Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 6 (1886)
- Issue
- Heft 21 (27.6.1886)
- Date
- 1886-06-27
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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s Die Spruche der Gebete Israels. Von Dr. A. cLörvy, Bezirks-Rabbiner in Butschvwitz, Mähren. (Schluß.) Als dem N. Jose berichtet wurde, dass N. Zehuda Hanoßi in Cäsaren das Schmagebet in griechischer Sprache zu verrichten verbieten wollte, sprach er sich öffentlich gegen den Patriarchen aus und behauptete: Wer der hebräischen Sprache unkundig ist, erfülle vollkommen seine Pflicht, wenn er die Gebete in der ihm verständlichen Sprache verrichtet (Jevusch. Sota III 1). Auch Megilaß Ester dürfe in der Landessprache am Purim vorgetragen werden, dort, wo man hebräisch nicht versteht, ist die Ansicht des 91. Maua. Eine alte Boreissa überliefert uns folgende Controverse der Gelehrten. N. Jehuda Hanoßi behauptet: Das Schmagebet müsse in der Ursprache verrichtet werden, weil die Worte (5 B. M. 6, 7) ״והיו הדברים האלה .אשר אנכי מצוך היום על לבבך" darauf Hinweisen, dass sie in der unverfälschten Ursprache gelesen werden müssen. Gegen diese Dccisiou erhob sich die Majorität mit der Behauptung, dass das erste Wort שמע nicht nur .höre', sondern auch ,verstehe, begreife, erkenne' bedeute, mithin der des Hebräischen Unkundige in der ihm verüändlichen Sprache das Schmagebet verrichten dürfe שמע בכל לשון שאתה שומע. Des Maimonides Urtheil darüber ist folgendes: Wer das Schmagebet in einer anderen Sprache zu verrichten gezwungen ist, hüte sich vor grammatikalischen Fehlern und spreche die Worte so genau aus, wie er dieselben in der hebräischen Sprache auszusprechen verpflichtet ist (Jad Chasuka 210). 2m Orach Chajim (Kp. 62, 2) wird in demselben Sinne geurtheilt, nur wollen Einige das Verbot, in der aramäischen Sprache zu beten, aufrecht erhalten. Im 185- Kapitel daselbst wird dieselbe Verordnung auf das übliche Tischgebet angeordnet; die Tossafiften dehnen diese Bestimmung auf daS liallel, Kiddusch und die üblichen Segenssprüche vor und nach dem Genüße der Früchte ans (Sota 32 a). Im Iernschalmi (Sota 7, 1) wird von dem Satze ודברת בם der logische Schluss gefolgert, dass man das Schmagebet in jeder dem Betenden verständlichen Sprache verrichten dürfe. Diese angeführten Citate illustriren zur Genüge, von welchem Geiste des Liberalismus unsere Lehrer der Vorzeit beseelt waren, sie zeigen deutlich, dass sie nicht vom Hauche des starren Fanatismus angeweht waren, auch der Dämon der Intoleranz schien sie nicht beherrscht zu haben, denn ihre Urtheile tragen der Zeit, dem Orte und den bestehenden Verhältnißen Rechnung. Auch sie hegen den sehnlichsten Wunsch, dass die Gebete Israels nicht zur Carricatur eines bloßen Lippengeschwätzes herabgezerrt werden, und stellen zum obersten Grundsatze auf, dass die zu verrichtenden Gebete zunächst von den Betenden verstanden und gründlich a u f g c f a s s t werden müssen, sollen ,sie wohlthnend auf Herz und Gemülh derselben cinwirkcn und sie erbauen. Denn nur Derjenige, der den den Gebeten innewohnenden Geist gründlich erforscht, der mit den geheimsten Gängen der hebräischen Sprache vertraut ist, kann mit wahrhafter Andacht beten. Wie kann aber eine wahre Andacht im Gotteshause erzielt werden, wenn die Beter mit dem Sinne der Gebete nicht vertraut sind? Wie können die die Synagoge Besuchenden Erbauung im Gotteshause finden, wie können sie zur Andacht geweckt werden, wenn sie die Gebete, die sie zum Allvater emporscnden, nicht selbst verstehen? Wir sind