zu unternehmen gezwungen ist. Jntellectuell stehen die sephardischen Juden höher als der Durchschnitt der Bevölkerung, und dies ist wohl auch der Grund, dass der gesummte Handel von Rustschuck, namentlich das Bankgeschäft, sich in ihren Händen besindet. Sie stehen mit allen Handelscentreu Europas in Verbindung und genießen einen großen Credit. Die im Jahre 1874 gegründete Alliance-Schule hat ungemein dazu beigetragen, dass die Jugend eins bessere Erziehung erhielt, und die jungen Leut.׳, welche aus dieser Schule hervorgegangen sind, werden namentlich wegen ihrer Sprachkenrnniße sehr gesucht. — Wann die sephardischen Inden sich zuerst in Rustschuk niedergelassen haben, lässt sich jetzt nicht mehr mit Bestimmtheit angeben, der Sprache nach zu urtheilen, müssen sie direct aus Spanien eingewandert sein. Sie besitzen zwei Synagogen, von denen die eine sehr schön ist, während die andere ein mehr als bescheidenes Aussehen hat. Die von der Alliance gegründeten Schulen für Knaben und Mädchen sind vortrefflich und ihre Resultate, wie bereits bemerkt, ausgezeichnet. Die Gebäude siud durch die Großmut des Baron von Hirsch in Paris erbaut worden und kosten der Gemeinde nicht einen Pfennig. Die Bndgethöhe der Gemeinde beträgt 12.000 Frs., die der Schulen 10.000 Frs., außer der Beisteuer der Pariser Alliance und einer solchen, welche die Wiener Alliance jähr-!ich zahlt, damit Unterricht in der deutschen Sprache ertheilt werde. In dem allgemeinen Brrdget sind 6400 Frs. für die Erziehung armer Kinder enthalten. Außerdem exiftiren eine Anzahl von Wohlthäligkeits- Vereinen, unter denen die Gesellschaft Bikkur Cholim sich besonders auszeichnet; sie besorgt für die Kranken nicht nur Arzt und Medizin, sondern versieht ihn auch während der Krankheit und der Reconvnles» cenz mit geeigneter Nahrung. Das Eingreifen der Alliance hat zur Folge gehabt, dass viele Knaben sich den! Handwerkerstände zugewendet haben. Die Folge hiervon ist wieder, dass man in Rustschuk jüdische Bettler nicht kennt, wiewohl einige arme Familien vorhanden sind; sie sind zum Betteln zu stolz. Correspondenz der Nedaetion. Fr. in Kr. Wir haben Ihr Schreiben erhalten und werden hievon Gebrauch machen. Wer College ״Minnachel" ist, können wir Ihnen vorläufig nicht mittheilen/ Lin L. Erscheint in nächster Nummer. Gruß. L. in L. Die Singer'fche Broschüre erhalten Sie in den nächsten Tagen. Gruß. L. in Pard. Es besteht hier ein Handwerkerverein, der Knabe muss nach Wien kommen, sich Armuths- und Lchnlzeugniße mitbringen, dann kann er hier eventuell Aufnahme finden. Sk. in Czec. Sie haben bei uns noch ein Saldo von Ihrer früheren Stellung Mag. — R. in M. Kr. Unseres Erachtens ist fetzt die geeignete Zeit für diese Reife. Werden übrigens genaue Informationen einholen. Offert. ״Ein junger Cantor, 25 Jahre alt, ledig, musikalisch gebildet, Tenorist, befähigt den Gottesdienst mit Chor- und Orgelbegleitung zu leiten, der gegenwärtig das 5. Jahr einer Gemeinde ' vorsteht, wünscht seinen Posten mit Ende August zu verändern. Gefällige Auskunft ertheilt die Redaction.“ Sehr feine חלפים Schlachtmesser erzeugt der Messerschmiedmeister J. Follner Wien, Josefstadt, Hanptstrasse 45. Bestellungen aus der Provinz werden billigst und prompt effectuirt. CONCUBS. In der hiesigen isr. Cultus-Gfemeinde ist die Stelle eines zeitgeinässen Cautors, der zugleich Paskener! ׳ש1הט ובודק וקולא zu sein hat, am 1. September d. J. neu zu he- | setzen. Jahvesgehalt 600 fl. sowie freie Wohnung, halbe! Schechita und übliche Emolumente. Bewerber um diesen t Posten wollen ihre diesbezüglichen Gesuche mit legalisivten! Belegen über Quaüfication, bisherige Verwendung nebst Alters und Eamilienzahl-Angabe an den Gefertigten längstens 26. Juli 1. J. einsenden. Ein מוהל wird bevorzugt. Auf Probevortrag können nur die Berufenen erscheinen. Reisespesen werden ausschliesslich dein Aeceptirten vergütet. I B. 6 y u 1 a, im tJuni 1886. i Moriz Deutsch, Gemeinde-Präses.! Ooxic־mxs. Die Synagogenverwaltung der! Stadt Dukla (Galizien) eröffnet hiemit, dass der Posten eines •חן mit einem Jahresgehalte von 400 fl. und bedeutenden Emolumente zu besetzen ist. Bewerber müssen sich binnen zwei Monaten bei der Verwaltung anmelden. Nur dem Aeceptirten werden Reisespesen vergütet. Dukla, iin Juni 1886. Goncurs. In der Israel. Gemeinde Neugedein (Böhmen) ist die Stelle eines Cantors, der zugleich Religions- 1 obrer, Koreh, Schochet, Ubodek ist, zu besetzen. Gehalt 400 fl. fix, freie Wohnung, 200 fl. Schechitaerträgnis und die üblichen Emolumente. Bewerber um diesen Posten wollen ihre mit Zeugnissen belegten Gesuche bis 15. Juli einsenden. CONCUBS In der isr. Cultusgemeinde Nagy-Magyar (Pressb. Com.), ist am 1. September a. c. die Stelle eines Vorbeters, der zugleich Koreh, Schochet, Ubodek sein muss, zu besetzen. Gehalt 400 fl., freie Wohnung, 1 Klafter Holz, Steuerfreiheit und bedeutende Nebenemoluraente. Hierauf Reflectirende haben sich mit ihren von anerkannten orth. Rabbineu autorisirten. Zeugnissen nebst Angabe des Alters franco an den gefer־* tigten Vorstand zu wenden. Diejenigen, welche auch die Fähigkeiten besitzen, bei der Gemeinde die Schriftführerstelle zu führen, werden bevorzugt. Nur die Berufenen werden zum Probevortrage zugelassen und dem Aeceptirten die Spesen vergütet. Leop, B6ichvQh6r§, Vorsteher.

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