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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1886-06-27 · Heft 21 (27.6.1886) · p. Seite 3

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
6 (1886)
Issue
Heft 21 (27.6.1886)
Date
1886-06-27
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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3 die wir nach fleißigem Studium aus der Natur dieser Tonsyfteme selbst noch gewinnen werden — ausznarbeiten, respective von 9ceuem zu schaffen. (Fortsetzung folgt.) Unsere Ritnalgesringe. Duplik von (Lantor Aeutsch. Herr College Singer ist so freundlich, meine Art zu debattiren gegenüber einer andern, ,die nur eine verblüffende aber nirgends überzeugende Wirkung ttjutlobend hervorzuheben. Ich würde mich für diese Anerkennung aufrichtig dankbar erklären, wenn ich mich rühmen könnte, auch überzeugender als Andere gewirkt zu haben. Nach der Replik des Herrn Collegen Singer scheint mir dieser Erfolg noch weit, im Felde zu liegen, und werH weiß, ob ich je die Freude haben werde, ihn zu erreichen. Zunächst bezeichnet der Herr College meine Hinweisung auf die Verwandtschaft unseres Nitualgesanges mit den Kirchentonarten' als zu dürftig für die Jnformirung unserer Collegen. Da hat er vollkommen Recht, denn die Erfahrung hat bereits gelehrt, dass die meisten unter ihnen stärkerer Reizmittel bedürfen, um sich für dies Gebiet zu interessiren. Ob der Herr College Singer mit feiner erweiterten Erklärung glücklicher sein und ihnen ,die Einsicht in den Entwicklungsgang der Kirchentonarten' erleichtern wird, bleibt abzuwarten; ihre neuesten Kundgebungen in diesem hochgeschätzten Blatte sind nichts weniger als ermuthigend. Ferner hält Herr College Singer meinen ,blos beiläufigen Hinweis' als geradezu gefährlich, weil die minder Eingeweihten zu der Meinung verleitet werden können, ,dass der Synagogengesang den Kirchentonarten entlehnt ist/ An derselben Stelle aber (Vorrede zur Vorbeterfchule), wo von der fraglichen Verwandtschaft die Rede ist, habe ich gleichzeitig meine Vermuthung ausgesprochen und zu begründen versucht, dass unser Nitualgesang auf die jerusalemischen Tempelgesänge zurückzuführen sei, und dass aus diesen erst die Feststellung der Kirchentonarten resultiren dürfte. Allerdings habe ich diese Meinung unter aller Reserve kundgegeben, weil die gelehrtesten Musikhistoriker bis auf unsere Tage noch nicht einig darüber werden konnten. Hat Herr College Singer, wie er sagt, reichhaltige, unantastbare Beweise, die meine Vermuthnng bestätigen, würde ich, und nicht ich allein, ihm für die Mittheilung derselben sehr dankbar sein. Mir will es aber scheinen, dass der Herr College in seiner lebhaften, von einem glühenden Nationalgefühl beflügelten Phantasie Glauben und Wissen nicht mehr unterscheidet, und daher auch weiterhin von weltberühmten Gesängen, die unser Volk bereits vor 2000 Jahren aufführte, so sicher spricht, als hätten neueftens ausgegrabene Davidische Partituren ihm Vorgelegen. Die zweite Spalte der Replik habe ich von Zeile 21 bis ans Ende derselben wiederholt und mit immer wachsender Verwuuoerung gelesen. Die Tonarten, die ich unserem Ritualgesange zu Grunde gelegt habe, sind Gregorianische, entstanden bereits im 6. Jahrhundert und behaupteten ihre Geltung zu jeder Zeit. Anfangs wurden sie mit ,erste, zweite, dritte u. s. w. Tonart^ bezeichnet, später erst wurden ihnen griechische Benennungen angepasst, die sich in Folge eines Misverständnißes verwirrten und schon bei Hucbald in umgekehrter Reihe auftraten, so dass die jonische lydisch, die dorische phrygisch u. s. w. genannt wurde. Ich bediente mich der Nomenclatur, welche dauernd bis auf unsere Tage sich erhielt und von