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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1886-06-19 · Heft 20 (19.6.1886) · p. Seite 6

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
6 (1886)
Issue
Heft 20 (19.6.1886)
Date
1886-06-19
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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B - e — wenigen Monaten behufs Erlangung des nöthigen Knabcnmaterials an größere galiziscke Gemeinden gerichteter Aufruf ergab, dass sich über 700 Aspiranten, unter denen sich viele Gymnasial«, Neal- und absolvirte Volks׳ und Bürgerschüler befinden, und ferner eine große Anzahl von Jünglingen im reiferen Alter um Aufnahme bewarben, ein sprechender Beweis, dass die jüdische Jugend Galiziens die schwerste körperliche Arbeit nicht scheut. In den letzten Tagen hat die Auswahl der Knaben und die Verthcrkuug der als geeignet Befundenen an die Landwirthe in Galizien und der Bukowina stattgefunden. *) Außer den vorgenannten, für spcciellc Handwerkszwccke uns gewordenen Widmungen hat uns in gewohnter Munificenz der Chef des Wiener Hauses Rothschild für dieses und das Pariser Haus bereits im Jahre 1884 einen namhaften Credit für Unter« richts« und humanitäre Zwecke in Galizien eröffnet, den wir nach einem vereinbarten Maßstabe von uns selbst bestrittener Auslagen in Anspruch nehmen dürfen und auch theilwcise bereits in Anspruch genommen haben. Einzig und allein dieser Credit und diese materielle Basis haben es uns möglich gemacht, Mit der Thätigkeit in Galizien einen Anfang zu machen und wenn heute das, was wir an strebten, Leben gewinnt und Andere zu Leistungen anspornt, so danken wir dies auch diesmal der großmülhigen Initiative des Herrn Baron Albert von Nothschild. Von einer anderen munificentcn Seite sind uns gleichfalls erhebliche Subsidicu für eine Reihe von Jahren zngesagt worden. Indem wir diesen edlen Wohlthätern an dieser Stelle den wärmsten und verbindlichsten Dank aussprechen, verbinden wir mit demselben den durch die Sachlage vollberechtigten Wunsch, dass diese hochherzigen Beispiele vielseitige Nachahmung finden mögen. Wir haben heute die Ueberzeugung, dass die für die galizischen Juden aufzuwendenden Beträge gute Früchte . tragen werden.. .. Während man unter dem Zwiste der religiösen Parteien bisher alle Versuche scheitern sehen mußte, ist es uns als neutraler auswärtiger Körpferschaft — und es ist die Ansicht maßgebender galizisch-jüdischer Kreise, dass es nur so möglich war — gelungen, auf neutralem Boden die Kinder beider Parteien ohne Zwang zu vereinigen und die Jugend auf verschiedenen Wegen der reellen physischen Arbeit zuzuführen. Eine Anzahl von knapp 3000 Ällianzmitgliedern steht im entschiedensten Misverhältniße zur Zahl jener Glaubensgenossen in Oesterreich-Ungarn, welche Beiträge zu einem so großen Culturwerke zu leisten berufen wären.... Wir richten hier das dringendste Ersuchen an sämmtliche Herren Gemeindevorstände, Rabbiner, Prediger und Lehrer, an die wohlthätigen jüdischen Frauen, insbesondere aber an unsere Freunde, Förderer und Mitglieder in Wien, uns durch Mehrung der ständigen Jahresbeiträge, durch Zuwendung von Spenden bei Familienfesten werkthätig zu unterstützen. *) Die erste Auswahl der Knaben fand an vier Hauptpunkten statt, u. zw.: in Lemberg, Tarnopol. Krakau und Czernowiß. Von den sehr zahlreich angemeldetcn Zöglingen konnten vorläufig nur ca. 200 anfgenommen und unterzebracht werden. Der Andrang war ein überaus starker, da sich immer neue Bewerber in großen Massen melderen, die jedoch wegen Mangels an Plätzen vorerst