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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1886-06-19 · Heft 20 (19.6.1886) · p. Seite 5

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
6 (1886)
Issue
Heft 20 (19.6.1886)
Date
1886-06-19
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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MWWWWM Jahresbericht der israelitischen Allianz in (S ch l u ß.) Wie in Stryj regten wir auch an andern Punkten Galiziens, wo zahlreiche jüdische Kinder die öffentliche Schule besuchen, ohne einen Religionsunterricht zu genießen, zum Zwecke der weiteren Förderung des Besuches solcher Schulen die Anstellung leistungsfähiger Neligionslehrer an, welche wir, wie bereits bemerkt, überall( mit der doppelten Mission betrauten: mit der Ertheilung des Religionsunterrichtes einerseits, und andererseits mit derjenigen des profanen Unterrichtes in den Abendstunden an die noch das Cheder besuchenden Kinder. So bewilligten wir der Cultusgemeinde Zolkiew zur Erhaltung eines Neligiouslehrers eine Subvention von fl. 100 pro 1885/86, dem Ortsschulrathe in Nohatyn zur Anstellung eines Neliginoslebrers für die verhältnismäßig zahlreiche, die beiden dortigen öffentlichen Schulen besuchende jüdische Zugend eine jährliche Subvention von fl. 150 auf 3 Jahre. Einen nicht zu unterschätzenden Fortschritt glauben wir in Stanislau erzielt zu haben, wo schon im Mai d. Z. eine regelrechte, vorerst zweiclassige Volksschule durch unsere Initiative eröffnen wird. Wie groß übrigens die von Seite der jüdischen Bevölkerung aller Schichten dieser Schulgründung entgegengebrachte Sympathie ist, zeigt schon der Umstand, dass in Stanislau sofort zur Gründung einer Filiale unserer Allianz geschritten wurde, welche gleich Anfangs circa 150 Mitglieder zählte. Die Schule wird aus vier Classen bestehen. Für den Anfang jedoch werden nur zwei Classen eröffnet, d. i. die erste und zweite Elaste. Die Eröffnung der weiteren Classen erfolgt successive. — Das Statut der Schule, sowie das Lehrprogramm finden Sie als erste Beilage in unserem Berichte abgedruckt. Der Andrang der um Aufnahme sich bewerbenden Knaben wird als ein sehr großer bezeichnet. An der Anstalt werden neben dem Schulleiter zehn Lehrer wirken, u. zw. fünf geprüfte Lehrer für den profanen und fünf für den hebräischen Unterricht. Die Erhaltungskosten sind auf fl. 6000.— jährlich bemessen, wovon wir jährlich fl. 4000.— zu tragen haben, während die restlichen fl. 2000.— aus den einfließenden Schulgeldern bemittelter Kinder aufgebracht werden müssen. Im Ganzen wurden, wie Sie aus dem Rechnungsabschlüsse zu entnehmen belieben, für Beiträge zu Schulgründungen, Einrichtungs- und Erhaltnngskosten, Subventionen 2c. fl. 12.694-88 im Jahre 1885 verausgabt. So befriedigende Resultate auch die hier angedeuteten Ansänge ztt Tage gefördert haben, und so groß auch die materiellen M ittel sein mögen, welche schon diese beanspruchen, so beflnden wir uns doch erst - im einleitenden Stadium der uns für die galizischen Glaubeusbrüder erwachsenden Aufgaben und werden wir denselben erst dann die geplante Ausdehnung geben können, wenn es gelingt, dafür die Mitwirkung des großen Publikums zu gewinnen. Wir müssen umso eifriger bestrebt sein, unsere dermalen leider noch spärlichen, in keinem Verhältniße zu den an uns herantretenden ^Ansprüchen stehenden Jahreseinkünfte zu vergrößern, als wir es ja nicht bei den Schnlgründungen bewenden lassen können, vielmehr hauptsächlich dahin zielen müssen, die jüdische Jugend Galiziens, soweit es nur unsere Kräfte gestatten, dem Handwerke und dem Ackerbaus zuzuführen. Und auch nach diesen beiden Richtungen haben wir bereits mit allem Nachdrucke zu arbeiten