den Theoretikern übereinstimmend gebraucht wurde. Man sieht, es handelt sich hier lediglich um die Namen der Tonarten und nicht um diese selber. Die Tonarten standen bereits im sechsten Jahrhundert fest und sind mit Nichten ein Ergebnis der Zeit von Hucbald bis Glareanus, die mit der Aufstellung dieser 6 Tonarten durchaus nichts zu schaffen hatten. Dass der Herr College Singer mit dem Namen brevi manu auch die Tonarten vom 6. ins 16. Jahrhundert schiebt, ist um so unbegreiflicher, als er doch selber in seiner Broschüre 4 von den fraglichen 6 Tonarten als Ambrosianische anführt. Die Spitze des aus 33 Zeilen bestehenden Passns. wo Herr College Singer gleichsam die Feder hinlegt, um eine mir untergeschobene Ansicht großmüthkg unbestritten zu lassen, erscheint doch zu sonderbar, wenn man erwägt, aus welchem Zrrthnm sie heransgewachsen, und wäre ich selber jetzt geneigt die Feder hinzulegen, wenn nicht das qui pro quo, die Verwechslung nämlich der Tonarten mit ihren Namen, die Replik des Herrn Singer wie ein rother Faden durchzöge. In der dritten Spalte verlegt er zum zweiten Male, anstatt die Nomenclatur, die Tonarten ins 16. Jahrhundert, und damit nicht genug, werden in der vierten Spalte ausdrücklich dorisch, jonisch und lydisch zum dritten Male dem 16. Jahrhundert zugeschrieben und als 300jährig erklärt. Den weitern Einwürfen des Herrn Collegen in der dritten Spalte muss ein Misverftändnis zu Grunde liegen. Von der phrygischen Kirchentonart, nicht von der Ji s e h t ab a eh- Weise, sagte ich, dass die große Terz häusig bei Cadenzen oder zu modulatorischen Zwecken verwendet wurde, und zwar von den K i r ch e n c o m p o n i st e n , dass unsere Sänger sich vielleicht verleiten ließen, die große Terz als leitereigen zu betrachten und zu behandeln und dass, wenn dieser Vorgang wirklich stattgefunden, die ckisebtabaeb-Tonart sich aus der phrygischen entwickelt, und folglich jünger ist als diese. Wo hätte ich den Versuch gemacht, die cklsobtabaeb-Weise mit ,Gewaltmaßregeln* auf die unverfälschte phrygischs Tonart zu basiren? Auf dieser basiren die Nummern 240, 244, 255, 449 (nicht 249 wie in der zweiten Anmerkung des Herrn Collegen irrthümlich angegeben), und bei diesen Melodien ist die große Terz, wo sie auftaucht, der Modulatioustou zum Aeolischen. Die ersten acht Zeilen der vierten Spalte sind bereits oben von mir gewürdigt worden. Zn den darauffolgenden Einwürfen habe ich Folgendes vorauszuschicken. Die Vorbeterschule enthält zu al borischonim zwei Melodien und zu akdomos gleichfalls zwei, und ich habe versäumt, die Nummern 163 und 192, die ich im Sinne hatte und die unbestreitbar das Gepräge ehrwürdigen Alters aufweisen, anzugeben. Dass dem Herrn Collegen die Wahl frei־ blieb, von zwei anderen Nummern auszugehen, habe ich also selber zu verantworten; gleichwohl, meine ich, hätte die gar nicht hieher gehörige Nummer 67 ihn aufmerksam machen müssen, dass anders Nummern gemeint sind, denn er durfte mir gar nicht Zutrauen, dass ich eine offenbare disobtabaob-Weise für eine jonische ansehe. Dass der Herr College ato ecbod für eine Mögen owaus- Weise und die 86b6mon6 esre zu den drei Feiten für eine di8ebtabaob-Wcise erklärt, ist recht bedauerlich. Bedauerlich, weil hier alle Kriterien uns evident zeigen, dass die Intonationen zu ato echod und der sebemone esre jede andere Tonart mit Ausnahme der dorischen ausschließen, hier also der Zauber so recht zu Tage tritt, den die di8obtabaob-Tonart auf den Herrn Collegen übt und ihn in einer Weise für sich einnimmt, die jede Hoffnung, zu einer endlichen Verständigung mit ihm zu gelangen, schwinden lässt. Und nun fährt der Herr College im

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