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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1886-06-19 · Heft 20 (19.6.1886) · p. Seite 7

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
6 (1886)
Issue
Heft 20 (19.6.1886)
Date
1886-06-19
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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"7׳ Chores vortrug. Auch iu der d.r Thoravorlesung folgenden Predigt feierte Rabbiner Dr. Tauber den Jubilar in beredten Worten. ,.Zum 25. Male am Schewuothfeste", sagte er, ״lässt heute der Jubilar in Prerau feine herrliche Stimme ertönen, und er hat es verstanden, durch mächtig ergreifenden Vortrag die Seel: von Alt und Jung wie vordem zur Andacht zu erheben, zum Preise und Lobe des Schöpfers und zur Verherrlichung des Gotteshauses. 25 Jahre einer Gemeinde in Liebe und Hingebung anzugehören, ist gleich ehrenvoll für den Jubilar wie für die Gemeinde; denn Licht und Schatten wechseln oft wetterwendisch im Gemeindelebeu, und nur zielbewusstes, hingebunzsvolles, charakterfestes Wirken lässt die Sonnenstrahlen des Erfolges glänzend durch alle Wolken hervorleuchten. 25 Jahre ist ein kurzer Zeitabschnitt, aber ein langer und inhaltsreicher für einen bewährten Cultusbeamten. Er sah Geschlechter kommen und gehen, . aber die Achtung und Liebe feiner Gemeinde ist ihm geblieben. Alle freuen sich mit ihm, Alle wetteifern, ihren wohlverdienten Obercantor und Gemeindesecretär auszuzeichneu und zu ehren. Ich bin als Rabbiner nur der Dolmetsch der Gefühle, die Sie alle, meine Andächtigen, bewegen, indem ich dem ehrenwertheu, würdigen Vertreter des Gottesdienstes und Tempelgesanges im Namen Aller zu seinem Jubelfeste gratulire und mit unserem Textesworte ihm zurufe: ״Xuul goclaul wlau josaf.“ Seine Stimme möge auch fernerhin ihren Wollaut und ihre andachtserhebende Wirkung bewahren, zur Wonne der ihn hochehrenden Gemeinde. Für uns aber gilt das ״ua’asse wenisclima“, wir wollen hiuzuthun, ihn in seiner Stellung zu fördern, damit er fernerhin in feinem heiligen Amte erstarke und zur Hebung und Verherrlichung des Gottesdienstes weiter in Liebe und Friede thätig bleibe." Nach beendigtem Gottesdienste begaben sich die Vorsteher der Cultnsgemeinde und des Frauenvereines in die Wohnung des Jubilars, dem vom CnltuSvorsteher namens der genannten Körperschaften ein namhaftes Ehrengeschenk überreicht wurde. Eine herzliche Ansprache des Herrn Dr. Tauber beschloss die officiells Feier. Die private trug einen sehr herzlichen Charakter. Den ganzen Tag kamen und gingen Gratulanten. Es war ein großes Familienfest, das der Jubilar feierte. Vor! zahlreichen College» und Freunden kamen Briese und Telegramme. Der Jubilar schien an seinem Ehrentage jünger geworden zu sein. Seine Stimme klang während des Gottesdienstes so glockenhell, so festesfreudig wie vor 25 Jahren. Er schien sich für diesen Tag das Vierteljahrhnndert vom Leibe gesungen zu haben. Möge es dem wackeren Vertreter unseres Stande» noch durch eine Fülle von Jahren gegönnt sein, seinem schwierigen Amte in einer der hervorragendsten Cultnsgemeinden Mährens zu obliegen. Arad. (Original-Cvrrespondenz.) Schon in den ersten Jahren deS laufenden Jahrhunderts, als Israel noch in den Armen seiner von kabbalistischen Ideen umdüfterten Rabbis iu zauberhaften Ammenmärchen eingelullt schlummerte, und nur hie und da nach langer finsterer Zeit von den warmen Strahlen der im Westen unseres Welttheils aufgegangenen Sonne der Aufklärung wach gerüttelt wurde, war es schon Arad, das unter dem religiösen Banner eines Cholin fortschrittliche Reformen in Synagoge, Schule und Gemeinde angestrebt. Seit dem Tode dieses für Religion und Wissenschaft des Judenthums dem Zeitstrome vorangeerlteu Kämpen gieng es, den heterogenen Elementen der eigenen Gemeinde, so wie der einer radikalen Reform abholden Umgebung wohlbedacht Rechnung tragend, immer Schritt für Schritt vorwärts. — Die geistige Betriebsamkeit jedoch, die in Deutschland jene alles Gerolle