begonnen. Was zunächst das Handwerk anbelangt, so haben wir, nachdem wir früher einige galizisch-jüdische Zöglinge bei hiesigen Handwerkern un-ergebracht hatten, unser Augenmerk auf die iw Galizien bereits bestehenden Vereine zur Förderung des Hand- Werkes unter den dortigen Juden gerichtet, welche wir zu unterstützen gedachten, um es ihnen zu ermöglichen, die jüdische Jugend in größerem Maße, als dies bisher der Fall war, dem Handwerke zuzufübren. Als für diese Zwecke sehr geeignet, bo׳: sich uns die Bernsteinstiflung in Lemberg dar, welcher wir zur Aufnahme von 25 neuen Handwerközöglingen eine jährliche Subvention von fl. 2500 auf vier Jahre bewilligten. Eine einer anderen Körperschaft in Galizien für diese Zwecke zugesagte Subvention ist bis jetzt noch nicht in Anspruch genommen worden. Wir ließen es jedoch hiebei nicht bewenden. Wir hatten nämlich inzwischen die Ueberzeugung gewonnen, und sie wird auch von allen maßgebenden Körperschaften und Persönlichkeiten in Galizien getheilt, dass nur die Errichtung von gut geleiteten Musterwerkftätten zu dem gewünschten Ziele führen könne. Und die in dieser Richtung gepflogenen Recherchen und Berathungen ergaben das Resultat, dass man nothwendig damit beginnen müsse, in West- und Ost-Galizien wenigstens je eine, mehrere Werkstätten umfassende und mit fachlichem Unterrichte verbundene Handwerkerschule zu gründen. Obgleich nun die hiezu erforderlichen Geldmittel ganz bedeutende sind, so sind die diesbezüglichen Vorarbeiten bereits so weit gediehen, dass wir uns der Hoffnung hingeben dürfen, Ihnen schon das nächste Mal über die inzwischen erfolgte Gründung einer Handwerkerschule Bericht erstatten zu können. Es sind uns von zwei ausgezeichneten Menschenfreunden Anbote gemacht worden, wonach der eine derselben unter gewissen, erst sestzustellenden Bedingungen eine Werkstätte für mehrere Handwerke auf seine Kosten erbauen lassen will, während uns von dem durch seine Humanität berühmten Freiherrn von Hirsch in Paris vorläufig eine Summe von Francs 25.000 für die Erhaltung einer Handwerkerschule zur Verfügung gestellt wurde. Die bisher für diesen Zweig unserer Lhätigkeit aufzewendeten Kosten betrugen im abgelaufenen Jahre laut des beiliegenden Ausweises fl. 2885. Große Schwierigkeiten stellen sich dem dritten Punkte unseres galizischen Actionsprogrammes: der Zuführung der jüdischen Jugend zum Ackerbane entgegen, da in dieser Richtung noch keine wie immer gearteten Vorarbeiten, an welche man anknüpfen könnte, im Lande vorhanden sind und wir es hier mit etwas ganz Neuem zu thun haben. Diese Sache beschäftigte uns durch lange Zeit und wir haben schon vor einigen Jahren auf Antrag unserer Filiale in Tarnopol eine Anzahl von Stipendien für jüdische, eine galizische Ackerbauschule besuchende Zöglinge creirt. Aber damit war wenig gethan. Denn abgesehen davon, dass die auf diesem Wege der Feldarbeit zuzuführende Zahl der Zöglinge nur eine verschwindend kleine sein kann, so sind diese überdies, wenn sie den Curs absolvirt haben, bloße Theoretiker, welche es im besten Falle zu Aufsehern 2c. bringen; wir aber wollen praktisch geschulte, echte und rechte Ackerbauer heranbilden. Es gelang uns, jüdische Grundbesitzer und Pächter in Galizien und der Bukowina dafür zu gewinnen, dass sie Knaben im Alter von 15 Jahren und aufwärts in Gruppen von etwa je 5—10 aufnehmen, um sie zu tüchtigen Feldarbeitern auszubilden. Wie Ihnen aus unseren letzten ,Mittheilungen* bekannt ist, haben sich auf unsere Anregung jüdische Landwirthe bereit erklärt, eine größere Anzahl von Zöglingen gegen dem aufzunehmen, dass die Allianz für deren Bekleidung und Unterricht Sorge trage. Ein von uns vor i! t

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