weit davon entfernt, die hebräische Sprache aus der Synagoge verbannen zu wollen, wir erkennen im Gegentheile die! hohe Wichtigkeit und Bedeutung der heiligen Sprache, wie wir dies im Eingänge unserer Abhandlung betonten; die hebräische Gebetssprache bleibt das Einigungsmlttel des ganzen Volkes Israel in allen Richtungen der Windrose, sie vermittelt in unserer Mitte die Brüderlichkeit, Herzlichkeit und Gemüthlichkeik unter uns, sie erinnert uns lebhaft an das Alter, nnseres Stammes- und unseres Glaubens, dessen wir uns mit gerechtem Stolze rühmen können, es soll daher nur in 'hebräischer Sprache, wie׳ es unsere Urahnen gelhan, gebetet werden, aber wir wollen an die heilige Pflicht erinnern, die uns obliegt, dieselbe zu pflegen und gründlich zu stndiren. Insbesondere ' soll cs ein wichtiges Gebot für den Cantor der Jetztzeit sein, die Gebete, die er der״ Gemeinde vorträgt, um dieselbe zur Andacht zu erwecken, gründ׳ lich zu stndiren, damit er durch sein eigenes Verständnis der Gebete in die Lage versetzt werde, sich der rechten und echten Mitte! zu bedienen, um Andacht und Erbauung bei den Betern hervorznrnfen. Auch der vom Cantor dirigirte Chor soll unseres Erachtens׳ durch den Cantor zum Verständniße der Gebete geführt werden, damit auch derselbe von der Heiligkeit seiner Aufgabe durchdrnngen werde. In der Schule sei es wieder heilige Pflicht der Jugendbildner, dass sie den Schwerpunkt auf die gründliche Uebersetzung der wichtigsten Gebetstücke legen, damit das Kind frühzeitig nicht nur mit den Lippen, sondern mit Geist und Herz zu beten verstehen lerne. Nur durch diese angeführten Mittel könnte es ermöglicht' werden, eine wahrhafte Andacht der Beter in den Gotteshäusern- Israels hervorzurnfen; dann ist auch die Hoffnung vorhanden, dass unsere modernen, prachtvollen, aber leider von Betenden spärlich besuchten Tempel sich wieder füllen werden, das Be-׳ dürfnis zum öffentlichen Gebete wird sodann wieder allgemeinfühlbar werden und successive gelangen wir dahin, dass auch die die modernen Tempel Besuchenden mit freudiger Begeisterung, sich gegenseitig zurufen werden, die wahrhaft Herz und Gemüth erhebenden Worte des gottbegnadeten heiligen Sängers ,1ישמהנ באומרים לנו בית ה" נלך♦* Wir freuen uns, wenn man zu unsspricht, wir wollen in das Haus Gottes wallen. Emgesendet. Au die geehrten Herren C o l l eg e n! Die von mir seinerzeit angegebenen Verbesserungen meiner ,Casualgesänge' sind bereits vollendet. Ich bitte daher die geehrten Herren College» im In- und Auslande, die das Werk besitzen, von Seite 3 bis 24 — Titel und Seite 25 bleiben dort — unter Kreuzband׳ zu retourniren, wofür ich chaun die verbesserte Auflage sofort einsenden werde. Ich ersuche — wenn nicht brieflich — wenigstens auf der Adresse den Namen und Wohnort des Absenders genau anzugeben, damit ich ohne Zweifel die Versendung vornehmen kann. Mit collegialem Gruße Ad. Grünzweig. Kleine Chronik HLndapest. Ans Tolna wird folgende Affaire berichtet, welche׳ unter der dortigen jüdischen Bevölkerung große Aufregung verurfachte: Die jüdische Gemeinde baut ein neues Schulhaus auf dem-׳ selben Platze, wo das alte Gebäude gestanden ist, welches jetzt niedergerissen wirb. Am 19. d. M. erschien dort eine Commission, bestehend ans dem Stuhlrichter, einigen Panduren und zwei christliehen Bezirksärzten, begannen überall zu suchen, Nachgrabungen vorzunehmen und einige Mauern abzutragen. Selbst das jüdische Bet- Haus wurde untersucht und auch das Ovou kakodesch durchforscht. Niemand wusste, was man' eigentlich suchte. Die angesammelte׳