mittelalterlicher, trüber Zeitläufe deckende Neublüthe auch auf liturgischem Gebiete geschaffen, konnte in ihrem Umzüge auch hier, wo der Sinn für alles Bessere und Schöne so frühzeitig geschärft war, nicht ohne nachhaltigen Gewinn vorüberziehen. Man fand die Gebete um Wiederaufbau des Tempels in Jerusalem, um Heimkehr ins gelobte Land und solche, in welchen die partikularistische Stellung Israels iu schmeichelhaften Zügen ausgeprägt erscheint, ferner solche, die Serafim und Ange-- lologie, mystische Buchstaben»Spielereien u. f. w. enthalten, nicht für zeitgemäß und ist nun daran, das mehreren fortschrittlichen Synagogen als Norm dienende Geiger'sche Gebetbuch auch hier einzuführen. — Können wir nun über die einer Neugestaltung der gottesdienstlichen Synagogen-Neform empfänglichen Gemüther der Großgemeinde Arad unser vollstes Lob bekunden; so fehlt uns der treffende Ausdruck, die Tüchtigkeit ihrer Träger und Leiter in Worten darzustellen. Die letzten Schebuothtage, die wir in Arad verlebt und au welchen wir uns ganz dem Tempel gewidmet, verschaffte uns die Neberzsuguug, dass hier eine Reform nicht allein einen fruchtbaren Boden finden wird, sondern dass sie in ihrem Emporwuchse gepflegt und gewartet unter der geistigen Leitung des Oberrabbiners, Herrn Dr. Rosenberg, und verherrlicht im Hellklange der mächtigen Stimme des Obercantors Herrn D. Kohn, ein Musterbild heimatlichen Fortschrittes werden wird. Hat uns der eminente Redner mit seinem sinnreich rhetorisch vollendeten Vortrage begeistert, so Hai uns der kunstvolle Sänger mit seinem sonoren Silbertoue und seiner ererbten Fertigkeit ritueller Gesangsweisen, wie nicht weniger der wohlgeschulte Chor unter Leitung des bewährten Meisters Grünzweig wahrhaft entzückt, und mit dem Wunsche: O dass es überall so wäre! Q dass überall die Reform solche Förderer und Führer wie in Arad fände, verließen wir in gehobener Stimmung nur ungern e das uns liebgeworsene Gottes- Hans. — G. EottöttS (Orig.-Corresp.) lieber die Macht des jndich e n Glauben s. Hier lebt ein junger Mann, Namens Mendelssohn, Sohn des Bankiers Mendelssohn aus Leipzig, Urenkel des großen nnsterblichen Moses Mendelssohn und Neffe von F lix Mendelssohn-Bartholdi. Obgleich als Katholik geboren und erzogen, hängt er doch mit Leib und Seele au der Religion seiner Urväter und verkehrt ausschließlich in jüdischen Kreisen. Auch unsere Synagoge besucht er oft und gern, wobei er mir versicherte, dass er in jüdischen Bethäusern stets die innigste Erbanung finde und zur höchsten Andacht gestimmt wird. Erkennt mau nicht auch hierin die Macht deS jütischen Glaubens? Unsere Nachbarstadt Forst kann sich gratnlireu 1 Wie nämlich aus einer Annonce im hiesigen ,Anzeiger" ersichtlich, wurde dort am ״Himmelsfahrtstage" ein Missionsfest abgehalteu, bei welcher Gelegenheit der ״Hof"-Pretiger Stöcker aus Berlin die Festpretigt hielt. Wohl bekomm»! , A. Z. Aellknversndcrlmgen. College I. Teuusubaum von Karlsbad nach Stuttgart. — College A. Lazarus nach Neuhaus (Böhmen). — College E. Weiß von Königsberg a. E. nach Zwittau (Mähren). (Sämmtlicheu Herren Collegeu entbieten wir unsere herzlichsten- Glückwünsche zu ihrem Amtsantritte. Die Red.) Correspondenz der Nedaetion. h. in Kop. Den gesandten Betrag für Rest 1885 gutgebucht. L. in Wolk. Ihr Abonnement ist bis 1. April beglichen. Dr. L. in B. Schluss Ihres Artikel»-in nächster Nummer. D. in Br. Ihr Artikel erscheint in nächster Stummer, da er nach Abschluss dieser Nummer einlangts. Kl. in Sz. Sie restirenblos 75 kr. L. in Wal. Sie haben noch 20 kr. nachzusendeu. L. in Wot. Der Posten in T. ist bereits besetzt, haben Sie Geduld, es wird sich schon etwas Paffendes bieten. E. W. in Zw. Werden in dieser Angelegenheit beim Vorstände in K. Nachfragen und über das Resultat in unserem Blatte berichten. Die Herren Abonnenten, welchen wir die Begleichung des alten Restes in Ratenzahlungen bewilligten, werden ersucht Punktlicher zu sein. Die Nedaetion.

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