abgewiesen werden mußten. — Die angemeldeten Zöglinge wurden zunächst ärztlich untersucht und die tauglich befundenen sodann von der von uns eingesetzten Commission, bestehend aus unseren Vertrauensmännern und einigen Grundbesitzern, überprüft, worauf die Nufgenommencn bekleidet und nach ihrem Bestimmungsorte dirigirt wurden. Emgksendet. Geehrter Herr Redacteur! Ersuche um Aufnahme nachfolgender Zeilen in Ihr geschätztes Blatt: 1. ) Zu Nr 18, p. 2, bemerke ich dem wackeren und verdienstvossen Mitarbeiter Minnachel, auf den ich בדרך דרוש daS Schrift» wort anwende: מנהל בדרך ישתה, Minnachel (das übrigens sicher ein nom de guerre ist), der den Weg weiß, ירים ראש p ׳על dass ursprünglich nur die Worte: עמן יהא שמא רבא בברך לעלם ולעלמי ולעלמדא von der Gemeinde gesagt wurden; (fiehe meine Notiz hierüber im ,Ung. Israelit* 25. Mai 1886, p. 103 Spalte 2). 2. ) Herrn Cantor A. Singer bemerke ich auf seine Frage betrcsss des 30. Sabbaths, dass den Neujahrstag (ראש השוה) als 1. Sabbath gerechnet und die übrigen Sabbathe und Feiertage (Versöhnungstag, Laubhnttenfest) hinzugesnzt, der 30. Sabbath der Sabbath vor P e s a ch, noch heutzutage gewöhnlich הגדול .der Große* genannt, war. Auch in der christlichen Kirche wird der Samstag vor Ostern mit dem besonderen Namen, CH a r s am sta g, lateinisch Sabbatum magnum (also gleich שבת הגדול) auch Sabbatum sanetum genannt. Da an dem שבת הגדול zu Jerusalem und später in den Akademien sich eine große Versammlung (Kallah) eiufand, um die Vorträge der Gelehrten anznhören, so glauben wir mit Recht schließen zu dürfen, dass die christliche Religion den Namen des Labbat. magnum wie das m eiste Liturgische der jüdischen entlehnt habe. P i sek, den 3. Juni 1886. Rabb. Dr. M. Grünwald, Redacteur des jüdischen Centralblnttes. Geehrter Herr Redacteur! Dem Wunsche vieler Cossegen entsprechend, werden Sie hiemit höflichst ersucht, in unserem Organe, der .österr.-ungar. Cantoren- Zeitung" asse in der ,N. fr. Presse*, .Pester Lloyd*, dem .Prager Tagblatte', ״Prager Abendblatt* sowie in anderen periodischen Zeit-׳ schriften erscheinenden Concurse für Cantoren und Lehrer — wenn auch nur einmal — veröffentlichen zn wollen. Die 'meisten Cantoren auf dem Laude stnden keine andere Gelegenheit, von einem ausgeschriebenen Posten zu erfahren, als ans diesem Wege, da sie erstensnicht viel Zeit zum Lesen haben und überhaupt nicht asse die angeführten Blätter abonniren können. Hochachtungsvoss Ein Cantor für Viels. Anmerkung der Nedaction : Wir sind gerne bereit, diesem Wunsche unserer Cossegen' nachzukommen, doch müssen wir hierin von ihnen in zweifacher Weise unterstützt werden. Erstens mögen sie, sobald irgend eine Vacanz ihnen bekannt wird, uns sofort hievon verständigen, und zweitens sei es ihr Bestreben, assen Einfluss in der Gemeinde dahin aufznwenden, dass die Concurse für Cantoren und Lehrer vvn Seite' deS Vorstandes in jenem Blatte inserirt werden, in welches sie in erster Reihe hineingehöreu, nämlich in der ״österreichisch׳- n n g a r i s ch e n C a n t o r e n - Z e i t u n g.4 Kleine Chronik Wreran. (Orig.-Corresp.) Am 1. Schewnothtage feierte Over-׳ cantor Grünberger das 25jährige Jubiläum feiner hierortigen Amtsthätigkeir, das sich zu einer solennen Kundgebung zn Ehren deS Jubilars gestaltete. Während des Vormittagsgottesdienstes wurde Obercantor Grnnberger vor die Thora gerufen, bei welcher Gelegen-׳ heit Cantor Herz in würdiger und tief empfundener Weife einen von Rabbiner Dr. Tauber verfassten Mischeberach mit Unterstützung des׳ . .

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